Fußball | 3. Liga Zwischen Erleichterung und Frustration: Unterschiedliche Gefühlswelten in Magdeburg und Halle

9. Spieltag

Jubel in Magdeburg, große Enttäuschung beim Halleschen FC. Während der FCM, in Person von Trainer Thomas Hoßmang, am Samstag den Kopf aus der Schlinge zog, kassierte der HFC eine der höchsten Drittliga-Niederlagen überhaupt. Auch in Dresden und Zwickau herrscht nach dem 9. Spieltag Katerstimmung.

Collage FCM HFC
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"Das ist eine tote Mannschaft." Noch am Samstag malte DDR-Rekordnationalspieler und FCM-Legende Joachim Streich ein düsteres Bild vom 1. FC Magdeburg. Die Lage sei "besorgniserregend", mahnte der 69-Jährige in der "Volksstimme". Es fehle an mannschaftlicher Geschlossenheit, Cheftrainer Thomas Hoßmang habe nicht den "Mut, etwas Verrücktes zu machen." Auch in puncto Führungspersonal würden die Elbestädter kein gutes Bild abgeben.

1. FC Magdeburg: Totgesagte leben länger

In der Tat gestaltete sich die Lage in Magdeburg vor dem Spiel gegen Vorjahresmeister Bayern München II nicht sonderlich rosig. Aus sportlicher Sicht stand nach sechs Niederlagen das Tabellenende zu Buche, die Ausbootung der Routiniers Sören Bertram und Jürgen Gjasula sorgte für Schlagzeilen. Intern bestimmte die Suche nach einem neuen Sportdirektor das Geschehen. Und mittendrin ein sichtlich angeschlagener Thomas Hoßmang, dessen Tage als Chefcoach des FCM in den Augen vieler bereits gezählt waren.

der Trainer jubelt über das Tor. 1 min
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Sport im Osten Sa 07.11.2020 16:30Uhr 00:58 min

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"Es war Druck auf dem Kessel"

Umso bemerkenswerter fiel die Reaktion des kriselnden Traditionsklubs auf dem Platz aus. Mit dem Rücken zur Wand sorgten ausgerechnet die beiden Ex-Münchner Maximilian Franzke und Raphael Obermair für einen knappen 2:1-Erfolg. Vor allem nach der Pause überzeugte der FCM mit viel Elan auf dem Feld und schaffte es, die Führung über die Zeit zu bringen. "Der Sieg tut uns gut", pustete Hoßmang nach dem Abpfiff erleichtert durch. "Es war Druck auf dem Kessel. Ich habe mich einfach für die Mannschaft gefreut. Es ging um den Kopf. Man hat immer geredet, 'wir haben kein Dampf und kein Lack'. Heute haben wir es durchgekriegt."

Thomas Hoßmang 3 min
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Sport im Osten Sa 07.11.2020 16:30Uhr 03:16 min

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Nun ist der Befreiungsschlag in erster Linie eine Momentaufnahme. Die Rote Laterne hat der FCM zwar abgegeben, ob das Erfolgserlebnis der erhoffte Turn-Around oder doch nur ein Strohfeuer ist, müssen die Magdeburger in den kommenden Wochen unter Beweis stellen. Mit Kaiserslautern, Ingolstadt und Rostock wartet ein straffes Programm auf die Blau-Weißen. Nicht zu vergessen, dass es nach dem ersten Saisonsieg gegen Türkgücü München am 5. Spieltag drei Niederlagen in Serie hagelte. Wiederholt sich die Geschichte, dürfte es Hoßmang wohl kaum gelingen, den Kopf noch einmal aus der Schlinge zu ziehen.

Suche nach Sportdirektor abgeschlossen

An ein solches Szenario denkt in Magdeburg aber aktuell niemand. "Wir sollten das einfach mal genießen und durchschniefen. Dann gehen wir in aller Ruhe die nächste Aufgabe an", so Hoßmang. Zur guten Stimmung kam am Abend eine weitere erfreuliche Nachricht hinzu. Mit der Personalie Otmar Schork beendete der FCM auch die Suche nach einem neuen Sportdirektor. Der langjährige Sportchef von Zweitligist SV Sandhausen will seinen Teil dazu beitragen, "schon bald wieder sportlich bessere Zeiten" mit dem Traditionsverein zu erleben. Der gestrige Sieg gegen München darf in dieser Hinsicht als Startsignal verstanden werden.

Spieler auf dem Feld 1 min
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MDR aktuell 19:30 Uhr Sa 07.11.2020 19:30Uhr 00:59 min

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HFC kommt in München unter die Räder

Weiter südlich in Sachsen-Anhalt hat die Aufbruchsstimmung einen herben Dämpfer erhalten. Nach zuletzt zwei Siegen zeigte man sich beim Halleschen FC optimistisch, am Samstag erlebte die Hallenser aber ein Debakel. Die Mannschaft von Florian Schnorrenberg wurde von 1860 München mit 1:6 regelrecht auseinandergenommen. Nach einem ordentlichen Beginn brach der HFC im Laufe der zweiten Hälfte komplett auseinander und kassierte einen Treffer nach dem anderen.

