vl: CFC Geschäftsführer Thomas Sobotzik und Insolvenzverwalter RA Klaus Siemon Chemnitz Sachsen BRD
Bildrechte: imago images / HärtelPRESS

Fußball | 3. Liga DFB: Drittliga-Lizenz 2020 für den CFC in Gefahr

Brisante E-Mail aus Frankfurt/Main: Drittliga-Wiederaufsteiger Chemnitzer FC könnte die Lizenz bald wieder verlieren. Das erfuhr der MDR vom Deutschen Fußball-Bund. Wenn der Mutterverein aufgelöst wird, gibt es keine neue Zulassung für die Tochtergesellschaft.

vl: CFC Geschäftsführer Thomas Sobotzik und Insolvenzverwalter RA Klaus Siemon Chemnitz Sachsen BRD
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Dem Chemnitzer FC droht bei einer Auflösung des Muttervereins der Entzug der Zulassung für die kommende Spielzeit. Das bestätigte der Deutsche Fußball-Bund auf Nachfrage des MDR.

DFB: "Neue Zulassung wird nicht erteilt"

Der DFB verwies auf sein Statut: "Mit Auflösung oder Verlust der Rechtsfähigkeit des Muttervereins verliert die Tochtergesellschaft ihr Antragsrecht für eine Zulassung für die folgende Spielzeit. Eine bereits erteilte Zulassung erlischt mit dem Ablauf des Spieljahres, für das sie erteilt worden ist. Eine neue Zulassung wird nicht erteilt."

Paul Milde, Torwart Jakub Jakubov und Maurice Deville
Das Drittliga-Comeback des CFC könnte bei der Auflösung des Vereins schon nach einem Jahr wieder vorbei sein. Bildrechte: Picture Point

Was übersetzt bedeutet, dass die CFC GmbH bei einer Auflösung des Chemnitzer FC e.V. in der kommenden Spielzeit keine Zulassung für die 3. Liga erhalten würde.  Der DFB äußert sich dazu wie folgt:"An Spekulationen über mögliche Szenarien, Folgewirkungen oder Sanktionen möchte sich der DFB nicht beteiligen. Wir prüfen stets die konkreten Fälle. Aktueller Stand ist, dass der Chemnitzer FC e.V. existiert und ausreichend Jugendmannschaften vorhanden sind. Mit dem Klub steht der DFB regelmäßig in Kontakt und Austausch."

Doch auch der Spielbetrieb in der laufenden Saison könnte gefährdet sein, weil im Fall einer Abwicklung des Muttervereins auch dessen Anteile an der Fußball GmbH zu Geld gemacht werden müssten. Aus den DFB-Regularien ist aber nicht explizit zu entnehmen, was passiert, wenn vor Auflösung oder vor Verlust der Rechtsfähigkeit des Muttervereins das Spielrecht an einen anderen Verein übertragen wird. Bleibt dann das Spielrecht der GmbH erhalten? Der DFB will sich auf Nachfrage nicht an hypothetischen Szenarien beteiligen. "Jeder Fall und jede Konstellation muss einzeln und detailliert geprüft werden – sobald etwas konkret ist."

Mit Auflösung oder Verlust der Rechtsfähigkeit des Muttervereins verliert die Tochtergesellschaft ihr Antragsrecht für eine Zulassung für die folgende Spielzeit. Eine bereits erteilte Zulassung erlischt mit dem Ablauf des Spieljahres, für das sie erteilt worden ist. Eine neue Zulassung wird nicht erteilt.

