Fußball | 3. Liga Personalkarussel bei Dynamo Dresden: Zwei sollen noch weg, einer will's, ein anderer bleibt

Noch eine Woche ist das Transferfenster offen. Trotz des Sieges in Oldenburg gibt es bei Dynamo Dresden bis zu drei Abgangskandidaten. Zu ihnen gehört auch Kapitän Tim Knipping, während Michael Akoto wohl bleibt. "Sport im Osten" analysiert die aktuelle Lage beim Drittligisten.

Tim Knipping (Dresden)
Kapitän Tim Knipping musste in den ersten Liga-Spielen 2023 auf der Bank Platz nehmen. Bildrechte: IMAGO/Hentschel

Jan Shcherbakovski
Jan Shcherbakovski konnte sich bei Dynamo fast nur im Training beweisen. Bildrechte: IMAGO / Dennis Hetzschold

Last-Minute-Abnehmer für Shcherbakovski und Weihrauch gesucht

"Wir haben vielleicht noch die ein oder andere Personalie. Da geht es eher darum, einen Spieler abzugeben", hatte SGD-Sportchef Ralf Becker die Marschrichtung für die Schlussphase der Wechselperiode vorgegeben. Mit Jan Shcherbakovski und Patrick Weihrauch sollen zwei offensive Mittelfeldspieler möglichst sofort weg. Der gebürtige Weißrusse soll ähnlich wie schon Oliver Batista Meier (nach Verl) für bis zu eineinhalb Jahre verliehen werden, da er einen Vertrag bis 2025 in Dresden hat.

Patrick Weihrauch
Patrick Weihrauch hatte ihn Dresden mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Patrick Weihrauch, der bis zur Winterpause in jeder Partie zum Einsatz kam, wurde in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt, dass es schwer für ihn werde, zukünftig noch zu spielen. Weihrauch hatte Dynamo in der Hinrunde der Saison 2020/21 als Mittelfeldstratege noch Richtung Aufstieg geführt, war dann aber mit zwei Sprunggelenkoperationen fast ein Jahr aus dem Pflichtspielbetrieb raus. Bei nur noch einem halben Jahr Vertrag würde Dynamo ihm keine Steine in den Weg legen.

Akoto-Wechsel wohl vom Tisch

Anders als im Sommer hätte Michael Akoto, letzte Saison noch Dresdens Senkrechtstarter in der 2. Liga, nun im Winter ebenfalls gehen dürfen, wenn für ihn eine angemessene Ablöse einzunehmen gewesen wäre. Obwohl es gerüchtemäßig lose Interessensbekundungen von Akotos Jugendverein SV Wehen Wiesbaden gab, scheint ein Wechsel hier vom Tisch. So zeigte der Abräumer, der wegen eines Magen-Darm-Infekts von Niklas Hauptmann in die Startelf gerutscht war, eine starke Reaktion beim 3:1-Auswärtserfolg in Oldenburg. Schon in der ersten Hälfte war Akoto einer der Besseren in einem schwachen Dynamo-Team.

Michael Akoto
Michael Akoto gehörte beim 3:1-Erfolg in Oldenburg zu den besten Dynamo-Spielern. Bildrechte: IMAGO / Nordphoto

Akoto-Geste als Treuebekenntnis

Nach der Pause drehte der schnelle Deutsch-Ghanaer dann nochmal auf und bereitete den 1:1-Ausgleich von Ahmet Arslan per schöner Außenrist-Ablage vor. Beim anschließenden Torjubel lief Akoto auf den Dynamo-Fanblock zu, griff sich mit der rechten Hand das Klubwappen und tippte mit dem linken Zeigefinger mehrmals deutlich darauf. Die Geste offenbarte ein eindeutiges Treuebekenntnis. Akoto, dessen Arbeitspapier im Juni ausläuft, scheint sich in Dresden für einen neuen Vertrag ab Sommer anbieten zu wollen. Zudem müssten die Schwarz-Gelben für ihn bei einem Blitz-Abgang im Januar noch einen Ersatz auftreiben, da der flexible Defensivmann innen und außen sowie auch vor der Abwehr einsetzbar ist.

Spieler von Dynamo Dresden am Ball, zieht ab und trifft zum eins zu drei Endstand. 18 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei Knipping stehen die Zeichen schon länger auf Trennung

Etwas komplizierter ist die Lage bei Tim Knipping. Der Vertrag des Kapitäns endet nach dieser Saison. Beide Seiten konnten sich über eine vorzeitige Vertragsverlängerung nicht einigen. Zunächst wollte Dynamo, dass die Identifikationsfigur noch vor dem nicht absehbaren Zweitliga-Abstieg 2022 einen neuen Kontrakt über 2023 hinaus unterschreibt. Damals wollte Knipping abwarten, ob es mit dem Klassenerhalt klappt. Im Spätsommer 2022 war Knipping bereit, bis 2024 unterzeichnen – allerdings nur für die 2. Liga. Diesmal zögerte Dresden.

