Fußball | 3. Liga CZ Jena: "Keinem entsteht ein Schaden" - Ausschuss-Chef spricht von "Skandal"

Einen Tag nach der Aufforderung des DFB sich auch zu Haftungsfragen bei einem Saison-Abbruch der 3. Liga zu äußern, ist Carl Zeiss Jena dem Ansinnen nachgekommen. Heftige Kritik kommt vom Chef des Drittliga-Ausschusses.

Fahne FC Carl Zeiss Jena
Bildrechte: imago images/Picture Point

Im Streit zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und den Abbruchbefürwortern der 3. Liga hat sich der FC Carl Zeiss Jena zur Haftungsfrage bei einem Saisonabbruch geäußert. Dazu war der Klub vom DFB aufgefordert worden, nachdem Jena in einem offenen Brief Lösungsvorschläge zur Bewältigung der Krise präsentiert hatte.

Haftungsfragen umfangreich ausgeschlossen

"Mit unserem Vorschlag werden Haftungsfragen von Klubs im umfangreichsten Weg ausgeschlossen", schrieb Jena in einer Stellungnahme auf seiner Homepage: "Vereine auf den Aufstiegsplätzen in der 3. Liga und Regionalliga wird ihr bis dato erspieltes Aufstiegsrecht gewährt. Für die Vereine auf den Abstiegsplätzen der 3. Liga wird der bis dato noch nicht verdiente Abstiegszwang nicht realisiert. Keinem der Vereine entsteht mithin ein Schaden."

Auch die Klubs auf den Plätzen 4 bis 10 könnten "keine Haftung geltend machen, da es bisher an nachweisbarem Schaden" fehle. Die Jenaer Klubführung gab zwar zu, dass ihnen "die tieferen Einblicke in die Ausgestaltung der Verträge mit den TV-Anbietern und den Premiumsponsoren der 3. Liga" fehlen würden, "wir gehen aber davon aus, dass der DFB in vorsorglicher Art und Weise Regelungen für den Fall einer Pandemie oder eines aufgrund der behördlichen Verfügungen nötigen Abbruchs getroffen hat". Die Corona-Pandemie müsse "als höhere Gewalt eingestuft werden".

Keine Pandemie-Versicherung bei der DFL

Die DFL ist nicht gegen Pandemie versichert: "Von einigen Klubs weiß ich, dass sie versucht haben, sich gegen eine Pandemie zu versichern.Unser Versicherungsschutz deckt eine Pandemie nicht ab. Ich kenne auch keine Profiliga, in der das der Fall wäre“, hatte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert Mitte März gesagt. Ein Gegenbeispiel ist bekannt: Das Tennis-Turnier von Wimbledon hatte sich nach dem SARS-Virus 2003 gegen einen Ausfall wegen Pandemie versichern lassen - und erhielt in diesem Jahr 130 Millionen Euro.

Drittliga-Ausschuss-Vorsitzender kritisiert Abbruch-Befürworter

Tom Eilers, der Vorsitzende des DFB-Drittliga-Ausschusses, bezeichnete die Situation gegenüber "Sport im Osten" als "Herausforderung für die Klubs". Zumal es auch die beiden Relegationsspiele gegen den Drittletzten der 2. Liga geben soll: "Dann müssen wir schauen, dass wir das in der gebotenen Zeit auch hinbekommen." Das Präsidiumsmitglied von Darmstadt 98 zeigt sich als Gegner eines Saisonabbruchs: "Wenn ich überhaupt nichts mehr veranstalte, von dem, was ich tue, dann wird das nicht tragfähig sein. Wir stellen gerade unsere eigene Liga extremst in Frage und wir heißt in dem Fall leider einige wenige."

Tom Eilers
Tom Eilers Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eilers: Mangelnder Fleiß und mangelnder Wille

Dass es nun über den 30. Juni hinaus weiter geht, bezeichnet der Jurist als "selbst eingebrockt. Aus meiner Sicht ist das bewusst so gewesen, dass einige Klubs sagen, wir können noch nicht wieder anfangen, dies und jenes klappt nicht, wir können dies und jenes nicht." Der 50-Jährige, der früher selbst Profi-Torwart war, findet: "Man kann das schaffen. Wir haben es bei Darmstadt 98 - wir sind ein kleiner Klub - mit Fleiß hinbekommen. Und das ist mehr Fleiß als Geld, das muss man auch klar sagen. Geld wird den Drittligisten dafür ausreichend zur Verfügung gestellt, das muss man auch klar sagen. Und wenn man das verzögern will, dann kann man den Prozess auch durch mangelnden Fleiß und mangelnden Willen jederzeit verlangsamen." Eilers klagt an: "Im Moment ist es äußerst unsolidarisch, was einige Klubs hier machen, die den Willen der Mehrheit bewusst ignorieren und untergraben. Das ist persönlich ein Skandal, muss ich sagen, und das führt dazu, dass die Liga selber sich extremst schlecht verkauft.“

red/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 15. Mai 2020 | 19:30 Uhr

37 Kommentare

Ostsee vor 22 Wochen

Ist für mich ein Auswärtsspiel im MDR, macht aber nichts. Allen "Oberliga"-Vereinen etc. wünsche ich einen Platz im bezahlten Fußball.
Es ist momentan schwer für alle. Es wäre schön wenn man vernünftig miteinander umgeht. Ich habe leider die Befürchtung das einige Begegnungen auf dem Platz mit Schaum vor dem Mund gespielt werden könnten. Bitte habt nur ein wenig Verständnis für den FC Hansa, denn wir würden gerne den kleinen Strohhalm noch zu fassen bekommen, auch wenn es schwer wird. Bitte schaut mal auf die Rückrundentabelle. Mein Heimatverein hatte einen schlechten Saisonstart und wir sehen noch etwas Licht. Rot-Weiss Erfurt hat uns vor einiger Zeit in Liga 3 den ... gerettet. Von den letzten 20 Jahren haben wir ca. 15 Jahre gefühlt nur gegen den Abstieg gespielt. ( Ligaübergreifend )

FSVFanMAIK vor 22 Wochen

@Hannchen ich hoffe wirklich alle ostvereine bleiben in liga 3 und ihr kommt hoch. würd mich freuen. Aber A- müsst ihr es erst mal besser machen. und B- bin ich gespannt ob du in paar jahren auch noch so schreibst. Lieber viele ost vereine in liga 3. da besser Stimmung, vollere Stadion und wenniger kosten für den Verein. Aspach,meppen, köln,.... bringen fast keine fans mit, nur die ganz großen wie fc bayern,1860ig,Rostock,kaiserslauten machen das stadion noch voll. Also auch ein wirtschaftlicher grund, nur mal als info.

B.S.B. vor 22 Wochen

Glückwunsch, Lok Leipzig,
Ihr steht für Tradition und aufopferungsvolle Fanbereitschaft,aber, seid ihr schon aufgestiegen?....
1.wird sich Altglinicke und Cottbus so einfach nicht abfinden wollen mit der angepeilten Regelung
2.kriegt ihr es mit West-Staffel zu tun
3.wo wollt ihr spielen in der 3
.Liga
4.warum sollte dann einer aus Jena nach Leipzig wechseln,wenn ihr sowieso in Liga 4 bleibt?

Mehr zum Thema