Fußball | 3. Liga Tacheles im Lößnitztal: FCE-Führung in der Kritik

Deutliche Worte am Freitagabend im Lößnitztal: Auf der Außerordentlichen Mitgliederversammlung des Drittligisten FC Erzgebirge Aue ging es im wahrsten Sinne des Wortes ordentlich zur Sache, was die geleistete Arbeit der Vereinsführung betraf. Präsident Helge Leonhardt sparte dabei nicht mit Selbstkritik. Auch der am Vortag zurückgetretene Vizepräsident Joachim Engelmann verschaffte sich nochmals Luft.

FC Erzgebirge Aue, Vereinsführung
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hinter dem FC Erzgebirge Aue liegen zwei schwere Jahre, die von der Corona-Pandemie geprägt waren und mit dem Abstieg aus der zweiten Bundesliga endeten. Präsident Helge Leonhardt begann seine Ausführungen mit dem aktuellen Hinweis, dass sich die Energiekosten versechsfacht hätten und man überlegen müsse, die Nachwuchsabteilung zu schließen, was er aber nicht tun werde.

8 Millionen Euro weniger in der Kasse

Dem Verein entgingen durch die Geisterspiele in der Coronakrise knapp 2,2 Mio. Euro. Auf der Haben-Seite wurden in diesem Geschäftsbereich lediglich 30.000 Euro über Ticktes verbucht. Durch die künftig ausbleibenden Fernsehgelder (10,6 Mio. Euro) fehlen zudem künftig rund acht Millionen Euro im Budget. In der 3. Liga werden somit vor allem die Sponsorengelder (3 Mio. Euro), Fanartikel (1 Mio.), VIP-Pakete (170) sowie Mitgliedsbeiträge (ca. 500.000 Euro) zur tragenden Säule des Vereins.

Gründe für den Abstieg

Ein weiterer Punkt auf der Agenda war der schmerzliche Abstieg in die 3. Liga. So sieht der stellvertretende Aufsichtratsvorsitzende Uwe Leonhardt die Ursachen des sportlichen Niedergangs in mangelnder "Arbeitermentalität", fehlendem "Siegeswille, Fleiß und Teamgeist". Neben der Beschwörung altbewährter Tugenden sprach er sich auch dafür aus, einem Coach generell mehr Zeit geben zu wollen. "Mein Wunsch wäre es, mit dem Trainer fünf Jahre zusammenzuarbeiten", was die Anwesenden mit lautstarkem Applaus quittierten.

FC Erzgebirge Aue, Uwe Leonhardt
Uwe Leonhardt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rost will Kader verkleinern

Der neue Coach, Timo Rost, der mit Bayreuth den Aufstieg in die 3. Liga geschafft hatte und als Spieler u.a. bei Energie Cottbus aktiv war, kam ebenfalls zu Wort. Der gebürtige Franke freue sich, wieder im Osten zu sein und bevorzuge mit einem kleinen Kader zu arbeiten, um die Spieler besser machen zu können. So will er die Mannschaftsstärke mit noch maximal drei qualitativ hochwertigen Spielern auffüllen und danach den Kader auf 24 bis 25 Spieler plus drei Torhüter reduzieren.

FC Erzgebirge Aue, Trainer Timo Rost
Trainer Timo Rost Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Helge Leonhardts "größter Fehler"

Helge Leonhardt, der zwei längere Reden hielt, lobte zwar mehrfach den Zusammenhalt in der Corona-Krise, sparte aber auch nicht mit Selbstkritik, was vor allem die Personalplanung betraf. Während mit Stürmer Florian Krüger nach einem "Deal" mit dessen Berater noch eine Ablöse von einer Million Euro generiert werden konnte, sei sein "größter Fehler aus heutiger Sicht" der Abgang von Tor-Garant Pascal Testroet gewesen. "Dafür kann ich mich nur entschuldigen, weil ich letztendlich zugestimmt habe", so der FCE-Boss.

FC Erzgebirge Aue, Präsident Helge Leonhardt
Präsident Helge Leonhardt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Engelmann kritisiert Führungsstil

Auch der am Vortag zurückgetretene Vizepräsident, Joachim Engelmann, meldete sich nochmals zu Wort und begründete seine Kündigung. Demnach kritisierte er den Vorstand, der vor allem aus Präsident Helge Leonhardt und Geschäftsführer Michael Voigt als Entscheidungsträger bestehe. Die anderen beiden Mitglieder hätten sich dagegen nur um finanzielle und juristische Fragen gekümmert. Allerdings sei es notwendig, gemeinsam zu tagen und zu entscheiden und keine "Einzelpersonen". "Wir sind Erzgebirge Aue und nicht der FC Leonhardt", sagte Engelmann.

FC Erzgebirge Aue, Ex-Vize Joachim Engelmann
Ex-Vize-Präsident Joachim Engelmann Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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red

Mannschaftsfoto auf dem Rasen. 1 min
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 08. Juli 2022 | 21:45 Uhr

18 Kommentare

Erz Hammer vor 19 Wochen

Die Position GFF ist Neu zu besetzen!!!Grund:Wer Geld verwaltet darf auch mit Angestellten gerne ständig im Dialog stehen ,an der Basis wissen was los ist und nicht über Flurfunk, Presse u.s.w seine Enttäuschung über Angestellte zum Ausdruck bringen. HL hat ein breites Kreuz hinter dem sich der GFF versteckt.Im beiderseitigen Einvernehmen kurz &bündig!!
Alles was nicht in die Richtung geht lässt den FCE lange in Liga 3.
Glück Auf

BSG der Echte vor 19 Wochen

Denk ich nicht. Die Truppe wird sich finden. Es werden noch zwei gute kommen. Das wird was. Aber in Liga zwei sind alle 3 Aufsteiger für mich erste Abstiegskandidaten. Jede Wette

Gernot vor 19 Wochen

Dem FC Erzgebirge für die neue Saison alles erdenklich Gute, wie auch allen anderen Vereinen in Mitteldeutschland.
Der Verein hat nun alles " von links nach rechts und von rechts nach links gedreht ". Aber ein Selbstläufer Richtung 2.Bl wird garantiert nicht. Da gibt es einige mit ähnlichen Zielen. Man wird abwarten müssen, wie der Einstieg in Liga 3 gelingt - eine völlig neue Mannschaft- und welche Reaktionen auf Stresssituationen folgen.Und , beim letzteren kommen bei mir Zweifel auf. Ein Trainer ohne wirkliche Erfahrungen im Profibereich und ein Präsident, nach wie vor als absolute " Rampens...." unterwegs. Das könnte echte Probleme geben. Ich hatte gehofft, man zieht die richtigen Schlüsse aus den Fehlern der Vergangenheit . Irrtum.Jetzt ,sich mit dem ehemaligen Vize einer gewisse Opposition zu entledigen , halte ich nicht für eine wirkliche Führungsstärke. Bleibt der FC E ein FC Leo...... dann habt ihr perspektivisch kein Chance.

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