Fußball | 3. Liga CFC vor der Rettung? Notvorstand und Investoren einigen sich

Vier Tage vor der Mitgliederversammlung haben sich Notvorstand und Investoren unter Vermittlung politischer Vertreter auf die Kandidaten für den neuen Aufsichtsrat und Ehrenrat des Chemnitzer FC e.V. geeinigt. Zudem soll das Nachwuchsleistungszentrum beim Verein bleiben. Derweil haben mehrere Fanclubs aus Protest vor allem gegen Insolvenzverwalter Klaus Siemon und Geschäftsführer Thomas Sobotzik zum Boykott des Heimspiels gegen den 1. FC Magdeburg am Freitag (16. August) aufgerufen.

Logo des CFC am Stadion
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Siemon nicht vorab informiert

Annette Neuerburg und Frank Sorge, aktuelle Mitglieder des dreiköpfigen Notvorstandes des Chemnitzer FC, werden auf der mit großer Spannung erwarteten Mitgliederversammlung des Vereins, die für kommenden Montag (19. August, 18:30 Uhr in der Chemnitzer Messehalle) angesetzt ist, für den neuen Aufsichts- (Neuerburg) beziehungsweise Ehrenrat (Sorge) kandidieren.

Am Donnerstag (15. August) - vier Tage vor der Mitgliederversammlung - sind die beiden siebenköpfigen Kandidatenlisten offiziell bekanntgegeben worden. Die Bewerber für den Aufsichtsrat wurden vom aktuellen Ehrenrat vorgeschlagen. Neben Neuerburg stellt sich auch der erst im März aus dem Gremium zurückgetretene Norman Löster zur Wahl. Weiterhin treten Katrin Johst, Doreen Pfeifer, Tino Kermer, Knut Müller und Olaf Pönisch an. Die Mehrheit der Anwärter gehört zu den Investoren der Fußball GmbH.

Klaus Siemon
Wie reagiert Insolvenzverwalter Klaus Siemon auf den Kompromiss? Bildrechte: imago images /Picture Point

Zu den vom gegenwärtigen Notvorstand aufgestellten Kandidaten des zukünftigen Ehrenrates gehören neben Sorge noch Uwe Heß, Dr. Eberhard Langer, Mario Lengtat, Wolfgang Meyer, Jürgen Rotter und Jürgen Sager.

Darüber, wer die Vermittler aus der Stadt- und Landespolitik gewesen sind, wurde Stillschweigen vereinbart. Die Beteiligten bestätigten dem MDR, dass Insolvenzverwalter Klaus Siemon vorab nicht über die Kandidatenlisten informiert wurde. "Die Inhalte sind im Wesentlichen nicht mit Herrn Siemon abgestimmt. Relevant ist für uns, dass wir den Weg für die Zukunft des CFC insbesondere von der wirtschaftlichen Seite ebnen. Der sportliche Teil wird dagegen von den Sportlern, den Trainern, vom Sportvorstand oder Sport-Geschäftsführer begleitet. Das ist der zentrale Punkt und darüber besteht Einigkeit", erklärte Udo Pfeifer, Investor der CFC-Spielbetriebs GmbH.

Nachwuchsleistungzentrum soll beim Verein bleiben

Alle Gesprächsteilnehmer erarchteten die Vorschläge nach eigenen Aussagen "als einen tragfähigen Kompromiss" - gleichfalls solle die Mitgliederversammlung diese "im Interesse des Forbestandes des Chemnitzer FC e.V. bestätigen."

CFC-Nachwuchstrainingszentrum
Geht es nach Notvorstand und Investoren, bleibt das NLZ dem Verein erhalten. Bildrechte: imago images / HärtelPRESS

Auch zur noch ungeklärten Zukunft des Nachwuchsleistungszentrums äußerte man sich. "Nach einem ausführlichen, unter politischer Vermittlung geführten Gespräch" zwischen der Mehrheit der Gesellschafter und des Notvorstandes sowie Ehrenratsmitgliedern sei man sich einig, "dass das Nachwuchsleistungszentrum natürlich unter dem Dach des Chemnitzer FC e.V. erhalten und fortgeführt werden soll", hieß es in der gemeinsamen Pressemitteilung des e.V. und der Fußball GmbH der Himmelblauen.

