Fußball | 3. Liga Die Neulinge in Liga 3

Mit dem FC Energie Cottbus, TSV 1860 München und dem KFC Uerdingen kehren drei Vereine in den Profifußball zurück, die aus einer schwierigen Phase kommen und nun wieder an vergangene Zeiten anknüpfen wollen.

von Julien Bremer

FC Energie Cottbus

In der Regionalliga Nordost gelang Energie Cottbus ein souveräner "Start-Ziel-Sieg". Die Lausitzer dominierten die Staffel vom 1. Spieltag und stiegen als Meister solide in die 3. Liga auf, auch wenn sie in den Relegationsspielen gegen Weiche Flensburg kurz zittern mussten. Damit konnte die Talfahrt des Vereins vorerst gestoppt werden, die ihren traurigen Höhepunkt 2016 im Abstieg in die vierte Liga gefunden hatte.

Wenn es nach Trainer Claus-Dieter Wollitz geht, soll es für den Verein aber noch weiter nach oben gehen: "Eindrucksvoller kann man nicht beweisen, dass Energie Cottbus nicht in die dritte Liga gehört, sondern irgendwann mal wieder in die zweite Liga", sagte er während der Pressekonferenz nach dem letzten Spiel gegen Weiche Flensburg. In der Lausitz haben sie durchaus Erfahrungen mit Bundesliga-Fußball:

Die Cottbuser Spieler feiern mit ihren Fans den Aufstieg.
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In der Bundesliga immer Außenseiter

Im Jahr 1997 gelang den Cottbussern unter Trainer Eduard Geyer der Aufstieg in die zweite Liga und nur drei Jahre später sogar der sensationelle Sprung ins Oberhaus. Entgegen vieler Expertenmeinungen schaffte der Verein zwei Mal den Klassenerhalt. Zu den Leistungsträgern im Kader zählten damals Vasile Miritua, Antun Labak und Kulttorhüter Tomislav Piplica. Im dritten Bundesliga-Jahr musste Energie 2003 den Gang in die zweite Bundesliga antreten.

Doch nur drei Jahre später waren die Lausitzer unter Trainer Petrik Sander wieder da und konnten sich wieder für drei Jahre im Oberhaus behaupten. Viele Fans erinnern sich heute noch gern an den Heimsieg 2008 gegen den Tabellenführer FC Bayern München - eine Sternstunde im Stadion der Freundschaft. Ein Doppelpack von Branko Jelic sowie ein gehaltener Ribery-Elfmeter von Gerhard Tremmel bescherten den Cottbussern den wichtigen Sieg für den Klassenerhalt. Ein Jahr später ging es für Energie aber wieder runter. In der neu geschaffenen Relegation unterlag man als 16. der Bundesliga, dem 1. FC Nürnberg. Seitdem ging es mit dem Verein Stück für Stück weiter bergab.

Branko Jelic (Cottbus, li.) schieߟt das 2:0 gegen Torwart Oliver Kahn (Bayern)
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TSV 1860 München

Auch die Münchener "Löwen" mischten lange Zeit im Konzert der Großen im deutschen Fußball mit, bevor sie der Niedergang ereilte und bis in die Regionalliga spülte. Von 1994 bis 2004 waren die "60er" erstklassig. Durch kluge Transfers und kontinuierliche Arbeit entwickelte sich das Team unter Werner Lorant Jahr für Jahr weiter.

Im Jahr 2000 folgte dann der Höhepunkt mit dem vierten Platz der Liga und der damit verbundenen Champions-League-Qualifikation sowie zwei Derbysiegen gegen den Rivalen Bayern München. Spieler wie Thomas Häßler, Martin Max oder Harald Cerny zählten damals zu den absoluten Leistungsträgern des Teams.

Thomas Häߟler (li., 1860) verwandelt den Freistoߟ zum 3:1 Ehrentreffer, die Bayern-Mauer ist machtlos, 2000.
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In der darauffolgenden Saison verpassten die Münchener gegen Leeds United die Qualifikation für die Königsklasse und auch in der Liga konnte das Team nicht mehr an die Erfolge anknüpfen. So beerbte Peter Pacult Lorant auf der Trainerbank der "Löwen". Doch auch unter ihm kamen die Münchener nicht über das Mittelmaß hinaus, sodass er von Falko Götz abgelöst wurde. Dieser hatte dann die undankbare Aufgabe, den Kader auszudünnen, Stars wie Häßler und Davor Suker mussten den Verein verlassen.

Mit der Unruhe kam der Misserfolg

Auch neben den Platz nahmen die Unruhen zu. Präsident Karl-Heinz Wildmoser und sein Sohn wurden 2004 wegen Bestechungsvorwürfen im Rahmen des Stadionbaus festgenommen und das Chaos im Verein war perfekt. Es folgte 2004 der Abstieg in die 2. Bundesliga. In der ersten Saison wurde der Wiederaufstieg dank einer starken Rückrunde unter Trainer Reiner Maurer knapp verpasst. In den folgenden Jahren rutschte der Verein aber immer weiter ins Niemandsland der 2. Liga ab.

