Fußball | 3. Liga Duselsieg in Unterhaching - Jena springt über den Strich!

35. Spieltag

Carl Zeiss Jena hat mit dem vierten Sieg in Serie die Abstiegsränge verlassen. Bei der Spielvereinigung Unterhaching war die Kwasniok-Elf durchweg unterlegen, hatte ganz viel Glück, einen bestens aufgelegten Torhüter Jo Coppens und in den Schlussminuten einen entscheidenden Geistesblitz. Felix Brügmann vollendete vor 3.250 Zuschauern aus dem Nichts eine Vorlage seines Bruders Florian zum vielumjubelten 1:0 (0:0)-Glückserfolg.

Einen personellen Wechsel veranlasste Cheftrainer Lukas Kwasniok im Vergleich zur Vorwochenüberraschung gegen Wehen Wiesbaden – Dennis Slamar nahm den durch Justin Gerlachs Verletzung (Innenbanddehnung im Knie) frei gewordenen Platz in der defensiven Dreierkette ein.

Jena seltsam gehemmt und ideenlos

Beide Teams gingen diszipliniert in die Partie – scheuten während der fußballerisch dezenten Anfangsviertelstunde jedoch das Risiko. Der erste Torabschluss blieb zwar FCC-Kapitän René Eckardt vorbehalten (14.), wirklich auf Betriebstemperatur kamen jedoch einzig die Gastgeber. Markus Schwabl hatte das Auge für Max Dombrowka im Rückraum – der zog von der Strafraumgrenze ab, Jo Coppens ließ den Ball passieren, aber Slamar klärte für seinen geschlagenen Schlussmann kurz vor der Linie (15.). Luca Marseiler zwang Coppens kurz darauf aus spitzem Winkel zu einer guten Parade (18.).

Stefan Schimmer (Unterhaching, 11) ärgert sich über eine vergebene Torchance
Unterhachings Angreifer Stefan Schimmer kann es nicht fassen - nicht nur er vergab eine große Chance für die Gastgeber. Bildrechte: imago images / foto2press

Zehn Minuten später wäre der Belgier machtlos gewesen. Dombrowka setzte Stefan Schimmer durch Jenas entblößte Innenverteidigung in Szene – der unbedrängte Hachinger Stürmer konnte sich die Ecke aussuchen, schob allerdings aus 15 Metern links vorbei. Claus Schromms Mannschaft drückte die Blau-Gelb-Weißen immer wieder in die Defensive. Der früh eingewechselte Dominik Widemann sprang Zentimeter zu tief, um Marseilers scharfe Eingabe ins Netz zu drücken (44.).

Starke und Tietz zur Pause ausgewechselt


FCC-Cheftrainer Kwasniok wollte mit dem Doppelwechsel zur Pause (Manfred Starke und Phillip Tietz blieben in der Kabine) seine seltsam passiv und gehemmt auftretende Elf aufrütteln, die nicht mehr als vereinzelte und wenig zielgerichtete Halbfeldflanken zustande brachte. Einen durchschlagenden Effekt erzielte diese Maßnahme jedoch noch nicht. Erneut war zunächst Coppens gegen Marseiler gefragt (49.).

Wenn auf Seiten der Thüringer überhaupt ein Ball den Weg in den gegnerischen Strafraum fand, dann weil Florian Brügmann zur Standardsituation anlief – wie in der 57. Minute, als Maximilian Wolfram Brügmanns Freistoßvorlage nur knapp rechts vorbeiköpfte. Das blieb allerdings ein einmaliges kurzes offensives Achtungszeichen.

Felix Brügmann erzielt das Tor zum 1:0 für Jena
Haching-Keeper Königshofer ahnt, was kommt - Felix Brügmann legt den Ball an ihm vorbei ins Netz. Bildrechte: imago images/foto2press

Coppens' Blitzreflex und ein Siegtor aus dem Nichts

Stattdessen stürmte weiter nur die Spielvereinigung. Marius Gröschs Monstergrätsche im Jenaer Strafraum gegen Lucas Hufnagel bewahrte die Seinen vor Schlimmerem, ehe Widemann bei einer Direktabnahme aus bester Position die Nerven in die Quere kamen (58./71.).

Der FCC blieb blass, kam kaum aus der eigenen Hälfte heraus – und konnte sich einmal mehr bei Jo Coppens bedanken. Dessen Glanzreflex gegen Widemanns abgefälschten Schuss aus 15 Metern hielt Jena überhaupt im Spiel (77.). Und plötzlich – aus heiterem Himmel – lagen sich alle Blau-Gelb-Weißen jubelnd in den Armen.

