Fußball | 3. Liga CFC-Notvorstand zu Siemon-Vorgehen: "Es ist absurd"

Wenige Tage vor der Mitgliederversammlung steht der Notvorstand des Chemnitzer FC unter Dauerbeschuss von Insolvenzverwalter Klaus Siemon. Dessen Aktionen kosten den Notvorstand nicht nur wertvolle Zeit bei der Vorbereitung. Sie seien, so das Gremium, "absurd" und würden die Rechtssicherheit der MV gefährden. Dem Notvorstand geht es nach eigener Aussage nicht um einen Machtkampf, sondern lediglich um die Wahrung der Mitgliederrechte.

Erst die erneute Androhung der Liquidation des Chemnitzer FC e.V., dann eine Antrag auf Haft für den Notvorstand. Es vergeht kein Tag ohne eine neue Meldung im Streit zwischen CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon und dem Notvorstand des insolventen e.V.. Nun reagiert das vom Amtsgericht eingesetzte Gremium in Person von Annette Neuerburg zu Wort, deren Aufgabe es eigentlich nur ist, die für Montag (19. August, 18:30 Uhr in der Messe Chemnitz) geplante Mitgliederversammlung vorzubereiten.

"Ich nehme die Aussagen von Herrn Siemon zur Kenntnis. Aber als Juristin lese ich das und sage 'Es ist absurd'. Ich sitze jetzt nicht zitternd hinterm Schreibtisch", erklärte Neuerburg, Teil des dreiköpfigen Notvorstandes. Gemeinsam mit Andreas Georgi und Frank Sorge steht sie im Fadenkreuz des Insolvenzverwalters. Die letzte Stufe der Eskalation war der Antrag auf Haft für den Notvorstand während der Zeit der Mitgliederversammlung. Grund hierfür ist der Streit über die Kandidatenliste zur Wahl des neuen Aufsichtsrates.

Siemon will eigene Liste durchdrücken

Die Liste, die der Ehrenrat am Freitag veröffentlichte, ist nicht nach den Vorstellungen von Siemon. Die Gesellschafter der GmbH wären darauf nicht genügend vertretend gewesen. Diese Argumentation schmettert Neuerburg ab. Dort hätte man aber schon klare Kompromisse gemacht: "Die Gesellschafter sind auch auf dieser Liste in der Überzahl. Wir hatten vor der Veröffentlichung schon Bauchschmerzen, da zu wenige Fans und zu viele Gesellschafter auf der Liste stehen."

Für Siemon ist das nicht genug. Entweder werde eine Liste zur Abstimmung gestellt, mit Personen, die seine Zustimmung haben, oder er werde Rechtsmittel und Schadensersatzansprüche geltend machen. "Außerdem können Zuwiderhandlungen zur Liquidation des CFC e.V. führen", erklärte Siemon in einem internen Schreiben.

Ein Unding für Neuerburg: "Er [Klaus Siemon, Anm. der Redaktion] versucht, seinen Kopf gegen die Rechte der Mitglieder durchzusetzen. Entweder nehmen wir seine Liste, oder er will uns verhaften lassen. Und das kommt von jemanden, der sonst immer von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit spricht."

Annette Neuerburg, Notvorstand beim Chemnitzer FC
Annette Neuerburg Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Er versucht, seinen Kopf gegen die Rechte der Mitglieder durchzusetzen. Entweder nehmen wir seine Liste, oder er will uns verhaften lassen. Und das kommt von jemanden, der sonst immer von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit spricht.

Notvorstand Annette Neuerburg über Insolvenzverwalter Klaus Siemon

Rechtssicherheit der Mitgliederversammlung gefährdet

Für Neuerburg habe die vom Insolvenzverwalter vorgelegte Liste einen großen Haken. Teile der dort aufgeführten Kandidaten seien keine richtigen Mitglieder des e.V., sie sind in einer Phase in den Verein aufgenommen worden, als dieser während des Insolvenzverfahrens gar keine passiven Mitglieder habe aufnehmen dürfen. Die Aufnahme-Beschlüsse wurden von den damaligen Vorständen Thomas Sobotzik und Thomas Uhlig unterschrieben. Auch hier sieht Neuerburg ein großes Problem: Die Beschlussfähigkeit des Vorstandes. Diese habe es nicht gegeben, da Sobotzik nie wirksam zum Vorstand bestellt worden sei.

