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Fußball | 3. Liga CFC-Antirassismus-Beauftragter: "Werde mit allen Kontakt aufnehmen"

Daniel Maaß' Einstellung als Antirassismus-Beauftragter war eine der Konsequenzen, die der Chemnitzer FC nach der im vergangenen Frühjahr abgehaltenen Trauerzeremonie für einen verstorbenen Neonazi vor dem Regionalliga-Heimspiel gegen Altglienicke im Stadion an der Gellertstraße gezogen hatte. Der 47-Jährige, der zudem Konfliktmanager des Bayerischen Fußballverbandes ist, hat sich in der "Freien Presse" ausführlich über seine Arbeit und Ziele geäußert.

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"Zahlreiche Vereine haben Probleme, auch im Westen"

Vor einem Monat hat Daniel Maaß seinen Posten in Chemnitz angetreten, die der CFC als eine der Auflagen des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) erfüllte. Die Kontaktaufnahme der "Himmelblauen" sei jedoch bereits wenige Tage nach den Vorfällen Anfang März erfolgt.

"Es handelt sich um Strömungen, die den CFC als Projektionsfläche für ihre politischen Überzeugungen missbrauchen. Damit haben zahlreiche Vereine Probleme, auch im Westen", antwortete Maaß unter anderem auf die Frage, ob der Verein "zu Recht hart in der Kritik" stehe.

Zusammenarbeit mit BVB und Werder

Maaß bekundete darüber hinaus, dass der Drittliga-Aufsteiger diesbezüglich mittlerweile mit Borussia Dortmund und Werder Bremen zusammenarbeite und dabei "wertvolle Hinweise" bekomme, wie diese Probleme gelöst werden können.

Ich werde mit allen Gruppierungen, die im Stadion vertreten sind, Kontakt aufnehmen. Wichtig ist, Gründe für rechtsradikale Tendenzen klar zu benennen und mit voller Überzeugung dagegen anzugehen.

Daniel Maaß In: Freie Presse vom 14. Juni 2019

Antirassismus-Konzept in Arbeit

Ebenso kündigte der 47-Jährige in der "Freien Presse" die baldige Fertigstellung eines Antirassismus-Konzeptes an, das die Fanszene für das Thema "stärker sensibilisieren und klarstellen soll, was im Stadion geht und was nicht." Er werde diesbezüglich mit allen Gruppierungen, die im Stadion vertreten sind, Kontakt aufnehmen.

Gleichfalls betonte er jedoch, wie schwierig Verbannungen aus dem Stadion seien: "Die Gesinnung allein reicht nicht, um jemanden auszuschließen. Es müssen Verstöße gegen die Hausordnung vorliegen. Dazu gehört, den Hitlergruß zu zeigen oder Kleidung mit verbotenen Nazisymbolen zu tragen."

Gedenken an den verstorbenen CFC-Fan und Hooligan Tommy Haller.
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"Lied aus Unwissenheit angestimmt"

Auch zum Eklat im Rahmen der zurückliegenden Meisterfeier in der Kabine der CFC-Spieler äußerte sich Maaß. Damals war ein Spieler mit "Du Zigeuner"-Gesängen gefeiert worden. Darüber habe er sich intensiv mit dem deutschen Zentralrat der Sinti und Roma ausgetauscht: Man sei zu dem Ergebnis gekommen, dass es "kein rassistischer Vorfall" gewesen sei - das Team habe das Lied aus Unwissenheit angestimmt.

