Fußball | 3. Liga Die Saison-Tops und Flops der mitteldeutschen Drittligisten

Chemnitz und Jena müssen in die Regionalliga runter, während Magdeburg, Halle und Zwickau den Klassenerhalt feiern konnten. Wir blicken auf die Tops und Flops der mitteldeutschen Drittligisten in der abgelaufenen Saison.

Schriftzug EGAL WIE  auf der Osttribüne im Zwickauer Stadion.
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Magdeburg: Hoßmang-Coup und Wollitz-Flop

Thomas Hossmang Magdeburg, Trainer gibt Anweisungen, gestikuliert mit den Armen
Thomas Hoßmang schaffte mit dem FCM am vorletzen Spieltag (Archiv). Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Top: Hoßmang - vom Interims- zum Cheftrainer?

Beim 1. FC Magdeburg lassen sich die Tops und Flops relativ leicht anhand von zwei Trainerentscheidungen erzählen. Zu den Tops zählt dabei die Beförderung des bisherigen Nachwuchscoaches Thomas Hoßmang nach dem 31. Spieltag. Der frühere Bundesliga-Spieler von Dynamo Dresden startete direkt mit einem im Abstiegskampf eminent wichtigen 2:0- Sieg gegen Viktoria Köln und stabilisierte das Team danach mit drei Unentschieden in Folge - darunter das 1:1 im Derby gegen Halle durch einen Treffer von Nachwuchsmann Julian Weigel in letzter Minute.

Überhaupt setzte Hoßmang viel mehr als seine Vorgänger auf die eigene Talentschmiede: Mit Theo Ogbidi kam beim 2:2 gegen Bayern München II ein weiterer A-Jugendlicher zu seinem ersten Einsatz, beim 2:2 gegen Preußen Münster am letzten Spieltag saßen gleich vier von ihnen auf der Auswechselbank. Da war der Klassenerhalt für den FCM bereits gesichert und Hoßmang hatte seine Mission erfüllt. Die große Frage lautet nun: Bleibt der 53-Jährige Chefcoach oder rückt er ins zweite Glied zurück. Sowohl Hoßmang als auch Geschäftsführer Mario Kallnik wollten nach der Münster-Partie keine Antwort darauf geben, aber Vergleiche mit Erfolgstrainer Jens Härtel deuten daraufhin, dass Hoßmang acht Jahre nach seiner letzten Chefcoach-Stelle beim VFC Plauen mal wieder als solcher arbeiten könnte.

Flop: Das Wollitz-Missverständnis

Magdeburgs Trainer Claus-Dieter Wollitz
Die "Ära" Claus-Dieter Wollitz dauerte in Magdeburg nur elf Spiele (Archiv). Bildrechte: dpa

Das komplette Gegenteil zu Hoßmang stellt Claus-Dieter Wollitz dar. Mit hohen Erwartungen als Nachfolger des nicht unbedingt unerfolgreichen Stefan Krämer zum Jahresende 2019 installiert, kam schon nach elf Partien das Aus für "Pele". Dabei holte der frühere Cottbuser Coach gerade mal zwei Siege, statt Aufstiegs- hieß es Aufstiegskampf.

Wollitz begann schon mit einem schweren Rucksack, da nicht nur viele FCM-Fans die Entlassung von Krämer kritisch sahen - auch seiner eigener Abgang von Energie, das zu dem Zeitpunkt auf Rang eins der Regionalliga Nordost stand, sorgte für Verwunderung. Dann kam dem 54-Jährigen auch noch die Corona-Pause dazwischen, aus der der FCM mit einem 0:1 gegen Kaiserslautern denkbar schlecht startete. So war das Wollitz-Missverständnis schon bald wieder beendet und beide Seiten, Verein und Ex-Coach stehen mit Image-Schaden da.

Halle: Höhenflug, Talfahrt und Kehrtwende

Tariner Florian Schnorrenberg am Spielfeldrand.
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Top: Florian Schnorrenberg, der "Retter" des HFC

Was bringt ein Trainerwechsel so kurz vor Saisonende? Und warum schmeißt man einen Trainer, den man gerade erst geholt hat, gleich wieder raus? Der Hallesche FC hat diese Fragen mit der Verpflichtung von "Retter" Florian Schnorrenberg eindeutig beantwortet.

Auch der Saisonstart war toll, die Mannschaft um Topstürmer Terrence Boyd war zeitweise sogar Tabellenführer. Dann war es unter Trainer Torsten Ziegner aber immer weiter bergab gegangen, auch Ziegners Nachfolger Ismail Atalan konnte die Wende nicht schaffen. Und dann kam Schnorrenberg und führte die Mannschaft gleich bei seinem Debüt zum ersten Dreier nach 13 sieglosen Spielen. Unter ihm verlor der HFC in den letzten acht Spielen nur noch ein einziges Mal – und schaffte am vorletzten Spieltag gegen Kaiserslautern den vorzeitigen Klassenerhalt.