Klaus Siemon und Thomas Sobotzik
Klaus Siemon mit Thomas Sobotzik und Thomas Uhlig (v.l.). (Archiv) Bildrechte: imago/Picture Point

Deswegen könne die Kandidatenliste für den Aufsichtsrat von Siemon gar nicht zur Abstimmung stehen. "Eine 100-prozentige Rechtssicherheit für die Mitgliederversammlung haben wir nur, wenn entsprechende Mitglieder gewählt werden," so Neuerburg. Etwas resignierend fügte sie hinzu: "Ich habe aufgegeben, den Sinn hinter all dem zu verstehen!"

Treffen mit Gesellschaftern geplant

Zudem bekräftigte Neuerburg auch noch einmal, dass es dem Notvorstand nicht um das eigene Wohl geht: "Es ist auch falsch, wie stets berichtet wird, dass es sich hierbei um einen Machtkampf handelt. Es geht uns nicht um Macht, es geht um die Wahrung der Mitgliederrechte. Ich bin nur bis zum 31.08. als Notvorstand bestellt." Zudem erklärte die Juristin, dass es vor der Mitgliederversammlung am Montag noch zu einem Trefen zwichen Gesellschaftern, sowie Notvorstand und Ehrenrat kommen solle.

Es ist auch falsch, dass es sich hierbei um einen Machtkampf handelt. Es geht uns nicht um Macht, es geht um die Wahrung der Mitgliederrechte.

Annette Neuerburg Notvorstand Chemnitzer FC e.V.

Amtsgericht lehnt Haftantrag ab

Unterdessen soll das Amtsgericht Chemnitz den Antrag auf Haft abgelehnt haben. Wie die "Freie Presse" berichtet, sei dies geschehen, "da die Voraussetzungen nicht vorliegen". Diese hatte das Amtsgericht Klaus Siemon in einem Schrieben mitgeteilt. Auch die Einflussnahme auf die Wahl der Vereinsgremien sei nicht zulässig. Die "Freie Presse" zitiert das Schreiben, dass "keine Berechtigung des Insolvenzverwalters [besteht], die Wahl der Vertretungsorgane des Vereins zu beeinflussen, in dem diese beispielsweise von der Zustimmung des Verwalters abhängig gemacht wird".

Zuvor hatte ein Sprecher des Amtsgerichts dem MDR bestätigt, dass die Aussichten auf Erfolg für den Haftantrag sehr gering seien. Das war jedoch nur das Ergebnis einer vorläufigen Prüfung. Für eine Bestätigung der finalen Ablehnung war am frühen Mittwochabend beim Amtsgericht niemand zu erreichen.

Stadt Chemnitz will sich zur Situation nicht äußern

Bisher sehr ruhig geblieben in dem ganzen Streit ist die Stadt Chemnitz. Obwohl der Name der Stadt in den letzten Wochen durch die ganzen Querelen eher negativ in den Schlagzeilen ist, schweigt man im Rathaus. Auf MDR-Nachfrage wollte man sich auch am Mittwoch nicht zur aktuellen Situation äußern.

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Zuletzt aktualisiert: 15. August 2019, 17:53 Uhr

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16 Kommentare

15.08.2019 15:47 tommes 16

Hauptsache der Kampf gegen die sog. Rechten wird durchgeführt! Weiter so in den Abgrund CFC!

15.08.2019 15:29 Nachbar 15

Vor was haben die Chemnitzer eigentlich Angst? Dass der CFC für paar Jahre von der Profibühne verschwunden ist? Ich Habs schon mal gesagt: Macht einen ehrlichen Schnitt und fangt in der Landesliga wieder an. Dann wirds auch wieder aufwärts gehen. Andere haben es so gemacht. Sonst gibt es ei. Schrecken ohne Ende.