Die einzig wirklich durchdachte und zu Ende gebrachte Kombination aus dem Spiel heraus brachte drei zu diesem Zeitpunkt bereits völlig unerwartete Punkte. Florian Brügmann fand im richtigen Moment die Lücke für seinen zur Pause eingewechselten Bruder Felix, der eiskalt mit links am nahezu beschäftigungslosen Lukas Königshofer vorbei via Innenpfosten das 'Goldene Tor' erzielte (87.).

Das sagten die Trainer

Lukas Kwasniok (Jena): "Wir haben uns heute einlullen lassen, hatten keine Konzentration in unserem Passspiel und haben ganz einfach zu viele Fehler gemacht. Ich weiß gar nicht, wie glücklich ich diesen Sieg jetzt einschätzen muss und kann. Fakt ist - mit der Leistung von heute werden wir am Ende nicht über dem Strich stehen. Im Moment sind wir zwar auf einem Nichtabstiegsplatz, aber nur im Moment!"

Claus Schromm (Unterhaching): "Für Jena gab es bis zur Pause nur eine gute Nachricht: das war das 0:0. Jena ist in der Defensive und im Umschaltspiel bärenstark. Wir haben eine Vielzahl von Chancen herausgespielt, aber wie es manchmal halt so ist - irgendein Bein oder ein fantastisch haltender Torwart hat dann verhindert, dass wir ein Tor erzielen können."

mhe/fha

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 28. April 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. April 2019, 08:19 Uhr

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58 Kommentare

30.04.2019 21:34 Spokky1983 58

Habe mir soeben das Interview von Kwasniok angeschaut.
Springe über meinen Schatten und spreche ein Lob für ihn aus.
Dieses Interview ist authentisch und nicht mit Anfangsphrasen gespickt.
Es scheint als würde er endlich ankommen, mich freut es.
Vielleicht ist er ja doch der Note 1 Trainer, den ich nicht in ihm gesehen habe.
Weiterhin viel Erfolg an Alle. BGW GRÜßE

30.04.2019 00:21 Thüringer Original 57

Ich möchte ein großes Danke aussprechen an die Mannschaft, aber auch ganz besonders an den Torwart, der in den letzten Spielen überragend gehalten hat und wenn der Ball wirklich mal an ihm vorbei war, dann stand da einer der Verteidiger. Großes Lob, wie ihr das bisher gemacht habe. Weiter so, dann macht ihr euch selbst die größe Freude.

29.04.2019 22:14 Marc 56

@ wicky 67. Ich teile Deine Ansicht, dass viele mit dem Trainer nicht fair umgegangen sind. Ehrlich gesagt hat der Trainer in seiner Kommunikation auch nicht den besten Eindruck gemacht.

Ich hätte mir aber gewünscht, dass von den RWE Fans auch deutlichere Signale in der Vergangenheit, zu den Machenschaften im und um den Verein RWE, ausgegangen wären. Es ist gut wenn man die Mannschaft unterstützt, gleichzeitig sollten aber die Fans bspw. im Stadion, bei der Mitgliederversammlung, etc. für Ihre Werte und die des Vereins einstehen. Dies habe ich in Erfurt stark vermisst die letzten Jahre. Es hat schon sehr lange gedauert, dass man mal mit einer Stimme aufgetreten ist. Wie steht denn der RWE Fan zur aktuellen, unüberschaubaren, zukünftigen Lage im Verein?

29.04.2019 20:36 HUKL 55

Nach vielen Schmährufen gegen die eigene Mannschaft, die hoffnungslos in die Abstiegszone marschierte und vor allem gegen den neu eingesetzten „No Name“-Trainer im Männerbereich mit der blonden Tolle im Gesicht, ging überraschend nach ein paar verkorksten Spielen mit einer ungenügender Punktausbeute ein richtiger Ruck durch die schon abgeschriebene Mannschaft. Man hatte zuvor, ich eingeschlossen, auf diesen Verein schon keinen Pfifferling mehr gesetzt, und jedermann sollte auch nun fair eingestehen, dass diese Einschätzung, an der sich die sogenannten Fußballexperten auch anschlossen, falsch war!
Durch eigene Eingeständnisse von Fehlentscheidungen, wie im Interview zu hören war, Verdrängen von anfänglichen Überheblichkeiten, einen unglaublichen Optimismus, den Klassenerhalt unbedingt noch schaffen zu wollen und mit ein wenig Glück sowie etwas Dusel bei manchen Situationen sieht es derzeitig ganz anders aus und lässt sogar unschöne Kommentare aus "Vieselbach" verstummen...

