Fußball | 3. Liga Chemnitz in Würzburg in Unterzahl ohne Chance

34. Spieltag

Im Kampf um den Klassenerhalt hat der Chemnitzer FC bei Aufstiegskandidat Würzburg eine deutliche Niederlage kassiert. Gegen die starke Offensive der Kickers musste der CFC lange Zeit in Unterzahl spielen.

Der Schiedsrichter zeigt dem Triner die rote Karte 7 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sport im Osten Sa 20.06.2020 16:30Uhr 06:58 min

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Die Drittliga-Luft bleibt für den Chemnitzer FC sehr dünn. Am Freitagabend kassierten die "Himmelblauen" bei Aufstiegsaspirant Kickers Würzburg in Unterzahl eine klare 0:3-(0:0)-Niederlage. Chemnitz bleibt nach der 14. Saisonniederlage vorerst zwar Tabellen-16., kann am Sonntag bei einem Sieg des FSV Zwickau (gegen Ingolstadt) aber auf einen Abstiegsplatz abrutschen. Würzburg klettert mit dem 17. Saisonsieg zwischenzeitlich auf den zweiten Tabellenrang.

Schiedsrichter Wolfgang Haslberger zeigt Lennard Maloney  2, Chemnitzer FC die Gelb-Rote Karte nach einem Zweikampf mit Dominic Baumann FC Wuerzburger Kickers im Mittelfeld.
Bildrechte: imago images/Beautiful Sports

CFC: Platzverweise gegen Glöckner und Maloney

Ein doppelter Platzverweis gegen Chemnitz und ein Doppelschlag für Würzburg nach der Pause waren die beiden Knackpunkte im Spiel. In den ersten 30 Minuten entwickelte sich ein offenes Spiel - Würzburg hatte spielerisch mehr von der Partie, aber Chemnitz hielt dagegen. Dejan Bozic hätte die Gäste aus Sachsen sogar in Führung bringen können (17.). Es sollte die einzige Großchance für den CFC im Spiel bleiben.

Nach 30 Minuten sah erst der Chemnitzer Coach Patrick Glöckner nach einem Ballwegschlagen und einem höhnischen Applaudieren Richtung Schiedsrichter die Gelb-Rote Karte. Zwei Minuten später flog CFC-Abwehrspieler Lennard Maloney mit Gelb-Rot vom Platz (32.) - dabei war das Einsteigen Maloneys vor beiden Gelben Karten eher von der Kategorie "Allerweltsfoul".

Doppelschlag entscheidet Partie

In Überzahl hatten die technisch starken und personell stark besetzten Unterfranken nun leichtes Spiel. Bis zur Pause vergaben die "Rothosen" vier Hochkaräter (37./39.), zweimal bewahrte der Chemnitzer Rafael Garcia sein Team zwei Rettungsaktionen auf der Linie vor dem Rückstand (4./39.). Ein Doppelschlag kurz nach der Pause sorgte dann für die Vorentscheidung: Luca Pfeiffer per Kopf (50.) und Dominic Baumann nach schönem Chip-Ball in die Spitze (53.) brachte die Gastgeber auf Siegkurs. Chemnitz wehrte sich zwar bis zum Abpfiff gegen die Niederlage, kam in der zweiten Halbzeit aber nicht einmal gefährlich vor das Würzburger Tor. Stattdessen fiel noch das 3:0: Der eingewechselte Maximilian Breunig traf nach sehenswerter Brustannahme ins linke untere Eck (73.).

v.re.: Sebastian Schuppan FC Wuerzburger Kickers im Duell mit Dejan Bozic  33, Chemnitzer FC
Bildrechte: imago images/Beautiful Sports

CFC-Coach Glöckner auf Schiedsrichter sauer

Nach dem Spiel attackierte CFC-Coach Glöckner das Schiedsrichtergespann um Wolfgang Haslberger. Der Chemnitzer Trainer warf den Referees fehlendes Fingerspitzengefühl, Arroganz und Parteilichkeit vor: "Der Linienrichter war überhaupt nicht zugänglich. Normalerweise bin ich sehr nett und komme mit jedem Schiedsrichtergespann aus. Aber heute war das überhaupt nicht möglich", sagte Glöckner und fügte hinzu: "Man sieht einfach, dass die Schiedsrichter aus den Regionen kommen." Verärgert warf der Chemnitzer Trainer den Unparteiischen vor, das Spiel nicht gut geleitet zu haben und sagte sauer: "Wenn das Schiedsrichtergespann nicht das Gespür hat für die Situation, muss es sich einen anderen Job suchen."