Allerdings unterstrich Maaß, dass er mit den CFC-Spielern über das Schicksal der Sinti und Roma im "Dritten Reich" gesprochen habe. Allein im Vernichtungslager Auschwitz wurden mehr als 20.000 Sinti und Roma ermordet.

tw

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 14. Juni 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2019, 17:15 Uhr

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11 Kommentare

15.06.2019 23:33 Pit M. 11

Schön und gut - ich verstehe allerdings nicht warum nicht genau so intensiv eine Aufarbeitung getätigt wird wenn St. Pauli Fans in Dresden singen "Nie wieder Deutschland "

14.06.2019 22:27 Paule 10

Zu frühen DDR-Zeiten hatte K.-M.-St. eine Oberligamannschaft. Dann kam ein neuer Trainer, die Spieler konnten in Kürze das Komm. Manifest singen und waren linientreu. Leider spielten sie dann nur noch in der 2. Liga. Hoffen wir nicht, dass sich Geschichte wiederholt.

14.06.2019 19:46 Bernhard 9

@Neutraler Betrachter
Beifall !!!
Ein gelungener Kommentar ! Daumen hoch !

14.06.2019 19:31 wwdd 8

Eventuell hätten sich die CFC-Spieler vom Zusammenleben mit den Sinti und Roma in Halle beschäftigen können. Vor Ort hätten die Spieler Hand anlegen können oder Geld spenden können.

14.06.2019 17:31 Neutraler Betrachter 7

Es ist ersteinmal begrüßenswert, daß sich beim CFC was in dieser Richtung tut.
Der MDR sollte jedoch endlich mal dazu kommen, über alle Vorfälle im Fußball des Sendegebietes genauso intensiv wie über den CFC zu berichten.
Nenne hier nur die gewaltsamen und zerstörerichen Auftritte der Fans von Aue gegen St.Pauli, Zerstörung von Waggons durch Chemie Leipzig Fans nach Spiel in Gera,Fanausschreitungen im Jenaer Stadion usw.
Man kann nur hoffen das in der kommenden Saison andere 3. Programme genügend Spiele des CFC übertragen. Diese Übertragungen sind vom Niveau her wesentlich besser wie die des MDR.

14.06.2019 16:57 Schappio5 6

Bei uns in Probstheida ist es noch schlimmer. Nur Deppen da

14.06.2019 15:13 AlterFuchs 5

Lieber MDR,
wie viel Sinti und Roma wurden ermordet?
Da steht 20.000
Was ist das für eine Zahl?

[Lieber User, danke für den Hinweis. Wir korrigieren das. Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

14.06.2019 14:51 ein Dynamo 4

Erinnert mich sehr an die DDR. Schade, dass wir wieder da sind. Es wird politisch von oben eingegriffen. Sind Menschen, die sich als Deutsche sehen, über Nationalstolz verfügen, sich um die innere Sicherheit und ihre Zukunft sorgen - sind diese Menschen Rassisten?! In der öffentlichen Wahrnehmung ja. Aber das ist falsch. Nationalstolz kann man nicht bekämpfen. Da beißt sich jeder Antirassismus-Beauftragte die Zähne aus.

[Lieber User, Rassisten sind Menschen, die rassistisch denken und handeln. Wer eine Gruppierung wie "Hooligans, Nazis und Rassisten" gründet, läuft Gefahr als Nazi oder Rassist bezeichnet zu werden.
Menschen, die Nationalstolz empfinden sind nicht per se Rassisten, das behauptet auch niemand. Der Anti-Rassismus-Beauftragte will sensibilisieren und für Aufklärung sorgen.
Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

14.06.2019 14:48 Karl 3

........... und es geht schon wieder loooos.

Was bin ich froh, dass ich mir diesen Sender nicht mehr geben muss und Telekom schauen kann!!

14.06.2019 13:38 Info 2

Sehr geehrtes MDR-Team,

aus meiner Sicht begrüße es ich, dass der CFC jetzt eine Aufarbeitung dieser Vorfälle mit einer solchen Position macht. Außerdem hoffe ich, dass auch bei denen welche solche Vorfälle verursachen ein Umdenken eintritt und sich zu freundlichen FANs zum CFC entwickeln. Dies würde dem CFC und dem Image des Freistaats (Haus Wettin) wirklich gut tun!

Viele Grüße aus dem Haus Wettin
Info