Fußball | Ausschreitungen Vier Festnahmen nach Hausdurchsuchungen bei Dynamo-Randalierern

In den frühen Morgenstunden hat die Polizei 56 Hausdurchsuchungen durchgeführt. Dabei handelte es sich um Wohnungen von Personen, die an den Krawallen am Tag des Aufstiegs von Dynamo Dresden beteiligt gewesen sein sollen. Vier Tatverdächtige wurden festgenommen.

Razzia 2 min
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Die Razzia, an der rund 800 Polizisten beteiligt waren, ist wahrscheinlich die größte, die es im Zusammenhang mit Fußball je in Sachsen gegeben hat. Die Hausdurchsuchungen fanden hauptsächlich in Dresden und Umgebung statt, vereinzelt auch etwas weiter entfernt.

"Ziel, Beweismittel sicher zu stellen"

"Unser Ziel war es, Beweismittel sicher zu stellen. Hauptsächlich ging es dabei um Kleidung, die bei den Ausschreitungen getragen wurde, außerdem Mobiltelefone und Pyrotechnik," sagte Polizeisprecher Thomas Geithner am Morgen dem MDR. Die Ermittler der "Sonderkommission Hauptallee" wurden bei den Durchsuchungen von Einsatzkräften der Bereitschaftspolizei und der Bundespolizei unterstützt.

Jürgen Wehlend 4 min
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Do 22.07.2021 14:39Uhr 04:08 min

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Video

Vier Tatverdächtige festgenommen

Wie die Polizei mitteilte, wurden vier Tatverdächtige im Alter von 20 bis 31 Jahren festgenommen. Die vier Verdächtigen, die bereits "einschlägig in Erscheinung getreten" seien, sollten am Donnerstag einem Richter vorgeführt werden. Insgesamt ermittelt die Polizei gegen 70 Personen. Derzeit hat die zuständige Sonderkommission angeblich rund 150 Gewalttäter identifiziert, die an den Ausschreitungen beteiligt gewesen sein sollen.

Polizisten laufen vor dem Stadion in Dresden durch Nebel von Pyrotechnik
Im Rahmen des Aufstiegspiels von Dynamo Dresden im Mai kam es zu schweren Krawallen rund um das Rudolf-Harbig-Stadion. Bildrechte: dpa

Krawalle während Aufstiegsspiel im Großen Garten

Das Heimspiel von Dynamo Dresden gegen Türkgücü München fand wegen der Corona-Pandemie am 16. Mai ohne Publikum statt. Im nahe gelegenen Großen Garten hatten sich jedoch Tausende Menschen eingefunden, um den Aufstieg von Dresden in die 2. Bundesliga zu feiern. Noch während des Spiels griffen mehr als 500 gewaltbereite Fans Polizisten mit Pyrotechnik an, zudem flogen Flaschen und Steine. 185 Polizisten wurden verletzt.

Erster Täter verurteilt

Bereits am gestrigen Mittwoch wurde einem ersten Randalierer in einem beschleunigten Verfahren vor dem Amtsgericht Dresden der Prozess gemacht. Der 34-jährige Angeklagte wurde zu zehn Monaten auf Bewährung wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung, Widerstands und Beleidigung verurteilt. Die Dauer der Bewährung wurde auf drei Jahre festgelegt. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

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red/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 22. Juli 2021 | 17:45 Uhr

9 Kommentare

70er vor 3 Tagen

Gab es absolut keine fehlbaren Polizisten? Ging seitens derer absolut alles korrekt über die Bühne? Würde mich sehr interessieren. Bitte berichten, geschätzter MDR.

Ostfussballfan73 vor 4 Tagen

Der Straftatbestand ist sehr wohl bekannt, gemäß MDR: "... zehn Monate auf Bewährung wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung, Widerstands und Beleidigung ... Der 34-Jährige gab den Tritt in den Rücken eines Polizisten sowie Kopfstöße gegen zwei weitere Beamte, die ihn festnahmen, zu ... Der Beamte war wegen eines Schleudertraumas und einer Thoraxprellung zwei Wochen arbeitsunfähig." Es wurde auch hervorgehoben, dass er trotz Alkoholgenusses keinerlei Einschränkungen zeigte. Es wurde daher keine verminderte Schuldfähigkeit festgestellt. Der wusste genau, was er tat. Er hat bewusst Verletzungen in Kauf genommen. Um einen Polizisten in voller "Arbeitskleidung" zu verletzten, da bedarf es schon krimineller Energie, das macht man nicht aus Versehen im Vorbeigehen.

Sharis vor 4 Tagen

Es stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit.
Der Angriff hier war absolut heimtückisch.
Wenn es bei Widerstandshandlungen gegen Polizisten härtere Urteile gibt, ist dieses hier unverhältnismäßig.