Fußball | 3. Liga "Vorgehen des DFB ist falsch" - Protest gegen Drittliga-Neustart

Der Deutsche Fußball-Bund drückt bei den Planungen für den Neustart der 3. Liga aufs Tempo. Doch bei den Vereinen formiert sich Protest. Carl Zeiss Jena will jetzt sogar die Politik einschalten. FCM-Angreifer Sören Bertram kritisiert den DFB für das fehlende Mitspracherecht der Spieler.

3. Liga, Logo der dritthšchsten Spielklasse und ein Fragezeichen. Die FortfŸhrung der laufenden Saison 2019/20 ist wegen der Corona Problematik fraglich.
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Eigentlich sind die Zahlen klar: Die knappe Mehrheit der Drittliga-Klubs hat sich für den Neustart der 3. Liga ausgesprochen. NOFV-Präsident Erwin Bugar sagte am Freitag (08. Mai) dem MDR: "Die 3. Liga wird auf jeden Fall spielen." Und in einem internen Brief an alle Vereine (liegt dem MDR vor) peilt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den 26. Mai als Termin für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs an, sofern eine Freigabe durch die Politik erfolge. Demnach sollen erste Corona-Tests bereits am Sonntag (10. Mai) erfolgen.

Jena: Schreiben an Ministerpräsident Ramelow

Nicht alle Drittligisten wollen den vorgegebenen Weg allerdings mitgehen. Die Kritik richtet sich dabei unter anderem gegen das vom DFB geplante Hygiene-Konzept. In einem Brief an Thüringer Spitzenpolitiker, der dem MDR in Auszügen vorliegt, kommt der FC Carl Zeiss Jena zur Einschätzung: "Dieses Vorgehen des DFB ist falsch." Wie es in dem Schreiben heißt, orientiere sich das Hygiene-Konzept an den Vorgaben der Deutschen Fußball-Liga für die Vereine der 1. und 2. Bundesliga, "und trifft dort auf die wirtschaftlichen wie infrastrukturellen Rahmenbedingungen, die es bei seiner erfolgreichen Umsetzung braucht." Vereine der 3. Liga hätten dagegen oft keine entsprechenden Möglichkeiten, die Vorgaben zu erfüllen.

Kein Geld, keine geeignete Infrastruktur

So verfüge Jena nicht über die Stadion-Infrastruktur, in den Kabinen, Gängen und im Sanitärbereich 1,50 Meter Abstand einzuhalten. Zudem könne Jena keinen hauptamtlichen Hygiene-Beauftragten, einen approbierten Mediziner, einstellen. Und schließlich könne man sich keine "separat angemieteten Hotels" leisten, wo man "speziell abgeschirmt und separiert werden" solle. So kommt der Verein in dem Schreiben zum Schluss, dass "eine Umsetzung des Hygiene-Konzeptes der 1. und 2. Bundesliga Vereine in der 3. Liga, wie unseren FC Carl Zeiss Jena, organisatorisch, strukturell und personell überfordert."

Thüringens Sportminister Helmut Holter hatte sich bereits in den vergangenen Tagen geäußert und kaum Chancen für eine Fortsetzung der Liga gesehen. Zudem hatte sich in Sachsen-Anhalt Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) in die Diskussion um den Neustart der 3. Liga eingebracht. Im MDR forderte er ein Finanzierungskonzept für die Liga bei Wiederaufnahme des Spielbetriebes. Andernfalls würde Insolvengefahr bestehen.

FCM-Spieler Bertram: "Sind Marionetten"

Sören Bertram
FCM-Angreifer Sören Bertram. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Einen anderen Punkt macht Offensivspieler Sören Bertram vom 1. FC Magdeburg stark. Der 28-Jährige beklagt fehlendes Mitspracherecht der Spieler beklagt. "Der DFB will unbedingt, dass es weitergeht. Die Spieler werden zu diesem Thema aber überhaupt nicht einbezogen. Wir sind nur Marionetten", sagte Bertram der "Magdeburger Volksstimme" (Samstagausgabe, 9. Mai). Weil er sich auch um seine Gesundheit Sorgen mache, fordert Bertram wie sein Verein einen Saisonabbruch: "Wir sind alle im Kopf nicht frei, weil wir nach einer Infektion für den Rest unseres Lebens Lungenprobleme haben könnten."

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Dirk Hofmeister

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 09. Mai 2020 | 19:30 Uhr

54 Kommentare

MikeS vor 12 Wochen

In Jena hat man nur vom Saisonabbruch gesprochen. Keiner dort hat sich zu möglichen Regularien geäußert, zumal das sowieso nicht Vereinssache ist. Wer bitte schön will also hier den Nichtabstieg erzwingen? So ein Quatsch ...

MikeS vor 12 Wochen

Wenn sich alle Fans an die Regelungen der Geisterspiele halten - welchen Sicherungsauftrag hätte dann die Polizei???? Dieses Argument leuchtet mir so gar nicht ein .... Im Standard müsste der Vereins-Ordnungsdienst ausreichen. Wenn Sie allerdings meinen, es gibt genügend gestörte, die vor den Stadien die Regeln mißachten, dann könnten Sie Recht haben.

Banne vor 12 Wochen

Das ganze"Theater"ist nicht mehr normal!Ersteinmal möchte ich"Comander"bei pflichten mit seinem Statement!Ja,ich bin der Meinung,das die Serie abgebrochen werden sollte!Was bringt uns denn etwas anderes?Ich bin total dagegen das Politik und dazu dfb und dfl den Vereinen vorschreiben will was zu tun ist!!Auch ein weiter spielen,da würde ich auch mitgehen.ABER,ich bin total dagegen das die Spiele ohne die Fans gespielt werden sollen!!Überhaupt habe ich auch eine andere Meinung zu dem "Virus".Das viele genau so denken sieht man an den Demos die stattfinden,mit zunehmenden Demonstranten!!Deshalb sollten sich alle Fans einig sein und der Politik,dfb,dfl-die ROTE KARTE zeigen!!Nichts geht ohne uns, die Fans! Was und wie die es da OBEN jetzt vorhaben,wird einigen Vereinen den "Tod"bringen.Darum alles tun das die Vereine schon für die neue Saison planen können.Nicht um Teufel komm raus, alles kaputt machen !