Fans wollen Heimspiel gegen FCM boykottieren

Desweiteren haben mehrere Fanclubs der Chemnitzer zu einem Boykott des nächsten Heimspiels aufgerufen. In einem Informationsflyer mit der Überschrift "Wir lassen uns nicht erpressen", der auf mehreren Internetseiten am Donnerstag veröffentlicht wurde, kritisieren die Anhänger vor der Partie gegen den 1. FC Magdeburg (Freitag, 16. August, ab 19 Uhr - im Liveticker auf sport-im-osten.de) neben Insolvenzverwalter Klaus Siemon und den Gesellschaftern der Fußball-GmbH des CFC auch Trainer David Bergner sowie Geschäftsführer Thomas Sobotzik.

Der Fanszene e.V. rief die Anhänger in diesem Zuge dazu auf, die Heimspiele der beiden Junioren-Bundesliga-Teams des Vereins zu besuchen. Am Freitag empfängt die U19 RB Leipzig im Sportforum (17:30), tags darauf trifft die U17 an gleicher Stelle auf ihre Altersgenossen von Energie Cottbus (13 Uhr).

Fans des Chemnitzer FC fordern: "Siemon raus".
Die Fans Bildrechte: imago images / Picture Point

"GmbH dort treffen, wo es ihr am meisten wehtut"

"Der Trainer kritisiert nach dem HSV-Spiel erneut die eigenen Fans, trotz bedingungsloser Unterstützung der Mannschaft. Thomas Sobotzik spricht vielen Anhängern die Liebe zum eigenen Verein ab", heißt es in dem Aufruf. Die Anhänger befürchten, dass die "50+1"-Regel ausgehebelt und die "Schaffung eines Konstruktes a la RB Leipzig" vorangetrieben werden soll.

Dieser Weg ließe sich nicht mit den Werten und Interessen der Fans vereinbaren, erklärten die Initiatoren des Fan-Boykotts. "Aus diesem Grund möchten wir zum Heimspiel gegen den 1. FC Magdeburg ein Zeichen setzen und die GmbH dort treffen, wo es ihr am meisten wehtut: In ihrem Geldbeutel".

"Um den sportlichen Aspekt geht es aktuell in keinster Weise! Spieler kommen und gehen, was bleibt ist der Verein. Dieser ist in akuter Gefahr!", heißt es in dem Aufruf. Die Unterzeichner des Aufrufs fordern unter anderem den Erhalt des insolventen Chemnitzer FC e.V. und des Nachwuchsleistungszentrums.

Siemon mit Kandidatenliste offenbar einverstanden

Nach MDR-Informationen hieß es am späten Donnerstagabend aus Investorenkreisen, dass Insolvenzverwalter Siemon grundsätzlich mit der Einigung über die Kandidatenliste für die Wahl des neuen Aufsichtsrates auf der Mitgliederversammlung am Montag einverstanden sei.

red/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 15. August 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2019, 23:02 Uhr

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37 Kommentare

17.08.2019 23:05 himmelblau 37

Ich glaube nicht, dass das schief geht. Ein ausgewogenes Kandidatenfeld sieht anders aus, aber Personen wie Neuerburg und vor allem Löster geben Grund zur Hoffnung. Stark bleiben und alles Gute für die MV! Es geht um den Erhalt des CFC e.V.!

17.08.2019 18:39 The Sentinel 36

Der CFC muss erhalten bleiben, ohne irgendeinen Insolvenzverwalter.

Mitglieder des CFC legt alle zusammen und kauft den Verein auf, dann habt ihr selber Das Sagen.

Lasst Euch nicht unterkriegen.

Jagt den Siemon zum Teufel und schießt den Sobotzik auf die Rückseite des Mondes.

DER CFC MUSS LEBEN!!!