Flop: Ismail Atalan, das Fünf-Spiele-Missverständnis

Trainer Ismail Atalan, sich die Hände vor das Gesicht haltend
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Es ist für jeden Trainer eine ganz besondere Herausforderung, eine Mannschaft zu übernehmen, die sich gerade in einem Abstiegsstrudel befindet. Auch für Ismail Atalan, den der Halleschen FC vor dem 26. Spieltag verpflichtete, um nach acht Spielen ohne Sieg die Talfahrt zu stoppen. Doch der Nachfolger von Torsten Ziegner war dieser schweren Aufgabe offenbar nicht gewachsen. Gleich das erste Spiel ging beim Abstiegskandidaten Großaspach 0:1 verloren; es folgten vier weitere Partien, in denen der HFC nur einen einzigen Punkt holte. Wobei erschwerend hinzukam, dass Atalan ausgerechnet kurz vor der Corona-Pause nach Halle kam – die meiste Zeit seiner Trainertätigkeit in Halle fand kein einziges Spiel statt.

Chemnitz: "Lichtblick" Hosiner und ein Dauer-Streit

v.l.: Maurice Hehne 5, Zwickau und Philipp Hosiner 26, Chemnitz
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Top: Philipp Hosiner, der mitteldeutsche Tor-Garant

An ihm lag es nicht: Philipp Hosiner war der Tor-Garant des Chemnitzer FC. Mit 19 Saisontoren landete der Österreicher am Ende auf Platz drei der Torjägerliste, hinter Kwasi Okyere Wriedt vom FC Bayern II (24) und Albert Bunjaku von Viktoria Köln (20). Er ist damit auch der beste mitteldeutsche Torschütze der abgelaufenen Saison. Da passte es ins Bild, dass Hosiner ausgerechnet am Tag des Abstiegs noch einmal ordentlich knipste – und zwar gleich dreimal. Vielleicht, so möchte man mutmaßen, hätte er noch häufiger treffen müssen – insbesondere nach dem Re-Start, als ihm bis zum letzten Spieltag kein einziges Tor gelang.

Flop: Der Dauer-Streit zwischen den CFC-Fans und Klaus Siemon

Dass beim Chemnitzer FC am Ende wieder über Fußball gesprochen werden konnte, ist schon bemerkenswert. Denn eigentlich beherrschen immer noch andere Themen den Verein, allen voran das laufende Insolvenzverfahren. Ein erfolgreiches Ende dieses Verfahrens sei mit dem Abstieg in weite Ferne gerückt, sagte Insolvenzverwalter Klaus Siemon am Sonntag – und gab die Schuld am Chemnitzer Abstieg ausgerechnet den Fans, die die Mannschaft seit dem Re-Start nicht unterstützt hätten. Damit schließt sich gewissermaßen ein Kreis, denn die Querelen zwischen der Chemnitzer Fanszene und Siemon zogen sich durch die gesamte Saison. Dabei ging es auch um den Re-Start nach der Corona-Pause: Die Fans kritisierten den "beispiellosen Schlingerkurs" des CFC, der erst für einen Saisonabbruch plädierte, dann jedoch für eine Saisonfortsetzung.

Zwickau: Die "Entdeckung" Huth und ein Rechtsstreit

Der Kopfball von Elias Huth (32, Zwickau) in der ersten Minute brachte nichts ein.
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Top: Elias Huth, das perfekte Ronny-König-Pendant

Er ist die mitteldeutsche Entdeckung der Saison: Elias Huth, ausgeliehen vom 1. FC Kaiserslautern, bereitete den Fans des FSV Zwickau in der abgelaufenen Spielzeit eine Menge Freude. Mit 14 Toren steht Huth in der mitteldeutschen Torjägerliste auf dem zweiten Platz hinter dem Chemnitzer Philipp Hosiner (19) und gemeinsam mit dem Hallenser Terrence Boyd (14). Mit seinen 23 Jahren war er das perfekte Pendant zum 37-jährigen Routinier Ronny König, mit dem er häufig ein Sturmduo bildete. Und natürlich war er auch am Klassenerhalt maßgeblich beteiligt, als er beim letztlich vorentscheidenden Spiel gegen Chemnitz die zwischenzeitliche 1:0-Führung für Zwickau erzielte.

