Fußball | 3. Liga Carl Zeiss Jena verliert auch gegen 1860 München

27. Spieltag

Der Fall von Carl Zeiss Jena in die vierte Liga ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Der FCC verlor ein weiteres "Endspiel" im Kampf um den Klassenerhalt am 27. Spieltag (07.03.2020) gegen 1860 München mit 0:3 (0:2). Die Anhänger der Thüringer sorgten dabei früh für eine Spielunterbrechung. Sufe I und II des DFB-Eskalationsplans kamen zur Anwendung.

Die Fußballer verlassen bei einer Spielunterbrechung das Feld. 13 min
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Sport im Osten Sa 07.03.2020 16:10Uhr 13:01 min

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Zwei von drei Stufen gezündet

Eigentlich sollten die Spieler des FC Carl Zeiss "sich zerreißen" für den Verein und die Fans. Das hatte Jenas Teamchef René Klingbeil vor der Partie gefordert. Zu sehen war davon aber nicht viel. Oder haben ausgerechnet die Fans den FCC-Matchplan früh zerstört? Noch vor Anpfiff wurde in der Südkurve ein Plakat mit der Aufschrift "Die Doppelmoral des DFB ist der Hohn" ausgerollt. Keine zwei Minuten später folgte ein fast doppelt so großes Zusatzplakat. "Und D. Hopp ein Hurensohn" war darauf zu lesen. Obwohl der DFB noch am Freitag ankündigte, seine Linie ändern zu wollen, gab es die beinahe identische Szenen wie in der Vorwoche in Hoffenheim. Nach einer Stadiondurchsage unterbrach Schiri Florian Exner die Partie und schickte die Mannschaften in die Katakomben.

FC Carl Zeiss Jena vs 1860 München Mitte: Schiedsrichter Florian Exner schickt beide Mannschaften von Jena und 1860 in die Kabinen.
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Dabei hatte der DFB noch angekündigt, dass "Kritik gegen Institutionen und Personen selbstverständlich zulässig ist. Selbst wenn sie beleidigend oder grob unsportlich sein sollte, kann das Spiel auch künftig weiterlaufen und gegebenenfalls wie bisher nur ein sportgerichtliches Verfahren (ohne die Anwendung des Drei-Stufen-Plans) nach dem Spiel eingeleitet werden". Dies war in Jena nicht der Fall. Eine "personifizierte Gewaltandrohung" (DFB), etwa durch ein Fadenkreuz, bei der der Drei-Stufen-Plan greifen soll, hat jedoch nicht stattgefunden.

Anti-Hopp-Banner in Jena
Das Plakat des Anstoßes. Bildrechte: imago images/Christoph Worsch

Erste Aktion - erstes Tor

Nach rund 13 Minuten unweigerlicher Pause ging es also mit dem Geschehen auf dem Rasen weiter. Und das hatte es gleich in sich. Eine Ecke von Stefan Lex verlängerte Aaron Berzel an den langen Pfosten, wo Timo Gebhart den Ball aus kurzer Distanz über die Linie drückte. Der frühe Schock sorgte für Unruhe im Jenaer Spiel. Jena kam kaum zu Chancen, ein Fernschuss von Joy Lance Mickels (21.) bleib lange Zeit die beste Gelegenheit der Hausherren im ersten Durchgang. Stattdessen erhöhten die Gäste durch Efkan Bekiroglu, der zentral völlig frei zum Abschluss kam (32.). Die Jenaer Fans reagierten mit Galgenhumor und hielten das nächste Banner in die Höhe: "Uns nützt nicht mal ein Spielabbruch ... Wir brauchen einen Reset-Knopf" war da zu lesen. Kurz vor der Pause scheiterte Julian Günther-Schmidt noch mit einem weiteren Nachschuss an TSV-Keeper Marco Hiller.

Carl Zeiss Jena gegen 1860 München, das 0:1 1 min
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Im zweiten Abschnitt sollte es nicht besser werden. Zwar hatte Jena mehr Ballbesitz, aber nur weil die "Löwen" es zuließen. Chancen gab es kaum, meist wurden die Versuche geblockt oder geklärt, bevor es gefährlich wurde. Nach einer schlecht ausgespielten Situation von Jena zeigte 1860, warum sie seit 13 Spielen nicht mehr als Verlierer vom Platz gegangen sind. Ein langer Pass auf Sascha Mölders, der seien Sturmpartner Lex bediente, der wiederum FCC-Torwart Jo Coppens umkurvte und den dritten Gäste-Treffer nachlegte. Die Partie war damit erledigt, denn Jena brachte offensiv nicht mehr wirklich was auf die Kette und präsentierte sich in dieser Phase wie ein Absteiger mit einer Vielzahl an Ungenauigkeiten. Die beste Chance von Carl Zeiss in Hälfte zwei vergab Daniele Gabriele, der aus sechs Metern am Torwart scheiterte (78.). Es war symptomatisch für diese Saison der Thüringer!

