Fußball | 3. Liga Zyklop, Pommes, Bentley und Co.: Die mitteldeutsche Drittliga-Elf des ersten Halbjahres

Auch wenn das erste Halbjahr der fünf mitteldeutschen Drittligisten unterschiedlicher kaum hätte ausfallen können: Welche Akteure haben sich hervorgetan - und warum? Wir haben eine natürlich völlig subjektive Auswahl getroffen.

Terrence Boyd  13 Hallescher FC und Bentley Baxter Bahn  7 Hallescher FC
Angreifer Terrence Boyd (li.) und Mittelfeldmotor Bentley Baxter Bahn tragen erheblichen Anteil daran, dass der HFC in der Spitzengruppe der 3. Liga mitmischt. Bildrechte: imago images/Hartmut Bösener

Torwart

Johannes Brinkies
FSV-Kapitän Johannes Brinkies ist einer der Topkeeper der 3. Liga. Bildrechte: imago images/foto2press

Johannes Brinkies (FSV Zwickau): Sicherer Rückhalt für die "Schwäne": Ruhepol Johannes Brinkies blieb als Stammtorwart des FSV Zwickau in 20 Drittliga-Einsätzen sieben Mal ohne Gegentor - ebenso oft wie sein Hallenser Kollege Kai Eisele und nur zweimal weniger als Spitzenreiter Nico Mantl von der SpVgg Unterhaching. Der 26-Jährige, der seit seiner Zeit bei Hansa Rostock "Pommes" genannt wird, darf sich nun zur Belohnung für diese starke Hinrunde mit gutem Gewissen eine XXL-Tüte Fritten gönnen, bevor es in der Restrückrunde an seine bisherigen Leistungen anzuknüpfen gilt. Die Ziele sind klar: Der FSV will einmal mehr die Klasse halten und Brinkies selbst muss dabei noch mindestens vier weitere Male seine Kiste sauber halten, um den eigenen "zu-Null-Rekord" (11) zu brechen.

Abwehr

v.l. Tobias Müller (Magdeburg, 5) bedankt sich bei den Fans
Defensivstark und torgefährlich: Magdeburgs Tobias Müller. Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Tobias Müller (1. FC Magdeburg): Als Innenverteidiger ist Tobias Müller hauptsächlich dafür verantwortlich, den Laden dicht zu halten, was ihm und seinen Abwehrkollegen auch zumeist recht gut gelang. Zwar haben die Magdeburger eine höchst mittelmäßige erste Halbserie gespielt, aber die Abwehr des Zweitliga-Absteigers stand oft sicher. Die FCM-Defensive ist die beste der Liga. Und Müller hat seine Qualitäten nicht nur als Zweikämpfer, sondern auch als Torjäger unter Beweis gestellt. Er netzte bislang dreimal ein - ein richtig guter Wert für einen Abwehrspieler. Zumal zwei seiner Treffer gegen Duisburg und in Kaiserslautern dem FCM jeweils ein 1:1-Remis nach zwischenzeitlichem Rückstand retteten.

Jubelnder Torschütze Sebastian Mai (Hallescher FC).
Sebastian Mai, kaum verzichtbarer Führungsspieler des Halleschen FC. Bildrechte: imago images / MIS

Sebastian Mai (Hallescher FC): Was wäre der Hallesche FC ohne seinen Abwehrchef Sebastian Mai? Nicht zuletzt aufgrund der starken Leistungen des kantigen Innenverteidigers in der Hinrunde weist der HFC bislang die zweitbeste Defensive der 3. Liga auf. Wie wichtig Mai ist, wird vor allem dann ersichtlich, wenn er einmal fehlt - wie zuletzt gegen Würzburg (2:5), als der HFC gleich fünf Gegentore kassierte. Trainer Torsten Ziegner ahnte wohl schon vor dem Spiel: "Eins ist klar, diesen Spieler haben wir nicht noch einmal. Aber es hilft nichts, dass wir jammern", unterstrich Ziegner die Bedeutung des nach Noten des Fachmagazins "kicker" (2,50 im Schnitt) zweitbesten Akteurs der bisherigen Saison.

