Fußball | 3. Liga Einmaliges Wechseltheater bei Halle gegen Münster

9. Spieltag

Halle ist ja ein großer Kulturstandort: Beim Auftritt von Drittliga-Tabellenführer Hallescher FC gegen Preußen Münster gab es ein einmaliges "Wechseltheater" beim Ausgleich zum 2:2-Endstand.

von Christian Kerber

Sebastian Mai, HFC, beschwert sich über die Torentscheidung beim Schiedsrichter.
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Drittliga-Tabellenführer Hallescher FC hat nach einer dramatischen Schlussphase gegen Preußen Münster den Platz an der Spitze verloren. Das 2:2 war begleitet von einem so noch nie gesehenen Wechseltheater. Schuld daran waren eine neue Regel, eine Anzeigetafel und zwei Beteiligte. Neuer Erster ist Unterhaching (2:0 gegen Großaspach), der HFC bleibt aber immerhin als Zweiter auf einem direkten Aufstiegsplatz.

Spielszen 1 min
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Wenig los in den Strafräumen vor der Pause

Die erste halbe Stunde in Halle war geprägt vom meistens vergeblichen Bemühen der Gastgeber, Chancen herauszuspielen. Oft gelang das nicht. Es fehlten Ideen, Dribblings und Genauigkeit beim letzten Pass. Die Ziegner-Elf war zwar oft am Ball und wurde von den Heimfans immer wieder nach vorne getrieben, hatte aber zunächst nur Gelegenheit: Ein Freistoß von Björn Jopek verfehlte Sebastian Mai in der Mitte, tropfte dann aber außen an den langen Pfosten (15.). Kapitän Mai köpfte nach einem schnell ausgeführten Freistoß ziemlich frei mit Wucht links daneben (32.). Münster versteckte sich nicht, konzentrierte sich aber doch im Laufe der Halbzeit mehr auf die Defensive. Einmal waren die Gäste, die zuletzt auswärts dreimal in Folge verloren hatten, fast durch, doch Seref Özcan schoss aus 17 Metern klar drüber. Nicht wirklich besser machte es kurz vor der Pause Halles eigentlich formstarker Torjäger Terrence Boyd, der an der Strafraumgrenze einen Abpraller über den Kasten von Münster bugsierte.

Terrence Boyd gegen Fridolin Wagner
Terrence Boyd konnte sich nicht wie gewohnt in Szene setzen Bildrechte: imago images/VIADATA

Turbulente zweite Halbzeit

In Hälfte zwei ging es rund. Zunächst vergab Felix Drinkuth nach einem klasse Angriff der Gastgeber aus 17 Metern (46.). Im Gegenzug hieß es plötzlich 0:1: Münster gewann zwei Zweikämpfe, Özcan bediente Patrick Mörschel und der Junioren-Nationalspieler ließ Kai Eisele keine Chance (48.). Halle arbeitete am Ausgleich, war aber oft nicht zielstrebig genug. Innerhalb von zwei Minuten kulminierte das Geschehen: Ein Handspiel von Mai wurde von Schiedsrichter Michael Bacher (Amerang) nicht erkannt, im Gegenzug erzielte Pascal Sohm am langen Pfosten den Ausgleich (64.). Dann gab es ausgerechnet Handelfmeter für den HFC: Ein ausgestreckter Arm von Niklas Heidemann wurde geahndet. Bentley Baxter Bahn verwandelte (77.).

Der Schiedsrichter zeigt Handspiel an und gibt Elfmeter für den HFC.
Schiedsrichter Michael Bacher sah den Arm zu weit oben - Handelfmeter für den HFC. Bildrechte: imago images/VIADATA

2:2 und die Frage nach den Wechseln

Das war aber noch nicht alles. Es gab innerhalb von drei Minuten zwei Wechsel, das 2:2 - und reichlich Konfusion! Was war passiert? Der gerade eingewechselte Joel Grodowski erzielte mit einem Schuss aus zwölf Metern an die Unterkante der Latte das 2:2 (84.) - der Ball war dabei eindeutig hinter der Linie. Ganz so eindeutig war der Rest nicht. Es wurde minutenlang diskutiert. Erst nach dem Spiel klärte sich die Situation so halbwegs auf: HFC-Angreifer Pascal Sohm sah die "Neun" auf der Wechseltafel von Münster, mit der Preußen-Angreifer Rufat Dadashov in der Schlussphase für Grodowski (Nr. 27) vom Feld geholt werden sollte. Referee Bacher wies Sohm an, das Feld auf der nahe liegenden Seite zu verlassen - das ist eine neue Regel, nachdem Spieler so schnell wie möglich das Feld verlassen müssen. Sohm trabte vom Rasen, beim HFC, das eigentlich Jan Washausen (Nr. 21) für Terrence Boyd (Nr. 13) bringen wollte, wunderte man sich über die Anweisung des Schiedsrichters. Boyd war dann auch schon unterwegs nach draußen, hatte das Feld aber noch nicht verlassen. Washausen war drin, aber lief gerade erst los. In diese Phase hinein traf Grodowski zum 2:2 - nun hieß es "Vorhang auf" zur Aufführung "Wechseltheater".