Stimmen zum Spiel

Lennard Maloney (Chemnitz): "Ich finde, es geht schon mit der ersten Karte los. In meinen Augen ist es ein normaler Zweikampf. Die zweite Karte ist für mich total unverständlich, weil ich bereits in der Luft stehe. Ich weiß nicht, wo ich mit meinem Körper hin soll. Mehr fällt mir dazu nicht ein. Natürlich habe ich meine Mannschaft dadurch geschwächt. Das tut mir im Nachhinein auch leid. Am Ende war es eine Kraftsache, wir konnten unser Spiel, das wir uns vorgenommen haben, nicht durchziehen. Jede Mannschaft hat vielleicht mal eine Phase, wo es nicht so gut läuft. Diese Phase durchleben wir gerade. Wir arbeiten daran. Wir müssen einfach weiter daran arbeiten und an uns glauben. Dann können wir auch aus den letzten Spielen etwas mitnehmen."

Pascal Itter (Chemnitz): "In der ersten Aktion, die eine Schlüsselszene war, werden wir hier verdonnert zu zehn Mann. Das war eine absolute Frechheit. Da sind wir sehr benachteiligt worden. Wir waren gut im Spiel, haben ein gutes Auswärtsspiel gemacht, waren sehr gallig in den Zweikämpfen. Der Schiedsrichter hat mit zweierlei Maß gemessen. Gegen die spielstarke Mannschaft haben wir in der zweiten Halbzeit alles versucht, sind gerannt und haben gekämpft. Aber mehr war nicht drin."

Sebastian Schuppan (Würzburger Kickers): "Wir sind gut drauf. Wir haben viele Siege in den letzten Wochen geholt. Entsprechend breit ist die Brust. Wir machen dann zum richtigen Zeitpunkt die beiden Tore. Für Chemnitz war es schon schwer, bis zur Halbzeit durchzuhalten. Da hätten wir schon das eine oder andere Tor machen können. Dass wir dann den Doppelschlag machen, hat uns extrem in die Karten gespielt. Dann haben wir es routiniert runtergespielt, haben auch Kräfte gespart. Das ist nicht ganz unwichtig bei den vielen Spielen. Träumen ist immer erlaubt. Aber was bringt es, zu sagen: 'Wir steigen auf, wir steigen auf'. Es sind noch vier Spiele zu spielen. Das ist eine Menge. Mit Siegen können wir beitragen, dass es wahrscheinlicher wir. Aber jetzt schon darüber zu reden, macht für mich keinen Sinn."

Das sagten die Trainer

Patrick Glöckner (Chemnitz): "Wenn wir die ersten 30 Minuten nehmen, da sind wir sehr gut ins Spiel reingekommen. Es war ein offenes Spiel, wir hatten gute Aktionen. Doch dann kommen Schiedsrichterentscheidungen zutage, die meiner Meinung nach absolut falsch waren. Das ist Abstiegskampf, da sind Emotionen drin. Da braucht man Fingerspitzengefühl und muss vielleicht auch über bestimmte Situationen hinwegsehen. Der Linienrichter war überhaupt nicht zugänglich. Normalerweise bin ich sehr nett und komme mit jedem Schiedsrichtergespann aus. Aber heute war das überhaupt nicht möglich. Man sieht einfach, dass die Schiedsrichter aus den Regionen kommen und nicht wie sonst im Wettbewerb von außerhalb. Die Karten für Lennard Maloney waren für mich auch nicht gelbwürdig. Sein Gegenspieler sagt auch, dass das keine Karten waren. Der Platzverweis war der absolute Knackpunkt im Spiel. Wenn das Schiedsrichtergespann nicht das Gespür hat für die Situation, muss es sich einen anderen Job suchen."

