Fußball | 3. Liga Nach Krawallen - SGD-Trainer Schmidt: "Hätte man anders lösen können"

Im Stadion feierte Dynamo Dresden die Rückkehr in die 2. Liga, vor den Toren spielten sich verheerende Szenen vollster Brutalität ab. Ist die Stadion-Öffnung die Lösung?

Hätten die schlimmen Szenen, die sich am Sonntag (16.05.2021) in Dresden abgespielt haben, verhindert werden können, wenn die Stadiontore nicht verriegelt worden und keine Großaufgebote der Polizei im Großen Garten präsent gewesen wären? Nach den schlimmen Vorfällen am Rande der Zweitliga-Rückkehr von Dynamo Dresden werden Stimmen laut, die das Sicherheitskonzept kritisieren.

Kontrolle wäre im Stadion besser gewesen

"In einem Stadion mit einem Sicherheits- und Hygienekonzept und mit Sicherheitskräften sind solche Massen besser zu kontrollieren, besser auf jeden Fall als 20.000 Personen im Großen Garten", sagte der Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes, Hermann Winkler und forderte vor solchen Spielen in Zukunft die Öffnung der Stadien für Zuschauer.

Rostock spielt vor Fans

In Rostock passiert das jetzt. Zum letzten Saisonspiel des FC Hansa Rostock gegen den VfB Lübeck - Hansa kann den Aufstieg aus eigener Kraft klar machen - werden am Samstag wahrscheinlich 7.500 Zuschauer im Ostseestadion zugelassen. "Es geht darum, mögliche Fanmassen vor dem Stadiongelände mit in das Stadion zu nehmen. Hier versprechen wir uns eine gezielte und bessere Lenkung von Zuschauerströmen", sagte Gesundheitsminister Harry Glawe am Montag in Schwerin.

SGD-Trainer Schmidt: "Hatten uns Kontakt zu Fans gewünscht"

In Dresden blieben die Fans außen vor. Dynamo-Trainer Alexander Schmidt bedauerte im Interview mit "Sport im Osten", dass die Mannschaft komplett von den Fans abgeschottet wurde. "Wir hatten uns gewünscht, Kontakt zu den Fans zu haben und sie wenigstens zu sehen. Irgendwie glaube ich von meinem Gefühl her, hätte man das gestern anders lösen können", sagte er am Tag nach den Vorfällen.

Schmidt blickte dabei auch nach München, wo sein Ex-Klub, der TSV 1860 München, vor dem Derby gegen den FC Bayern München II (2:2) am Wochenende von tausenden Anhängern entlang der Grünwalder Straße begrüßt wurde. In München blieb es weitgehend friedlich, 200 Einsatzkräfte registrierten nach Polizeiangaben nur kleinere Vorkommnisse.

Fans vom TSV 1860 München begrüssen den Mannschaftsbus.
Fans vom TSV 1860 München begrüßen den Mannschaftsbus vor dem Spiel gegen den FC Bayern München II. Bildrechte: imago images/Fotostand

Schmidt: "Die Bilder waren schockierend"

In Dresden waren es fast 1.000 Beamte mehr. Die Lage eskalierte dabei in der zweiten Halbzeit, als etwa 500 gewaltbereite Randalierer die Polizei angegriffen. "Die Bilder waren schockierend, es ist schlecht, wenn es in Gewalt ausufert", sagte Schmidt.

Winkler: "Geht nicht, dass Polizisten angegriffen werden"

Hermann Winkler
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch Winkler verurteilte die Ausschreitungen auf das Schärfste. "Davon distanziere ich mich mit aller Deutlichkeit. Es geht nicht, dass Polizisten angegriffen werden", so der NOFV-Präsident. "Was da unter dem Deckmantel einer Aufstiegsfeier ablief, hat nichts mehr mit Fankultur zu tun. Es kann nicht sein, dass Freude in Gewalt umschlägt", sagte auch NOFV-Vize Bernd Schultz entsetzt.