Sebastian Mai, HFC und Patrick Göbel, HFC, diskutieren mit den Gegenspielern von Preußen Münster über die Torentscheidung zum 2:2.
In der Schlussphase wurde fast mehr diskutiert als gespielt. Kein Wunder, ein solchen Wechselfehler gibt es auch nicht alle Tage. Bildrechte: imago images/VIADATA

Ziegner: Mussten einen Wechsel vornehmen, den wir nicht wollten

Halles Trainer Torsten Ziegner war ob es Chaos etwas konsterniert. Bei "Magenta Sport" sagte er: "Wir mussten einen Wechsel vornehmen, den wir gar nicht vornehmen wollten. Wir wollten Terrence Boyd rausnehmen und Jan Washausen reinnehmen. Jan Washausen war noch gar nicht richtig im Spiel beim 2:2." Eine Erklärung hatte er nicht: "Ich hab so etwas noch nie erlebt. Ich kann es kurz nach dem Spiel gar nicht erklären." HFC-Angreifer Pascal Sohm sagte: "Ich hab die Neun auf der Anzeigetafel gesehen, ich schaute zum Referee, der sagte, ich solle auf der anderen Seite raus. Wir waren dann nur zu zehnt auf dem Platz. Ich war draußen, Boyd auch, der einzige, der drin war, war Jan Washausen. Das ist wirklich extrem bitter gelaufen, da fehlen mir auch die Worte." Boyd nahm den Referee in Schutz. Bei "Sport im Osten" meinte der US-Amerikaner trocken: "Schiri-Sein ist so undankbar wie Ordnungsamt, von daher möchte ich auch nicht in deren Haut stecken."

Schiedsrichter Bacher war in der Hektik nach dem 1:2 der falsche Wechsel zunächst auch nicht aufgefallen. Dass bei Halle eine Nr. 27 gar nicht auf der Bank saß, wurde auch erst im Nachhinein bemerkt. Vielleicht muss die FIFA künftig die Wechseltafeln mit zwei unterschiedlichen Farben versehen.

Stimmen zum Spiel:

Sven Hübscher (Münster): "Ich weiß nicht, was da schief gelaufen war. Die Entstehung des 2:2 war natürlich total unglücklich für alle Beteiligten. Insgesamt freuen wir uns über das Ergebnis."

Torsten Ziegner (Halle): "Das Unentschieden heute war gerecht. Die Münsteraner haben sich reingeknallt. Wir haben nach drei Spielen mal wieder Remis gespielt. Da ist nicht viel passiert."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 21. September 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. September 2019, 20:49 Uhr

22 Kommentare

matze0762 vor 11 Wochen

Du hast zwar prinzipielle Recht, nur ärgerlich war die Wechselposse auf jeden Fall und erlebt hab ich sowas auch noch nicht. Wir haben nicht besonders gespielt, das 2:2 war leistungsgerecht und ich gönne Münster den Punkt, denn die konnten ja nichts dafür. Das der Linienrichter das Tor anfangs nicht geben wollte, hatte nichts mit "über der Linie, oder nicht" zu tun, sondern mit der Tatsache, dass der Wechselvorgang nicht ordnungsgemäß ausgeführt wurde. Er wurde dann vom SR wieder auf Linie gebracht, die da heißt "Wir machen keine Fehler, Basta". Rot/weiße Grüße aus Halle

revolvere vor 11 Wochen

ob leipzigs sabitzer unsren boyd noch kennt?
sabitzer, boyd und burgstaller kommen von den rapidlern aus wien und haben die österreichische liga aufgemischt. da man in münchen den orf empfangen kann, kenne ich von dorther schon unsren terrence boyd.

Abseits vor 11 Wochen

Genau wenn ich die Bilder sehe ist es knapp Abseits für Münster auch wenn der Fernsehreporter sagt "für mich kein Abseits".. Es scheint knapp aber auch ohne Hilfslinie erkennbar. Eben Schwache Schiri-und Linienrichter