Fußball | 3. Liga Große Unsicherheit beim Chemnitzer FC nach geplatztem Insolvenzplan

Beim Chemnitzer FC herrscht derzeit allgemeine Ratlosigkeit, nachdem Insolvenzverwalter Klaus Siemon am Montag (28. Oktober 2019) den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Chemnitz zurückgezogen hat. Wir haben uns dazu in Führungskreisen des Vereins und bei den Investoren der Spielbetriebs-GmbH umgehört.

Das Vereinslogo am Stadion an der Gellertstraße
Bildrechte: imago images / Uwe Meinhold

"Im Moment hat die Rücknahme des Insolvenzplans durch Herrn Siemon keine konkreten Folgen für den Verein", sagt Siegfried Rümmler, Mitglied des dreiköpfigen Notvorstandes. "Jetzt haben wir dieselbe Situation wie vor dem Einreichen des Insolvenzplans." Das heißt im Klartext: Niemand weiß, wie lange das Insolvenzverfahren noch dauern wird und wie es um die Zukunft des Vereins steht. Die Anteilseigner der Spielbetriebs-GmbH hatten ja signalisiert, dass sie frisches Geld investieren würden, wenn dadurch das Insolvenzverfahren zeitnah beendet werden könnte.

Wie hoch sind die finanziellen Forderungen?

 Romy Polster CFC Gesellschafterin und ehemaliger Oberstaatsanwalt Siegfried Rümmler  CFC
Siegfried Rümmler im Gespräch mit seiner Notvorstands-Kollegin Romy Polster, die zudem als Sprecherin der CFC-Gesellschafter fungiert. Bildrechte: imago images/HärtelPRESS

Angeblich hätte Siemon ursprünglich rund 400.000 bis 500.000 Euro dafür veranschlagt, hieß es aus Kreisen der Investoren. Die derzeit kursierenden Zahlen aus dem Insolvenzplan liegen aber doppelt so hoch. Außerdem hat Siemon wohl weitere finanzielle Forderungen außerhalb des Insolvenzverfahrens gestellt. Größenordnung: 500.000 bis 700.000 Euro.

Bestätigen kann diese Zahlen im Moment niemand. Klar ist aber, dass die CFC-Investoren nicht bereit sind, diese Summen aufzubringen. "Wir wissen im Moment nicht, wie es weitergeht", hört man immer wieder aus Investoren-Kreisen.

Bei den vielen im Raum stehenden Summen fehlt allerdings noch eine entscheidende: Die Vergütung für den Insolvenzverwalter Klaus Siemon. Laut Amtsgericht Chemnitz wird er für das laufende und das vorläufige Insolvenzverfahren jeweils ungefähr 500.000 EUR erhalten – insgesamt also eine Millionen Euro. Die Vergütung des Insolvenzverwalters ist der ranghöchste Anspruch in einem Insolvenzverfahren. Das bedeutet: Wenn dieser Anspruch nicht bezahlt wird, kann das Insolvenzverfahren auch nicht zu Ende gebracht werden. Die eine Million Euro an Siemon fließt definitiv.

"So schnell wie möglich mit Siemon zusammensetzen"

Klaus Siemon
CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon. Bildrechte: imago images /Picture Point

"Wir müssen uns so schnell wie möglich mit Herrn Siemon zusammensetzten und einen Kassensturz machen, damit wir genau wissen, wie die finanzielle Situation des Vereins aussieht", so die allgemeine Forderung der Investoren. Und natürlich muss man sich zusammensetzten, um zu erfahren, was Klaus Siemon vor hat.

Der Kontakt mit dem Insolvenzverwalter ist dem Vernehmen nach jedoch schwierig. Schon mehrere Monate ist er nicht mehr in Chemnitz gewesen. Den Kontakt hält nur noch Romy Polster, die Sprecherin der GmbH-Gesellschafter. Polster ist allerdings derzeit im Urlaub. Da Polster auch zum neu berufenen Notvorstand gehört, konnte sich das Gremium noch nicht konstituieren und ist deshalb noch nicht handlungsfähig.

Nachforderungen des Insolvenzrichters nicht erfüllt

Notvorstand Siegfried Rümmler: "Ich stehe im Moment nicht in Kontakt mit Klaus Siemon, deshalb weiß ich nicht, ob er vor hat, einen neuen Insolvenzplan einzureichen." Der jetzt zurückgezogene Insolvenzplan hat den zuständigen Insolvenzrichter offensichtlich nicht überzeugt, deshalb hat er Nachforderungen an Siemon gestellt. Diese Nachforderungen hat der CFC-Insolvenzverwalter allerdings nicht erfüllt.

Eine kurzfristige Reaktion von Siemon ist nicht zu erwarten – er befindet sich im Moment dem Vernehmen nach noch im Urlaub. Siegfried Rümmler versucht es mit Optimismus: "Ich kann nur hoffen, dass Siemon den Verein weiterhin erhalten will, so wie er es im letzten Jahr der Gläubigerversammlung versichert hat."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR aktuell | 29. Oktober 2019 | 10:40 Uhr

8 Kommentare

Daniel vor 39 Wochen

Viel hat sich für den Verein leider nicht geändert außer das noch mehr Leute aus der klammen Kasse bezahlt werden müssen und noch bezahlt werden obwohl Sie nicht mehr aktiv sind. Vielen Dank Herr Siemon...

Chemieschwein vor 39 Wochen

1Mio € ? . . Das iss der ungefähre Jahresetat von Chemie .. Hier kannste nur noch mit dem kopfschütteln ... Aber Chemiesschwein und seine Kumpels finden das ok .. Ihr seid ja die größten in Chemnitz ...

Marcel vor 39 Wochen

1 Million "Verdienst" für Herrn Siemon? Wofür? Der CFC Ist wohl doch keine "Herzensangelegenheit" für ihn sondern hauptsächlich seine private Altersvorsorge. Für 1 Mille muss der normalsterbliche Ossi 40 Jahre hart arbeiten gehen.

Ergebnisse & Tabelle