Fußball | Thüringen Thüringer Tristesse

Sportlicher Misserfolg bei Carl Zeiss Jena, Misswirtschaft bei Rot-Weiß Erfurt, Betrugsvorwürfe bei Wacker Nordhausen: Im Thüringer Fußball gibt es in dieser Saison wenig Grund zur Freude. Einziger Lichtblick ist ausgerechnet der ZFC Meuselwitz.

Wacker Nordhausen - Viktoria Berlin
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Drei Vereine, drei Schicksale: Carl Zeiss Jenas Abstieg aus der 3. Liga, der sich schon die gesamte Saison über angedeutet hat, steht nun endgültig fest. Rot Weiß Erfurts sportliche Zukunft ist nach der Abmeldung der ersten Mannschaft vom Spielbetrieb weiter ungewiss. Und Wacker Nordhausen leidet unter den Betrugsvorwürfen gegen Ex-Präsident Nico Kleofas.

Der Thüringer Fußball ist so tief gesunken wie nie zuvor. Erstmals überhaupt wird es in der kommenden Saison keine Thüringer Mannschaft in den obersten drei Fußball-Ligen geben. Während Erfurt und Jena einst zur Stammbesetzung der DDR-Oberliga gehörten und nach der Wende gegen die Krösusse aus dem Westen für die eine oder andere Überraschung sorgten, schickte sich Nordhausen an, von hinten das Feld aufzuräumen und mit Karacho in den Profifußball zu stürmen - am Ende haben alle verloren.

Sportlicher Misserfolg in Jena

Beispiel Jena: Noch vor einem Jahr gelang der Mannschaft unter ihrem damaligen Trainer Lukas Kwasniok die Sensation in der 3. Liga: der nicht mehr für möglich gehaltene Klassenerhalt. Doch dann verlor der Klub zahlreiche Leistungsträger, die Neuzugänge konnten die verlorene Qualität offenbar nicht kompensieren, und auch die Trainerwechsel halfen nichts - der Abstieg war nur eine Frage der Zeit.

Hinzu kamen die Diskussionen um Trainer Kenny Verhoene, der dem Verein einen großen Imageschaden bescherte. Verhoene soll als Coach der U19 zur Überprüfung des Fitnesszustands seiner Spieler Fotos in Unterhosen angefordert haben. Außerdem berichteten Medien von Elternbeschwerden über ein Trainingslager in Belgien, bei dem die Jugendspieler angeblich in einer Umkleidekabine schlafen mussten - ohne Fenster und Belüftung. Nun soll Verhoene, der seinen Posten als Jugendtrainer abgeben musste, in Zukunft als Scout tätig sein.

Misswirtschaft bei Rot-Weiß Erfurt

Dramatisch ist auch die Lage bei Rot-Weiß Erfurt, und das seit Jahren. Nachdem der Verein bereits im März 2018 Insolvenz angemeldet hatte, hing er fast zwei Jahre am seidenen Faden - Hoffnung und Desillusion wechselten sich ab. Am Ende konnte RWE nicht mal mehr die Spielergehälter zahlen. Die Abmeldung der ersten Mannschaft vom Regionalliga-Spielbetrieb war der absolute Tiefpunkt. Nun hofft man in Erfurt auf einen Neustart in der Oberliga.

Betrugsvorwürfe gegen Nordhausens Ex-Präsident

Bei Wacker Nordhausen hat man derweil bereits in dieser Woche die Weichen auf Zukunft gestellt: Torsten Klaus, bislang Trainer der zweiten Mannschaft, wurde einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt. Die Südharzer hoffen darauf, dass nach den Querelen um Ex-Boss Nico Kleofas nun endlich wieder Ruhe einkehrt.

Dabei hatte Kleofas einst ehrgeizige Pläne: Ziel 3. Liga. Bekannte Namen wie Nils Pichinot, Carsten Kammlott und Jan Löhmannsröben wechselten nach Nordhausen. Das kostete - doch wie genau die Geldflüsse verliefen, ist bis heute nicht ganz klar. Die Verbindlichkeiten der Spielbetriebs GmbH stiegen auf fast zehn Millionen Euro, ungewöhnlich viel für einen Regionalligisten. Am Ende musste Kleofas Insolvenz anmelden und sieht sich zudem Betrugsvorwürfen wegen Urkundenfälschung ausgesetzt.

Meuselwitz als einziger Lichtblick

Fast schon unbemerkt von der sportlichen und wirtschaftlichen Schieflage in Jena, Erfurt und Nordhausen ist ausgerechnet der ZFC Meuselwitz derzeit der einzige fußballerische Lichtblick in Thüringen. Die Zipsendorfer schlossen die abgebrochene Regionalliga-Saison auf einem Mittelfeldplatz ab - das ist nicht spektakulär, und doch das Beste, was überhaupt möglich scheint. Meuselwitz hat keine großen Ambitionen, und schafft es doch immer wieder, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten das Optimum herauszuholen, hier und da sogar einen der Großen zu ärgern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR aktuell | 16. Juni 2020 | 14:40 Uhr

9 Kommentare

Schlumpschuetze vor 2 Wochen

Carlo Knauf hat jedes Jahr im Februar zum Jahresempfang in die Kalkhütte gebeten. Dann lesen sie sich mal die veröffentlichten Auszüge der Rede dazu durch. Zuletzt im Februar 2019.

cuauthemoc vor 2 Wochen

@schlumpschuetze-das ist echt schon abenteurlich, was Sie hier erzählen. Beim Wacker eV war Kleofas der verantwortliche Präsident, bei der GmbH war er Geschäftsführer. In der Vereinssatzung war nichts verankert, was eine Kontrolle der Vereinsgremien erlaubte. Kein Aufsichtsrat im eV, kein Verwaltungsrat/Gesellschafterversammlung in der GmbH. Sicher hat die GmbH die Schulden in der Insolvenz. Wenn es stimmt, hat Kleofas allerdings auch Geschäfte mit sich selbst gemacht und der eV hat ein Darlehen der GmbH erhalten. Von rechts wegen MUSS der Insolvenzverwalter dann vom eV wegen seiner Pflicht zur Sicherung der Vermögensmasse die Rückzahlung des Darlehens verlangen. In einer Regionalzeitung war von 600.000 die Rede. Das ist kein Pappenstiel und kann den Wacker eV genauso in die Insolvenz bringen. Das ausgerechnet die Privatperson Carlo Knauf derjenige gewesen sein soll, der Wacker in Liga 3 wollte - Sie wollen jetzt nicht erzählen, der hat Kleofas dahin getrieben?

Schlumpschuetze vor 2 Wochen

Nochmal zur Erklärung: Die Spielbetriebs GmbH ist nicht an den jetzt 11 Mio. € Verbindlichkeiten gescheitert sondern am Größenwahn eines Nico Kleofas. Die 11 Mio. € sind größtenteils Kredite von Carlo Knauf (DER! wollte Wacker unbedingt in die 3.Liga heben). In jeder Spielzeit sind seit 2015 ca. 3 Mio. dazugekommen. Diese Kredite hätten sich sowieso nach der Laufzeit in Luft aufgelöst.
Nico Kleofas wollte aber noch mehr und hat in Alleinherrschaft Harikiri mit SEINER GmbH ab dem Jahr 2019 gemacht. Das ist krachend gescheitert. Vielleicht wird er sogar verurteilt.
Der große Fehler war die fehlende Kontrolle der Machenschaften des Nico Kleofas vom restlichen Präsidiums des Vereins.