Fußball | 3. Liga Aufstiegsambitionen und Abstiegsangst vor dem Drittliga-Start

Am Freitag beginnt die neue Drittliga-Saison. Bevor es so richtig losgeht, werfen wir noch einmal einen Blick auf die mitteldeutschen Vertreter aus Dresden, Halle, Magdeburg und Zwickau. Wie ist der Stand vor dem Saisonstart?

Logos der Mannschaften Dynamo, Magdeburg, Halle und Zwickau
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Dynamo Dresden: Als Aufstiegsfavorit in die Saison

Nach dem bitteren Abstieg aus der 2. Bundesliga gibt es für Dynamo Dresden in der Saison 2020/21 den Neustart in der 3. Liga. Das Ziel für die Spielzeit scheint dabei klar: Es zählt nur der Wiederaufstieg. Und das scheint auch im Bereich des Möglichen zu liegen, denn Dresden gilt bei 16 der 20 Drittliga-Trainer als Favorit, wenn es um das Erreichen der Aufstiegsplätze geht. Auch im völlig neuformierten Kader scheint diese Meinung bereits vorzuherrschen. "Unsere Brust ist sehr breit", sagt ein selbstbewusster Sebastian Mai, der als neuer Kapitän und Abwehrchef zudem einer der wichtigsten Neuzugänge ist.

Komplettumbruch in der Mannschaft

Von Florian Ballas, Jannis Nikolaou, Alexander Jeremejeff und Co. ist im aktuellen Kader nichts mehr zu sehen. Jetzt soll es die neue SGD-Garde um die Mittelfeldspieler Patrick Weihrauch und Yannick Stark und die Knipser Philipp Hosiner, Christoph Daferner und Pascal Sohm richten. Dass die Mannschaft auf einem guten Weg ist, hat man nicht nur phasenweise in der Vorbereitung gesehen, sondern vor allem beim überzeugenden 4:1-Sieg gegen den zweitklassigen Hamburger SV im DFB-Pokal. Durch den Sieg ist klar, dass mit den Schwarz-Gelben in dieser Drittliga-Saison zu rechnen ist.

Sebastian Mai
Sebastian Mai ist der neue Abwehrchef bei der SGD. (Archiv) Bildrechte: imago images/Contrast

Saisonziel? Kauczinski stapelt tief

Für die Geschicke der Mannschaft sorgt an der Seitenlinie weiter Trainer Markus Kauczinski, der im Gegensatz zum vergangenen Jahr eine komplette Vorbereitung mit seinem neuen Kader gestalten konnte. Das zeigt Wirkung: Spielphilosophie und Mannschaft scheinen zusammenzupassen - siehe Sieg gegen den HSV. Das Thema Aufstieg behandelt er dennoch zurückhaltend. "Meine drei Favoriten um den Aufstieg in die 2. Bundesliga sind der MSV Duisburg, der FC Ingolstadt 04 und der FC Viktoria Köln", so Kauczinski gegenüber der "Sächsischen Zeitung". Dennoch, man sei auf dem Weg "eine gute Mannschaft" zu werden.

Ralf Becker: Der neue starke Mann

Dazu gehört auch die sportliche Leitung abseits des Platzes. Nach den Abgängen von Sport-Geschäftsführer Ralph Minge und Finanzchef Michael Born im Sommer liegt es nun an Ralf Becker, den Verein als neuer Sport-Geschäftsführer auf Kurs zu halten. Die Fußabdrücke von Vereinsikone Minge sind enorm im Dynamo-Land und auch der Druck des anvisierten Wiederaufstiegs lässt für Becker eine wenig entspannte Saison erwarten.

Ralf Becker, Dynamo Dresden
Ralf Becker lenkt die Geschicke als neuer Sport-Geschäftsführer. (Archiv) Bildrechte: imago images/Steffen Kuttner

Hallescher FC: Abstiegskampf? Nein danke!

