Fußball Stadionneubauten in Mitteldeutschland - ein Überblick

Mit Carl Zeiss Jena bekommt nun auch der letzte mitteldeutsche Drittligist ein neues Stadion. Lange musste der Verein für eine neue Arena kämpfen und steht damit nicht alleine da. Wir geben einen kurzen Überblick über die großen Neubauten der letzten zwei Jahrzehnte.

Modell eines Fußballstadions
Ein Modell des umgebauten Ernst-Abbe-Sportfeldes. Bildrechte: MDR/Jörg Thiem

Red-Bull-Arena Leipzig

  • Ehemaliger Name: Zentralstadion
  • Verein: RB Leipzig (Bundesliga)

  • Erbaut: 1955
  • Neubau: 2000 - 2004
  • Kosten: 116 Mio. Euro

  • Kapazität: 42.146 (Erweiterung bis 2024 auf 48.000 Zuschauer)
  • Auslastung 2018/19: 91,1 Prozent

Das altehrwürdige Rund im Zentrum von Leipzig hat schon zahlreiche historische Abende erlebt und glänzt auch seit ein paar Jahren wieder im Glanz von Bundesliga und Europapokal. Das besondere an der neuen Arena: Sie wurde - im Zuge der Vergabe für die WM 2006 - in das alte Stadion hineingebaut. Die früheren Zuschauerränge sind heute begrünte Hänge über die Brücken in das innere des neuen Stadions führen. Die Arena gehört inzwischen dem Energy-Drink-Hersteller Red Bull, welcher auch Hauptsponsor des dort beheimateten Klubs RB Leipzig ist.

Zentralstadion früher - heute

Zentralstadion früher - heute

Leipziger Turn- und Sportfest 1969 im Zentralstadion
Bildrechte: MDR/ Sendung "Die größte Show der DDR: Das Leipziger Turn- und Sportfest"
Leipziger Turn- und Sportfest 1969 im Zentralstadion
Bildrechte: MDR/ Sendung "Die größte Show der DDR: Das Leipziger Turn- und Sportfest"
Stadionpanorama vor Anpfiff des Spiels RB Leipzig - FC Bayern München.
Bildrechte: MDR/Sven Kups
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Erzgebirgsstadion Aue

  • Erbaut: 1928
  • Neubau: 2015 - 2018
  • Kosten: 19,8 Mio. Euro

  • Kapazität: 16.080
  • Auslastung 2018/19: 63,6 Prozent

Das einst als Städtisches Stadion konzipierte Rund im Lößnitztal hat im Laufe der Jahre einige Renovierung hinter sich gebracht, die letzte umfassende in den Jahren 2015 bis 2018 - bei laufendem Spielbetrieb. Nun spielt Zweitligist Erzgebirge Aue in einem reinen Fußballstadion. Die alten Flutlichtmasten verrichten dabei auch im neuen Stadion noch ihren Dienst.

Erzgebirgsstadion früher - heute

Erzgebirgsstadion früher - heute

Luftbild des Erzgebirgsstadions in Aue.
Bildrechte: IMAGO
Luftbild des Erzgebirgsstadions in Aue.
Bildrechte: IMAGO
Erzgebirgsstadion in Aue
Bildrechte: IMAGO
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Rudolf-Harbig-Stadion Dresden

  • Ehemaliger Name: Rudolf-Harbig-Stadion (zwischenzeitlich Dynamo-Stadion/Stadion Dresden/Glücksgas-Stadion/DDV-Stadion)
  • Verein: SG Dynamo Dresden (2. Bundesliga)

  • Erbaut: 1922
  • Neubau: 2007 - 2009
  • Kosten: 46 Mio. Euro

  • Kapazität: 32.066
  • Auslastung 2018/19: 88,7 Prozent

Fast ein Jahrzehnt hatte es gedauert bis das Stadion von Zweitligist Dynamo Dresden wieder auf seinen gewohnten Namen hören durfte, zwischenzeitlich waren Unternehmen als Sponsoren im Namen präsent. Aber die Anhänger der SGD hielt der "falsche Name" oder das Fehlen der legendären Flutlichtmasten (im Volksmund "Giraffen") nicht davon ab, zu zigtausenden ihre Mannschaft zu unterstützen - egal in welcher Liga. Die steilen Zuschauertribünen und die emotionalen Fans machen das Stadion zu einem wahren Hexenkessel.

