Fußball | 3. Liga Acht Drittligisten veröffentlichen Positionspapier zu Saisonabbruch

Der Riss in der 3. Liga wird immer größer. Am Freitag gab es eine gemeinsame Erklärung von acht Vereinen - darunter alle mitteldeutschen - für einen Saison-Abbruch. Tags zuvor hatten sich die bayerischen Teams für eine Fortsetzung ausgesprochen.

Logos der Drittligisten um einen Fußball
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Der Hallesche FC, der SV Waldhof Mannheim, der 1. FC Magdeburg, der SC Preußen Münster, der Chemnitzer FC, die SG Sonnenhof Großaspach, der FSV Zwickau und der FC Carl Zeiss Jena fordern in einem öffentlichen Positionspapier den Abbruch der laufenden Drittliga-Saison.

DFB-Streit um Spiele 2 min
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MDR aktuell 19:30 Uhr Fr 17.04.2020 19:30Uhr 01:34 min

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"Wir kommen angesichts der Corona-Virus-Pandemie und auch in Abstimmung mit weiteren Vereinen zu dem Ergebnis, dass die aktuelle Saison 2019/20 der 3. Liga nicht fortgesetzt werden kann. Dies ist aus unserer Sicht der sportlich bittere, aber auch der einzig mögliche Weg, bei dem die gesellschaftlichen Realitäten, der Schutz der Gesundheit und die wirtschaftlichen Notwendigkeiten in Einklang zu bringen sind", heißt es in der Stellungnahme.

Aufstieg ja, Abstieg nein

Die acht Vereine sprechen sich dafür aus, den aktuellen Tabellenstand für die Wertung der Saison heranzuziehen. Dabei soll es zwar Aufsteiger, aber keine Absteiger geben. Davon würden fünf der Unterzeichner profitieren. Zwickau, Münster, Großaspach und Jena belegen aktuell die vier Plätze unter dem Strich. Waldhof Mannheim als Tabellenzweiter wäre damit der Durchmarsch in die 2. Bundesliga sicher.

Wenn Ärzte und Pflegepersonal Tag und Nacht für ihre Patienten im Einsatz sind, wenn Kinder und Jugendliche nicht zur Schule oder zur Kita dürfen, wenn Gastronomen, Einzelhändler, Künstler und viele andere um ihre wirtschaftliche Existenz bangen, dann darf der Fußball insbesondere in der 3. Liga mit der Verwurzelung der Vereine in den Regionen und Städten keine Sonderrolle für sich beanspruchen. Wenn er das tut, verliert er seine so wichtige Verwurzelung und missachtet seine gesellschaftliche Verantwortung.

Positionspapier zum Abbruch der 3. Liga

Vereine wollen keine Sonderrolle

Die acht Vereine begründen ihr Vorgehen mit der gesellschaftlichen Verwurzelung des Fußballs und dass eine Sonderrolle für die Drittligisten das falsche Zeichen an die Basis, an die Anhänger wäre. So müssten tausende Tests für die 20 Vereine der 3. Liga zur Verfügung gestellt werden, um die Saison zu Ende zu bringen. "Es wäre doch absurd, wenn wir Tests hätten, aber in den Krankenhäusern würden sie fehlen", sagte etwa Jenas Geschäftsführer Chris Förster im "SpiO"-Talk dazu.

Auch für den Fall einer Infektion eines Mannschaftsmitglieds oder deren Familienmitglieder mit anschließender Quarantäne gebe es weitere Probleme, etwa bei der Einhaltung des Spielplans. Nicht mal ein Abbruch könne dann ausgeschlossen werden.

Unterschiedliche Voraussetzungen sind Wettbewerbsverzerrung

Mit Hinblick auf die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs sehen die acht Vereine Probleme in den unterschiedlichen Regelungen von Bundesländern und Kommunen. "Bis mindestens zum 3. Mai hatten und haben wir wegen der behördlichen Anordnungen zur Schließung der Sportstätten überhaupt keine Möglichkeit, ein normales Mannschaftstraining durchzuführen. In einigen Bundesländern und Kommunen gelten diese Einschränkungen noch deutlich länger. Wir befürchten, dass diese unterschiedlichen Regelungen einen fairen sportlichen Wettbewerb behindern und zu einer Wettbewerbsverzerrung führen", heißt es dazu.

An einem Zaun haengt ein Platz gesperrt! -Schild.
In vielen Kommunen kommen die Vereine nicht auf den Trainingsplatz. (Symbol) Bildrechte: imago images / Agentur 54 Grad

Ein Training unter den umfassenden Infektionsmaßnahmen sei nur schwer vorstellbar. Während die Bundesligisten über zahlreiche Trainingsplätze und Kabinen verfügen, sei das in der 3. Liga nicht der Fall. Sicherheitsabstände seien so nicht einhaltbar. Denn über allem müsse die Gesundheit der Bevölkerung stehen. Dahingehend sehen sich die Vereine in einer besonderen Verantwortung "unseren Mitarbeitern und deren Familien gegenüber".

Bayerns Drittligisten wollen Saison mit Geisterspielen retten

Den anderen Weg bevorzugen die Drittligisten aus dem Freistaat Bayern. Die fünf bayerischen Teams haben sich deutlich gegen einen Saison-Abbruch ausgesprochen und warnen vor dramatischen Folgen. Während die Amateure des FC Bayern München "schnellstmöglich Planungssicherheit" und "ein klares Commitment aller Drittligisten, die Saison zu Ende bringen zu wollen" forderten. Stadtrivale 1860 sieht gar "die zukünftige Existenz der 3. Liga" gefährdet.