Dominic Volkmer
FCC-Kapitän Dominic Volkmer. Bildrechte: imago images/Picture Point LE

Dominic Volkmer (Carl Zeiss Jena): "Thiago oder nix" hatte Pep Guardiola ganz am Anfang seiner Zeit beim FC Bayern den Verantwortlichen für den Sommertransfermarkt 2013 mitgegeben. Allerdings musste der damalige Cheftrainer des Rekordmeisters für diesen Wunsch keine Gehaltseinbußen hinnehmen. Lukas Kwasniok jedoch nahm am Ende der jüngsten Sommertransferperiode bereitwillig eine schmalere Lohntüte in Kauf, um seinen "Wunschspieler" Dominic Volkmer von Zweitligist Jahn Regensburg für eine niedrige sechsstellige Summe auszulösen.

Volkmer ist ein wuchtiger Innenverteidiger mit dem Gardemaß von 1,94 Meter, der "Mentalität und Führungsqualität verkörpert" (O-Ton Kwasniok). Der gebürtige Niedersachse war bereits in der Rückrunde 2018/19 an den FCC ausgeliehen und beim sensationellen Klassenerhalt eine Schlüsselfigur in der Jenaer Defensive. Nach desaströsem ersten Saisondrittel mitsamt der Entlassung Kwasnioks braucht es nun den nächsten Jenaer Husarenritt. Die Blau-Gelb-Weißen um Kapitän Volkmer müssen neun Punkte Rückstand wettmachen.

Die mitteldeutsche Drittliga-Elf des ersten Halbjahres

Johannes Brinkies
Tor: Johannes Brinkies (Zwickau) Bildrechte: imago images/foto2press
Johannes Brinkies
Tor: Johannes Brinkies (Zwickau) Bildrechte: imago images/foto2press
Dominic Volkmer
Abwehr: Dominic Volkmer (Jena) Bildrechte: imago images / Picture Point
Jubelnder Torschütze Sebastian Mai (Hallescher FC).
Abwehr: Sebastian Mai (Halle) Bildrechte: imago images / MIS
Tobias Müller
Abwehr: Tobias Müller (Magdeburg) Bildrechte: imago images/Jan Huebner
Tor für Zwickau, Fabio Viteritti (11, Zwickau) trifft per Strafstoß zum 1:0
Mittelfeld: Fabio Viteritti (Zwickau) Bildrechte: Picture Point
Erik Tallig
Mittelfeld: Erik Tallig (Chemnitz) Bildrechte: imago images / Picture Point
Bentley Baxter Bahn (Hallescher FC)
Mittelfeld: Bentley Baxter Bahn (Halle) Bildrechte: imago images / foto2press
Sören Bertram (1. FC Magdeburg)
Mittelfeld: Sören Bertram (Magdeburg) Bildrechte: imago images/foto2press
Im Bild v.l.: Tobias Schröck, 21, Ingolstadt und Philipp Hosiner 26, Chemnitz.
Sturm: Philipp Hosiner (Chemnitz) Bildrechte: imago images/Picture Point
Terrence Boyd
Sturm: Terrence Boyd (Halle) Bildrechte: imago images/Hartmut Bösener
Elias Huth (FSV Zwickau) am Ball
Sturm: Elias Huth (Zwickau) Bildrechte: imago images/Picture Point
Patrick Glöckner
Trainer: Patrick Glöckner (Chemnitz) Bildrechte: imago images / foto2press
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Mittelfeld

Zwickauer Torjubel nach dem 1:o durch Fabio Viteritti (re., 11, Zwickau).
Standardspezialist Fabio Viteritti. Bildrechte: Picture Point

Fabio Viteritti (FSV Zwickau): Mit Energie Cottbus misslang Fabio Viteritti in der vergangenen Saison auf dramatische Art und Weise am letzten Spieltag in Braunschweig der Klassenerhalt. Abgestiegen ist der abschlussstarke Mittelfeldspieler dennoch nicht - sondern wechselte zum FSV Zwickau. Dort gehörte er in der Hinrunde zu den zweifellos Besten im Kader von Cheftrainer Joe Enochs. Fünf Tore, fünf Vorlagen - eine starke Quote für den 26-Jährigen, der in Lörrach an der Schweizer Grenze geboren wurde, aber schon seit einigen Jahren in Ostdeutschland unterwegs ist. Zuerst in Magdeburg, dann in Neustrelitz und Cottbus sowie nun in Zwickau. Der Mann mit den italienischen Wurzeln ist also mittlerweile ein halber "Ossi". Der Standardspezialist gehört nicht zuletzt ob seiner Kreativität in der Offensive in unsere Elf hinein.

