Fußball | 3. Liga 1. FC Magdeburg: Coach Wollitz bemängelt fehlende Solidarität innerhalb der Liga

Die Ausgangsbedingungen im Falle einer Wiederaufnahme der Spielzeit in der 3. Liga gestalten sich von Verein zu Verein unterschiedlich. Während die einen bereits das Training wieder aufnehmen konnten, müssen sich andere Klubs noch gedulden. So auch der 1. FC Magdeburg, dessen Cheftrainer Claus-Dieter Wollitz in diesem Zuge die fehlende Solidarität innerhalb der Liga bemängelt.

Es herrscht Uneinigkeit in der 3. Liga, ob die Saison unter Ausschuss der Öffentlichkeit fortgesetzt oder abgebrochen werden soll. Auch die unterschiedlichen Voraussetzungen in der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebes sorgen ligaweit für immer mehr Diskussionen. Während beispielsweise in München, Rostock, Köln, Ingolstadt und Duisburg bereits wieder in Kleingruppen trainiert werden kann, muss man sich beim 1. FC Magdeburg weiterhin gedulden.

Wollitz: "Wollen keine Sonderrechte"

"Wir halten uns an die Empfehlungen, wollen keine Sonderrechte", gibt FCM-Cheftrainer Claus-Dieter Wollitz im "SpiO"-Talk am Donnerstag (16.04.2020) unmissverständlich zu Protokoll: "Ich frage mich, ob es Sinn macht, mit zwei Mann auf den Trainingsplatz zu gehen und eine solche Distanz zu wahren." Klare Worte also vom ehemaligen Cottbuser Coach, der sich innerhalb der Liga eine andere Haltung erhofft hatte: "Ich glaube, dass alle kompromissbereit sein sollten. Ich hätte mir gewünscht, dass in der Liga eine Solidarität eintritt, wann der Trainingsbetrieb aufgenommen werden soll."

Auch wenn man in Magdeburg die Saison gerne sportlich zu Ende bringen würden, müsse man in erster Linie das Gemeinwohl im Blick haben. "Macht es Sinn, wenn Kinder nicht in die Schule gehen dürfen, über ein Fußballspiel nachzudenken, wo es auch mal eine Rudelbildung geben kann?", gibt der 54-Jährige Übungsleiter der Landeshauptstädter zu bedenken: "Ich frage mich, wie das überhaupt umsetzbar ist?"

Trainer Claus Dieter Pele Wollitz
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Mannschaft macht einen "überragenden Eindruck"

Die Mannschaft der Blau-Weißen geht mit der aktuellen Krise vorbildlich um, verrät Wollitz. Zwar würden sich alle freuen, sollte es bald wieder losgehen, doch aktuell will jeder seinen Teil dazu beitragen, um Menschen zu schützen. In dieser schwierigen Zeit versucht das Trainerteam über Face-Time und Skype so gut es geht Kontakt zu den Profis zu halten. "Die Spieler haben in den Videokonferenzen einen überragenden Eindruck gemacht. Es wurden Späße gemacht und es war unverkrampft."     

Wie lang man in Magdeburg Zeit bräuchte, um sich auf eine mögliche Fortsetzung der Saison vorzubereiten, konnte Wollitz nicht abschätzen. Schließlich könne man die wochenlange Pause aufgrund der schwierigen Umstände, die die Krise mit sich bringt, nicht mit einer normalen Pause – geschweige denn Urlaub – vergleichen. Auch aus diesem Grund hätte sich der FCM-Coach gewünscht, dass die Drittligisten gemeinsam wieder das Training aufnehmen.

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jsc

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Dieses Thema im Programm: MDR+ | SpiO-Talk | 16. April 2020 | 15:00 Uhr

1 Kommentar

Thommi Tulpe vor 46 Wochen

Wenn man die Entwicklung der letzten Tage verfolgt, kann man einzig zu dem Schluss kommen: 1. und 2. Bundesliga werden der TV-Gelder wegen ihre Saison noch "durchpeitschen" - egal wie. Der "Rest" Fußball-Deutschlands ist in den "oberen Etagen" der Entscheidungsträger doch längst aufgegeben. Der DFB wird sicher so entscheiden wie der österreichische Verband ÖFB: Saisonabbruch ohne Auf- und Absteiger unterhalb von Liga 2. Das ganze "Solidaritätsgequatsche" hat dann aber endlich ein Ende. Der Fußball (insbesondere der Profi-Fußball) nimmt so oder so Schaden, weil der Gesellschaft Sonderrechte insbesondere des Profi-Fußballs nicht mehr erklärbar sind. Warum fängt man nicht "einfach" wieder zu spielen an, so Fußball, wie wir ihn kennen und lieben, wieder in jeder Liga möglich wäre - so in einem Jahr etwa? Ok ... Verträge, "Kohle" ... Aber auch ich denke: Kein Spiel ist es wert, Menschenleben zu riskieren! Nicht das der Fußballer, nicht das von Zuschauern!