Sven Mueller 30 Hallescher FC ist sauer.
Gebrauchter Tag für den HFC: Sechs Mal musste Keeper Sven Müller hinter sich greifen. Bildrechte: imago images/kolbert-press

Von einem "Klassenunterschied" wollte HFC-Trainer Florian Schnorrenberg zwar nicht sprechen, "trotz allem bin ich total enttäuscht und richtig verärgert, wie wir die Kontersituationen zugelassen und die Tore bekommen haben", meinte der 43-jährige im Anschluss an die Partie. Die derbe Packung kommt für die Saalestädter zur Unzeit. Nach holprigem Saisonstart schien sich das Team zuletzt wieder gefangen zu haben. Durch die Corona-bedingte Spielverschiebung gegen Unterhaching am vergangenen Spieltag wurde der Rhythmus unterbrochen.

Mund abputzen und weitermachen

So spiegelt die Klatsche gegen 1860 München nicht nur einen sportlich miserablen, sondern auch einen historischen Tag wieder. Das 1:6 stellte die höchste Drittliga-Niederlage in der Vereinsgeschichte des Halleschen FC ein. Bereits im Februar dieses Jahres kam der HFC gegen Bayern München II mit dem gleichen Ergebnis unter die Räder. Erst am Ende der Saison rettete man sich, auch dank Neu-Trainer Florian Schnorrenberg, ans rettende Ufer.

Hallescher FC: (v. li.) Trainer Florian Schnorrenberg
Florian Schnorrenberg übernahm im Juni dieses Jahres die Geschicke beim HFC. (Archiv) Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Die Marschroute für die nächsten Wochen ist in Halle klar: Mund abputzen und weitermachen. Die Niederlage müsse man erst einmal sacken lassen, so Schnorrenberg. "Das müssen wir auf jeden Fall aufarbeiten. Wir können viele Dinge besser machen. Nach einem 1:4 kann man auch tiefer stehen. Die letzten zwei Tore hätten wir uns sparen können." Am kommenden Wochenende kann der HFC unter Beweis stellen, dass die jüngste Pleite in München ein Ausrutscher war – dann gastiert Hansa Rostock im Erdgas-Sportpark (14. November, ab 14 Uhr live im MDR Fernsehen und Livestream).

Zwickau kassiert vierte Heimniederlage

Auch in Zwickau ist die Stimmung nach dem 9. Spieltag getrübt. Der FSV kassierte gegen Kaiserslautern bereits die vierte Heimniederlage in Folge. Dabei brachten sich die "Schwäne" erst in den Schlussminuten um den Lohn, nachdem man die zwischenzeitliche FCK-Führung ausgeglichen hatte. "Es sind Kleinigkeiten in unserem Spiel, wenn wir nicht von Minute eins an griffig sind und in die Zweikämpfe reingehen, dann funktioniert unser Pressing nicht. Die Niederlage heute war definitiv verdient", ordnete FSV-Coachs Joe Enochs die Pleite ohne Ausreden ein.

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MDR aktuell 19:30 Uhr Sa 07.11.2020 19:30Uhr 01:24 min

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Dynamo verliert Sechspunkte-Spiel

Einen Rückschlag kassierte auch Dynamo Dresden. Beim Spitzenreiter in Saarbrücken begann die Elf von Markus Kauczinski engagiert und ging durch Christoph Daferners Tor früh in Führung. Auch nach dem Ausgleich hatte Dynamo noch gute Chancen auf den Siegtreffer. Stattdessen stachen die Saarbrücker in der Schlussphase eiskalt zu und sicherten sich den umjubelten Dreier.

Nicklas Shipnoski 1.FC Saarbruecken koepft das 1:1
Viel Aufwand, wenig Ertrag: Dynamo musste sich dem Tabellenführer aus Saarbrücken knapp geschlagen geben. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

"Insgesamt waren wir im eigenen Ballbesitz zu schwach, haben zu lange gebraucht, um gefährlich zu werden", meinte Kauczisnki. "Und deshalb hat Saarbrücken den Sieg auch verdient." Umso bitterer: Mit einem Erfolg hätte die SGD mit den Saarländern gleichziehen können. So sind es nun sechs Punkte Abstand auf die Tabellenspitze. Chancen, die Scharte auszuwetzen, ergeben sich in den nächsten beiden Wochen für Dynamo zur Genüge: Mit 1860 München und Hansa Rostock warten zwei direkte Konkurrenten im Kampf um die Spitzengruppe.

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Eine Pressekonferenz
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 08. November 2020 | 15:30 Uhr