Strafraumszene
Tim Knipping (li.) scheut keinen Zweikampf und geht dorthin, wo es wehtut. Bildrechte: Picture Point

Aus der gegenseitigen Wartespirale kam man nicht mehr heraus, zumal sich die Lage sportlich verschlechterte. Im Winter riefen die Dynamo-Verantwortlichen um Sportgeschäftsführer Ralf Becker und Trainer Markus Anfang den Konkurrenzkampf in der Verteidigung neu aus. Der ehemalige Abwehrboss fand sich plötzlich mit sichtlich schlechterer Miene auf der Bank wieder.

Als Kapitän auf der Bank: "Das hat wehgetan!"

"Ich glaube, man hat es mir letzte Woche angesehen, dass mir das schon sehr wehgetan hat", gestand Knipping nach der Partie in Oldenburg. Nach MDR-Informationen denkt der Spielführer deshalb über einen vorzeitigen Abschied noch im Winter nach. Schließlich würde er in Folge einer Rückrunde als Reservist dann selbst schwierig einen neuen Verein finden. Als potentielle neue Arbeitgeber kommen nun Klubs in Frage, die noch diese Saison den Sprung in die 2. Liga schaffen können. Dabei fallen Knippings Ex-Klub 1. FC Saarbrücken und der FC Ingolstadt ins Auge, die beide noch auf der Suche nach Defensiv-Verstärkungen sind.

Markus Anfang (Trainer Dynamo Dresden) 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dynamo will Knipping kaum vorzeitig abgeben

Nun scheint sich der Wind durch das letzte Ligaspiel gedreht zu haben. Knipping wurde in der Pause beim Stand von 0:1 eingewechselt. Mit ihm und Stefan Kutschke als Anführer konnte Dynamo die Begegnung in Oldenburg locker zum 3:1 kippen. Trainer Markus Anfang befand hinterher: "Wir hatten in der ersten Halbzeit sowohl hinten als auch vorne nicht die Zweikämpfe gewonnen, da musste man halt darauf reagieren. Wir haben überlegt, mit Knippser noch einen Kopfballspieler reinzubringen. Alle Wechsel sind gut aufgegangen."

Dresdens Sportdirektor Ralf Becker
Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker könnte diese Woche noch ein paar wichtige Unterschriften setzen müssen. Bildrechte: IMAGO / Dennis Hetzschold

Heißt: Plötzlich wird Knipping anscheinend wieder gebraucht. Wie der MDR erfuhr, würde Dynamo ihn nun kaum so kurz vor Ende des Transferfensters ziehen lassen. Die SGD will den Konkurrenzkampf in der Abwehr hochhalten, sich nicht schwächen lassen und müsste in einem sehr engen Zeitfenster selbst für einen Ersatz auf dem Markt aktiv werden. Zwar ist ein Knipping-Abgang weiterhin nicht ausgeschlossen, aber doch eher unwahrscheinlich. Im kommenden Sommer dürfte das anders aussehen.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 30. Januar 2023 | 21:45 Uhr

14 Kommentare

Ostfussballfan73 vor 1 Wochen

Leistner in der 3.Bl. ... vergessen Sie`s. Das wäre was in der 2.Bl. gewesen, aber nicht jetzt. Und als als Karierre-Auslaufstation in der Wohlfühloase erst recht nicht. Genauso wie bei M. Arnold. Was rauskommt sieht man bei Gogia, leider. Bis jetzt ne pure Enttäuschung, nicht mal ansatzweise ein Erfolg

Ostfussballfan73 vor 1 Wochen

Da haben sich die Gerüchte ja doch bestätigt. Die Personalentscheidungen waren schon seltsam und haben wahrscheinlich gegen Meppen zwei Punkte gekostet. Weihrauch ist nach seiner Verletzung nie wieder richtig in Form gekommen, leider. Das wird bei Dynamo nix mehr. Um Knipping wäre es echt schade, umso mehr, wenn er zu der Konkurrenz wechseln würde. Was er für die Mannschaft bedeutet, hat man im letzten Spiel gesehen. Einer der wirklich in jedem Spiel Vollgas gibt. Wenn man nie, und das zieht sich durch die letzten Jahre, mittlerweile mehr als zwei Jahrzehnte, ein Grundgerüst von guten Spielern über eine längere Zeit halten kann, dann wird das nie etwas mit dem Traum 1.Bl. und schon gar nix mit der Fahrt nach Amsterdam.

Maza vor 1 Wochen

...... Wenn das für Alle gilt, ist es ja okay!! Aber irgendwie hab ich den Eindruck, daß ein User Voice und vor allen Dingen auch Usern jochen, in der Beziehung, einen Freifahrtsschein haben.... !!

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