Fußball | 3. Liga 3. Liga: Positive Zahlen täuschen - "Trend ist nicht der beste"

Die letzte Saison in Liga drei war außergewöhnlich kompliziert. Jetzt hat der DFB Zahlen veröffentlicht, die auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aussehen. Die Zukunft sieht allerdings alles andere als rosig aus.

Logo der 3. Liga: auf dem offiziellen Spielball der Saison 2019/20
Die Saison 2019/20 meistern alle Drittligisten, die laufende Saison ist wirtschaftlich noch schwieriger. Bildrechte: images / foto2press

Es wurde gestritten, getagt, pausiert: Die 3. Liga musste in der Saison 2019/20 schwere Zeiten durchleben. Drei Monate ging im Frühjahr gar nichts, ein Abbruch wurde vor allem von den Ost-Klubs favorisiert. Ende Mai erfolgte der Re-Start - ohne Zuschauer. Damit brach ein großer Teil der Einnahmen weg. Gelder vom Bund, der DFL und der eigenen Fans retteten viele Vereine – und sorgen jetzt auf den ersten Blick für erstaunlich gute wirtschaftliche Zahlen, die der Deutsche Fußballbund am Donnerstag (21.01.2021) veröffentlichte.

Magdeburg, Halle und Chemnitz schließen Saison mit Plus ab

Demnach haben die Drittliga-Vereine der 3. Liga durchschnittlich einen Fehlbetrag von 1,61 Millionen zu verzeichnen. Im Vergleich zur Vorsaison sind das nur 100.000 Euro weniger. Die Vereine erwirtschafteten im Durchschnitt einen Gesamtertrag pro Klub in Höhe von 10,8 Millionen, dagegen stiegen allerdings auch die Ausgaben für die Aufwendungen auf 12,4 Millionen Euro. Zudem verfügen laut Report zwölf von 19 Klubs (ohne Bayern München II) über ein positives Eigenkapital, sogar sechs von 19 Klubs erzielten in der abgelaufenen Saison, in der ein Drittel ohne Zuschauer gespielt werden musste, sogar einen Überschuss.

Dazu gehören auch der Hallesche FC und der 1. FC Magdeburg. "Mit vielen Anstrengungen und Sparmaßnahmen haben wir einen kleinen Überschuss erwirtschaftet und damit auch Geld aus dem Financial-Fairplay-Topf bekommen. Wir sind halbwegs gut durchgekommen, aber keiner darf denken, dass wir das Geld in einer Ecke stapeln", so HFC-Präsident Jens Rauschenbach. Der 1. FC Magdeburg schloss die Spielzeit mit einem Plus von 854.000 Euro ab. "Wir hätten die Saison mit einem höheren sechsstelligen Minus beendet, die Ablösesumme für Marius Bülter hat uns das Plus beschert", erklärte FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik auf Anfrage von "Sport im Osten". Auch der Chemnitzer FC konnte die Saison mit einem kleinen Überschuss von rund 150.000 Euro abschließen. "Das gelang aber nur, weil die Gesellschafter nachgeschossen haben", erklärte CFC-Vorstandschefin Romy Polster.

Wir hätten die Saison mit einem höheren sechsstelligen Minus beendet, die Ablösesumme für Marius Bülter hat uns das Plus beschert.

FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik

Zwickau und Jena mit "geringem" Minus

Tobias Leege, Vorstandssprecher des FSV Zwickau
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zu den "Überschussvereinen" zählen der FSV Zwickau und Carl Zeiss Jena nicht, allerdings hält sich bei den beiden auch der Fehlbetrag in Grenzen. Dieser wurde von einigen wenigen Klubs nach oben getrieben, heißt es von Seiten des DFB - ohne Namen zu nennen. Zwickau hat die Saison mit einem Verlust von 650.000 Euro beendet, Jena spricht von einem Fehlbetrag im unteren sechsstelligen Bereich. "Wir waren massiv auf Zuschauereinnahmen angewiesen und konnten nur überleben, weil wir ein Darlehen von 800.000 Euro aufgenommen haben. Dieses haben wir mittlerweile mit der Coronahilfe vom Bund abgelöst", erklärte Zwickaus Vorstandssitzende Torsten Leege bei "Sport im Osten“.

