Fußball Dynamo-Ikone Hans-Jürgen Kreische feiert 75. Geburtstag

Er schoss für Dynamo Dresden Tore wie am Fließband und war einer der erfolgreichsten und besten DDR-Fußballer seiner Zeit: Hansi Kreische. Am Dienstag (19. Juli) feiert er seinen 75. Geburtstag.

Dresdner Fußballidols Hans-Jürgen Kreische, der als Spieler (127 Tore in 234 DDR-Oberliga-Spielen) und Trainer für Dynamo Dresden tätig war. Er begeht am 19.7.2022 seinen 75.Geburtstag.
Dresdner Fußballidols Hans-Jürgen Kreische, der als Spieler (127 Tore in 234 DDR-Oberliga-Spielen) und Trainer für Dynamo Dresden tätig war. Er begeht am 19. Juli seinen 75.Geburtstag. Bildrechte: Frank Kruczynski

Zu seinem 70. Geburtstag hatte Hans-Jürgen Kreische 14 ausgewählte Gäste eingeladen Damals unter anderem am Tisch: Klaus Sammer und Jens Jeremies. Am Dienstag (19. Juli) wird das Dynamo-Idol 75. - diesmal wird mit seiner Frau an der Ostsee gefeiert.

Viele Erfolge mit der DDR-Auswahl und in der Oberliga

Kreische ist eine der Ikonen des DDR-Fußballs. BRD-Mitbesieger bei der WM 1974, Olympia-Dritter 1972, 50-maliger Auswahlspieler, viermaliger Torschützenkönig der DDR-Oberliga. Und das alles, obwohl Kreische seine Karriere als Fußballer schon mit 30 beendete. Geplant war das nicht. Als er sich beim Spitzenspiel seines Vereins Dynamo Dresden gegen den 1. FC Magdeburg warmlief und nicht eingewechselt wurde, warf Kreische Coach Walter Fritzsch die Schuhe vor die Füße - das war es.

Kreische - einer der sagt, was er denkt

Hans-Juergen Kreische, ehemaliger Fussballspieler
Hans-Jürgen Kreische ist dem Fußball mit 75 eng verbunden. Bildrechte: imago images/Galoppfoto

Kreische ist so geblieben: Geradlinig, meinungsfreudig, ein impulsiver Charakter, der noch immer vom Fußball angetrieben wird. Er will Spieler entdecken, fördern, weiterbringen - und zwar immer noch. Seit zwei Jahren arbeitet wieder für Dynamo - als Übergangskoordinator betreut er die individuelle und sportliche Entwicklung der Perspektivspieler.

Goretzka mit ähnlichen Fähigkeiten

Auf die Frage, ob es heute eine Spieler gäbe, der seinem damaligen Verständnis von Fußball nahekäme, muss Kreische etwas grübeln. Michael Ballack sei ihm in einer frühen Phase seiner Karriere in gewisser Weise nahe gekommen. Von den aktuellen Profis nennt er Leon Goretzka. "Aber diese Typen, die das Spiel gestalten können und trotzdem auch ihre Tore machen, die gibt es einfach nicht oft. Diese Eigenschaften zu kombinieren setzen viel Arbeit und eine hohe Spielintelligenz voraus", meinte Kreische, der sein Jubiläum "merkwürdig"findet.

Sein alter Trainer Fritzsch habe einst zu ihm gesagt, er solle seine Zeit nutzen, da diese ohnehin viel zu schnell vorbei gehen würde. "Damals haben wir jungen Spieler das nicht für voll genommen" sagte Kreische. Heute sei er froh, dass er "mental noch zusammen ist" und von seine Erfahrungen erzählen kann.

Hans Jürgen Kreische
Hans Jürgen Kreische: Auch seine Meinungsstärke zeichnete ihn aus. Bildrechte: imago/WEREK

Talent vom Vater

Und davon gibt es reichlich. Kreische ist der Sohn des in der sächsischen Landeshauptstadt ebenso verehrten Hans Kreische, der gemeinsam mit dem späteren Bundestrainer Helmut Schön zur Meistermannschaft des Dresdner SC (1943 und 1944) gehörte.

"Sicherlich hat er das Talent von seinem Vater vererbt bekommen. Aber als Fußballer kannst du nicht von einem Namen leben, du musst dich selbst verwirklichen", meinte Gert Heidler über seinen ehemaligen Mitspieler. Die beiden Offensivspieler liefen zwischen 1968 und 1977 im Dynamo-Trikot auf. Die Selbstverwirklichung von Kreische Junior begann fernab des saftigen grünen Rasens auf den Bolzplätzen der Stadt Dresden. Erst mit zehn Jahren begann "Hansi" mit dem Vereinsfußball, wurde teilweise von seinem Vater trainiert. "Mein Vorteil war, dass ich ein echter Straßenfußballer war", erklärte Kreische. Seit frühester Kindheit gab es keinen Tag ohne das runde Leder.

131 Tore als Mittelfeldspieler

Das Talent fiel schnell auf. Auch die Statistiken seiner Arbeit auf dem Platz deuten auf außergewöhnliche Werte hin. In der DDR-Oberliga erzielte er zwischen 1965 und 1977 in 256 Spielen für einen Mittelfeldspieler außergewöhnliche 131 Tore. Gleich viermal wurde Kreische Torschützenkönig der DDR-Oberliga (1971, 1972, 1973 und 1976 ). Zwischen 1968 und 1975 bestritt er insgesamt 50 Länderspiele (22 Tore ) für die DDR. Er stand zudem in der DDR-Auswahl, die bei den Olympischen Spielen 1972 in München Bronze gewann und zwei Jahre später auch in jenem Team, das bei der einzigen WM-Teilnahme der DDR den späteren Weltmeister BRD in Hamburg durch das Tor von Jürgen Sparwasser mit 1:0 bezwang.

Die DDR Nationalmannschaft 1974
Die DDR Nationalmannschaft 1974, die die BDR bei der WM mit 1:0 besiegte. Bildrechte: imago/Werner Schulze

Kreische - erst Trainer, dann Scout

Nach seiner aktiven Karriere arbeitete er als Trainer und war in den 90er Jahren kurzzeitig auch für Dynamo verantwortlich. Später war er Talentscout im Deutschen Fußball-Bund, für den Hamburger SV und RB Leipzig tätig. Als Experte begleitete Kreische mit seinem Wissen viele Livespiele als Experte bei "Sport im Osten". Mit seinem Einstieg bei Dynamo 2020 schloss sich ein Kreis.

dpa/red

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