Fußball Dynamo-Idol Klaus Sammer wird 80

Mit dem Begriff Idol sollte man dezent umgehen, auf ihn trifft es bei der SG Dynamo Dresden aber zu: Klaus Sammer. Am Montag (5. Dezember) feiert der einstige Vorstopper der Schwarz-Gelben seinen 80. Geburtstag.

Der ehemalige Spieler, Trainer und Vater von Matthias Sammer, Klaus Sammer im DDV Stadion in Dresden.
Klaus Sammer, der ehemalige Spieler, Trainer und Vater von Matthias Sammer, feiert am 5. Dezember seinen 80. Geburtstag. Bildrechte: imago/Robert Michael

Klaus Sammer wurde in der nordsächsischen Kleinstadt Gröditz geboren. Eigentlich sollte er Leichtathlet werden, landete dann aber bei den Fußballern und schnürte zunächst die Töppen bei der TSG Gröditz. Von da wechselte er 1962 zum DDR-Ligisten SC Einheit Dresden, ab 1965 spielte er für die SG Dynamo Dresden. Damit begann nicht nur seine, sondern auch Dynamos Erfolgsgeschichte. In den zehn Jahren bei den Gelb-Schwarzen absolvierte er 272 Pflichtspiele und erzielte dabei 39 Tore.

Klaus Sammer 3 min
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Darunter auch ganz besondere wie im FDGB-Pokalfinale 1971 gegen den BFC Dynamo. Seine beiden Treffer zum 2:1-Erfolg in der Verlängerung besiegelten das erste Dresdner Double aus Meisterschaft und Pokal, was dem Club mit Sammer 1973 noch einmal gelang.  Zum Schluss lief Klaus Sammer in der zweiten Mannschaft der Dresdner auf und verkündete 1976 sein Karriereende auf Klubebene. Nach dem aktiven Fußball wurde er Trainer bei seinem Herzensverein Dynamo (1982 - 1986, 1992 - 1993).   

Liebevoll "Der Lange" genannt

Dynamo Dresdens Kulttrainer Walter Fritzsch hatte ihm einst wegen seiner Körpergröße von 1,92 Metern den Spitznamen "Der Lange" verpasst, und die Bezeichnung hat sich bis heute gehalten. Insgesamt neun ehemalige Spieler dürfen sich "Ehrenspielführer der SG Dynamo Dresden" nennen, Klaus Sammer ist einer von ihnen. Eine große Auszeichnung, die den Stellenwert des nunmehr 80-Jährigen im Klub offenbart.

im Stadion hängen Fotos der Ehrenspielführer von Dynamo Dresden, v. l. Wolfgang Oeser, Reinhard Häfner, Klaus Sammer, Hans-Jürgen Kreische,
Im Rudolf-Harbig-Stadion: Ehrenspielführer Klaus Sammer in einer Reihe mit Wolfgang Oeser, Reinhard Häfner und Hans-Jürgen Kreische. Bildrechte: imago/Matthias Koch

Kreische: "Vor dir muss man einfach den Hut ziehen"

Und die 80 sieht man dem gebürtigen Gröditzer wahrlich nicht an. Er ist sportlich drahtig wie eh und jeh. Der Name Klaus Sammer steht bis heute für ehrliche Arbeit, eine klare Meinung und Unbeugsamkeit. Diese Eigenschaften machten ihn zu einem von den Fans geliebten, von einigen Widersachern aber gefürchteten Idol. Er blickt auf eine erfolgreiche Karriere als Spieler und Trainer zurück, auch wenn es ihm nicht immer leichtgemacht wurde. Sein ehemaliger Mitspieler Hans-Jürgen Kreische sagte einmal: "Vor dir muss man einfach den Hut ziehen, weil du viele Nackenschläge einstecken musstest, die du auch immer wieder weggesteckt hast."