29.04.2019 18:58 wicky 67 54

49:Sport frei:
Was hast Du denn für ein Problem mit meinem völlig korrekten Beitrag, welcher sich in allen Punkten, sowie faktisch nur auf wahrheitsgetreue Tatsachen bezieht! Und falls Du meinen Beitrag nicht richtig gelesen haben solltest, empfehle ich Dir, dies nochmals zu tuen! Denn sehr wohl habe ich inhaltlich auch ausdrücklich betont, daß ich den Spielern und dem Trainer des FCC, aufgrund einer Klasse-Serie auch den verdienten Klassenerhalt wünsche! So, und jetzt frage ich Dich, wo das Deiner Meinung nach respektlos sein sollte?? Da staunste jetzt, nicht wahr?? Wer lesen kann, ist nämlich klar im Vorteil! Ich habe nebenbei lediglich darauf verwiesen, daß etliche FCC-Fans sehr undankbar und grob beleidigend, in der jüngeren Vergangenheit mit ihrem Trainer umgegangen sind! Und wenn Du einen wirklich widerwärtigen Kommentar erwähnen solltest, dann lese Dir bitte mal den letzten Satz von @40: A-Block durch.. Dann weißt Du nämlich wirklich was respektlos ist.. Das ist krank!..

29.04.2019 18:41 Spooky1983 53

Kurze Anmerkung
Denke dennoch das KWASI langsam ankommt, ruhig, sachlich und ohne das Geschnulze vom Anfang.
Trotzdem brauch er sich nicht entschuldigen ;-)

29.04.2019 18:21 Spooky 1983 52

Es ist egal wie der Sieg zu Stande kam, gewonnen ist gewonnen.
Ich gebe Wicky in einem Punkt recht, der Trainer wurde zur genüge angefeindet und beleidigt.
Ich bin trotz der Siege kein Freund von Ihm und sich für einen Sieg zu entschuldigen mag fair klingen, interessiert aber am Schluss keinen.
Dennoch zieh ich meinen Hut vor Kwasniok und unserer Mannschaft, besser spät als nie.
BGW Grüsse

29.04.2019 17:45 fossi zwei for 1903 51

Habe gestern Abend meinen Kommentar mit ca. 2 Promille und im emotionalen Ausnahmezustand geschrieben, jetzt muss ich mich leicht korrigieren. Also , nach betrachten des MDR Spielberichtes, muss ich zugeben das es doch schon einige gute Chancen der Hachinger und tolle Torwartreaktionen vom Joe waren, nicht nur Spielanteile. Heute habe ich gelesen, dass sich unser Trainer für den durchaus glücklichen Sieg entschuldigt-Bullshit-,muss er nicht, andere haben auch kein schlechtes Gewissen wenn sie bei uns , unverdient oder glücklich , Punkte mitgenommen haben. Aber sehen wir es mal so: Demut erzeugt Mitleid, vielleicht ist es bloß ein Ablenkungsmanöver vom Herrn Kwasniok, das wäre clever, genau wie die Geschichte mit der internen Tabelle. So, Grüße an alle die den FCC im Herzen tragen und an alle fairen User im Forum. NUR DER FCC. Für IMMER Blau gelb weiss.

29.04.2019 16:07 fisch47 50

Habe im Moment nur Freude über die Siegesserie. Egal wie das Ergebnis zustande gekommen ist, nur das Ergenis zählt. Und Glück hat nur der, der kämpft! Zu kämpfen versteht die Mannschaft.
Zur Trainerwahl stehe ich nach wie vor kritisch. Hätte einen mit mehr Erfahrung gewünscht. Aber vielleicht klappt es auch so. Lassen wir den Kwasi erst mal arbeiten. Bin auch bereit meine Skepsis zu ändern.
Mit den Erfolgen werden glücklicherweise auch die unqualifizierten Kommentare aus der Blümchenstadt weniger.

29.04.2019 15:41 Sport frei 49

Welche Laus ist dem User der Herzen denn da über die Leber gelaufen? Wo er doch immer um Respekt bittet. Allerdings ist in den letzten Jahren tatsächlich kein Trainer in Erfurt beschimpft worden, trotz katastrophaler Spiele. Das war aber auch nicht immer so. Ansonsten kann man vor Jena derzeit nur den Hut ziehen und ich wünsche als Rot Weisser, dass ihr jetzt auch den Klassenerhalt schafft. Ich hoffe in absehbarer Zukunft wieder auf Derbys in Liga 3. Denn es ist wie mit den Frauen: Es geht nicht mit, es geht aber auch nicht ohne; -)

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