Rudolf-Harbig-Stadion früher - heute

Rudolf-Harbig-Stadion früher - heute

Altes Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden
Bildrechte: imago/Robert Michael
Altes Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden
Bildrechte: imago/Robert Michael
Das Rudolf-Harbig-Stadion mit Blick auf die Dresdner Altstadt
Bildrechte: imago/Steffen Kuttner
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Stadion an der Gellertstraße Chemnitz

  • Ehemaliger Name: Dr.-Kurt-Fischer-Stadion/community4you Arena
  • Verein: Chemnitzer FC (3. Liga)

  • Erbaut: 1933
  • Neubau: 2014 - 2016
  • Kosten: 27 Mio. Euro

  • Kapazität: 15.200
  • Auslastung 2018/19: 32,1 Prozent

Bereits im Oktober 2011 hatte der Stadtrat Chemnitz den Beschluss für einen Umbau der Gellertstarße gefasst, doch es sollte noch knapp zwei Jahre dauern, bis die ersten Bagger anrollten. Eigentlich hatte sich der Chemnitzer FC durch das neue Stadion Mehreinnahmen erhofft, es sollte aber anders kommen. Auch wegen der Belastungen durch das neue Stadion musste der CFC Insolvenz anmelden. Seitdem gibt es starke Machtkämpfe im Verein.

Stadion an der Gellertstraße früher - heute

Heimspielstätte des Chemnitzer FC
Bildrechte: IMAGO
Heimspielstätte des Chemnitzer FC
Bildrechte: IMAGO
Stadion an der Gellertstraße Chemnitz, Einlauf der Mannschaften.
Bildrechte: IMAGO
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ERDGAS Sportpark Halle

  • Ehemaliger Name: Kurt-Wabbel-Stadion
  • Verein: Hallescher FC (3. Liga)

  • Erbaut: 1921
  • Neubau: 2010 - 2011
  • Kosten: 17 Mio. Euro

  • Kapazität: 15.057
  • Auslastung 2018/19: 52,0 Prozent

In Halle entschied man sich im Jahr 2008 für einen Stadionneubau. Auf dem Grund des abgerissenen Kurt-Wabbel-Stadions wurde eine moderne Arena für 15.000 Zuschauer errichtet. Rund um das Stadion wurden die unter Denkmalschutz stehende Außenmauer inklusive Torbögen und die Arbeiterstandbilder, die seit den frühen 1950er Jahren dort ihren Platz haben, erhalten und in das neue Areal eingebunden.

Stadion in Halle vorher und nachher

Stadion in Halle vorher und nachher

Stadion Hallescher FC
Bildrechte: IMAGO
Stadion Hallescher FC
Bildrechte: IMAGO
Stadion Hallescher FC
Bildrechte: IMAGO
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MDCC-Arena Magdeburg

  • Ehemaliger Name: Ernst-Grube-Stadion/Stadion Magdeburg
  • Verein: 1. FC Magdeburg (3. Liga)

  • Erbaut: 1955
  • Neubau: 2005 - 2006
  • Kosten: 30,9 Mio. Euro

  • Kapazität: 25.500
  • Auslastung 2018/19: 79,3 Prozent

Als eines der ersten Teams in Mitteldeutschland bekam der 1. FC Magdeburg ein neues reine Fußball-Arena. Es entstand am gleichen Ort wie das legendäre Ernst-Grube-Stadion, in welchem in den 70er Jahren das "Who is Who" des europäischen Spitzenfußballs zu Gast war. In die (Negativ-)Schlagzeilen geriet das Stadion in der Saison 2015/16, als Messungen ergaben, dass die Fans das Bauwerk zu sehr zum Schwingen brachten. Durch neue Berechnungen wurde die Lebensdauer der Konstruktion von 50 Jahren auf weniger als die Hälfte reduziert. In der Folge durften die Heimfans im Block U während der Spiele nicht mehr hüpfen. Diese Problem wird aktuell durch einen weiteren Umbau beseitigt.

