Podcast | "Themengrätsche" HFC-Kapitän Washausen: "Der DFB-Plan wirkt übers Knie gebrochen."

Rollt in nicht mal mehr zwei Wochen wieder der Ball in der 3. Fußball-Liga? So will es der DFB – elf Spieltage sollen dann im Eiltempo bis Ende Juni absolviert werden. Dieser Plan sorgt für Unverständnis beim Kapitän des Halleschen FC Jan Washausen. Darüber hat er mit uns in der „Themengrätsche“ gesprochen, dem Sport-im-Osten-Podcast. Der 31-Jährige erklärt, weshalb ein Saisonabbruch die einzig richtige Lösung wäre, weshalb er trotz gesundheitlicher Sorgen aber letztlich spielen würde, und wieso der Fernseher in den nächsten Tagen bei ihm wohl schwarz bleibt.

Jan Washausen, Hallescher FC
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"Es ist alles übers Knie gebrochen", sagt Jan Washausen. Wie soll der Re-Start in der 3. Liga gelingen? Der HFC kommt "aus einer achtwöchigen Pause, um dann in fünf englische Wochen zu gehen", so Halles Defensivmann, "da mache ich mir Sorgen um die Gesundheit der Spieler." Zudem klagt er über das Hygienekonzept des DFB, das dem der DFL für erste und zweite Bundesliga ähnelt: "In der Theorie mag das logisch klingen, in der Praxis ist es für uns maximal zu 60 Prozent umzusetzen."

Kein Profifußball bis 27. Mai

Und dann wäre da ja auch noch das Nein von der Landesregierung. In Sachsen-Anhalt ist zum bis 27. Mai kein Profi-Fußball möglich und damit auch kein Mannschaftstraining - am 26. Mai aber soll ja der Spielbetrieb schon angelaufen sein. Sollte sich an der Verordnung nichts ändern, soll der DFB angeblich schon mit Lizenzentzug für Vereine wie den HFC gedroht haben. Der Konflikt zwischen der Politik und dem Verband scheint aktuell verhärtet. "Der Punkt, wo nüchtern miteinander geredet wird, ist überschritten, die Lage schon eskaliert", sagt Jan Washausen. Und "wir Fußballer wurden sowieso überhaupt nicht gefragt". Mitbestimmung? Fehlanzeige.

Washausen würde auflaufen

Am Ende würde Washausen trotzdem auflaufen. Trotz gesundheitlicher Bedenken und Verletzungssorgen "würde ich in den sauren Apfel beißen" und spielen. Allerdings: Dürfte er allein entscheiden, würde der HFC-Mann die Saison abbrechen. Washausen führt da auch die hohen finanziellen Verluste an, die für die Drittligisten bei Geisterspielen entstehen.

Bundesliga läuft im Notfall...

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Mehrheit der Vereine aus Liga 3 einst für eine Fortsetzung der Spielzeit gestimmt hat. Und ausgerechnet die Klubs, die in der Tabelle unten stehen und gegen den Abstieg kämpfen – wie Halle – wollen die Saison jetzt nicht zu Ende spielen (DFB: "Können die nicht oder wollen die nicht?"). Da entsteht der Eindruck, dass man sich am grünen Tisch den Klassenerhalt sichern will. Wie sich Washausen gegen diesen Eindruck wehrt, verrät er im Podcast. Außerdem spricht er über seinen Vertrag, der beim HFC schon bald, nämlich Ende Juni, ausläuft. Er versucht vorherzusagen, wie sich die Zukunft der 3. Liga entwickeln wird und verrät, warum sein Fernseher in den nächsten Tagen aus bleiben könnte: "Die Bundesliga am Wochenende werde ich mir wohl nur anschauen, wenn ich viel Langeweile habe."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR aktuell | 07. Mai 2020 | 21:40 Uhr

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