Fußball | 3. Liga Dynamo Dresden: Ein Neustart mit vielen Fragezeichen

Nach dem Abstieg in die 3. Liga steht bei Dynamo Dresden ein Umbruch an - wieder einmal. Schon bald sollen die ersten Personalentscheidungen verkündet werden. Vieles deutet daraufhin, dass der aktuelle Sportchef das Projekt Wiederaufstieg ein weiteres Mal angehen wird. Der Trainer wird dagegen kaum zu halten sein.

Panagiotis Vlachodimos (SG Dynamo Dresden) frustriert
Bildrechte: IMAGO / Eibner

Am 17. Juli 2020 stellte Ralf Becker die Uhren bei Dynamo Dresden auf Null. Nach dem damaligen Abstieg aus der 2. Bundesliga trennte sich die Sportgemeinschaft von 17 Spielern und läutete einen Neustart ein, der mit dem direkten Wiederaufstieg belohnt wurde. Gut zwei Jahre später steht Dynamo erneut vor ungewissen Zeiten.

Wehlend: "Wie der HSV der 3. Liga"

Statt sich im lukrativen Fußball-Unterhaus zu etablieren, geht es wieder eine Etage tiefer. Zu einer Fahrstuhlmannschaft, so viel ist sicher, wollte sich die SGD nicht entwickeln. Und dennoch bedeutet der dritte Abstieg in die 3. Liga innerhalb von acht Jahren genau das. "Ich komme mir vor wie der HSV der 3. Liga. Wir rennen immer an und investieren", brachte Dresdens Geschäftsführer Jürgen Wehlend nach der Niederlage im Relegations-Rückspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern seinen Frust zum Ausdruck.

Capretti kaum zu halten

Finanziell wird der Gang in die 3. Liga den Verein "nicht umhauen", hatte Wehlend bereits Ende April betont. Dynamo hat in den vergangenen Jahren solide gewirtschaftet. Ein konkurrenzfähiger Kader, der um den direkten Wiederaufstieg mitspielt, dürfte in jedem Fall zusammengestellt werden. Aber durch wen?

Noch ist unklar, wer die sportlichen Geschicke in Zukunft leiten wird. Trainer Guerino Capretti ist mit der Mission Klassenerhalt krachend gescheitert. Kein einziger Sieg gelang unter dem im März als Nachfolger von Alexander Schmidt verpflichteten Coach. Eine Weiterbeschäftigung des 40-Jährigen käme einer Überraschung gleich, hat es Capretti doch nie geschafft, die Qualität der Mannschaft in Zählbares umzumünzen.

Becker offenbar vor Vertragsverlängerung

Dresdens Sportdirektor Ralf Becker
Sportdirektor Ralf Becker kam vor zwei Jahren nach Dresden und will dort auch bleiben. Bildrechte: IMAGO / Dennis Hetzschold

Für den Fehlgriff auf der Trainerposition muss sich in erster Linie Sportgeschäftsführer Becker verantworten. "Am Ende sind wir irgendwie vom Weg abgekommen", räumte er nach dem Abstieg ein. Wehlend erklärte: "Es sind Fehler gemacht worden. Die werden wir korrigieren." Dennoch deutet vieles daraufhin, dass Becker die Chance erhält, den Neuanfang zu leiten. Sein Vertrag gilt zwar, ebenso wie der von Capretti, nicht für die 3. Liga, nach Informationen des "kicker" soll er aber weiter im Amt bleiben - auch aus Mangel an Alternativen.

Es sind Fehler gemacht worden. Die werden wir korrigieren.

Jürgen Wehlend Geschäftsführer Dynamo Dresden

Es passt ins Bild, dass Becker in den vergangenen Wochen bereits mehrfach signalisiert hat, in Dresden bleiben zu wollen. Seine Zielstellung ist es, wie vor zwei Jahren eine aufstiegsfähige Drittligamannschaft zusammenzustellen. Über seine Zukunft wird zeitnah der Aufsichtsrat entscheiden, der klare Leitplanken und Maßnahmen vorgeben muss, "damit man weiß, worauf man sich einlässt, wenn man weitermacht", so Wehlend.

Umbruch mit Zielstellung Wiederaufstieg

Torjubel nach dem 1:0, Ransford Königsdörffer.
Ransford Königsdörffer, einer der wenigen Lichtblicke in dieser Saison, wird mit einem Wechsel zum 1. FC Köln in Verbindung gebracht. Bildrechte: imago images/Picture Point LE

Doch ob mit oder ohne Becker. Auf sportlicher Ebene steht Dynamo erneut ein Umbruch bevor. Zahlreiche Spielerverträge haben keine Gültigkeit für die 3. Liga. Leistungsträger wie Christoph Daferner oder ein Talent wie Ransford Königsdörffer werden kaum zu halten sein. Und so droht erneut ein radikaler Schnitt wie schon 2020.

Bis zum Trainingsstart am 15. Juni hat Dynamo Zeit, die ersten Entscheidungen zu treffen. Bis zum 22. Juli wird die Mannschaft ein neues Gesicht bekommen. Dann startet die neue Drittliga-Saison und mit ihr die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr in die 2. Bundesliga - auch wenn man dadurch den Ruf einer Fahrstuhlmannschaft untermauern würde.

---
jsc (mit Material von dpa)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 25. Mai 2022 | 19:00 Uhr

69 Kommentare

Voice vor 4 Wochen

Gehe ich völlig mit.

Das P.S. allerdings, hätte man sich schenken können. Der Trainer hat seine Arbeit gemacht. Zugegebenermaßen mehr schlecht als recht. Die, die ihn eingestellt haben, sind die Hauptschuldigen, wussten, was er kann und was nicht. Und haben es verpasst, die Reißleine zu ziehen. Dass Capretti bei einem solchen Angebot nicht ablehnen würde, war klar. Und dass er so lange wie man ihn lässt, bleiben würde, auch. Das kann man ihm nicht anlasten. Dass Viele sauer sind, verstehe ich trotzdem auch.

Voice vor 4 Wochen

Wie ich oben schrieb, ein Sponsor mit Ost-Identität, der länger bei der Stange bleibt, ehrlich wirkt und auch ne Durststrecke mitgeht.
Und dann ein solider Aufbau. Becker hätte ich auf "Bewährung" gesetzt. Bis Weihnachten muss er liefern. Gespräche mit Minge aufnehmen, der ist noch immer Eure Identifikationsfigur. Ihr müsst das Ostoriginal sein, das Union gern wäre. Und das geht. Und zwar so gut, dass die Wuhlheide blass aussehen würde. Gibt sicher Einiges zu beachten, aber ich bin durchaus nicht so pessimistisch, wie manche hier. Und - langsame Schritte. Lasst Euch nicht von Anderen mit Investoren beeinflussen! Macht Ihr bei RB doch auch nicht. Baut es langsam aber stetig auf. Und dann geht auch irgendwann wieder Attacke auf Eure Träume.

Schönes Wochenende in den Harz.
Wir sollten bei guter Kommunikation bleiben, natürlich darf auch mal gestichelt werden. 😉

Schönes Wochenende, Harzer!!

Voice vor 4 Wochen

Ein kultiger Sponsor?
Etwas mit großer Ost-Identität. Ich werfe malMarken in den Raum wie Vita Cola, Nudossi, Radeberger etc...
Nur mit Ost-Identität wirkt es glaubhafter als was beliebiges, das nur nach "Zahlkuh" aussieht.

Aktuelle Meldungen aus der 3. Liga