Michael Schädlich
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Fußball | 3. Liga Nach Stasi-Vorwürfen - Schädlich hört als HFC-Präsident auf

Nach Stasi-Vorwürfen wird Michael Schädlich nicht wieder als Präsident beim Fußball-Drittligisten Hallescher FC antreten. Am Nachmittag hatte Halles Oberbürgermeister Wiegand Schädlichs Rücktritt gefordert. Im Amt soll Schädlich jetzt noch bis Anfang Februar bleiben.

Michael Schädlich
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Der Präsident des Halleschen FC, Michael Schädlich, tritt nach Stasi-Vorwürfen nicht wieder zur Wiederwahl an. Das erklärte der 64-Jährige am Montag in einer persönlichen Erklärung. Er werde bei der Mitgliederversammlung am 16. Dezember nicht wieder kandidieren, so Schädlich. Im Amt bleibt er nach einem HFC-Beschluss vom Abend sogar noch bis zum 3. Februar 2019. Nach Aufkommen der Stasi-Vorwürfe hatte er angekündigt, viele Gespräche mit den "unterschiedlichsten Gremien" führen zu wollen, um sich ein "Stimmungsbild zu machen".

Die Erklärung von Schädlich

Er schrieb: "Trotz einer Vielzahl von Bekundungen der Unterstützung und Rückendeckung in Folge der neuerlichen medialen Berichterstattung über meine Mitarbeit beim Ministerium für Staatssicherheit vor 30 Jahren sehe ich mich nach zahlreichen Gesprächen und deutlichen Signalen aus dem Rathaus in den vergangenen Tagen gezwungen, meine Kandidatur für die künftige Mitarbeit im Vorstand unseres HFC nach mehr als 16 Jahren an der Spitze des Vereins zurückzuziehen.

Um zu verhindern, dass ggf. Sponsoren aufgrund meiner zwar seit Jahren bekannten, nun aber neu aufgeflammten Information über meinen eingeräumten Fehler aus Vorwendezeiten nicht mehr bereit sind, den Halleschen FC im bisherigen Umfang zu unterstützen, habe ich mich entschlossen, die für mich sehr schmerzhafte Entscheidung zu treffen. 

Da sich auch meine Vorstandskollegen von meiner Kandidatur distanziert haben, möchte ich die Mitglieder des Halleschen FC angesichts der sportlich vielversprechenden Situation nicht in die Verlegenheit bringen, zwischen Vertrauen und Sympathie einerseits sowie etwaigem Erfolg und Lizenzsicherung andererseits wählen zu müssen."

Dr. Bernd Wiegand, Dr. Michael Schädlich, Manfred Maas und Holger Stahlknecht
Halles OB Bernd Wiegand (li.) und Michael Schädlich. Bildrechte: imago/VIADATA

Oberbürgermeister und HFC-Vizepräsident forderten Rücktritt

Unmittelbar vor dem Rücktritt war der Druck auf den langjährigen Chef des HFC immer größer geworden. Am Nachmittag hatte Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand bereits das Aus von Schädlich gefordert: "Die öffentliche Hand kann nicht mit einem Verein zusammenarbeiten bzw. ihn finanziell fördern, wenn an dessen Spitze eine Person steht, die als Inoffizieller Mitarbeiter für die Staatssicherheit tätig war. Dies hat der Vorsitzende des Vorstandes der Saalesparkasse, Dr. Jürgen Fox (auch Vizepräsident des HFC, Anm. der Redaktion), dem Präsidenten des HFC bereits am Freitag, dem 07.12. 2018, mitgeteilt. Der Schritt ist mir nicht leichtgefallen, aber nach mehreren längeren Gesprächen – unter anderem mit dem von der Ausforschung betroffenen Universitätsprofessor für Wirtschaftsinformatik, Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Lassmann, – kann ich zu keiner anderen Entscheidung kommen."

Bernd Wiegand (Oberbürgermeister Halle), Jürgen Fox (Vorsitzender des Vorstandes der Saalesparkasse), Ralf Meyer und Alexander Suckel (Literaturhaus Halle e.V.)
V. li.: Halles OB Bernd Wiegand und HFC-Vizepräsident Jürgen Fox Bildrechte: MDR/Anne Sailer

"exakt": Als "Walter Flegel" wurde Schädlich von 1983 bis 1989 als IM eingesetzt

In der Vorwoche hatte das MDR-Magazin "exakt" berichtet, dass Schädlich als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) sehr viel aktiver als bislang bekannt war. Das geht aus seiner IM-Akte von Michael Schädlich hervor. Unter dem Decknamen "Walter Flegel" wurde Schädlich von 1983 bis 1989 gezielt für die Ausforschung von Studenten, Dozenten und Professoren an der Abteilung Wirtschaftswissenschaften der Martin Luther Universität Halle eingesetzt. Schädlich war zu dieser Zeit beruflich als Dozent dort tätig. Aus den Akten wird zum ersten Mal ersichtlich, dass Schädlich umfassend über mehrere Zielpersonen detailliert berichtete. Dabei spitzelte er teilweise sogar bis in den privatesten Bereich seiner Kollegen hinein.

