Klaus Siemon
Insolvenzverwalter Klaus Siemon Bildrechte: imago images /Picture Point

Fußball | 3. Liga Chemnitzer FC geht gegen Problemfans vor

Insolvenzverwalter Klaus Siemon von Drittligist Chemnitzer FC hat die jüngsten rassistischen und antisemitischen Beleidigungen einiger CFC-Fans scharf kritisiert. "Dies sind unglaubliche, unfaire Entgleisungen gegen das eigene Team. Die Fanszene, die versucht, dies zu relativieren, hat total versagt", erklärt der 60-Jährige in einem "kicker"-Interview. Unterdessen erwägt Daniel Frahn rechtliche Schritte.

Klaus Siemon
Insolvenzverwalter Klaus Siemon Bildrechte: imago images /Picture Point

Aus dem Chemnitzer Fanlager sollen am Samstag (24.08.) laut Verein beim Auswärtsspiel gegen den FC Bayern II (2:2) antisemitische und rassistische Beleidungen zu hören gewesen sein. CFC-Sprecher Wunderlich konkretisierte die Angaben auf Nachfrage und bestätigte am Montag, dass es von Einzelpersonen Rufe wie "Thomas Sobotzik, du Judensau" oder "Daniel Frahn ist wenigstens kein Neger" gegeben habe. Weiter teilte Wunderlich dem MDR mit: "Auf direkte Rückfrage von mir wurde noch einmal wiederholt: 'Ja, die Juden-Sau soll die Stadt verlassen und du (gemeint war ich) gleich mit.'"

Es ist ein neuer Tiefschlag für den CFC, denn der Sportliche Leiter Sobotzik kämpft seit Monaten gegen die rassistischen Kräfte im Verein. So wurde bereits Ex-Kapitän Frahn wegen seiner angeblichen Nähe zu rechtsextremen Fan-Gruppierungen suspendiert.

Chemnitzer FC erstattet Anzeige

Nach dem Spiel am vergangenen Samstag verzichtete das Team auf den üblichen Gang vor die Anhänger, die Äußerungen bezeichnete der Klub in einer Pressemitteilung als "widerlich". Als Reaktion auf die Vorkommnisse hat der Verein am Montag zudem Anzeige bei der Polizei Chemnitz erstattet. Klubsprecher Steffen Wunderlich soll das ebenso getan haben, nachdem er von einem Fan angegangen worden war. Auch der Deutsche Fußball-Bund ermittelt in diesem Fall.

"Fanszene Chemnitz e.V." verurteilt rassistische und antisemitische Beleidigungen Einzelner

Nach Angaben des Vorstandes vom "Fanszene Chemnitz e.V." seien die Rufe, so es sie tatsächlich gegeben habe, nicht zu entschuldigen. In einem Facebook-Post des Vorstandes steht, dass man nicht ausschließen könne, dass es durch Einzelpersonen direkt am Zaun zu antisemitischen und rassistischen Beleidigungen gekommen sei. Die aktuellen Geschehnisse seien durch nichts zu rechtfertigen und "lassen uns wieder einmal traurig und nachdenklich zurück", heißt es weiter.

Siemon: "Bollwerk gegen Rechtsradikalismus"

Auch CFC-Insolvenzverwalter Siemon hat sich zu Wort gemeldet. "Natürlich geben mir all diese Ereignisse zu denken", so Siemon. Auch er sei "zum Ziel des Hasses in der Südkurve" geworden. Doch den Kampf für mehr Toleranz will die Klubführung nicht aufgeben. "Wir - und da meine ich das sportliche Führungsteam um Geschäftsführer Thomas Sobotzik, Chefcoach David Bergner, Co-Trainer Sreto Ristic und meine Person sowie die Gesellschafter - sind mit dem Auftrag angetreten: Die GmbH ist ein Bollwerk gegen Rechtsradikalismus", betont Siemon: "Dafür stehen und kämpfen wir. Gerade deshalb werden wir bekämpft."

Frahn distanziert sich von Äußerungen einiger CFC-Fans

Auch Ex-Spieler Frahn kritisiert das Verhalten einiger CFC-Fans: "Diese unzumutbaren Äußerungen von Teilen des Fan-Anhangs, bei denen Spieler und Verantwortliche beleidigt, rassistisch oder antisemitisch verunglimpft werden, sind vollkommen inakzeptabel - diese Personen gehören vom Verein ausgeschlossen", schreibt der 32-Jährige auf seiner Facebookseite.

Frahn erwägt rechtliche Schritte

Zum Ruf "Daniel Frahn ist wenigstens kein Neger" schreibt Frahn: "Ein absoluter Tiefschlag, den ich mit großer Bestürzung wahrgenommen habe, war der Ausspruch meines Namens im Zusammenhang mit einer rassistischen Beleidigung." Frahn distanziere sich nach eigenen Angaben klar von solchen Äußerungen und werde sich strafrechtliche Schritte vorbehalten, sollte sein Name weiterhin in Zusammenhang mit rechtsradikalen Beleidigungen verwendet werden.

red/sid

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 26. August 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. August 2019, 16:25 Uhr