Krise beim 1. FC Magdeburg Jetzt gehen die FCM-Fans auf die Barrikaden

Mitglieder des 1. FC Magdeburg wollen, dass der Verein eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberuft. In Präsenz. Die Fans fordern eine Aussprache, weil sie sich zunehmend von ihrem kriselnden Club entfremdet fühlen.

Fanblock beim FCM
Weil die FCM-Fans ihrem Unmut derzeit nicht im Stadion Luft machen können, beantragen sie eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Bildrechte: IMAGO

Normalerweise meiden Fußball-Ultras den Kontakt zu Medienschaffenden. Das ist in Magdeburg nicht anders als anderswo. Doch nun haben sich Mitglieder von "Block U", der größten Magdeburger Ultragruppierung, an die Medien gewandt, um ihrem übergroßen Unmut über die Entwicklung des FCM Luft zu machen. Für den MDR war Sabrina Bramowski bei dem Gespräch, das sie selbst als konstruktiv und sachlich beschreibt:

Kurz gesagt: die Fans sind müde. Vor allem vom andauernden Misserfolg des 1. FC Magdeburg seit zweieinhalb Jahren. Und sie fühlen sich entfremdet. Ein Fan sagte, der FCM sei "keine Familie mehr, sondern eine Mogelpackung". Und dass der Verein sich von den Fans entkoppelt habe.

Deshalb wollen sich die Mitglieder ihren Verein nun wieder zurückholen – und die Durchführung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beantragen. Diese soll, so bald das eben möglich ist, als Präsenzveranstaltung stattfinden. Die Mitglieder wollen eine Aussprache über die negative Entwicklung des Vereins seit Herbst 2018 erreichen, die Ausrichtung des Clubs soll diskutiert werden und – das interessiert mich als MDR-Sportreporterin ganz besonders – die Außendarstellung vom FCM.

Fans kritisieren "taumelnden Verein"

Begründet wird der Antrag wie folgt: "Unser Verein taumelt derzeit durch eine massive, existenzbedrohende Krise. Verantwortlich hierfür sind die Geschäftsführung der Spielbetriebsgesellschaft, das Präsidium des Vereins sowie der Aufsichtsrat. Nicht die Medienlandschaft sorgt für die Unruhe, sondern der Verein durch sein Agieren und Auftreten selbst. Ein Verein, dessen Werte für die Mitglieder, vom Marketingslogan ‚Was uns zusammenschweißt‘ abgesehen, nicht mehr erkennbar sind, kann sich nicht nachhaltig positiv entwickeln."

Puh. Klare Worte. Genauso klare Worte finden die Fans in dem persönlichen Gespräch. Ein "Weiter so" dürfe es nicht geben. Der Verein habe strukturelle Probleme. Mit dem Antrag wollen die Anhänger eine Debatte starten. In Foren und im Freundeskreis soll über den FCM, über ihren 1. FC Magdeburg diskutiert werden. Aus Sicht vieler Mitglieder handelt der Verein nicht transparent. Die Entscheidungen würden nicht ordentlich kommuniziert, beklagen sie. Und: Der Verein – ihr Verein – hat sich in ihren Augen zu weit von seinen blau-weißen Anhängern entfernt.

Besonders hart getroffen – so die Fans – habe sie der Auftritt von Geschäftsführer Mario Kallnik im clubeigenen Youtube-Kanal Anfang des Jahres. Der Geschäftsführer stelle sich als Einzelperson zum wiederholten Male über den Gesamtverein. Diffamiere öffentlich Spieler des eigenen Vereins. Und führe damit die Werte des Clubs ad absurdum, kritisieren die Anhänger.

Logo des 1. FC Magdeburg 49 min
Bildrechte: MDR/Max Schörm

Antragsteller hoffen auf große Unterstützung

Mit dem Antrag auf die außerordentliche Mitgliederversammlung wollen die Fans vor allem ein Zeichen setzen. In der Satzung des Clubs ist klar geregelt, wer eine solche Versammlung einberufen kann – nämlich das Präsidium, der Aufsichtsrat oder die Mitglieder selbst, wenn 50 von ihnen einen schriftlichen und mit Gründen versehenen Antrag dazu einreichen.

Die 50 Unterschriften würden die Antragsteller vermutlich ohne großen Aufwand zusammenbekommen. Doch ihnen geht es um eine größtmögliche Wirkung nach außen. Je mehr unterschreiben, desto größer wird der Druck auf die Verantwortlichen beim FCM. Die Fans wollen zeigen, dass sich nicht nur ein paar wenige um das Wohl des Vereins sorgen, sondern sehr viele. Aus ihrer Sicht sogar die breite Masse der Mitglieder.

