Fußball | 3. Liga Nach DFB-Bundestag: Zwickau bereit für "aufgezwungene Geisterspiele"

Seit Montag ist nun endgültig klar: Die 3. Liga geht weiter. Beim FSV Zwickau ist man soweit vorbereit. Über eine Aussage von DFB-Präsident Keller nach dem Bundestag zeigte sich der Verein jedoch verwundert und hat auch eine klare Vorstellung, was die neugeschaffene Taskforce zur wirtschaftlichen Stabilisierung leisten müsse.

Dass die 3. Liga fortgesetzt wird, war für die Verantwortlichen beim FSV Zwickau keine Überraschung. Zu deutlich hatte sich die DFB-Spitze im Vorfeld positioniert. Entsprechend war man in Westsachen vorbereitet, auch wenn sich der Verein bis zuletzt für einen Saisonabbruch eingesetzt hatte - vor allem aus wirtschaftlichen Bedenken.

Das "Bestmögliche aus der Situation machen"

Die nun anstehenden Geisterspiele bedeuten nach Vereinsangaben von Dienstag (26. Mai) finanzielle Verluste in Höhe eines "mittleren sechsstelligen Eurobetrages" trotz der Kompensationszahlungen vom DFB. Dennoch werde man antreten. "Um das Bestmögliche aus der aktuell bestehenden Situation zu machen, wird sich unsere erste Mannschaft in den vom DFB aufgezwungenen Geisterspielen der sportlichen Herausforderung stellen und für den Klassenerhält kämpfen", heißt es in einer Pressemitteilung von Dienstag (26. Mai).

Nun laufen die Vorbereitungen für das anstehende Heimspiel am kommenden Samstag (30. Mai) gegen Hansa Rostock (ab 14 Uhr im Liveticker in der SpiO-App und auf sport-im-osten.de) auf Hochtouren. Das vom DFB übermittelte Hygienekonzept für das Stadion wird umgesetzt. Es müssen noch zusätzliche Räume für die Gästemannschaft bereitgestellt werden, zudem fehlen Markierungen für die sogenannte Einbahnstraßenregelung, berichtete FSV-Vorstandssprecher Tobias Leege auf "Sport im Osten"-Anfrage. Das Team sei derweil im verordneten Quarantäne-Trainingslager.

Leege verwundert über Antwort von DFB-Präsident Keller

Nach dem Außerordentlichen Bundestag am Montag (25. Mai) wurde der FSV Zwickau auf der anschließenden Pressekonferenz auf MDR-Nachfrage auch direkt ins Spiel gebracht. DFB-Präsident Fritz Keller sollte erklären, wieso etwa auf die existenziellen Nöte zum Beispiel der Zwickauer nicht eingegangen wurde und in wie weit sich der DFB in der Pflicht sieht, dass durch die beschlossenen Maßnahmen kein Verein in den Ruin getrieben werde. Keller umschiffte die Frage schließlich gekonnt und kam zu dem Schluss, dass die Vereine nicht mehr ausgeben dürfen, als sie einnehmen.

"Die Antwort passte nicht ganz zur Frage", so Leege: "Schließlich ging es da um Corona-bedingte wirtschaftliche Schwierigkeiten und nicht grundsätzliche planungstechnische Fragestellungen. Daher waren wir überrascht, dass Aussagen kamen nach dem Motto, wir würden über unseren Verhältnissen leben. Der FSV hat sich an dieser Stelle nicht angesprochen gefühlt, auch wenn wir Teil der Fragestellung waren." Leege empfindet es als "schade, wenn der DFB dieses Argument, welches nicht von der Hand zu weisen ist, einfach vom Tisch wischt."

Hoffnung auf Taskforce - 3. Liga braucht klares Selbstbild

Deswegen werde der FSV auch bei zukünftigen Lizenzierungsverfahren nichts anders machen. Zumal der DFB im Vorfeld selbst genau über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Kenntnis gesetzt wurde. Eine Rücklage für besondere Krisenzeiten ist dort nicht verankert. "Der DFB ist durch das Lizenzierungsverfahren als Lizenzgeber bestens über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit seiner Lizenznehmer informiert. Wir legen dabei alles offen, es werden Wirtschaftsprüfer engagiert, wir müssen regelmäßig Zahlen liefern. Uns wurde vom DFB noch nie gesagt: 'Ihr lebt ja über eure Verhältnisse'", so Leege weiter.

Die Einrichtung der Taskforce begrüßt Leege ausdrücklich. Das wesentliche Thema aus seiner Sicht solle die Kapitalausstattung sein, die den Vereinen im Rahmen der Zentralvermarktung zur Verfügung gestellt wird. Auch die unterschiedlichen Finanzierungsformen von Sportunternehmen müssen besser berücksichtigt werden. Zwar gehe der Trend in den höheren Ligen klar zur Ausgliederung, aber im Sinne der unternehmerischen Freiheit müssen auch andere Formen berücksichtigt werden. "Nicht jeder will einen Investor haben. Das muss man bedenken", erklärt Leege.

Der Wunsch des FSV ist es, trotz der immer existierenden Unterschiede beim Gesamtbudget eine gewisse Wettbewerbsgleichheit zu schaffen. Deshalb sollte bei der Kapitalausstattung (durch TV-Erlöse, u.ä.) ein gewisses Mindestmaß an Zahlung erfolgen, "um eine grundwettbewerbsfähige Mannschaft zu finanzieren." Wie die konkret aussehen wird, hängt auch vom Selbstbild der Liga ab. Laut Leege müsse sich die 3. Liga im Klaren sein, ob sie eine Ausbildungsliga für die höherklassigen Vereine darstellen wolle oder mehr.

Drohende Insolvenz vom Tisch

Die Befürchtungen des FSV bei einer Saisonfortsetzung mit Geisterspielen und ohne zusätzliche Erlöse in die Insolvenz zu rutschen, ist ebenfalls vorerst gebannt. Durch eine Unterstützer-Aktion der Fans und durch die Aufnahme eines Darlehens in Höhe von 800.000 Euro konnten neue finanzielle Mittel gewonnen werden. "Damit sollte das Thema vom Tisch sein", sagt Leege. Auch weil der FSV die Möglichkeit hat, Darlehen zu beantragen, sieht sich Leege in seinen Etatplanungen bestätigt. "Wir erfüllen alle Kriterien, um die Liquiditätshilfen des Landes Sachsen über die Initiative "TeamSportSachsen" zu bekommen. Das bedeutet für mich, dass unsere planerischen Ansätze jetzt nicht so schlecht gewesen sein können."

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 26. Mai 2020 | 19:30 Uhr