Michael Schädlich hatte auf Anfrage von MDR-"exakt" mitgeteilt: "Ich möchte grundsätzlich feststellen, dass mein Zusammenwirken mit dem Ministerium für Staatsicherheit (MfS) in den Achtziger Jahren ein wesentlicher Fehler war, dessen Tragweite ich damals nicht erkannt habe, den ich aber stark bereue. Ich kann diesen Fehler leider nicht ungeschehen machen, bemühe mich aber seit nunmehr über 30 Jahren, durch berufliches und ehrenamtliches Engagement den Nachweis zu erbringen, dass ich aus meinem damaligen fehlerhaften Verhalten die richtigen Schlussfolgerungen gezogen habe."

Präsident Michael Schädlich
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Auch in die Überwachung von Professor Wolfgang Lassmann, dem späteren Pro-Rektor der Universität Halle war Michael Schädlich involviert. Wolfgang Lassmann äußerte sich enttäuscht über Michael Schädlich: "Ich war dann natürlich traurig, wenn man erfährt, dass ein Schüler oder später auch ein Kollege, mit dieser Energie, die an den Tag gelegt wurde, seinen eigenen Lehrer verrät. Das tut weh." Der Bundesbeauftragte der Stasi-Unterlagen- Behörde, Roland Jahn, hatte eine öffentliche Debatte über Schädlichs Stasi-Tätigkeit gefordert.

HFC-Erfolgsbilanz unter seiner Ägide

Hallescher FC, Bierdusche für die Aufsteiger.
2008 gelang dem HFC der Aufstieg in die Regionalliga. Bildrechte: imago/Picture Point

Schädlich amtierte seit Juni 2002 als HFC-Präsident. In dieser Zeit gelang unter anderem 2012 der Aufstieg in die 3. Liga, damals sensationell gegen das finanzielle Schwergewicht RB Leipzig. Zudem konnte unter seiner Ägide mit dem Erdgas-Sportpark ein modernes Stadion errichtet werden. Sportlich hat sich der Klub in der 3. Liga etabliert und gehört in dieser Saison zu den Spitzenmannschaften.

Mitgliederversammlung auf den 3. Februar verschoben

"Aufgrund der aktuellen Ereignisse" beschlossen Vorstand und Verwaltungsrat des HFC am Montagabend die Mitgliederversammlung voraussichtlich auf den 3. Februar 2019 zu verschieben. Laut Satzung müssen die Kandidaten vor den Vorstand mindestens vier Wochen vor der Wahl vorgeschlagen werden. Diese Frist ist nicht mehr einzuhalten. Bis zur Neuwahl wird der Vorstand um Michael Schädlich, Jürgen Fox, Jens Rauschenbach und Lucas Flöther weiter dem Klub vorstehen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 10. Dezember 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2018, 22:22 Uhr

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133 Kommentare

12.12.2018 15:05 Nikolaus 133

so so. 18 Monate hat der mdr nach einem Tipp recherchiert. Hut ab für das in 18 Monaten erzielte Ergebnis, dass ein Spitzel gespitzelt hat. Mit allem Respekt für alle tatsächliche Opfer, aber wie kann man in der heutigen Zeit sagen, das ein IM mehr gespitzelt hat als gefordert? Das kann doch eigentlich nur der ehemalige vorgesetzte vom Schädlich sagen! Wer ist eigentlich die Wahlausschuss?

12.12.2018 13:51 Gerhard 132

Es ist mir ein Rätsel warum diese Tatsache solange verschwiegen wurde.
Ohne öffentlichen Druck wäre da nie etwas passiert.

12.12.2018 13:42 Original Kritiker 131

Leider kann anscheinend jedermann die bereits vorhandenen Nicks anderer Kommentatoren nutzen. Ich lege Wert auf die Feststellung, dass die Beiträge Nr. 129, 126 NICHT von mir sind.

12.12.2018 08:45 GlückAuf! 130

... ganz einfach - wer Leute ausspioniert und verrät hat nichts an der Spitze eines seriösen Sportvereins zu suchen!

11.12.2018 21:37 Kritiker 129

@127
"Chemie Halle, heute verkauft als HFC, ist ansonsten genau die Umgebung, in der ich einen Schädlich suchen würde, müsste ich es denn."

Ihr Kommentar strotzt ja nur vor Unwissenheit. Bis 1991 hieß der Verein Hallescher FC Chemie. Und wir waren nicht der BFC, der sich für seine Vergangenheit schämen musste. Oder was heißt hier "verkauft"?