Trainer Klaus Sammer (Dresden) hält es nicht mehr auf der Bank
FDGB-Pokalfinale 1985 zwischen dem BFC Dynamo und Dynamo Dresden (2:3): SGD-Trainer Klaus Sammer hält es nicht mehr auf der Bank. Bildrechte: imago/Camera 4

Nie SED-Mitglied, nicht im 1974er-Kader

Die Politoberen der DDR hatten Sammer immer im Visier, weil er zum einen Westverwandtschaft hatte, zum anderen sich aber auch noch weigerte, trotz seiner Mitgliedschaft im Polizeiverein Dynamo in die SED einzutreten. Sammers Hartnäckigkeit in dieser Frage ließen sie ihn immer wieder spüren. Als kaum aus dem Team wegzudenkender Nationalspieler, durfte er nicht mit zu den Olympischen Spielen 1972 in die Bundesrepublik. Kurz vor der WM 1974, für die sich die DDR erst- und letztmalig qualifiziert hatte, wurde seine Nationalmannschafts-Karriere für beendet erklärt.

Nationalhymne DDR v.li.: Henning Frenzel, Torwart Jürgen Croy, Klaus Sammer
Klaus Sammer 1970 im Trainingsanzug der DDR-Nationalmannschaft. Neben ihm Torwart Jürgen Croy aus Zwickau und Henning Frenzel von Lok Leipzig. Bildrechte: imago/Sven Simon

Und auch den Trainer Klaus Sammer ließ man nicht in Ruhe. Für die historische 3:7-Pleite der Dynamos 1986 bei Bayer 05 Uerdingen und die anschließende Flucht von Frank Lippmann in den Westen machte man einzig Sammer verantwortlich, wie aus Unterlagen der Staatssicherheit hervorgeht. Der Trainer wurde entlassen und fand sich plötzlich als Jugendtrainer bei Dynamo Meißen wieder.

Dynamo-Präsident Scholze: "Wir schätzen und verehren ihn sehr"

Heute besucht Klaus Sammer immer noch regelmäßig die Spiele von Dynamo Dresden und ist dort stets ein willkommener Gesprächspartner. Auch Dynamo-Präsident Holger Scholze ist sehr angetan von dem Jubilar.

"Er hat einen riesengroßen Anteil daran, dass es den viel zitierten 'Mythos Dynamo' überhaupt gibt. Er kann sehr gut zuhören, findet vor allem aber auch immer offene und ehrliche Worte zu jeder denkbaren Frage. Wir schätzen und verehren ihn sehr", verdeutlichte Scholz und fuhr fort: "Es hat mich schon immer fasziniert, wie anständig und gutherzig Klaus Sammer im Umgang mit seinen Mitmenschen war. Das hat dem Verein unglaublich gutgetan."

jmd/dpa

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 12. November 2022 | 19:00 Uhr

12 Kommentare

Burgfalke vor 9 Wochen

@W.Mers...: Wo haben Sie von mir etwas gegen Klaus gelesen? Peter war mit Sicherheit der bessere Techniker, der andere "schwindlich" spielte. Nicht aber der "verkante Stürmer" Klaus. (nicht böse gemeint!!!) Sein Sohn Matthias hatte da gewiß eine erkennbar bessere Basis.

Burgfalke vor 9 Wochen

An keiner Stelle habe ich nur im Ansatz etwas gegen Klaus Sammer geschrieben!!!

Es waren u. sind auch heute kein Fans, die den sportlichen Widersacher diffamieren. Ich zolle jedem Anerkennung, der durch Leistung überzeugt.

Wann nun die 3 Tore von Peter Ducke waren , ist nur für die Statistiker von Interesse. Mir ging es lediglich im den Sachverhalt wie prima Peter Ducke seine Antwortauf so unsportliches Verhalten ausfiel. Das war prima!

Bei aller Wertschätzung für Klaus, aber Dynamik hatte doch auf jeden Fall Dixi (!), aber Klaus...??? Nein.

70er vor 9 Wochen

Sehen Sie, ich kann mich auf mein Erinnerungsvermögen verlassen, Sie bemühen nicht mal das Archiv. Übrigens: 1971/72 wurde Jena gar 5:1 in Dresden an die Wand gespielt. Unter den Torschützen: Sammer (2x). Das 3:1 Jenas IN Dresden, von dem Sie schreiben, gab es erst 1973/74. Es fand übrigens ohne Sammer statt... Ich habe auch nie behauptet, dass Sammer ein Ballzauberer war. Mit seinem Einsatz, seiner Disziplin und Dynamik war er damals ein absoluter Leistungsträger und ein Vorbild bei Schwarz-Gelb.

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