Fußball | DFB-Sportgericht Dynamo Dresden muss 300.000 Euro Strafe zahlen

Hohe Strafe für Dynamo Dresden: Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes hat die SGD unter anderem für die Vorkommnisse bei den Relegationsspielen gegen Kaiserslautern zu 300.000 Euro verurteilt.

Dynamo steigt aus der 2. Liga ab
Dynamo Dresdens verlorenes Relegationsrückspiel gegen Kaiserslautern Ende Mai war für sieben Minuten unterbrochen worden – die nun erteilte Sportgerichtsstrafe entsprechend happig. Bildrechte: IMAGO / Dennis Hetzschold

Wegen des unsportlichen Verhaltens ihrer Fans bei drei Spielen im vergangenen Frühjahr muss die SG Dynamo Dresden 300.000 Euro Strafe zahlen. Das hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes am Montag (11. Juli) entschieden. Bis zu 100.000 Euro davon kann der Verein für "sicherheitstechnische oder gewaltpräventive Maßnahmen verwenden", so die Richter.

Jürgen Wehlend 4 min
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Immerhin kein Geisterspiel

Dynamo-Geschäftsführer Jürgen Wehlend sagte dem MDR nach der Verhandlung in Frankfurt: "Es ist ist ein Urteil, mit dem wir erst mal so leben müssen. Wir werden in der nächsten Woche diskutieren, wie wir damit umgehen." Der 56-Jährige betonte jedoch: "Es ist deutlich weniger geworden als was im Raum stand, es standen deutlich drakonischere Strafen im Raum. Das konnten wir abwenden." Neben einem Teilausschluss der Zuschauer oder einem kompletten Geisterspiel hatte auch die Aufhebung der Selbstverwaltung des K-Blocks gedroht, so Wehlend.

Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend sitzt auf dem Podium.
Dynamo-Geschäftsführer Jürgen Wehlend. Bildrechte: dpa

Die Fanhilfe der SGD wiederum verurteilte die Sanktionen auf das Schärfste. So eine "drakonische Gelfstrafe wurde in den letzten 20 Jahren nicht verhängt", meinte Fanhilfe-Vorstand Danny Graupner in einer offiziellen Mitteilung und ergänzte: Diese Sanktionen "heizen den Konflikt zwischen Fanszenen und dem DFB weiter an. Vorhandene Probleme werden nicht gelöst, sondern bestehen weiterhin."

Alexander Küpper 1 min
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Vorfälle gegen Schalke und Kaiserslautern

Verhandelt wurden die Vorfälle gegen Schalke 04 (1. April) und den beiden Relegationsduellen gegen den 1. FC Kaiserslautern (20. und 24. Mai). Im Rahmen der genannten Partien hatten Anhänger der Schwarz-Gelben massiv Pyrotechnik abgefackelt – unter anderem "mindestens" 200 bengalische Fackeln und Blinker sowie 20 Feuerwerksraketen vor Anpfiff des verlorenen S04-Spiels.

Negativer Höhepunkt war die Schlussphase des FCK-Rückspiels. Das Duell musste sieben Minuten unterbrochen werden, weil zahlreiche Leuchtraketen auf den Platz geflogen waren. Nach dem Abpfiff waren einige Fans in den Innenraum gestürmt und bis in den Mannschaftsbus vorgedrungen.

600 Euro pro Pyro-Fackel

Wehlend zeigte sich damals entsetzt: "Mit dem gewaltsamen Eindringen in den Kabinentrakt, bei dem zwei Ordner verletzt wurden, und der Bedrohung von Spielern, Betreuern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde eine klare Grenze überschritten."

Dass Dynamo ordentlich zahlen muss, war schon vor der Verhandlung klar. Jeder einzelne Bengalo kostet für einen Verein der 2. Liga 600 Euro. Pyro, die auf dem Spielfeld landet, wird mit 1.500 Euro bestraft. Dauert die Spielunterbrechung länger als fünf Minuten erhöht sich die Strafe für das Vergehen um das Doppelte.

DFB bestrafte zuletzt Köln, Berlin und Hamburg drastisch

Das Sportgericht hatte zuletzt schon den 1. FC Köln (231.000 Euro), Union Berlin (156.000 Euro) und den Hamburger SV (107.000 Euro) für das Fehlverhalten seiner Fans mit heftigen Geldstrafen belangt.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 11. Juli 2022 | 19:30 Uhr

95 Kommentare

Dynamokralle vor 29 Wochen

Werter @70er, da bin ich absolut dagegen. Nur Sitzplätze, das kann nicht die Lösung sein. Das wäre für mich ein absolutes Einknicken. Ich möchte die Stimmung der „Kurven“ und die Tickets soll sich jeder leisten können. Auch auf der Insel kehrt man zu Stehplätzen zurück.
Es ist eben nicht „einfach und preiswert zu lösen“, sondern sehr komplex.

Dynamokralle vor 29 Wochen

Was die Einordnung und Bewertung der sanktionierten Fälle betrifft, möchte ich mich nicht wiederholen.
In die Zukunft geschaut, wünsche ich mir ein klares Statement im Stadionrund gegen die Störer, Randalierer, Gewalttäter und sonstigen hirnfreien Auffälligen. Unser Eröffnungsspiel zB bekommt durch die ARD-Übertragung eine breite Öffentlichkeit. Die aktive Fanszene könnte eine Distanzierung vom Geschehenen in Form einer Choreo zeigen. Zusätzlich könnten auf den Plätzen im Rund entsprechende Tafeln mit Verurteilungen der Vorkommnisse liegen, die dann hochgehalten werden. Es darf nicht cool, mutig oder sonstwie rüberkommen, wenn man dem Verein so massiv schadet, sondern es muss sicht - und hörbar verachtet werden. Vielleicht nimmt man damit auf Dauer den Reiz. Es sollten sich in der Fanszene genug Vernünftige finden, die das fantasievoll und intelligent umsetzen können. Und das, neben der strafrechtlichen Sicht, immer wieder. Bestenfalls gibt’s eine Selbstreinigung!?

70er vor 29 Wochen

Reines Sitzplatzstadion, ggf personifizierte Tickets. Ist es wirklich so schwer, von selber darauf zu kommen? Und auch bei Dynamo knickt man offenbar vor ein paar Unbelehrbaren ein, anstatt mal Kante zu geben. Das Problem wäre so einfach und preiswert zu lösen... Aber wo kein Wille, da kein Weg.

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