Der Hallesche FC geht mit einigen Fragezeichen in die neue Saison. Der Grund: Bei der 1:3-Niederlage zur Generalprobe gegen eine B-Elf von Zweitligist Eintracht Braunschweig hat der HFC in allen Mannschaftsteilen teils eklatante Schwächen offenbart. "Uns unterliefen zu leichte Fehler, wir haben es uns selbst schwer gemacht", sagte der neue Kapitän Jonas Nietfeld.

Wichtigste Personalie: Terrence Boyd bleibt

Das Amt des Spielführers musste neu besetzt werden, nachdem mit Jan Washausen (Ziel unbekannt) und Sebastian Mai (Dynamo Dresden) die etatmäßigen Kapitäne des Vorjahres den Verein verlassen hatten. Mit Marcel Titsch Rivero und Julian Derstroff rückten nun zwei der insgesamt neun Neuzugänge in den Mannschaftsrat auf. Die vielleicht wichtigste Personalie: Terrence Boyd wird trotz einiger Abwerbungsversuche in der Sommerpause weiterhin für den HFC auflaufen. Im Angriff können die Fans also weiter auf seine Präsenz und Torgefahr bauen.

Terrence Boyd
Der HFC konnte Top-Stürmer Terrence Boyd halten. (Archiv) Bildrechte: imago images/Hartmut Bösener

Trainer Schnorrenberg ist vom Team überzeugt

Trainer Florian Schnorrenberg geht mit dem Erfolg des Klassenverbleibs, der lange auf wackeligen Beinen stand, in die neue Saison. "Ich bin überzeugt, dass wir eine spielstarke Mannschaft haben mit viel Erfahrung, aber auch viel Talent", sagte der 43-Jährige dem "Kicker". Um die Ziele des Vereins - tabellarisch die obere Hälfte - zu erreichen, sei es wichtig, Glück mit den Verletzungen zu haben. "Dann bin ich optimistisch, dass wir mit Unten nichts zu tun haben werden", so Schnorrenberg weiter.

Sachsen-Anhalt-Duell zum Auftakt

Zum Auftakt steht aber erst einmal das Derby gegen den 1. FC Magdeburg am 1. Spieltag an. Ein Sieg gegen den Bundeslandsrivalen könnte einen Schub für die ganze Saison bedeuten. Die Integration der Neuzugänge hat nach Aussage vom Trainer im "Kicker" schon gut geklappt, jetzt müsse er sich kurzfristig noch überlegen, wie man Magdeburg wehtun könne.

Florian Schnorrenberg
Florian Schnorrenberg ist von seiner Mannschaft überzeugt. (Archiv) Bildrechte: imago images/Revierfoto

1. FC Magdeburg: Mit Pokal-Halbzeit-Schwung in die neue Spielzeit

Nachdem sich der FCM in der vergangenen Saison erst im Endspurt retten konnte, sollen die notwendigen Punkte für den Klassenverbleib im neuen Spieljahr nach Möglichkeit schon deutlich früher auf dem Konto landen.

Corona-Fall erschwert Vorbereitung für Trainer Hoßmang

Die Vorbereitung verlief allerdings nicht störungsfrei und lässt keine allzu großen Rückschlüsse auf die Form des Teams zu. Wegen eines Corona-Falls in der Mannschaft musste der Trainingsbetrieb im August zudem zwischenzeitlich unterbrochen werden. Dadurch verzögerte sich auch die Integration der zehn Neuzugänge im Team von Trainer Thomas Hoßmang. Mit Luka Sliskovic vom FC Winterthur, Sebastian Jakubiak (Heracles Almelo) und Adrian Malachowski (GKS Belchatow) kamen drei Spieler für das zentrale Mittelfeld von ausländischen Clubs.