Dennis Erdmann 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Präsenzveranstaltung für mehr Emotionen

Natürlich ist eine Mitgliederversammlung in Präsenz wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht durchführbar. Mehrmals habe ich nachgefragt, warum den Fans diese Präsenz so wichtig ist. Die aktuelle Entwicklung – so scheint es mir – ist dabei nicht der wichtigste Grund. Vielmehr wollen die Fans, dass möglichst jedes Mitglied zu Wort kommen kann.

Bei Präsenz könne man die Fans "nicht einfach abbügeln". Nur Präsenz lasse Emotionen zu. Zudem würde nicht jedes Mitglied in der Lage sein, an einer digitalen Veranstaltung teilzunehmen. Mitgliederversammlung "light" oder "digital" kommt für die Antragsteller damit nicht in Frage. Im Gegenzug fragten mich die Fans, wie der Verein eine digitale Versammlung mit bis zu 10.000 Teilnehmern – etwa so viele Mitglieder hat der FCM derzeit – durchführen könne. Darauf hatten beide Seiten keine Antwort.

Aber darüber muss sich dann der 1. FC Magdeburg Gedanken machen, sobald der Antrag eingereicht wird. Am 10. Februar 2021 soll es soweit sein. Die Fans erwarten von ihrem Club sich der Organisation dieser außerordentlichen Mitgliederversammlung zu stellen, sobald es die pandemische Lage zulässt.

Der MDR wird in den kommenden Tagen auch beim Verein eine Stellungnahme zu diesem Thema anfragen.

Redaktion: Oliver Leiste

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 30. Januar 2021 | 14:00 Uhr

33 Kommentare

Helmut vor 19 Wochen

Zwickau gewinnt, Duisburg gewinnt. Sämtliche Drittligisten nehmen ihren Grips zusammen und handeln entsprechend um ihre Mannschaften auf Kurs zu halten. Unsere unfähigen Langschläfer suchen jetzt erstmal einen Termin für eine Diskussionsrunde??? Werden uns dann erzählen dass sie doch alles erdenkliche Gute zum Wohl des FCM getan haben? Aber was haben die getan?.....Nichts....
Was soll sich dadurch ändern? Es wird sich nichts ändern! Weil keiner von denen freiwillig geht!
Schei....DFB konnte Block U garnicht laut genug schreien. Wo es aber im eigenen Club lichterloh brennt, bleiben sie gaaanz coooool!

Thommi Tulpe vor 19 Wochen

Ich sage es mal so: Eine Mitgliederversammlung in Präsenzveranstaltung wird es aufgrund der derzeitigen Verfügungen mit Sicherheit NICHT geben. Selbst dann nicht, sollten ALLE oder zumindest alle Mitglieder des "Block U" dieses per Petition fordern. Wir alle sollten trotz der bedrohlichen Situation mal Realisten bleiben! Selbst eine Großdemo auf dem Alten Markt oder vor dem Stadion, Beten im Dom (erlebte ich bereits alles mit!) ... völlig unrealistisch unter den gegebenen Bedingungen. In den härtesten Zeiten entwickelte gerade "Block U" sehr viel Phantasie und Kreativität. Mich wundert es sehr, dass jetzt der Aufschrei spät kommt. Als "oller" Fan, der nicht mehr als Kämpfer auf Barrikaden taugt, würde ich von "Block U" fordern: Entwickelt endlich wieder die Phantasie, Kreativität und Energie, die Eure Väter im "Block U" hatten! Kleistert Brücken mit Bannern zu, Mahnwachen ... ich weiß nicht, was in der jetzigen Situation geht. Eine MV geht mit Sicherheit leider nicht. EINMAL = IMMER!

Thommi Tulpe vor 19 Wochen

Ich hatte bereits im November vor, einen (Rede)-Beitrag zu leisten. In meinem 41. Jahr bin ich beim Club dabei, im 19. Jahr Mitglied. Ich bin ganz sicher kein Mensch großer Worte, halte mich möglichst im Hintergrund. Als "oller" Club-Fan durfte ich wenige Höhen (z. B. Barcelona-, Bayern-Spiel, Aufstieg 2. Liga), mehr Tiefen (Untergang nach dem Ende der DDR, Insolvenz) miterleben. Was immer auch war: Ich blieb ruhig, bemühte mich um Gelassenheit. Es dauerte über 20 Jahre, den FCM wieder dort zu sehen, wo er eigentlich hingehört. Ich weiß nicht, ob ich nach einem drohenden Abstieg noch einmal 20 Jahre Zeit habe, den Club dort wieder zu sehen. Es macht mich wirklich sehr wütend, dass man es binnen 2, 3 Jahren alles das kaputtmacht, was 20 Jahre zuvor mühseelig und immer wieder unter Rückschlägen aufgebaut wurde! Auch ich habe die Schn..... gestrichen voll und nicht mehr sehr viel Zeit, ruhig und gelassen zu bleiben. EINMAL = IMMER!