Aufstieg ohne Fans "komische Situation"

Vielleicht war Dynamos-Aufstiegsheld Alexander Schmidt am Tag nach dem großen Erfolg auch deshalb so sachlich und gefasst. Der "Aufstieg bedeute viel", erklärte er, aber die Situation sei komisch. Seit mehr als einem Jahr spüre man die Fans im Stadion nicht mehr. Zusammenfeiern sei etwas anderes.

Dynamo wolle die Party mit den Fans zwar nachholen, aber dann fehle die Spontanität, so der Coach, der in dieser Woche Gespräche über eine Vertragsverhandlung führt und mit Dynamo in die zweite Liga gehen möchte. Klappt das und gehen sich die Zahlen der Corona-Infizierten zurück, erlebt Schmidt vielleicht doch noch echte Fußballstimmung im Stadion - ohne Bengalos und Krawallmacher.

SpiO-Talk zum Aufstieg von Dynamo Dresden 24 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mo 17.05.2021 13:59Uhr 24:15 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-spio-talk-aufstieg-dynamo-dresden-100.html

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Mo 17.05.2021 13:59Uhr 24:15 min

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Video

44 Verletzte bei Krawallen

Das Ausmaß der schweren Ausschreitungen wird erst allmählich richtig deutlich. Wie die Feuerwehr am Montag mitteilte, wurden 44 Menschen medizinisch versorgt. Die Polizei spricht in ihrem Einsatzbericht von 185 verletzten Beamten - 30 davon seien dienstunfähig. Polizisten wurden von Randalierenden beleidigt und verbal bedroht, hieß es. Während des Spiels hatten etwa 500 gewaltbereite Anhänger von Dynamo Dresden die Polizei mit Pyrotechnik sowie Flaschen- und Steinwürfen attackiert. Dabei soll es sich keineswegs nur um Dresdner Anhänger gehandelt haben.

sst

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 17. Mai 2021 | 19:30 Uhr

38 Kommentare

zenkimaus vor 4 Wochen

Falsch. Jeder nicht gewaltbereiter Fan sollte endlich auch gegen diese Hooligans antreten. Sie sollten nein sagen. Sie sollten den Hooligans die Unterstützung entziehen. Warum ist Dynamo Dresden ein Anziehungspunkt für Hooligans? Weil sie still und heimlich unterstüzt werden, von der schweigenden Masse. Übrigens war dies alles im Netz angekündigt und die Polizei war da. Ich bin dafür das die Polizei nix mehr macht und die Stadt jeden zweiten Spieltag schön verwüstet wird. Ich muss mit meinen Steuergeldern diesen mist bezahlen. Dankeschön

Montezuma vor 4 Wochen

Nunja, ein guter Teil der Initiatoren sind durchaus den organisierten Hooligans zuzurechnen. Wobei da auch so einige Trupps anderer Vereine dabei waren. Der Rest sind Mitläufer, die tatsächlich aus der Mitte der Gesellschaft stammen.

Montezuma vor 4 Wochen

Ich denke, hier im Forum dürfte es kaum einen geben, der nicht klar gegen Gewalt und Straftaten ist. Die "Relativierung" ist hingegen Teil der Hinterfragung, warum es passiert ist. Nur weil jemand (oder auch viele) Nein sagt, unterbinden wir damit die Gewalt noch lange nicht. Entscheidend ist, ob wir einer möglichen künftigen Straftat den Boden entziehen, auf dem sie wächst.
Und da genau setzt das "Relativiern" an. Es geht nicht darum, jemanden von seiner Schuld freizusprechen, sondern die Fehler im Vorfeld zu finden. Wer letzte Woche einigermaßen aufmerksam durch die (sozialen) Medien geschaut hat, dem war klar, was am Sonntag passieren würde. Beide Seiten haben massiv verbal aufgerüstet und nach Unterstützung gesucht. Der Staat für seine harte Linie (die vielbeschworene Deeskalation war von Anfang an ein Luftschloss) und die harten Kerls auf der Gegenseite haben sich aus anderen Vereinen Gleichgesinnte geholt (durch diverse Videos und Augenzeugenberichten belegt).