"Statut 3. Liga" DFB

Siemon: e.V. kann Forderungen nicht nachkommen

Insolvenzverwalter Klaus Siemon hatte am Donnerstag in einer Pressemitteilung erklärt, dass der Chemnitzer FC e.V. laufende Ausgaben nicht mehr deckeln könne. Schuld daran sei der vom Amtsgericht Chemnitz bestellte Notvorstand um Andreas Georgi. Die Verantwortlichen des Vereinsregisters beim Amtsgericht Chemnitz sollen zudem die Situation weiter verschärft haben. Es habe den Insolvenzverwalter bei der Benennung des Vorstandes nicht einbezogen, habe ihm zudem den Zugriff auf die Gesellschaftsanteile unmöglich gemacht. Gericht-Sprecherin Birgit Feuring wies diese Vorwürfe im MDR zurück: "Das Vereinsregister handelte, weil der Verein ohne Führung war." Der Notvorstand sei korrekt im Amt: "Die Kompetenz des Notvorstandes ist die Einberufung einer Mitgliederversammlung, damit ein neuer Vorstand gewählt werden kann", so Feuring. In einer Pressemitteilung vom 1. August verweist Insolvenzverwalter Klaus Siemon "darauf, dass von der Massenunzulänglichkeit beim CFC e.V. die CFC GmbH nicht betroffen ist. Die Chemnitzer FC Fußball GmbH ist vollständig funktions- und handlungsfähig."

Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Klaus Siemon und Andreas Georgi ( Vorstandsvorsitzender CFC/ Präsident).
Gegenspieler: Klaus Siemon (li.) und Andreas Georgi (Archivbild). Bildrechte: Picture Point

Stadt Chemnitz: Mietvertrag mit Stadion an NLZ geknüpft

Die Stadt Chemnitz hat erst durch die Pressemitteilung von den Problemen des CFC erfahren. Eine vorherige Information habe es nicht gegeben, hieß es auf MDR-Anfrage. Hellhörige wurde die Stadt wegen der Infragestellung des Nachwuchsleistungszentrums. "Aufgrund der Presseveröffentlichungen wird die GGG (Anm. Städtische Wohnungsgesellschaft) als Vermieter des Stadions den Insolvenzverwalter zeitnah um Auskunft zur Zukunft des Nachwuchsleistungszentrums bitten. Gemäß beidseitig abgeschlossenem Mietvertrag ist der Erhalt des Nachwuchsleistungszentrums Voraussetzung für die gegenwärtigen Nutzungskonditionen des Stadions für den CFC", heißt es in der Mitteilung. Aktuell nutzt der CFC das Stadion für eine Miete von 175.000 Euro pro Jahr.

red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 02. August 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2019, 17:28 Uhr

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45 Kommentare

04.08.2019 15:55 Gerd Müller 45

Lizenz weg - Auflösen 3-5 Jahre Ruhe und dann was neues gründen

03.08.2019 22:12 Hobbykicker 44

Ich würde auch gern Krauße heißen, dann dürfte ich überall meinen Senf dazugeben.

03.08.2019 12:45 Pit M. 43

Was sich der Sobotzik nun wieder für eine Aussage in der Bild gegenüber den Fans erlaubt hat ist schon grenzwertig.
TS und KS scheinen bewusst die ganze Situation weiter anstecken zu wollen.

03.08.2019 12:28 GEWY38 42

@36 und @39 sprechen eigentlich die Probleme an. Vorbild ist da der BVB. Der e.V. als einer der Gesellschafter hält dort gerade mal reichlich 5% als Mutterverein. Die anderen Prozente zur Erfüllung der 50+1 Regel halten andere Gesellschafter. Stimmt es, dass das Gericht, wie Siemon behauptet, den Zugriff auf Gesellschaftsanteile unmöglich gemacht hat und damit verhindert hat, dass der CFC sich evtl. so aufstellen kann wie der BVB, wo es viele Gesellschafter innerhalb der GmbH gibt? Oder zieht Herr Siemon die Notbremse und stellt sich hinter das Schutzschild e.V.-Pleite, weil er selbst in "Sanierungsnot" ist? Oder will Herr Siemon den Notvorstand und die säumigen Mitglieder mit seiner Aktion, nur aus dem Tiefschlaf wecken? Viele Fragen die ohne Hintergrundinformationen nicht gelöst werden können. Viele Fragen weil es in Chemnitz nur gegeneinander geht. Deshalb sehe ich schwarz. Sachlichkeit ist gefragt. Schlagzeilen mit Vermutungen? Nein Danke liebe Medien.