11.12.2018 20:22 Wo ist das Lobbyregister? 128

@11.12.2018 18:21 MLink-Berlin

(Seit wann ist ein guter Mensch zu sein was wofür man sich rechtfertigen oder schämen muss?

Wenn die Wessis ihre Nazivergangenheit nicht aufgearbeitet haben, ist das ihr Problem! Das macht das Stasiunrecht nicht besser!!!)

Korrekt - das ist blanker Whataboutism. Und ab etwa den 60er Jahren hat der Westen sehr wohl seine Nazivergangenheit aufgearbeitet - insbesondere gerichtlich. Und dabei festgestellt, dass zahlreiche Täter wo lebten? Ganz richtig: In der DDR.

Dass das alles viel zu wenig, zu spät und zu wenig durchgreifend war, wird niemand bestreiten. Daraus abzuleiten, es sei sinnvoll, in Sachen Stasi gleich noch einmal so zu verfahren, darauf kann man wohl nur kommen, wenn man mit diesem Geruchsproben-Verein keine Problem hat(te). Wenn nicht Schlimmeres.

11.12.2018 20:17 Wo ist das Lobbyregister? 127

@11.12.2018 19:50 Gohlis

(Herrn Schädlichs IM-Vergangenheit ist seit 1992 (!) bekannt...)

Ihre Apologetik mit angeschlossener Verschwörungstheorie übersieht, dass sich Schädlich wie alle seines Schlages als "kleiner IM" verkauft hat und der Gesamtumfang seiner "Tätigkeit" erst jetzt öffentlich bekannt wird. Und da können wir noch Glück reden, dass diese Informationen TATSÄCHLICH öffentlich geworden sind. Im übrigen war es der Ex-DDR-Bevölkerung in GROSSEN Teilen nach meiner Erfahrung nur recht, dass ihre eigenen Leichen im Keller verbuddelt blieben und der "Wessi" die Quelle allen Übels war. Sonst war es ja immer nett im Kollektiv und Jederhatjedemstetsganzuneigennütziggeholfen, wir wissen das.

Chemie Halle, heute verkauft als HFC, ist ansonsten genau die Umgebung, in der ich einen Schädlich suchen würde, müsste ich es denn.

11.12.2018 20:10 Kritiker 126

@123
Es wurde bis dato noch kein IM in's Loch gesperrt, so wie sie es ausdrücken. Da hier die Rechtsgrundlage fehlt. Selbst eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst ist möglich, siehe Kommentar 73. Und es hat seine Gründe, dass in Deutschland die Judikative und nicht das Opfer Recht spricht.

Was an dem Vorgehen von Herrn Wiegand verwundert, ist, dass die Tätigkeit, wenn auch nicht in dem Umfang, schon längst bekannt war. Und dennoch wurde der HFC durch städtische Unternehmen gefördert - der HFC, nicht Herr Schädlich. Was Herr Wiegand macht, ist einmalig in Deutschland, genauso wie beim Fanprojekt. Er nutzt seine Macht, um seine Interessen durchzusetzen. Es gibt keine rechtliche Grundlage für sein Vorgehen. Das Amt von Herrn Schädlich war ehrenamtlich, er wurde gewählt. Damit sind sie ggf. nicht einverstanden. Das Verfahren war aber demokratisch.

11.12.2018 19:50 Gohlis 125

Einige scheinen hier Verständnisprobleme zu haben. Eine IM-Tätigkeit ist verwerflich und gehört aufgearbeitet, keine Frage. Herrn Schädlichs IM-Vergangenheit ist seit 1992 (!) bekannt. Von diesen zwei Sachverhalten ausgehend, wäre es völlig in Ordnung gewesen, wenn Herr Schädlich damals verurteilt worden wäre (was wohl auch in gewissem Rahmen erfolgt ist) oder 2002 dadurch als ungeeignet für sein Amt befunden worden wäre. Jetzt aber nach 26 Jahren den Mann abzusägen, kann nur eine Intrige sein und benutzt die IM-Tätigkeit als reines Mittel zum Zweck. Das ist der Teil, der nicht in Ordnung ist. Selbst Hardcore-Aufklärer sollten erkennen, dass hier zwei Moral-Ebenen nicht zusammen passen.

11.12.2018 18:51 Nur mal so 124

Unglaublich.
Die Herde aus dem Schacht spielt sich hier als Moralapostel auf.
Bei anderen gern mit erhobenen Zeigefinger agitieren und hier will man den Mantel des Schweigens darüber legen.
Grund kann nur sein, das Schacht und Co. eine ähnliche Vergangenheit haben.
Über die Genossen Leo hört man einiges.
Mal tiefer bohren und schwupp wäre dort auch der Präsident weg und dieser "Kumpelverein" Pleite.
Deshalb wird im Erzgebirge geschwiegen.