Bentley Baxter Bahn (Hallescher FC): Was auch immer den Bankkaufmann Heiner und die Zahntechnikerin Meike im August vor 27 Jahren dazu bewogen hatte, ihren neugeborenen Sohn Bentley Baxter zu nennen - sie hofften vielleicht irgendwie darauf, dass sich ihr Sprössling mal einen Namen machen wird. Zumindest in den hiesigen Gefilden ist ihm das gelungen. Ein herausragender Drittliga-Leistungsträger wie er darf dann auch mit Fug und Recht den einer Edelkarosse würdigen Namen tragen.

Auf dem Platz ist er in der kampfstarken HFC-Truppe tatsächlich ein Motor, der auch die feine Klinge schlagen kann. Bahn treibt das Spiel der Saalestädter als Verbindungsakteur zwischen Abwehr und Angriff an. Im Idealfall zahlt sich das im Mai aus - mit dem angestrebten Aufstieg in die 2. Bundesliga.

1.FC Magdeburg - Hallescher FC emspor, v.l. Soeren Bertram Magdeburg, 20 Jubel, Torjubel, jubelt über das Tor
FCM-Neuzugang Sören Bertram jubelt nach seinem Derbytreffer gegen seinen Ex-Klub HFC. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Sören Bertram (1. FC Magdeburg): Wie auch hier schon erwähnt, hat der 1. FC Magdeburg eine alles andere als zufriedenstellende Hinrunde gespielt. Neben dem ewigen Torjäger Christian Beck oder Verteidiger Tobias Müller war Sören Bertram noch einer der wenigen Lichtblicke.

Nicht zuletzt schrieb er sich mit dem 1:0-Siegtor im Sachsen-Anhalt-Derby gegen den Halleschen FC gleich ein eigenes kleines Kapitel in der FCM-Vereinsgeschichte. Von 2014 bis 2016 stand der Linksfuß übrigens beim Erzrivalen aus der Saalestadt unter Vertrag. Was er sich wohl dabei gedacht hat, ausgerechnet beim direkten Konkurrenten anzuheuern? Bertram: "Es ist schön, die 20.000 Fans mal im Rücken zu haben und nicht gegen sich."

Erik Tallig (Chemnitzer FC): Mit dieser rasanten Entwicklung hätten vor Saisonstart wohl nur die Wenigsten gerechnet. Auch David Bergner nicht, der dem CFC-Eigengewächs Erik Tallig in der vergangenen Saison zu dessen ersten Einsätzen in der ersten Mannschaft samt Profivertrag verholfen hatte. Während der ersten zwei Monate dieser Drittliga-Spielzeit musste sich der vormalige Abiturient dann noch mit regelmäßigen Joker-Einsätzen begnügen, bis ihn Bergners Nachfolger auf dem Cheftrainerposten, Patrick Glöckner, beinah ausschließlich von Beginn an ins kalte Wasser warf.

Und der unbekümmerte 19-Jährige, bereits seit 2009 im Verein, beeindruckte fortan. "Erik ist ein Spieler, der immer an sich arbeitet, weiter will und sich nicht ausruht. Ihm ist klar, dass er sich auch nicht ausruhen kann, wenn er im Team bleiben möchte", betonte Trainer Glöckner in der "Freien Presse". Talligs vier Tore und eine Vorlage seit dem Startelfdebüt Anfang Oktober in Großaspach sollen also erst der Anfang gewesen sein.

Angriff

Philipp Hosiner und Erik Tallig
Zwei Garanten des Chemnitzer Aufschwungs: Knipser Philipp Hosiner (li.) und Senkrechtstarter Erik Tallig (re.). Bildrechte: imago images/Picture Point

Philipp Hosiner (Chemnitzer FC): Dass Philipp Hosiner überhaupt noch Hochleistungssport betreiben kann, das allein grenzt an ein kleines Wunder. Der hoch veranlagte Angreifer hatte nicht zuletzt in der Heimat bei Austria Wien europaweit auf sich aufmerksam gemacht, ehe 2015 ein während des Medizinchecks beim 1. FC Köln entdeckter, zwei Kilo schwerer Nierentumor entfernt werden musste. Diesen Schicksalsschlag überstand der Strafraumknipser genauso wie einen einseitigen Lungenkollaps im Dezember 2016, als er für Union Berlin in der 2. Bundesliga spielte.