Stadion Magdeburg früher - heute

Erst-Grube-Stadion, 1990
Bildrechte: IMAGO
Erst-Grube-Stadion, 1990
Bildrechte: IMAGO
Luftaufnahme der MDCC Arena in Magdeburg
Bildrechte: IMAGO
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GGZ Arena Zwickau

  • Vorheriges Stadion: Westsachsenstadion (gebaut 1942)/Sportforum "Sojus 31"
  • Verein: FSV Zwickau (3. Liga)

  • Erbaut: 2015
  • Kosten: 19 Mio. Euro

  • Kapazität: 10.134 (damit nicht erst- und zweitligatauglich)
  • Auslastung 2018/19: 51,6 Prozent

Ursprünglich wollte man in Zwickau im Jahr 2010 die alte Heimstätte des FSV, das Westsachsenstadion, in neuem Glanz erstrahlen lassen. Eine Kostenexplosion während der Renovierungsarbeiten sorgten aber für einen Stop des Vorhabens. Die neuen Pläne sahen einen Stadionneubau an einem anderen Standort vor. Währenddessen trugen die "Schwäne" ihre Partien im Sportforum "Sojus 31" aus. Fast pünktlich zum Saisonstart 2016/17 wurde die neue Heimat des FSV fertig. Das Stadion ist das einzige der hier vorgestellten, welches keine Zweit- oder Erstligatauglichkeit besitzt, da es nicht über die erforderliche Kapazität von 15.000 Zuschauern verfügt. Allerdings kann die GGZ Arena jederzeit auf die erforderliche Größe erweitert werden.

Stadion Zwickau früher - heute

Das Stadion des FSV Zwickau
Bildrechte: IMAGO
Das Stadion des FSV Zwickau
Bildrechte: IMAGO
Westsachsenstadion in Zwickau
Bildrechte: imago/Dehli-News
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Steigerwaldstadion Erfurt

  • Vorheriger Name: Mitteldeutsche Kampfbahn/Georgij-Dimitroff-Stadion
  • Verein: FC Rot-Weiß Erfurt (Regionaliga Nordost)

  • Erbaut: 1931
  • Neubau: 2015 - 2017
  • Kosten: 42,8 Mio. Euro

  • Kapazität: 18.599
  • Auslastung 2018/19: 20,8 Prozent

Das Steigerwaldstadion in Erfurt ist auch nach dem Umbau eine Mehrsportstätte geblieben. Die Leichtathletikanlagen haben in der neuen Multifunktionsarena ihren Platz gefunden. Allerdings gab es in der thüringischen Landeshauptstadt auch zahlreiche Unstimmigkeiten im Zuge der Planungen und Baumaßnahmen. Hauptnutzer der Arena ist Rot-Weiß Erfurt. Mit dem in finanzielle Schieflage geratenen Club gab es zudem Streit um die Mietzahlungen.

Steigerwaldstadion früher - heute

Steigerwald-Stadion Erfurt
Bildrechte: imago/VIADATA
Steigerwald-Stadion Erfurt
Bildrechte: imago/VIADATA
Steigerwaldstadion und Eissportzentrum in Erfurt.
Bildrechte: IMAGO
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rho

Vier Herren halten gemeinsam das Stadionmodell. 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR aktuell 21:45 Uhr Mi 04.12.2019 21:45Uhr 01:00 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2019, 16:25 Uhr

4 Kommentare

wicky 67 uncut vor 7 Wochen

Fragen Sie das lieber nicht dieses doppelmoralische Öko-Gretel...
Denn dann würde das neue Stadion höchstwahrscheinlich erst nach dem nächsten Urknall gebaut werden...

Wikreuz vor 7 Wochen

Liebe Medien.... Bei der tägliche Klimahysterie die sie entfacht haben würde mich als einziges bei diesem Neubau der damit verbundene CO2 Ausstoß interessieren!

nilux vor 7 Wochen

Hallo MDR, erstmal vielen Dank für diesen schönen Vergleich der Stadien.
Bei den genannten Zahlen und insbesondere was Jena angeht habe ich als Magdeburger gemischte Gefühle.
Als damals der Stadionneubau in Magdeburg beschlossen wurde stand der FC Magdeburg auch nicht besonders gut da. Angesichts der anstehenden hohen Kosten und der dargelegten Prognosen für anderweitige Nutzung war ich damals komplett dagegen. Heute steht die MDCC Arena als drittgrößte der genannten Stadien auch bei der Auslastung auf Patz 3, das hätte ich damals nie gedacht.
Die Auslastungen anderer Stadien (beispielsweise Erfurt oder Halle) sehen hingegen offenbar eher schlecht aus.
Vielleicht braucht es wirklich etwas Risikobereitschaft, Jena ist eine aufstrebende Stadt, ich würde es Jena gönnen. Dann muss aber definitiv auch mehr getan werden, um die Leuten in dieses Stadion zu bekommen. Viel Glück!