03.08.2019 12:20 Hermann Pacholke 41

In Sachen Fußball grüße ich das neue Aushängeschild der Stadt: SG Handwerk Rabenstein!

03.08.2019 12:10 Leser 40

@31 In einer Insolvenz entfällt die Beitragspflicht ;-)

03.08.2019 10:17 Neutraler Betrachter 39

zu 37
Die Ruhe könnte viel zeitiger einkehren, wenn beide Seiten endlich mal den Weg zueinander finden würden und nicht ein jeder seine persönlichen Interessen in den Vordergrund stellen würde. Dabei sollte von seitens des IV auch bedacht werden das der Verein und die GmbH nicht ohne die Fans und Mitglieder bestehen kann. Von seiten des Notvorstandes(besonders Georgie) sollten aber auch die Leistungen der anderen Seite seit der Insolvenzeröffnung nicht nur negativ betrachtet werden. Denn ohne deren Aktivitäten wäre der CFC im Niemandsland verschwunden. Auch zum 09.03. sollte man sich genau von seitens des Vorstandes erklären. Es kann nicht sein das Georgie sich da augrund seines Urlaubs heraushält und man nichts von ihm hört. Schließlich ist er Fan-und Mitgliedervertreter.
Bleiben die persönlichen Grabenkämpfe zwischen diesen beiden Seiten bestehn, so wird bald auf Nimmerwiedersehn beim CF das Licht ausgehen.

03.08.2019 09:52 Gerald 38

Zu @Himmelblauer 15
Ihr habt ganz einfach über eure Verhältnisse gelebt! Und das über Jahre! Selbst in der vorigen Saison habt Ihr einfach so weiter gemacht wie bisher, als ob nichts gewesen war! Obwohl Ihr 4. Liga gespielt habt! Was ich nicht nachvollziehen kann! Das kann einfach finanziell nicht gut gehen!
Also erstmal an die eigene Nase fassen! Und nicht gleich mit sowas kommen! Macht eure Hausaufgaben! Dann gibt es vielleicht wieder bessere Zeiten!

03.08.2019 09:25 Konrad 37

Beim CFC kehrt erst wieder Ruhe ein, wenn der Baron Münchhausen verschwunden ist. Natürlich wird er die Kuh CFC noch ordentlich melken. Dieser Tag wird kommen. Mir tuhen jetzt schon die Leute leid die auf Klaus Siemon folgen und den wahren Schaden der Arbeit des IV sehen. Hoffentlich gibt es dann noch Leute die es ehrlich mit dem CFC meinen und genug Kraft und Ausdauer für die Arbeit aufbringen.

03.08.2019 09:21 Rolf R 36

Hier besteht erstmal allgemeiner Klärungsbedarf:

Ein Verein ist per se der Gemeinnützigkeit (Mitgliedergewinnung, Nachwuchsförderung, Wertevermittlung) verpflichtet. Das heißt er darf nicht übermäßig viel Gewinn erwirtschaften. Daher gehen immer mehr Vereine den Weg der Vergesellschaftung, also in eine dem Verein untergeordnete GmbH. Diese trägt, weil sie die Hauptlast innehat (Gehälter, Stadionmiete) auch die Verantwortung das Stadion, die Sponsorenplätze und Werbeflächen zu vermarkten und Gewinne zu erwirtschaften.

Im Normalfall (also wenn sich Geschäftsführer der GmbH und Vorstand des eV grün sind) Wirtschaften beide füreinander. Der eV kümmert sich um Mitglieder, Fans und Nachwuchsspieler und die GmbH sucht u.aSponsoren (auch für das NLZ). Das ist hier nicht geschehen.

Durch diese Ausgliederung der Profis in eine GmbH soll übrigens verhindert werden, dass (im Falle der Zahlungsunfähigkeit der GmbH) der Verein erhalten bleiben kann. Hier ist es genau andersherum passiert.