Fußball | 3. Liga Die 3. Liga beginnt - wo stehen Dynamo Dresden, Erzgebirge Aue, Zwickau und Halle?

Am Wochenende startet die 3. Liga in die 15. Saison. Aus Sachsen und Sachsen-Anhalt ist diesmal ein Quartett dabei. Wo stehen die Klubs? Wir haben die vier mitteldeutschen Vereine einem kleinen Teamcheck unterzogen.

Dynamo Dresden: Gleich wieder Aufstiegskandidat?

Das letzte halbe Jahr verlief katastrophal für Dynamo Dresden. Ein Blick in die Statistik verrät: Die Schwarz-Gelben warten seit sieben Monaten auf einen Pflichtspielsieg. Der Abstieg in die Drittklassigkeit war die logische Konsequenz einer nie dagewesenen Erfolglos-Serie. Nun soll also der Neuanfang mit Markus Anfang gelingen. Der durch seine Impf-Affäre bei Werder Bremen gebrandmarkte Übungsleiter muss dabei auf ein mehr oder minder neues Team zurückgreifen. Neben den vier zu Ende gegangenen Leihverträgen verließen 15 Spieler den Verein, darunter wichtige Leistungsträger wie die Offensivakteure Christoph Daferner und Ransford-Yeboah Königsdörffer sowie die Defensivsäulen Michael Sollbauer oder Kevin Broll.

Dynamo Dresden, Trainer Markus Anfang
Markus Anfang ist der neue Coach von Dynamo Dresden. Bildrechte: SG Dynamo Dresden/Dennis Hetzschold

Trotz der genannten Abgänge konnte Dynamo gerade in der Defensive einige wichtige und für die dritte Liga fast zu gute Spieler halten. Der bekannteste Neuzugang im Team ist sicherlich Rückkehrer und Routinier Stefan Kutschke. Dazu hat Dresden vorwiegend auf junge, entwicklungsfähige Spieler gesetzt. Gerade in der Offensive gibt es daher noch ein paar Fragezeichen. Aber vielleicht werden die Sachsen noch einmal auf dem Transfermarkt tätig und holen von den Daferner- und Königsdörffer-Einnahmen einen weiteren Knipser.

Geht es nach den Trainern der 3. Liga ist Dynamo der klare Aufstiegsfavorit: Außer Anfang haben alle 19 Kollegen die SGD auf ihrer Liste ganz oben. Das deckt sich in etwa mit dem Anspruch von Kapitän Tim Knipping, der nicht um einen Platz zwischen fünf und zehn spielen möchte: "Dafür sind wir nicht hier! Wir wollen oben mitspielen." Knipping erinnert dabei noch gut an die Saison 2020/21, die ebenfalls mit Platz 1 endete. Zum Auftakt wartet am Samstag übrigens 1860 München. Die sind der andere große Aufstiegsfavorit – nämlich bei den Buchmachern.

Tim Knipping von Dynamo Dresden 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Markus Anfang, Trainer von Dynamo Dresden 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Teamcheck Erzgebirge Aue: "Arbeit, Arbeit, Arbeit"

Es schwebt ein großes Fragezeichen über dem FC Erzgebirge Aue und dessen neuen Trainer Timo Rost. Beinahe der komplette Kader wurde in der Transferperiode ausgetauscht, 16 Zugänge und 16 Abgänge verzeichnet das Team des Zweitligaabsteigers aktuell. Zu den klangvollsten Neuverpflichtungen zählen die drittligaerfahrenen Marvin Stefaniak, Alexander Sorge, Steffen Nkansah, Ulrich Taffertshofer, Maximilian Thiel und Elias Huth. Wichtige Leistungsträger wie Ben Zolinski, Clemens Fandrich und Sören Gonther verließen dagegen den Verein.

Timo Rost
Der neue FCE-Trainer Timo Rost Bildrechte: IMAGO / Picture Point

Dadurch muss Rost ganz schön puzzeln, will er aus den vielen Einzelteilen eine erfolgreiche Mannschaft formen. Das weiß auch der Trainer selbst: "Man kann nicht davon ausgehen als Zweitligaabsteiger die 3. Liga zu dominieren, das wird nicht funktionieren. Wir müssen vom ersten Spieltag an unsere PS auf den Platz zu bringen und das ist jetzt Arbeit, Arbeit, Arbeit". Besonders der Saisonstart der Veilchen hat es in sich: An den ersten neun Spieltagen warten mit Osnabrück, Mannheim, Wiesbaden, Saarbrücken, Dresden und 1860 München viele Mitfavoriten auf. Spätestens danach wird sich zeigen, wohin es Aue in der 3. Liga zieht – die letzten Testspiele gegen die Regionalligisten Greuther Fürth II (2:2) und ZFC Meuselwitz (3:2) offenbarten noch einige Schwachstellen.