Jenas Geschäftsführer Chris Förster blickt auf eine schwere Saison zurück, nicht nur, weil Carl Zeiss abgestiegen ist. Finanziell war es ein Kraftakt. "Wir waren froh über jede Unterstützung des Bundes und des Landes." In der laufenden Regionalliga-Saison sind bisher noch keine Gelder geflossen. Förster hofft, dass das Hilfsprogramm des Bundes, das aktuell nur für die ersten drei Ligen gilt, verändert und die Regionalliga inkludiert wird.

Magdeburg bekam bisher kaum Hilfen

Die Hilfspakete in der vergangenen Saison waren für viele Vereine ein Rettungsanker. Allein 800.000 Euro konnten die Vereine vom Bund beantragen, dazu noch einmal 300.000 Euro von der DFL. Wie viele Vereine diese Gelder abgegriffen haben, konnte DFB-Abteilungsleiter Manuel Hartmann nicht sagen: "Die Zahlen habe ich nicht im Kopf. Einige Klubs konnten die Mittel aber nicht beantragen, weil sie die Kriterien nicht erfüllen." Das traf übrigens für den 1. FC Magdeburg zu, der bis heute laut Kallnik "kaum Hilfen" erhalten hat.

EU muss Beihilfe-Obergrenzen anheben

Viele andere Drittligisten erhielten dagegen die gesamte Summe - und können auch in diesem Jahr auf Hilfen hoffen. Die Bundesregierung hat ein neues Hilfspaket über weitere 200 Millionen Euro angekündigt, um Insolvenzen von Sportvereinen zu verhindern. Damit die Summen aber tatsächlich fließen können, muss  die Europäischen Union die geltenden Beihilfe-Obergrenzen anheben. 

Bisher ist es laut EU-Beihilferecht nur möglich, einmalig maximal 800.000 Euro Beihilfe zu beantragen. Sollte die Anhebung kommen, könnten die neuen Hilfen beantragt werden. Im Topf befinden sich neben frischen 200 Millionen Euro auch 130 Millionen Euro, die im vergangenen Jahr nicht abgerufen worden waren. "Wenn die Obergrenze nicht angehoben wird, ist das eine Katastrophe, nicht nur für Sportvereine, sondern auch für viele Wirtschaftsunternehmen", so Rechtsanwalt Leege. Auch Zwickau bekommt nur frisches Geld, wenn die Beihilfegrenze aufgeweicht wird.

Der Trend ist nicht der beste

Der Mangel an wirtschaftlicher Stabilität ist seit Jahren ein großes Thema in der 3. Liga, schon weit vor Covid-19. Nun steht auch die aktuelle Saison noch stärker unter der Corona-Krise. "Die Problematik der fehlenden Zuschauerinnen und Zuschauer trifft die 3. Liga nochmal härter als die Bundesliga und 2. Bundesliga. Wir müssen uns durchkämpfen, bis wieder halbwegs Normalität einkehrt", sagte der Ausschuss-Vorsitzende der 3. Liga, Tom Eilers.

Im Durchschnitt machen die Zuschauereinnahmen 17 Prozent der Einnahmen in der 3. Liga aus, bei den mitteldeutschen Klubs dürfte diese Zahl deutlich höher liegen. HFC-Chef Rauschenbach schätzt sie auf 20 bis 25 Prozent. Diese Einnahmen fallen in diesem Jahr möglicherweise komplett weg. "Die Zuschauereinnahmen brechen extrem ein. Der Trend ist auf jeden Fall nicht der beste. Wir haben die Sorge, dass wir im nächsten Saisonreport eine Negativentwicklung verzeichnen müssen", sagte Hartmann mit Blick auf das Eigenkapital. Bisher sei noch nicht erkennbar, dass die Klubs bei laufenden Kosten für Personal und Transfers anders wirtschaften würden, so Hartmann. Ein Umdenken habe offenbar noch nicht eingesetzt.

Manuel Hartmann
Bildrechte: imago images / Hartenfelser

Der Trend ist auf jeden Fall nicht der beste. Wir haben die Sorge, dass wir im nächsten Saisonreport eine Negativentwicklung verzeichnen müssen.