Über zweieinhalb Jahre später lotste Drittliga-Rückkehrer CFC kurz vor Ablauf der Sommertransferfrist den österreichischen Ex-Nationalspieler von Sturm Graz nach Chemnitz. Bei den "Himmelblauen" machte sich der mittlerweile 30-jährige Routinier schnell unverzichtbar. Knüpft er auch im neuen Jahr an seine aktuelle Fabelquote an (13 Spiele, 9 Tore, 3 Assists), könnte er die CFC-Lebensversicherung im Abstiegskampf sein.

Elias Huth (FSV Zwickau #32) mit Steffen Puttkammer (SV Meppen #22)
Volltreffer von Zwickaus Sportdirekter Toni Wachsmuth im Sommer: Leihspieler Elias Huth (li.) überzeugt bei den Westsachsen. Bildrechte: EIBNER/Frank Wenzel

Elias Huth (FSV Zwickau): Da hat der FSV Zwickau einen echten Fang gemacht. Als Pendant zu Altmeister Ronny König hatten die Sachsen Elias Huth vom 1. FC Kaiserslautern ausgeliehen - und der Neuzugang erwies sich bislang als wahrer Glücksgriff. Acht Tore und vier Vorlagen bezeugen die starken Leistungen des Youngsters. Gerade in der Anfangsphase der Saison, als es beim FCK gar nicht rund lief, hatten ihn die Kaderplaner der "Roten Teufel" mit einiger Sicherheit vermisst. Bitter nur für die Westsachsen, die den 22-Jährigen wenig verwunderlich nur allzu gern über die Saison hinaus binden würden: Trifft der robuste, schnelle, technisch beschlagene Huth weiter wie am Fließband, dürfte er vielleicht noch für ganz andere Vereine interessant werden.

Terrence Boyd (Hallescher FC): Spätestens seit seinem Hammer-Tor gegen den MSV Duisburg war Terrence Boyd nun auch bundesweit in aller Munde. Der 14-fache US-Nationalspieler, der zu Saisonbeginn überraschend von Toronto FC aus der Major League Soccer (MLS) nach Halle gewechselt war, erzielte in 17 Einsätzen zehn Tore und ist damit Top-Scorer der Hallenser. Man munkelt, dass Boyds traditioneller Jubel, sich mit dem Unterarm die Augen zuhalten, um sein Zyklopen-Auge-Tattoo zum Vorschein zu bringen - mittlerweile auch auf Hallenser Schulhöfen und Bolzplätzen angekommen ist und den breitbeinigen Gockel Marke Cristiano Ronaldo verdrängt hat.

Terrence Boyd 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

00:41 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-360588.html

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Terrence Boyd 1 min
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Video

Trainer

Christian Tiffert und Patrick Glöckner
Dank Patrick Glöckner - hier mit Assistent Christian Tiffert - fand der CFC in die Spur zurück. Bildrechte: imago images / Sportfoto Rudel

Patrick Glöckner (Chemnitzer FC): Patrick... wer? Vor dem 22. September war der Fußballlehrer Patrick Glöckner in Sachsen ein vollkommen unbeschriebenes Blatt. Dann wurde er Trainer beim Chemnitzer FC - und hat es geschafft, aus einem allzuoft glücklosen Aufsteiger einen ernstzunehmenden Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt zu machen, der darüber hinaus sogar spektakulären Fußball bietet. Zwar stehen die Chemnitzer mit derzeit einem Punkt Rückstand nach wie vor auf einem Abstiegsplatz, doch die Leistungskurve zeigte seit Glöckners Amtsantritt klar nach oben. Den Tipp, den mittlerweile 43-Jährigen zu verpflichten, gab ausgerechnet das zweitberühmteste Chemnitzer Denkmal nach dem "Nischl": Michael Ballack.

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mze/mhe

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR Aktuell | 25. Dezember 2019 | 17:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Dezember 2019, 10:44 Uhr

3 Kommentare

Riesenberger vor 3 Wochen

Schöne und ausgewogene Auswahl. Würde mich freuen, wenn im Team der kompletten Saison noch die Sportfreunde Reddemann und Garcia auftauchen würden. Und im Zusammenhang mit dem CFC vom Comeback des Jahres die Rede wäre.
Allen Fans der NOFV-Mannschaften frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr.

revolvere vor 3 Wochen

auf gehts. ihr hallenser bubele - brust raus!
wir sehn uns in rostock.
dazwischn nemmer nochn schluck! prost!

Allgaeu vor 3 Wochen

Guten Morgen MDR
wäre schön wenn Bahn noch in Zwickau spielen würde
Grüße aus dem Allgäu