Um deine drohende Insolvenz abzuwenden, suchten sich die Vereinsverantwortlichen Unterstützung beim jordanischen Investor Hasan Ismaik, der große Pläne mit den "60ern" hatte und den Wiederaufstieg anpeilte. Allerdings wurde das Geld nicht gut eingesetzt, interne Querelen beschleunigten die Talfahrt der "Löwen", die 2017 im Abstieg aus der 2. Bundesliga gipfelte. Da Ismaik die forderlichen Zahlungen für Liga 3 verweigerte, musste der TSV 1860 München in die Regionalliga absteigen und schaffte dort unter Trainer Daniel Bierofka erfolgreich den Neuanfang.

KFC Uerdingen 05

Der dritte im Bunde der Aufsteiger ist KFC Uerdingen, der sich in der Regionalliga West durchgesetzt und im Aufstiegsspiel den SV Waldhof Mannheim bezwungen hat. Zwar ist der Aufstieg aufgrund des Spielabbruchs nach den Vorkommnissen der Mannheim-Fans noch unter Vorbehalt, aber der Rückkehr der Krefelder in den Profifußball sollte nichts mehr im Weg stehen.

Wie die beiden Mitaufsteiger können die Uerdinger auf eine stolze Bundesligageschichte und auch Europapokalgeschichte zurückblicken. Die erfolgreichsten Jahre hatte der Verein von 1983 bis 1996, in denen die "Blau-Roten" bis auf zwei Ausnahmen ( 91/92; 93/94) der 1. Bundesliga angehörte. Unter Trainer Karl-Heinz-Feldkamp gelangen den Uerdingern die größten Erfolge der Vereinsgeschichte. So holten sie 1985 den DFB-Pokal, als sie die Bayern mit 2:1 im Finale bezwangen.

Das Wunder von der Grotenburg

Wolfgang Funkel trifft 1986 gegen Torwart Bernd Jakubowski
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Damit waren sie in der darauffolgenden Saison für den Europapokal der Pokalsieger qualifiziert und trafen im Viertelfinale auf Dynamo Dresden. Nach einer 0:2-Hinspielniederlage in Dresden lag der KFC zur Halbzeit des Rückspiels mit 1:3 zurück. Es folgten die wohl verrücktesten 45 Minuten im Profifußball zwischen zwei deutschen Teams, Uerdingen gewann das Spiel noch mit 7:3 und zog ins Halbfinale ein. Die Begegnung ging als "Wunder von der Grotenburg" in die Fußball-Geschichtsbücher ein. Im Halbfinale war dann gegen Atletico Madrid Schluss, in der Liga belegten die Krefelder 1986 einen sensationellen dritten Platz hinter Bayern München und Werder Bremen.

Nachdem Feldkamp den Verein 1987 verlassen hatte, übernahmen Namen wie Horst Köppel, Rolf Schafstall und Felix Magath den Verein. Letzterer holte keinen Geringeren als Stéphane Chapuisat in die Bundesliga. Doch ab 1995 war es vorbei mit den großen Namen in Uerdingen. Der damalige Hauptsponsor, der Bayer-Konzern, beschloss, zukünftig nur noch den Verein aus Leverkusen zu unterstützen. Der Verein wurde von Bayer 05 Uerdingen in KFC Uerdingen 05 umbenannt. Es folgten Lizenzverstöße und Insolvenzverfahren und der Absturz bis in die Verbandsliga Niederrhein.

Trainer Stefan Krämer (Uerdingen)
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Von dort kämpften sich die Uerdinger wieder zurück und schafften nun unter Trainer Stefan Krämer die Rückkehr in die dritte Liga. Krämer wurde erst im März als Trainer vorgestellt, nachdem sich die Verantwortlichen von seinem Vorgänger Michael Wiesinger getrennt haben. Für Krämer ist es der zweite Aufstieg in seiner Trainerkarriere im Profifußball.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 28. Mai 2018 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Mai 2018, 16:52 Uhr

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2 Kommentare

29.05.2018 12:22 Bernd 2

Also der MDR ist doch der Bildungssender schlechthin. Immer wieder erfaehrt man Neues. So war ich bis vorhin der Meinung, dass Uerdingen in den Spielzeiten 75/76, 79/80 und 80/81 in der ersten Liga spielte. Scheint so nicht so gewesen zu sein, also gut das es den MDR gibt

[Vielen Dank für Ihren Hinweis! Die Sport-Redaktion hat es im Artikel präzisiert. Viele Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

29.05.2018 09:14 dd 1

Man kann nur hoffen, Cottbus sofort zurück in die RL.