Fußball | 3. Liga Schlechter als 2018: FCM mit Titz auf "Mission Impossible"?

Nachdreh vom 26. Spieltag

Sechs Niederlagen am Stück: So schlecht war der 1. FC Magdeburg noch nie im Profifußball. Was fehlt der Mannschaft? Und können die Blau-Weißen dem Abstieg aus der 3. Liga noch entrinnen? Die Statistik verheißt nichts Gutes.

Titz Mission Impossible
FCM-Trainer Christian Titz und seine "Mission Impossible" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Ende hätte man schon ein Herz aus Stahl haben müssen, um da kein Mitgefühl zu entwickeln. Das beste Rückrundenteam gegen das schlechteste. Wehen Wiesbaden mit vier Siegen in Folge gegen Magdeburg mit fünf Niederlagen in Folge. Auf dem Feld war am Samstag (27.02.2021) davon nichts zu sehen. Der FCM kontrollierte die Partie sogar zumeist. Das Eckenverhältnis von 9:1 ist da ein Hinweis darauf. Und doch standen die Elbestädter am Ende mit leeren Händen da.

Anzeigetafel in der Brita Arena, Wiesbaden. Spielstand 1:0
Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Weil der Ex-Auer Dennis Kempe zehn Minuten vor Schluss eine Flanke von links in den Strafraum brachte, Joker Korte relativ unbedrängt an den rechten Pfosten köpfen konnte und der nach einer taktischen Umstellung nach vorne beorderte Medic abstauben durfte. Am Ende steht eine verpasste Chance für die Blau-Weißen Boden gutzumachen. Der neue FCM-Trainer Christian Titz sprach von einer "wirklich guten Leistung. Wir hätten heute mehr verdient".

Der Rückstand wird schon heute wachsen

Man bleibt mit 21 Punkten auf dem vorletzten Platz in der Tabelle. Drei Punkte sind es "nur" bis zum rettenden Ufer. Aber das täuscht. Denn schon heute stehen sich mit Uerdingen und Duisburg genau die Teams gegenüber, die direkt über und unter dem Strich stehen, mit jeweils 24 Zählern. Duisburg hat zwei, Uerdingen sogar vier Partien weniger. Lübeck könnte mit einem Remis in seinem Nachholer den FCM sogar zum Schlusslicht machen.

Niedergeschlagen nach Spielende - Henry Rorig
Magdeburgs Henry Rorig Bildrechte: imago images/Rene Schulz

Schlechter als beim Härtel-Aus 2018

Jens Härtel gibt Anweisungen und gestikuliert mit den Armen
Der damalige FCM-Trainer Jens Härtel 2018 Bildrechte: IMAGO

Kein Wunder, zuletzt gab es sechs Pleiten in Folge, damit steht der Klub kurz vor der Einstellung eines historischen Negativrekords. Der stammt aktuell noch aus der Oberliga-Saison 2002/2003, da waren es sieben punktlose Partien in Folge. In der bisher einzigen Zweitliga-Saison 2018/2019 gab es fünf Niederlagen hintereinander, nach der vierten, einem 2:3 zuhause gegen Regensburg am 13. Spieltag, musste Aufstiegstrainer Jens Härtel gehen.

Die Pleitenserie des FCM

Nun sind es null Punkte und 1:12 Tore. Wie kam es zu den Niederlagen?

- Beim 0:1 in Wiesbaden hatte man fast alles im Griff. Spielglück und offensiver Punch fehlten.

- Beim 0:4 gegen Aufsteiger Verl gab es ein frühes 0:2 und dann auch noch Unterzahl. Da ging es nur noch um Schadensbegrenzung.

- Beim 1:2 bei Türkgücü München zum Titz-Debüt kam man nach frühem Rückstand zurück, schaffte es nach der Pause aber nicht mehr den großen Druck zu entfachen. Schneegestöber in der Schlussphase spielte dem hinten liegenden Team dann auch nicht mehr in die Karten.

- Beim 0:1 im Ost-Klassiker gegen Dynamo Dresden führte ein individueller Fehler zum einzigen Gegentor. Magdeburg stand defensiv ansonsten zumeist gut, verzeichnete aber auch kaum Torgelegenheiten. Trainer Thomas Hoßmang trat danach zurück.

- Beim 0:3 gegen 1860 München geriet man gegen individuell bessere Löwen früh in Rückstand. Nach der Pause machte der FCM Druck und kam zu zwei Halbchancen, ehe die Löwen mit zwei fast identischen Treffern den Deckel im Stil einer Spitzenmannschaft drauf machten.

- Beim 0:1 im Sachsen-Anhalt-Derby beim Halleschen FC entschied ein Last-Minute-Treffer eine Partie mit nur wenig Torraumszenen.