15.08.2019 12:15 ROT-WEIß RATTE 14

Ziemlich lustig das ganze bei euch. Schaut nach Erfurt, wir backen kleine Brötchen. Wir EFU'S amüsieren uns jeden Tag über euch... Ich will ja nichts sagen, aber wir haben es euch gesagt, ja wir haben es gesagt... Simon, bester Mann in eurem Laden... Gruß Klaus

15.08.2019 10:48 s.c. 13

Bernhard @5, Verstehe ich Sie richtig, Ihnen ist alles egal, Hauptsache der CFC bleibt im Vereinsregister!!?? Richtig Bernie, Recht und Gesetz, wer braucht das schon!? Da stehen wir drüber oder sch…. einfach drauf, die Genossen bei der FIFA machen es ja seit Jahren vor. Oder bei der UEFA, da heißt ein Verein mal FC Salzburg und mal irgendwie anders, ja nach Wettbewerb der gespielt wird. Lehnen wir uns also zurück, öffnen ein Döschen Kaltgetränk, betrachten aufmerksam und konzentriert die Verkaufshinweise in den Werbeblöcken oder auf den Werbebanden und lassen uns weiter das Gehirn absaugen! Der Rubel muss rollen, es lebe der moderne Fußball. Das Vereinsregister ist doch nur noch das Geschenkpapier, das kann man auch mal runter reißen. Wie naiv kann man sein @Bernhard? Für die richtigen Fans und Mitglieder des CFC tut mir dieses Theater aufrichtig leid. Das Verhalten des Herrn Siemon ist abartig und der Sinn dahinter erschließt sich mir nicht! Ich bin gespannt auf Montag!

15.08.2019 10:43 jörg 12

Zur Wahrheit gehört wohl auch, daß für die jetzige Lage niemand anderes verantwortlich ist als gewisse Leute, die vor ein paar Jahren mit einem durch nichts untersetzten, völlig überteuerten Kader versucht haben, auf Teufel komm raus aufzusteigen. Mir tun eigentlich nur die Fans und die Ehrenamtler leid. Dynamische Grüsse

15.08.2019 09:09 Marcel 11

So wie Siemon in die Offensive geht, sollte der CFC es auch tun und die Absetzung des Insolvenzverwalters beantragen. Sein rigoroses Vorgehen mag bei einer Firma funktionieren, bei einem Verein, der von seinen Fans LEBT, wird das nicht funktionieren. Er lebt in seiner "Insolvens-Welt" und verliert dabei den Blick für das Wesentliche.

15.08.2019 06:54 Roccos 10

Absurd ist das Verhalten beider Seiten. Wie kleine Kinder. Georgi und Simon weg und zwei neue ran. Ein Ende mit diesen Kleinkriegen. Manchmal hab ich das Gefühl umso intelligenter Menschen sind umso dümmer sind sie eigentlich. Siehe diese beiden Rechtsvertreter.

15.08.2019 03:33 Bürger 9

Bin gespannt, wann beim CFC für den einen oder anderen Entscheidungsträger Zwangsjacken vom IV verordnet werden. Ich frage mich wie Bergner und Co. unter diesen Bedingungen überhaupt noch an die 3. Liga denken können. Frahn weg, Bozic bald auch? Macht den Laden doch dicht oder jagt den IV dahin, wo er hingehört, in die Wüste.

14.08.2019 21:55 Sv Ampfurth 8

Knipst endlich das Licht aus und macht es in der LL wieder an.Kann das gelabere nicht mehr Hören und Sehen.
Landesliga ist doch auch ganz schön

14.08.2019 21:42 AlterFuchs 7

@3 Torsten:
Falsch und nochmal Falsch. Die Fans hatten nie Mitspracherecht. Die Mitglieder des e.V. schon. Und dieses erlischt nicht mit der Insolvenz. Wo bitte soll das stehen.
Und du scheinst von RB zu sein. Anders ist nicht erklärbar, wie du es gut findest, wenn die Geldgeber das Sagen haben. Die 50+1 Regel verbietet genau das.
Die Stadt hat aktuell mit Simon gar nichts gewonnen. Der aktuelle Aufstieg ist durch seine Kriegsführung nur Schall und Rauch. Der CFC und die Stadt stehen schlechter da als durch die Insolvenz.

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