Fußball | 3. Liga Dynamo Dresden kündigt drastische Einschränkungen für Auswärtsfahrten an

Nach den heftigen Ausschreitungen rund um das Drittligaspiel in Bayreuth zieht Dynamo Dresden Konsequenzen. Neben präventiver Maßnahmen im Stadion und innerhalb der Fanszene prüft der Verein, ob die Auswärtsfahrten gegen Mannheim und Wiesbaden komplett ohne Fans stattfinden.

Dynamo Dresden hat nach den jüngsten Ausschreitungen beim Auswärtsspiel bei der SpVgg Bayreuth umfangreich Stellung zu den Geschehnissen bezogen. In einer Pressekonferenz am Freitag (07.10.2022) sagte Dynamos Kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend: "Es gibt keine Rechtfertigung für das, was dort passiert ist. Wir werden alles dafür tun, um das Geschehene aufzuklären und den Schaden wiedergutzumachen." Wehlend entschuldigte sich im Namen des gesamtes Vereins "ehrlich und offenen Herzens bei der Spielvereinigung Bayreuth, der Stadt, den Fans und der Landespolizei Bayern".

Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend sitzt auf dem Podium.
Dynamo Dresdens kaufmännischer Geschäftsführer Jürgen Wehlend äußrerte sich zu den Ausschreitungen in Bayreuth. Bildrechte: dpa

Dynamo-Fans verletzen 14 Polizisten

Bei dem Gastauftritt in Bayreuth am vergangenen Wochenende kam es zu heftigen Ausschreitungen abseits des Platzes. Dynamo-Fans griffen während der zweiten Halbzeit eine Gruppe Polizisten im Gästefanblock an und attackierten diese mit Schlägen und Tritten. Zudem zerstörte die Gruppierung der Dresdner Fans das Inventar eines Imbissstands und verwendete es als Wurfgeschosse. Bei dieser Auseinandersetzung wurden 14 Polizeibeamte verletzt. Nach Angaben der Bayreuther Polizei wurden während der Auseinandersetzung auch die Kasse des Imbisses entwendet sowie zwei Toilettencontainer und vier mobile Toiletten im Bereich des Gästeblocks angezündet.

Das ist blanke Anarchie am Ende des Tages

Jürgen Wehlend Kaufmännischer Geschäftsführer Dynamo Dresden

"Wir haben alle nicht damit gerechnet, dass so etwas passiert. Es gab keine Anzeichen dafür", sagte Wehlend. "Über 3.500 Dresdner waren friedlich und wegen des Fußballs dort". Eine "Pauschalverurteilung" soll daher nicht erfolgen, da weniger als 100 Fans an den Ausschreitungen beteiligt waren. Dennoch stellte Wehlend klar, dass "das, was dort passiert ist, unsere Werte und die des Fußballsports konterkariert." Weiter sprach er von "Zuständen, die nichts mit dem zu tun haben, was wir im Stadion haben wollen. Das ist blanke Anarchie am Ende des Tages."

Dynamofans im Stadion Bayreuth
Fans von Dynamo Dresden hatten beim Auswärtsspiel für Ausschreitungen gesorgt. Bildrechte: dpa

Kommende Auswärtsfahrten ohne Fans?

Die Aufarbeitung der Geschehnisse läuft auf Hochtouren. Wehlend forderte "konsequente und konkrete Maßnahmen" und kündigte sowohl operative, also spieltagsbezogene, als auch strategische Schritte an. Neben der Zusammenarbeit mit der Bayreuther und Dresdner Polizei zur Identifizierung der Täter hat Dynamo als erste Reaktion bereits seinen Verkauf der Gästetickets für das anstehende Auswärtsspiel in Essen stark eingeschränkt und den freien Verkauf von Auswärtstickets vorerst gestoppt.

Ob und welcher Form man in Zukunft Auswärtsfahrten organisieren und Ticketkontigente ausgeben wird, soll kommende Woche im Verein entschieden werden. Derzeit spricht laut Wehlend "aber vieles dafür", dass die Auswärtsfahrten nach Mannheim am 29. Oktober und Wiesbaden am 8. November komplett ohne Fans stattfinden.

