Fußball | DFB-Sportgericht Pyro-Streit mit Jena: DFB-Vizepräsident Koch verweist auf anerkannte Rechtslage

Im Streit um die Strafen für Pyro-Vergehen zwischen Carl Zeiss Jena und dem Deutschen Fußball-Bund hat sich nun DFB-Vizepräsident Rainer Koch zu Wort gemeldet. Er verweist auf die vom Internationalen Gerichtshof CAS und dem Bundesgerichtshof anerkannte Rechtslage. Der Gang vor ein Zivilgericht habe seiner Meinung nach keine Chancen. Dem widerspricht der Jenaer Geschäftsführer umgehend.

Rainer Koch (DFB-Vizepräsident)
Rainer Koch (DFB-Vizepräsident) Bildrechte: imago images / Sven Simon

Koch: "Wäre besser, Jena würde für Einhaltung der Stadionordnung sorgen"

In einem auf Anfrage von "Sport im Osten" verschickten Statement des DFB erklärt der für Recht- und Satzungsfragen zuständige 1. DFB-Vizepräsident Rainer Koch: "Die verschuldensunabhängige Haftung von Vereinen für das Fehlverhalten von ihnen zuzurechnenden Zuschauern ist seit Jahren vom Internationalen Sportgerichtshof CAS wie auch vom Bundesgerichtshof anerkannt. Die Entscheidung des Ständigen Schiedsgerichts im Streit um die Strafzahlungen wegen Pyrovergehen von Carl-Zeiss-Jena-Anhängern steht in vollem Einklang mit dieser seit Jahren geklärten Rechtslage."

Trotz der aus seiner Sicht geringen Erfolgsaussichten könne der Drittligist dennoch den Schritt vor ein ordentliches Gericht gehen, erklärte Koch. Der 61-Jährige sieht aber an anderer Stelle Handlungsbedarf: "Besser wäre es allerdings, Carl Zeiss Jena würde schnellstmöglich für die Einhaltung der Stadionordnung auf seinen Zuschauerrängen sorgen, denn nur so ist auf Dauer Fußball mit Zuschauern im Stadion möglich. Und eine Rückkehr zu Zuschauerausschlüssen kann ja auch Carl Zeiss Jena nicht wollen."

Eine Rückkehr zu Zuschauerausschlüssen kann ja auch Carl Zeiss Jena nicht wollen.

Rainer Koch DFB-Vizepräsident

Förster: Unterschiede zwischen Haftung und Bestrafung

Chris Förster, Geschäftsführer beim FC Carl Zeiss Jena, sieht für sein Vorhaben - den Gang vor ein Gericht außerhalb der Sportgerichtsbarkeit - dennoch gute Chancen und verweist dabei auf die Unterschiede zwischen Haftung und Bestrafung. "Auch der FCC erkennt die verschuldensunabhängige Haftung von Vereinen an und hat dies auch nie in Frage gestellt. Haftung setzt allerdings Schaden voraus, und der entsteht beim Einsatz von Pyrotechnik üblicherweise nicht und ist auch in den verhandelten Fällen nicht entstanden. Beim derzeitigen Vorgehen des DFB geht es aber um Bestrafung, nicht um Haftung. Und bestraft werden kann nur, wer auch Schuld trägt", erklärte Förster auf erneute "Sport im Osten"-Anfrage.

Jena will Strafen wegen Pyro-Vergehen nicht zahlen

Worum geht es eigentlich? Im Pyro-Streit der Thüringer mit dem DFB hatte das Ständige Schiedsgericht, die letzte juristische Instanz auf Ebene des Verbands, einen Einspruch des FC Carl Zeiss Jena gegen die Strafzahlungen abgelehnt. Der Drittligist will die Summe, nach Angaben von Geschäftsführer Förster inzwischen "annähernd 100.000 Euro", nicht zahlen und hatte sich deshalb durch alle Instanzen geklagt. Ursprünglich war eine Strafzahlung von 24.900 Euro verhängt worden. Nach Abstimmung mit den vereinsinternen Gremien geht der Club nun den erwarteten Schritt vor ein Zivilgericht.

Das Grundproblem bei den bisher verhängten Strafen, so argumentiert der FC Carl Zeiss: Ein Verein haftet und wird für ein Vergehen bestraft, für das er keine Schuld trägt. In der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts gelte aber das Prinzip: "Keine Strafe ohne Schuld". Jena selbst ist davon überzeugt, alles versucht zu haben, um das Abbrennen von Pyrotechnik, beispielsweise im Spiel gegen Großaspach (28.07.2018), zu unterbinden. Förster verweist zudem auf die Endspiele im DFB-Pokal, wo es dem DFB selbst wiederholt nicht gelungen war, Pyrotechnik zu verhindern.

red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 19. Dezember 2019 | 17:45 Uhr

2 Kommentare

Lobello am 21.12.2019

Frag mich eh, warum der Koch noch da ist. So was von fehl am Platz. Von Nichts eine Ahnung. Nur sein geliebtes Bayern im Kopf. An Arroganz nicht zu überbieten.

megaboss am 21.12.2019

Muss meinen Vorredner absolut zustimmen.
Die Überalterung bei der Altherrenrige wird immer deutlicher.
Halten sich krampfhaft fest an ihren Posten ,es muss junges Blut zum DFB,die mit klarer Sicht entscheiden können.