Trainer Thomas Hoßmang
Ein Corona-Fall in der Mannschaft hat die Vorbereitung für Trainer Hoßmang erschwert. (Archiv) Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Abwehrchef Müller fehlt lange

Zum Saisonstart am Sonntag gegen den Halleschen FC wird Abwehrchef Tobias Müller fehlen, der sich im Pokalspiel gegen Darmstadt (2:3 n.V.) einen doppelten Rippenbruch zugezogen hat und sechs Wochen ausfällt. Nach der Auswechslung von Müller hat der FCM ein wenig die Stabilität verloren und konnte die starke Leistung aus Halbzeit eins nicht wiederholen.

Beck glaubt an Erfolg gegen Halle

Im Hinblick auf die Saison überwiegt bei Stürmer Christian Beck dennoch die Zuversicht: "Wenn wir das, was wir in der ersten Halbzeit gegen Darmstadt gezeigt haben, über 90 Minuten bringen, bin ich mir sicher, dass wir am Sonntag gegen Halle als Sieger vom Platz gehen."

Christian Beck scheitert an Daniel Heuer Fernandes
Christian Beck glaubt, dass der FCM gegen Halle gewinnt. (Archiv) Bildrechte: imago/foto2press

FSV Zwickau: Klassenerhalt als oberstes Ziel

In der vergangenen Spielzeit konnte der FSV Zwickau den Abstieg gerade noch abwenden, doch für die Westsachsen hat auch in der kommenden Spielzeit der Klassenverbleib oberste Priorität. Schwer wiegt in dem Zusammenhang der Weggang von Topstürmer Elias Huth, der nach seinem Leihende zum 1. FC Kaiserslautern zurückgekehrt ist. Gerne hätte man den 14-Tore-Mann in Zwickau behalten, aber "Torjäger, die diese Quote versprechen, sind extrem begehrt und entsprechend teuer", sagt FSV-Sportdirektor Toni Wachsmuth auf "kicker.de".

Kollektiv soll Abgang von Huth auffangen

Den schmerzlichen Verlust von Huth sollen vor allem die Neuzugänge Manfred Starke und Maximilian Wolfram lindern. Eins-zu-eins-Ersatz für Huth gibt es unter den insgesamt acht Neuzugängen im Zwickauer Kader nicht. Fortan soll es das Kollektiv richten. Ziel des FSV ist es nach Angaben von Wachsmuth, eine gute Rolle zu spielen. Definitiv soll eine längere Schwächephase vermieden werden. Im Verein ist jedem allerdings klar, dass es angesichts der Konkurrenz nicht einfach werde.

Elias Huth (FSV Zwickau) am Ball
Der Abgang von Torjäger Elias Huth wiegt schwer beim FSV Zwickau. (Archiv) Bildrechte: imago images/Picture Point

Defensiv-Hilfe für Trainer Enochs im Anflug?

Schon in der Vorbereitung präsentierte sich die Mannschaft von Trainer Joe Enochs in den Leistungen sehr schwankend. Möglich, dass Wachsmuth noch einmal reagiert. "Es ist nicht auszuschließen, dass wir für den Defensivbereich personell noch einmal nachlegen", sagte Wachsmuth vor dem Auftakt am Samstag (14:00 Uhr) gegen die SpVgg Unterhaching.

ten/dpa/sid

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 17. September 2020 | 19:30 Uhr

3 Kommentare

AufmerksamerBeobachter vor 5 Wochen

Ich bin gespannt, wo zuerst die Sicherung rausfliegt diese Saison. Vermutlich bei einem ambitionierten Aufstiegskandidaten, der schlecht startet.. 'Haching, KFC?

Gelingt Turkuczi der Durchmarsch?

karsti74 vor 5 Wochen

Wünsche allen "Ost"-Vereinen eine erfolgreiche und spannende Saison, möge keiner was mit dem Abstieg zu tun haben. Aber vielleicht möglichst viele mit dem Aufstieg.

Fernsehgucker vor 5 Wochen

ein schöner Wunsch, dem schließe ich mich absolut an, Fairniss unter den Ostmannschaften und ihren Fans!