Carl Zeiss Jena gegen 1860 München, das 0:2 1 min
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Stimmen zum Spiel:

Michael Köllner (TSV 1860): "Von außen schaut es leicht aus, aber man muss in Jena erst einmal so früh zwei Tore schießen. So eine Spielunterbrechung kann die Mannschaft auch schnell aus dem Rhythmus bringen. Wir waren heute konzentriert und fokussiert, wollten von Beginn an nach vorne spielen und nicht wie gegen Chemnitz einem frühen Rückstand hinterherlaufen. Das haben wir geschafft, dann sieht es natürlich von außen einfach aus. Aber für Jena ist es ja noch zigfach schwerer, wenn man so früh zurückliegt gegen eine Mannschaft, die einen Lauf hat, während es bei einem selbst nicht so läuft."

René Klingbeil (Jena): "Wir haben das Spiel verdient verloren. Am Anfang waren wir nicht aufmerksam genug. Wenn es dann hinten raus 0:3 steht, hilft es dir auch nicht weiter, wenn du da noch ein paar Hochkaräter hast. Vor allem, wenn man sie nicht reinmacht. Da waren wir zu spät vor dem Tor. Deshalb ein verdienter Sieg für 1860. Ich resigniere nie, das ist nicht mein Naturell. Das würde ich auch nicht tun. Die Mannschaft hat jetzt natürlich wieder einen Nackenschlag bekommen. Das ist schon sehr bitter, wie der gesamte Saisonverlauf. Aber im Fußball geht es immer weiter."

René Klingbeil 4 min
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Sa 07.03.2020 17:10Uhr 03:37 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 07. März 2020 | 16:00 Uhr

30 Kommentare

FleFi2020 vor 21 Wochen

Nach den letzen zwei Spielen und sogar der gesamten Saison, indem CZ wie eine dysfunktionelle Familie gespielt haben, kann ich nach dem Abstieg nur folgendes prognistieren: Durchatlet dreht die Geldhahn zu, CZ wird Insolvenz anmelden und sogar abgewickelt werden. Ich glaube nicht, dass der Investor diese Desastor nicht weiter sehen und wird deswegen die Konsequenzen ziehen. Ich sehe in den nächsten 5-10 Jahren keine Mannschaft aus Thüringen auf der nationalen Ebene, die konkurrenzfähig ist, außer wenn ein neuer Verein gegründet wird und von unter nach oben spielen. Für mich ist CZ tot. Auch wenn die Mannschaft weiterlebt in der Regionalliga, gibt es enorme Baustellen, die der Verein mit fehlenden Mitteln nicht bekämpfen werden können. Mein Vorschlag: Weg mit der Name FC Carl Zeiss Jena und durch eine neue Name wie FC Thüringen ersetzen. Danach Fusion mit RW Erfurt. Nur dann wird Thüringen eine Chance haben. Ansonsten sehe ich die Zukunft sehr schwarz.

unfassbar vor 21 Wochen

Nicht alle die hier posten und die Absetzung Försters fordern sind auch Mitglieder beim FCC. Aber besorgte Fans, die sich einfach nur um den Verein Sorgen machen. Sicher kennst du Förster persönlich und er kann auch ein ganz netter Typ sein-nur die Verantwortung für dieses Fiasko liegt zu großen Teilen bei seiner Person. Er hat Kwasniok quasi Prokura erteilt und dieser Kwasniok hat alle unfähigen Spieler verpflichtet die auf dem Markt waren. Und zu allem Ungemach auch noch die verkrault, die bleiben wollten, wie z.B. die Brüggemannbrüder.
Nun frage ich dich, hat Herr Förster bis heute Verantwortung dafür übernommen und gesagt, eklatante Fehler gemacht zu haben, Fehlanzeige. Man kann Fehler machen, nur man muß dazu stehen und in Zukunft daraus seine Lehren ziehen. Genau da klemmt die Säge.
Man kann hinfallen, aber man muß wieder aufstehen. In Jena sieht das im Moment nicht danach aus.

Der alleswissende Besserwisser vor 21 Wochen

Dann beantragt doch eine außerordentliche Mitglieder-Versammlung und versucht den Herrn Förster abzusetzen. Komisch, das hier viel posten, aber bei der JHV nichts sagen! Das finde ich seltstam. Gerade wo der Herr Förster ja soooo unfähig ist, wie hier viele Exoerten schreiben.

Ein Grund, dafür, dass es nicht läuft, ist u. a. das Verhalten der Spieler. Der eine oder andere muß wohl ganz gerne mal einen Heben gehen. Leider weiß ich nicht wer... :(

Und das es immer noch Leute gibt, die von Schmitt(sic!) fabulieren. Spätestens als der Herr mit dem Kuscheltier seiner Tochter in Nürnberg aufgekreuzt ist und die Verletzung von Schau und Miranda dazu kamen, war doch klar, dass er unfähig ist!

(PS: Ich bin nicht der Förster oder Kenny, sondern ein treuer Anhänger seit 19 Jahren, der weiß, dass der Club größer als Förster oder sonstwer ist!)

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