17.08.2019 16:35 Pit M. 35

@mdr: das neuste Video zur Causa CFC e.V. / GmbH finde ich sehr gut, weil hier das Vorgehen von Herrn Siemon mal wirklich kritisch hinterfragt wird. Sehr gut.

17.08.2019 14:59 MeinerEiner 34

Das ist so schlecht, MDR! Wie kommen Ihre Mitarbeiter auf die Idee, einen derart anerkannten und professionell arbeitenden Insolvenzexperten wie Herrn Klaus Siemon anzugreifen, zu diffamieren? Das ist ganz schlechter Stil. Das ist die Bestätigung, dass Sie in den letzten Monaten nichts begriffen haben. Hoffentlich weitet der CFC seinen Boykott Ihnen gegenüber aus und behält ihn noch lange bei. Sie haben die professionelle Arbeit der GmbH nicht verdient. Senden Sie einfach nur über die Vereine, die so gern nach Ihrer Nase tanzen. Das passt, das genügt Ihrem Niveau. Für höhere Qualität genügt es nicht.

17.08.2019 12:00 TYPISCH PL-FUHRE-ANDY: PLAUENS PATRIOT UND ALL IHRER GEMEINDEN UND INSTITUTIONEN IM LANDKREIS 33

Das geht doch wieder schief.

17.08.2019 10:24 Günther Schmidt 32

Dem vorgenannten Kommentaren stimme ich zu. Löster und Neuerburg werden garantiert gewählt. Die anderen Kandidaten haben es schwerer und werden an ihren Versprechungen gemessen. Selbst Magdeburg hat gestern mit einem Spruchband in Chemnitz mit dem CFC solidarisiert ''TeBe, Chemnitz, überall... Mitgliederrechte wahren!''

Ich hoffe auf eine erfolgreiche Mitgliederversammlung!

16.08.2019 18:48 Stephan 31

Ich kann mich nur dem Kommentar von Himmelblau anschließen. Ich stand im Pokalspiel gegen Hamburg in der Südkurve, es war gruselig, was man da zu hören bekam. Es gibt da einen guten Spruch. Wenn man von einem Sachverhalt keine Ahnung hat, einfach mal den Mund zulassen. Sportlich tut es mir auch um Frahn leid, aber er hat nicht verstanden, dass er eine öffentliche Person ist. Und da stellt man sich eben nicht zu denen, die wir beim Club nicht haben wollen.

16.08.2019 14:50 Hermann 30

Wie hier alle N. Löster als symathischsten Kandidaten und glaubwürdigsten Vertreter hervorheben. Ganz einfach: Weil sie Recht haben!

ABER : Er alleine oder A. Neuerburg werden die Interessen des NWLZ nicht wahren können, auch wenn wir Mitglieder ihnen vollumfängliche Unterstützung zusprechen. Da müssen die Gesellschafter am gleichen Strang ziehen. Ob ein Herr Pfeifer wirklich geeignet ist für eine Führungsposition wird sich zeigen. Wie es heißt soll er sich für einen Vorstandsposten interessieren.

16.08.2019 14:39 Himmelblau 29

Eigentlich sollte man als CFC Anhänger froh sein, dass der Club trotz Insolvenz in der 3. Liga spielen kann. Daran haben die Herren Sobotzik und Siemon meines Erachtens einen großen Anteil. Wenn auch nicht jede Entscheidung glücklich war. Ein Fan Boykott ist für mich (und ich gehe seit 1973 zum Club) nicht nachvollziehbar, denn die Mannschaft hat es ohnehin nicht leicht. Wenn allerdings die geistig unterbelichteten Neonazis auch zu Hause bleiben, bringt es eigentlich doch etwas.

16.08.2019 13:11 Jan Eichhorn 28

Meine Hoffnung ist das die Gesellschafter erkannt haben das es mit dem e.V. und einem anderen IV durchaus eine Chance auf einen vernünftigen Fortbestand des Fußball in Chemnitz möglich ist.
Mit Simon jedenfalls nicht!
Die Gesellschafter sind Chemnitzer und haben allein die Macht ihn abzusetzen.

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