Darüber hinaus wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, in der "alle Sicherheitsträger am Thema Prävention und Sicherheit zusammenarbeiten und weitere konkrete Maßnahmen entwickeln". Dafür werden auch externe Berater hinzugezogen.

Selbstverwaltung des K-Blocks auf dem Prüfstand

Auch die organisierte Fanszene hat Konsequenzen aus den Geschehnissen in Bayreuth gezogen. Der K-Block hat die Vorbereitung auf den geplanten Sonderzug anlässlich des 70-jährigen Vereinsjubiläums komplett eingestellt. In der nächsten Wochen werde es zudem ein Sondertreffen mit der organisierten Fanszene geben, in denen es um die Inhalte der Fancharta geht, "besonders die Selbstverwaltung im K-Block", erklärte Wehlend. Man werde "über die Fortsetzung dieses Modells sprechen und neue Spielregeln vereinbaren, die sehr konkret werden". Die Ultras hatten sich bereits in einem Statement zu den Vorfällen geäußert. Ein solches Verhalten wie in Bayreuth sei "einfach nur dumm und asozial und wird in Zukunft nicht toleriert werden", heißt es darin.

Als weitere operative Maßnahmen sollen unter anderem neue, sechs Meter hohe Ballfangnetze im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion installiert und analoge Kameras durch digitale ausgetauscht werden. "Das Sicherheitskonzept wird komplett auf den Prüfstand gestellt", kündigte Wehlend an. Das betrifft auch die Einlasssituation sowie die Sektorentrennung, insbesondere bei Risikospielen. "Derartige Gewalttäter dürfen sowohl im als auch außerhalb des Stadion ihr Treiben nicht fortsetzen. Wir wissen um unsere Verantwortung".

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jsc

Videos und Audios zur 3. Liga

Spieler von Chemie am Ball.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
15 min

Der Hallesche FC hat einen Comeback-Sieg gegen Waldhof Mannheim eingefahren und sich damit etwas Luft im Abstiegskampf verschafft.

Sa 05.11.2022 17:33Uhr 14:56 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-hallescher-fc-wladhof-mannheim-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 07. Oktober 2022 | 17:45 Uhr

33 Kommentare

ich sage mal so vor 8 Wochen

EU-weit einheitlich Kriminelle bekämpfen. Italiens Polizei will künftig mit Elektroschockpistolen gegen Fußball-Hooligans vorgehen. Die Justiz- und Verfassungskommissionen der Abgeordnetenkammer haben einen entsprechenden Abänderungsantrag zu einem neuen Dekret zur Sicherheit in Fußballstadien verabschiedet.

[Quelle: derstandard at italien-elektroschock-pistolen-gegen-hooligans]

Ostfussballfan73 vor 8 Wochen

Wo liegt denn das Problem? Auch bei der Polizei ist Körperertüchtigung an der Tagesordnung. Wenn man sich so den Schneid abkaufen lässt, mit 14 Verletzten, trotz Schutzkleidung, dann liegt natürlich was im Argen. Erst recht wenn ja bekannt ist, dass es keine Grünschnäbel sind.

wolle010 vor 8 Wochen

Simmerl, lesen UND verstehen hilft gewaltig. Ich habe nirgendwo die Schuld bei anderen gesucht. Diese Chaoten kommen von ueberall her. Und dieses Problem gibt es in der 1.- 3. Liga ueberall. Ein Punkt ist, bei Dynamo wird es immer durch die Medien aufgebauscht.
Herr Wehlend hat gesagt es waren etwa 300 Verfahren anhaengig, nach Randalen gegen Schalke, Lautern und noch einen 3. Verein.
Der K- Block ist, wenn er voll ist mit 9000 Anhaengern besetzt. Und wenn man davon ausgehen kann, dass von den 300 Chaoten etliche Mehrfachtaeter dabei sind, weiss man wie niedrig der Prozentsatz ist. Also hoert endlich auf ALLE Dynamofans ueber einen Kamm zu scheren!
Recht geb ich all denen , die argumentieren warum der Verein UND die Polizei diese Individuen nicht in den Griff bekommen.
Aber ich setze meine Hoffnung nach der PK, in die Plaene die J. Wehlend verkuendet hat. Und dass diese schnellstens umgesetzt werden, damit endlich wieder Ruhe einkehrt

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