Fußball | 3. Liga Gegnercheck Türkgücü: Vermiest Schmidts Ex-Klub Dynamo den Triumph?

37. Spieltag

Dass Türkgücü München Tabellenführer Dynamo Dresden besiegen kann, hat der Aufsteiger bereits im Januar bewiesen. Doch der Klub hat in den vergangenen Wochen eine Talfahrt hingelegt und bewegt sich mittlerweile zwischen Unruhe, Spielstärke und Absturz.

Im Bild - Yannick Stark, Dynamo Dresden, 5 und Kilian Fischer, Türkgücü München, 17 im Zweikampf, Ball am Boden.
Bildrechte: imago images/Passion2Press

"Warum habe ich mich da eingelassen?" - Dynamo Dresdens Trainer Alexander Schmidt muss kurz überlegen. Bis zum Februar war der 52-Jährige beim Aufsteiger Chef an der Seitenlinie. Dann wurde er auf Rang sieben liegend entlassen. "Heimat, kurze Wege zum Training, kurze Wege zum Spiel", nennt der langjährige Nachwuchstrainer von 1860 Schmidt rückblickend nun eher organisatorisch-formale Gründe für sein Engagement.

"Klima soll nicht sehr gut sein"

Unter Schmidt hatte sich Türkgücü zum offensivstarken Aufsteiger entwickelt, der stabil auf einem einstelligen Tabellenplatz stand und die Spielstärke hatte, auch mal den Tabellenführer zu besiegen. Zu spüren bekommen hat das ausgerechnet Dynamo Dresden - im Januar verloren die Schwarz-Gelben 0:1 in München. "Das ist vom Charakter her eine sehr gute Mannschaft", sagt Schmidt über ein Ex-Team. Und dann ergänzt er: "Insgesamt soll das Klima nicht sehr gut sein."

Cheftrainer Alexander Schmidt (Türkgücü München)
Ex-Türkgücü-Trainer Schmidt: "Turbulenzen haben sich natürlich auf das Team ausgewirkt." Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Skandalnudel der Liga

Und das hat Gründe. Denn: Irgendwas ist immer. Der Aufsteiger ist die Skandalnudel der 3. Liga, selbst Schlagzeilen-erprobte Fans anderer Drittliga-Klubs reiben sich beim Blick auf Türkgücü verwundert die Augen. Im Herbst wollte sich der Klub in den DFB-Pokal klagen. Der Bayrische Fußball-Verband hatte zuvor entschieden, dass die Regionalliga Bayern wegen der Corona-Pandemie abgebrochen wird, Tabellenführer Türkgücü wurde zum Aufsteiger, der Tabellenzweite aus Schweinfurt für den DFB-Pokal nominiert. Durch die Klage der Münchner musste das Pokalspiel gegen Schalke verschoben werden, schließlich verlor Türkgücü vor Gericht.

Finanzsorgen und Trainerentlassung

Kurz vor Weihnachten gab der finanzstarke Türkgücü-Investor Hasan Kivran dann seinen Rückzug aus dem Verein bekannt. Der Klub stand ohne Geldgeber da. Plötzlich war sogar unklar, ob der Verein die Saison zu Ende spielen kann, Türkgücü trennte sich von einigen Spielern. Mitte Januar dann die Rolle rückwärts, Kivran sicherte sein Bleiben zu. Doch wirklich ruhig wurde es um Türkgücü nicht. Denn Anfang Februar wurde Trainer Alexander Schmidt entlassen. Obwohl sein Team im gesicherten Mittelfeld stand. Dem einstigen Trainer von 1860 München und Jahn Regensburg wurden fünf Spiele in Folge ohne Sieg zum Verhängnis. Seinen Nachfolger Serdar Dayat hielt es nur 71 Tage im Amt - offiziell bat der Coach nach nur zwei Siegen aus neun Spielen aus gesundheitlichen Gründen um die Aufhebung seines Vertrages.

Vorstandsvorsitzender Hasan Kivran (Tuerkguecue Muenchen)
Türkgücü-Geldgeber und -Vorstandsvorsitzender Hasan Kivran. Bildrechte: imago images / kolbert-press

Verletzungssorgen - Spieler wollen weg

Mittlerweile ist der einst so starke Aufsteiger, der von Schmidt von der Ballbesitzmannschaft zum Spektakel-Team umformiert wurde, zum drittschlechtesten Team der Rückrunde abgerutscht. Und so reist Türkgücü mit einigem Frust und Personalproblemen nach Dresden. Goalgetter Sercan Sararer fehlt wegen Wadenproblemen. "Diese ganzen Turbulenzen haben sich natürlich auf das Team ausgewirkt. Man sieht das jetzt bei Sercan, der wegwill. Er ist einer der besten Spieler der 3. Liga", so Schmidt. Beim Spiel in Dresden fehlen zudem Abwehrspieler Stefan Stangl, die Mittelfeldspieler Atakan Akkaynak, Boubacar Barry und der ebenfalls starke Sebastian Maier. Gecoacht wird das Team von Interimstrainer Andreas Pummer. In der neuen Saison soll dann der Tscheche Petr Ruman übernehmen.

Aufreger schon in der Regionalliga

Für Kopfschütteln und Skandale sorgte Türkgücü auch schon in der Regionalliga: Einem Spieler wurde fristlos gekündigt, weil er trotz vorheriger Absprache mit dem Verein vom Trainingslager zur bevorstehenden Geburt seines Kindes abreiste. Im Sommer verzichtete das gesamte Team dann auf die Drittliga-Aufstiegsprämie. Im Gegenzug wurde versprochen, dass der Kader kaum verändert wird. Pustekuchen: 17 neue Spieler wurden geholt.

Das andere Türkgücü: Beispiel für gelungene Integration

Bei den ganzen Negativ-Schlagzeilen gerät fast aus dem Blick, wofür der Klub auch noch steht. Für erfrischenden Fußball und für erfolgreiche Integration. Als 1975 von Migranten gegründeter Klub, bei dem aktuell Spieler aus 13 verschiedenen Ländern spielen, ist Türkgücü ein gutes Beispiel dafür, wie gut Integration in Deutschland funktionieren kann.

Die letzten Türkgücü-Spiele

32. Spieltag: 1860 München - 0:2-Heimniederlage
33. Spieltag: Unterhaching - 2:0-Auswärtssieg
34. Spieltag: KFC Uerdingen - 0:2-Heimniederlage
35. Spieltag: Hallescher FC - 1:4 Auswärtsniederlage
36. Spieltag: SC Verl - 1:2-Heimniederlage

Bilanz gegen Dynamo Dresden

Türkgücü und Dynamo haben bisher erst einmal gegeneinander gespielt - am 18. Spieltag dieser Saison war das, die Münchner gewannen 1:0.

Dirk Hofmeister

Videos und Audios zur 3. Liga

Spio_Zwickau-SC_Verl
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Spio_Story_Viktoria-Berlin
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Alle anzeigen (196)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 15. Februar 2021 | 21:45 Uhr

0 Kommentare