Teamcheck Hallescher FC: Selbstbewusstsein trotz Aderlass

"Es war ein sehr gutes Wochenende und zum Ende der Vorbereitung der richtige Schritt", schwärmte am Sonntag (17.07.2022) der zufriedene HFC-Trainer Andre Meyer am MDR-Mikrofon. Nachdem seine Mannschaft dem englischen Zweitligisten Queens Park Rangers am Samstag ein 1:1-Remis abgerungen hatte, schlug sie Regionalliga-Aufsteiger Rot Weiss Erfurt am Folgetag mit 4:3. Gegen Erfurt trafen mit Andor Bolyky und Timur Gayret zwei offensive Neuzugänge jeweils doppelt. "Wir haben viele spannende Spieler geholt, die so noch gar nicht den Namen haben, aber zu unserem Spiel passen", erklärte Meyer.

Andre Meyer (HFC, Cheftrainer) mit den Spielern.
Bildrechte: IMAGO / Eckehard Schulz

Er begrüßt in dieser Saison elf neue Spieler in seinem Aufgebot, drei davon rücken aus der eigenen U-19-Mannschaft zu den Profis auf. Dieser Umbruch war bitter nötig. Denn 18 Spieler haben Halle verlassen, darunter ehemalige Stammspieler wie Jan Löhmannsröben, Julian Guttau und Michael Eberwein. Aufgrund eines schnellen Findungsprozesses mache er sich aber keine Sorge wegen des Auftakts gegen Zwickau. "Ich denke, dass wir ein gutes Spiel mit maximalem Erfolg hinlegen werden."

Teamcheck FSV Zwickau: Dienstältester Trainer - verjüngtes Team

153,6 Kilometerfahrt Autobahn trennen Zwickau und Halle. Aber beide Vereine verband in den letzten Wochen noch mehr als die freudige Erwartung auf das Aufeinandertreffen am ersten Spieltag am 24. Juli. Wie der HFC testete auch Zwickau gegen die Queens Park Rangers, verlor allerdings mit 0:4. Der letzte Test gegen Regionalligist Carl-Zeiss Jena endete dann am vergangenen Sonntag wenigstens mit einem 2:2-Unentschieden. In diesem Spiel gab auch Zwickaus Königstransfer sein Debüt. Der erfahrene Mittelfeldspieler Jan Löhmannsröben soll menschlich die Abgänge von Leistungsträgern wie Steffen Nkansah und Marco Schikora abfangen.

Joe Enochs (Trainer FSV Zwickau)
Bildrechte: IMAGO / Revierfoto

In der vergangenen Saison spielte er – wie sollte es anders sein – für den Halleschen FC. Von seinem Wechsel zum FSV überzeugten Löhmannsröben die Mentalität und der Kampfgeist der Drittliga-Teams der Schwäne. "Hier wird Fußball noch ehrlich gearbeitet", lobte Löhmannsröben nach seiner Unterschrift. Neben dem "alten Traktor", wie sich Löhmannsröben bei seiner Vorstellung selbst nannte, verpflichtete Zwickau überwiegend junge Spieler. Etwa den 20-Jährigen Noel Eichberger, der Wormatia Worms mit 36-Scorerpunkten zurück in die Regionalliga Südwest schoss. Man habe tolle junge Spieler dazu geholt, freute sich Trainer Joe Enochs zuletzt. Aber er weiß auch, dass die Saison für den klammen FSV nicht einfach wird: "Wir müssen schnellstmöglich die Punkte für den Klassenerhalt sammeln." Was dem FSV Mut machen dürfte: Die vergangenen Jahre ging die Rechnung von Enochs, dem dienstältesten Trainer der 3. Liga, immer auf.

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Raphael Honndorf/Oliver Riedel/Till Oppermann

dh

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 24. Juli 2022 | 16:10 Uhr

32 Kommentare

FAN aus Bayern vor 18 Wochen

Den Abstieg vom FSV siehst du bereits seit 6 Jahren immer wieder voraus. Bisher ist er noch nicht eigetreten. Wird auch hoffentlich im 7. Jahr nicht eintreten.

SGDHarzer66 vor 18 Wochen

Wie Recht Du hast! Ich sehe auch die Achse Union-Rostock-Magdeburg-Dresden mit einer soliden Zukunft an. Ansonsten fehlen einfach die wirtschaftlichen Voraussetzungen.

Gerald vor 18 Wochen

Warum? Wer soll denn die Tore schießen!? Schon in der Abstiegssaison hat man nicht mal im Durchschnitt von einem Tor pro Spiel geschafft! Und in den Vorbereitungsspielen sieht es nicht viel besser aus! Die Durchschlagskraft scheint wieder zu fehlen!

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