Was ist das größte Problem? Das ist die Durchschlagskraft im Angriff. Vereinsikone Christian Beck hat seinen Zenit wohl überschritten, ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Die Offensivakteure sind alle fleißig, strahlen aber zu wenig Torgefahr aus. Ein Tor in den vergangenen sechs Partien spricht Bände. Mit 20 Treffern insgesamt ist man Vorletzter, nur Uerdingen ist mit 18 schlechter, hat aber auch eben noch vier Nachholpartien zu absolvieren.

im Zweikampf Florian Kath Magdeburg gegen Florian Carstens Wiesbaden
In der Offensive kann sich der FCM zu selten durchsetzen, hier Florian Kath (li.) gegen Wehens Florian Carstens (Mi.). Bildrechte: imago images/Fotostand

Defensiv steht man oft ordentlich, wie in Wiesbaden, wo man kaum etwas zuließ. Man schnappte sich oft die zweiten Bälle und ging in die Offensive, dort kam aber unter dem Strich zu wenig dabei herum.

Schon am Dienstag in Köln

Schon am Dienstag (17:00 Uhr/live in der SpiO-App) geht es in Köln weiter. Der Tabellen-Vierzehnte Viktoria hat derzeit ein Spiel weniger als der FCM und dennoch sechs Punkte Vorsprung. Der FCM bleibt in der Region und bereitet sich dort auf die Partie im rund 170 km entfernten Köln vor. Christian Titz sagt: "Wir haben noch genügend Spiele." Er baut auch auf den Zusammenhalt im ganzen Klub. Zuletzt gab es einen Fanabend, Banner und das Team wurde von den Anhängern nach Verl verabschiedet: "Das gibt der Mannschaft Stärke."

Wehen - Magdeburg: FCM-Trainer Christian Titz
FCM-Trainer Christian Titz Bildrechte: IMAGO / Nordphoto

Eine kleine Hoffnung im Abstiegskampf ist die Sache mit den Lizenzen: Beim insolventen KFC Uerdingen haben armenische Investoren Anteile erworben, ließen sich aber noch nicht blicken. Dort scheint die Drittliga-Zukunft nicht gerade in trockenen Tüchern zu sein. Um davon zu profitieren, wäre dann aber zumindest Rang 17 vonnöten.

Blick auf die Statistik: Eine Chance von 12,5 Prozent

Schaut man sich an, welche Drittliga-Vereine nach 25 Spieltagen auf 21 Punkte kommen, und wer von denen am Ende auf Platz 16 landete, dann kommt man auf gerade einmal zwei von 16. Das sind 12,5 Prozent. Selbst der FC Carl Zeiss Jena, der sich 2019 spektakulär retten konnte, hatte zu diesem Saisonzeitpunkt bereits 24 Punkte auf dem Konto.

cke

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FCM Duisburg Interview Titz
FCM Duisburg Titz Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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FCM Duisburg Dotchev Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Ein Fuchs läuft durch die Ränge in einem Stadion.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sachsen-Anhalt heute | 28. Februar 2021 | 19:00 Uhr

19 Kommentare

Thommi Tulpe vor 10 Wochen

Zu unserer Situation fällt mir nur der Spruch unseres Ex-Trainers Eberhard Vogel vor dem Sieg im DFB-Pokal gegen die "übermächtigen" Bayern ein: "Ihr habt keine Chance. Nutzt sie!" Trotz drei Pleiten am Stück für C. T. denke ich, dass er in der momentanen Situation die richtige Entscheidung für den Club ist. Dieser Trainer möchte sein HSV-Trauma mit uns am anderen Ende der Elbe ganz sicher kein zweites Mal erleben!? Dieser Trainer hat sich einen besseren Ruf zu erarbeiten, den er mit Blau-Weiß schaffen kann. Folgt man seinen Worten: Ich denke, dass C. T. eine für den Club gute Energie besitzt. Für mich ist die Frage eher die, ob er nicht zu spät verpflichtet wurde. Und diese Frage könnte in Köln beantwortet werden. EINMAL = IMMER!

Thommi Tulpe vor 10 Wochen

Ich würde nicht alles an M. K. festmachen. Wo waren Präsident, Präsidium, Aufsichtsrat, Ehrenrat? Selbst die Fans haben M. K. gefeiert, als es lief. Ich weiß nicht, ob C. T. das "Wunder" am anderen Ende der Elbe schafft. Ich würde es ihm und uns Fans von Herzen wünschen. Fakt ist eines: Egal, wie diese völlig verkorkste Saison ausgeht: Es wird sich Grundlegendes ändern! Ich hoffe, dass das Duo O. S./ C. T. notwendige Veränderungen herbeiführen können. Beide sind aber beim Gang in die fußballerische Bedeutungslosigkeit weg. Dann sind wir Fans, die Mitglieder gefordert. Wir sollten dann aufpassen, dass nicht wie nach der Insolvenz 2002 jene ins "Abseits" gestellt werden, denen der Club echte Herzenssache ist! EINMAL = IMMER!!!

FussballfreundMD vor 10 Wochen

Ergänzung: Mit der Mission Impossible Fotomontage kann sich der MDR um die golgene Himbeere bewerbe. Die ist so trashig, dass sie schon irgendwie wieder etwas hat.