Michael Schiele (Würzburg): "Wir sind zufrieden, wir haben 3:0 gewonnen. Es ist viel in unsere Richtung gelaufen, auch mit dem Platzverweis. Aber auch der Sieg wäre auch ohne den Platzverweis möglich gewesen. Wir haben den Gegner weit vom Tor weg gehalten. Wir haben viele Chancen herausgespielt. Wir dürfen nicht 0:0 in die Halbzeit gehen. Wir hatten da schon mehrere Hundertprozentige. In der zweiten Halbzeit haben wir dann mehr Ruhe gehabt, auch im Ballbesitz. Der Gegner hat sich sehr weit hinten reingestellt und auch mit Fünferkette gespielt. Der Doppelpack war ein schöner Dosenöffner. Da haben wir dem Gegner den Zahn gezogen." Zur möglichen Verlängerung seines Ende des Monats auslaufenden Vertrages sagte er: "Ich gebe Vollgas mit den Spielern. Wir haben noch vier Spiele. Die wollen wir gewinnen. Dann sehen wir weiter."

Dirk Hofmeister

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 20. Juni 2020 | 16:30 Uhr

36 Kommentare

rheumakay vor 1 Wochen

Der CFC muss gar nichts einsehen, weil er sich seiner Stärken und Schwächen bewusst ist. Exemplarisch dafür die Interviews nach dem Sieg gegen Bayern II, als der CFC einen Mann mehr hatte (nach einer Fehlentscheidung) und es sich laut Bohl und Glöckner trotzdem anfühlte, als hätten die Bayern ein Mann mehr. Haben die außergewöhnliche Klasse der Bayern nach eigenem Sieg gewürdigt und dass man nicht auf deren Niveau sei.
Im Spiel in Würzburg war der CFC aber - nach Anlaufschwierigkeiten - bis zum Platzverweis gut in der Partie drin, und man hatte als Zuschauer durchaus den Eindruck, dass da vielleicht was geht - zumal Hosiner und Bonga noch auf der Bank waren. Mit den Platzverweisen war das alles Makulatur. Inmitten von englischen Wochen in Unterzahl gegen einen Aufstiegskandidaten zu bestehen, ist mindestens schwierig. Wenn Maloneys Platzverweis eindeutig wäre, würde hier niemand was sagen. Aber gleich beide seiner Verwarnungen waren überzogen. Bin gespannt, was Babak Rafati dazu sagt.

Olinad vor 1 Wochen

Schwache Schiedsrichterleistung! Ich werde den Eindruck nicht los, dass hier vom Schiedsrichter etwas "vorausgearbeitet" wurde, um am Ende einen Würzburger Sieg "leichter zu machen". Zu Beginn hatte er keinen Grund dazu, da Würzburg dominierte. Aber man kann ja trotzdem einem Chemnitzer Spieler bei passender Gelegenheit ja schon mal "gelb" geben. Für mich wurde hier klar der Ball gespielt. Als Chemnitz dann aufkam, wurde die nächste Gelegenheit genutzt, um den Spieler vom Platz zu stellen. Das kann man als Foul bewerten aber nicht mit einer gelben Karte, da es weder vorsätzlich, brutal noch eine Tätlichkeit war. Die einzige meiner Meinung nach berechtigte gelbe Karte war die von Herrn Glöckner wegen Ball wegschlagens. Gute Schiedsrichter kommunizieren mit den Spielern und verwarnen sie auch nochmals mündlich bevor sie sie vom Platz stellen, außer natürlich bei Tätlichkeiten, groben Fouls, Beschimpfungen usw. Das war hier aber nicht der Fall.
Mund abputzen, weiter gehts!
Nur der CFC!

Thommi Tulpe vor 1 Wochen

Dann muss man als CFC "einfach" einsehen, Würzburg spielerisch unterlegen zu sein. Oder sollte der DFB der Chancengleichheit wegen erlauben, dass eine schlechtere gegen die bessere Mannschaft das Tor einmauern, vernageln, mit 3 Torwarten oder 15 Feldspielern antreten darf?

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