Damit sind sie nicht alleine. Auch Manfred Schwabl von der SpVgg Unterhaching sieht das so. "Es gibt für uns gar keine andere Lösung als die Saison zu Ende zu spielen, weil nur dann ein sportlich faires Endergebnis zustande kommt. Ansonsten sehe ich eine große Gefahr, dass der Fortbestand dieser ohnehin wirtschaftlich problematischen 3. Liga auf dem Spiel steht", bekräftigte der Chef des Münchner Vorort-Vereins. Vom FC Ingolstadt hieß es dazu: "Geisterspiele sind nicht schön, aber überhaupt kein Fußball ist die schlechteste Lösung. Daher wollen wir so schnell wie möglich versuchen, diese Saison auf sportlichem Wege zu."

Logo der 3. Liga auf einer Mauer mit Riss
Ein Riss geht durch die 3. Liga. Bildrechte: Collage: DFB / Colourbox.de / MDR

Insolvenz bei Geisterspielen

Die acht Befürworter des Abbruchs argumentieren jedoch, dass Geisterspiele zu sicheren Insolvenzen bei den Vereinen führen werden. "Derzeit befinden wir uns in der Situation, dass wir zwar faktisch keine Einnahmen haben, aber gleichzeitig unsere Kosten – insbesondere durch Einführung von Kurzarbeit – deutlich senken konnten. Schon diese Situation ist für uns und viele andere Vereine in der 3. Liga sehr prekär. Sollten wir jedoch gezwungen sein, die noch ausstehenden Spiele als Geisterspiele austragen zu müssen, hätten wir bei vollen Kosten keinerlei Einnahmen aus dem Spielbetrieb. Zumal die Mittel aus den TV-Übertragungsrechten in der 3. Liga nur einen Bruchteil der 1. und 2. Bundesliga ausmachen und ohnehin nur noch eine geringe Rate der aktuellen Saison aussteht."

Sollten wir jedoch gezwungen sein, die noch ausstehenden Spiele als Geisterspiele austragen zu müssen, hätten wir bei vollen Kosten keinerlei Einnahmen aus dem Spielbetrieb.

Positionspapier zum Abbruch der 3. Liga

Sponsoren fürchten bei Fortsetzung Imageschaden

Zudem haben sich die Vereine mit ihren Sponsoren in Verbindung gesetzt bezüglich Regressforderungen. Diese sollen laut der Mitteilung bei einem Abbruch nicht größer sein als bei Geisterspielen: "Einige Sponsoren äußern zudem die Befürchtung, dass eine Sonderrolle des Fußballs in der Gesellschaft zukünftig und sodann für die Folgesaison nicht zu deren Firmenpolitik und Image passt."

Dass der DFB die Insolvenzregelung in dieser und der kommenden Spielzeit angepasst hat, sehen die acht Vereine ebenfalls kritisch. Wenn es keine Strafen gibt, wäre der Anreiz für eine Planinsolvenz höher. Dies wiederum führe bei zahlreichen Insolvenzen "zu einem langfristigen wirtschaftlichen Imageschaden der 3. Liga und des deutschen Fußballs".

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MDR aktuell 17:45 Uhr Do 16.04.2020 17:45Uhr 01:33 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 17. April 2020 | 17:45 Uhr

29 Kommentare

serp vor 44 Wochen

Irrtum! Ich komme NICHT aus Bayern.... sondern aus der Lausitz und wohne auch immer noch hier. Und trotzdem sage ich weiterspielen! Es gibt so oder so nur Verlierer bei dieser Geschichte. Aber Vereinen den Aufstieg zu schenken ist nicht richtig! Genauseo falsch finde ich es Vereinen wie Werder, Jena, Dresden oder wem auch immer den Klassenerhalt zu schenken...

Aber letzten Endes geht es NUR UM FUßBALL!!!! Um nichts lebenswichtiges...

Mit der wariante die Saison für alle wertlos zu machen halte ich ebenfalls nicht viel...

Vielleicht sollte man mal über das System Fußball nachdenken, und die Chance nutzen etwas zu verändern....

pepe79 vor 44 Wochen

Natürlich möchte der FC Carl Zeiss Jena dass die Saison der dritten Liga abgebrochen wird. Eine andere Möglichkeit des Klassenerhalts wird es wohl kaum für den Verein geben.

Stealer vor 44 Wochen

@Schenkendorf: Wie wäre es denn mit den beiden Leipziger Vereinen oder Cottbus? Oder RW Essen, VfB Lübeck, RW Oberhausen, Kickers Offenbach, Alemannia Aachen und Saarbrücken? Das wären vermutlich auch für Sie als FCM-Fan interessantere und stimmungsvollere Spiele als letzte Saison gegen Sandhausen, Heidenheim oder Wiesbaden. Und die jetzige 3. Liga ist die wohl bestbestückteste in ihrer Geschichte - das kann sich schnell wieder ändern, mit mehr Großasbachs, Viktoria Kölns und zweiten Mannschaften.

Was die Sportschau aus der 3. Liga zeigt, ist schon jetzt marginal. Ob nun ein- oder zweigleisig, die Hauptprobleme sind die finanzielle Attraktivität und die Durchlässigkeit nach oben und unten. Letzteres war früher besser geregelt und ersteres ist ein Witz.

Drittliga-Trainer im "SpiO"-Talk