DFB-Abteilungsleiter Manuel Hartmann

Noch schärfere Auflagen

In der Hinrunde sind 21 Spiele - größtenteils wegen Corona-Infektionen - ausgefallen, deshalb gibt es für die Rückrunde noch ein neues schärferes Konzept. Laut Hartmann wird ein Protokoll eingeführt, wo die Vereine dokumentieren müssen, wie die letzten 48 Stunden vor der Infektion abgelaufen sind. Damit könnte möglicherweise vermieden werden, die gesamte Mannschaft in Quarantäne zu schicken, so

3. Liga
Bildrechte: DFB/Report

Fakten zur Saison 2019/20

  • Gesamterträge pro Klub stiegen trotz Corona auf einen neuen Höchststand – im Schnitt waren es 10,8 Mio. €.

  • Gleichzeitig stiegen allerdings auch die Gesamtaufwendungen auf durchschnittlich 12,4 Mio. € pro Klub.

  • Sechs von 19 Klubs erzielten in der abgelaufenen Saison einen Überschuss. Im Durchschnitt wurde ein Fehlbetrag von 1,61 Mio. € pro Klub verzeichnet.

  • Zwölf von 19 Klubs (ohne Bayern München II) verfügten zum Stichtag 31.12.2019 über ein positives Eigenkapital.

  • Die Klubs der 3. Liga investierten in der Saison 2019/2020 rund 14 Mio. € in die Nachwuchsförderung.

  • Mit 2,348 Millionen Besucher*innen (6.181 im Schnitt) erreichte die 3. Liga den vierthöchsten Wert ihrer Geschichte

  • Neuer Torrekord: 1137 Treffer fielen in der Saison 2019/2020 und damit 3,0 pro Spiel.

  • Viktor Zentrich löste David Alaba als jüngsten Spieler ab. Zentrich (SpVgg Unterhaching) war bei seiner Liga-Premiere gegen Jena 17 Jahre und 18 Tage alt.

  • Die 3. Liga hat einen neuen Rekordtrainer. Pavel Dotchev (FC Viktoria Köln) absolvierte am 28. Spieltag seinen 238. Einsatz.

  • Die Partie 1. FC Magdeburg – Eintracht Braunschweig sahen am 1. Spieltag in der Spitze 1,56 Millionen Menschen live in der ARD – so viele wie nie zuvor bei einer Liveübertragung aus der 3. Liga.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 21. Januar 2021 | 17:45 Uhr

11 Kommentare

Muzzi vor 16 Wochen

Mensch Seikiklo, jetzt haste es ni bloss mit'm Köppl, sondern och noch mit de Oochen. Dir scheint man wirklich nicht mehr helfen zu können. Deine armen Angehörigen tun mir leid, die haben kein leichtes Los mit Dir.

Und noch mal für Dich. Dünamo gibt es nur in Estland, in Dresden ist es Dynamo. Du verwechselst das scheinbar wirklich ohne Absicht, sondern kannst es schlichtweg nicht besser. Armer Tropf....

Muzzi vor 16 Wochen

Weisst Du Reisender, ich glaube stets an das Gute im Menschen, auch wenn das nachweislich bei einigen völlig vergebens ist. Mir tut vor allem seine Familie leid, dass ist sicherlich nicht einfach mit so einem verwirrten Menschen leben zu müssen.

Dynamische Grüsse
Muzzi

Reisender vor 16 Wochen

Muzzi, lass ihn doch labern🥱 Immer wieder die gleiche Leier und kein Substanz. Wie so eine „Fusshupe“ , die einer Deutsche Dogge gegenüber steht. Das Gekläffe kann man doch gar nicht für voll nehmen. Manchmal hab ich das Gefühl, der hat mit das jochen im gleichen Mutterleib gelegen und die mussten sich alles teilen🤭
Leider hab ich in letzter Zeit immer mehr das Gefühl , dass die Mädels und Jungs in der MDR -Redaktion solche Typen brauchen, sonst hätten wir hier eine andere Diskussionskultur.
Klappt ja bei den meisten.
Dynamische Grüße