Flop: Der Rechtsstreit mit Sebastian Wimmer

Der FSV Zwickau trat in der Öffentlichkeit fast immer als geschlossene Einheit auf, vom Vorstand über den Trainer bis zur Mannschaft. Nur in diesem einen Fall war das anders: Als der Verein Corona-bedingt auf Kurzarbeit umstellte, war Spieler Sebastian Wimmer mit dieser Maßnahme nicht einverstanden und leitete rechtliche Schritte ein. Zum Trainingsstart im Mai war er nicht erschienen. Zwickaus Sportdirektor Toni Wachsmuth wertete das als "klares Bekenntnis gegen Mannschaft und Verein". Wimmer gehörte seit dem Re-Start nicht mehr zum Kader der Westsachsen, sein Vertrag lief zum Saisonende aus.

Jena: Nachwuchs-Hoffnungen und Sommer-Flops

FCC-Teamchef René Klingbeil mit den ins Profiteam gerückten Nachwuchsspielern Paul Fromm, Kevin Kratzsch, Vasileios Dedidis (obere Reihe v. li.), Laurens Zintsch, Moritz Leibelt und Niclas Fiedler (untere Reihe v. li.).
Teamchef René Klingbeil mit den ins Profiteam gerückten Nachwuchsspielern Paul Fromm, Kevin Kratzsch, Vasileios Dedidis (obere Reihe v. li.), Laurens Zintsch, Moritz Leibelt und Niclas Fiedler (untere Reihe v. li.). Bildrechte: FC Carl Zeiss Jena

Top: Die Weichen für die Zukunft scheinen gestellt

Es gab nicht viele Lichtblicke in einer Jenaer Katastrophensaison, die mit dem Abstieg als abgeschlagener Tabellenletzter endete. Doch etwas Hoffnung auf die kommende Spielzeit machen die Leistungen einiger der Nachwuchsspieler, die Anfang Juni zu den Profis hochgezogen wurden als der Klassenerhalt schon nicht mehr möglich war.

Drei von ihnen kamen in der Endphase der Saison dann auch bereits regelmäßig zum Einsatz: Der 20-jährige Stürmer Vasileios Dedidis (fünf Spiele), der 18-jährige Außenverteidiger Eric Voufack (4) und der 22-jährige Abwehrmann Niclas Fiedler (4). Dazu stand der 20-jährige Lukas Sedlak - schon seit Saisonbeginn im Kader - bei den letzten beiden Partien im Tor. "Die Jungs sollen das mitnehmen als Lernprozess", sagte der scheidende Teamchef René Klingbeil. In der neuen Saison müssten dann aber einige Fehler abgestellt werden.

Flop: Sommer-Verstärkungen waren großteils keine

 Daniele Gabriele Jena, jubelt über das Tor
Daniele Gabriele war einer der wenigen Lichtblicke bei den Jenaer Sommerzugängen. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

13 Spieler verließen den Verein im Sommer und 15 kamen neu hinzu. Doch von diesen konnten allein Stürmer Daniele Gabriele, mit neun Treffern bester FCC-Torschütze und mit Abstrichen Routinier Nico Hammann überzeugen. Gabrieles Sturmkollegen Anton Donkor und Kilian Pagliuca kamen dagegen jeweils nur auf zwei Treffern, Meris Skenderovic blieben komplett torlos.

Auch die Abwehr um die Zugänge Marian Sarr, Manuel Maranda, Tim Kircher und Dominic Volkmer (nach seiner Leihe in der Vorsaison) entwickelte sich mit am Ende 85 Gegentoren zur Schießbude der Liga. Pagliuca, Skenderovic, Sarr und Volkmer wurden bereits im Zuge des Hochziehens der Nachwuchsspieler aussortiert, auch von den restlichen Sommerzugängen dürfte kaum einer den Weg in die Regionalliga mit antreten.

Die Saisonanalyse mit Lutz Lindemann

Lutz Lindemann zeigt auf die Vereinslogos der dritten Liga: FC Carl Zeiss Jena, FSV Zwickau, Hallescher FC, 1. FC Magdeburg und Chemnitzer FC 24 min
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 04. Juli 2020 | 16:30 Uhr

2 Kommentare

altmarkboy vor 11 Wochen

Um den Fussball aus Mitteldeutschland in den Focus zu rücken, könnte der MDR doch eine Art "Doppelpass" für Liga 3 ins Leben rufen. Darüber würden sich nicht nur Fans freuen, sondern auch die vielen kleinen Sponsoren. Sowas wäre auch eine Art der Hilfe, den Fussball im Osten vor den totalen Absturz zu bewahren.

Maxi B. vor 11 Wochen

Bei dem Siemon fehlen einem immer wieder aufs neue die Worte.