Fußball | 3. Liga "Von allen Seiten wird man gepusht" – Hallescher FC empfängt Dynamo Dresden

2. Spieltag

Nach dem jeweils verpatzten Saisonstart peilen der Hallesche FC und Dynamo Dresden im direkten Duell den ersten Saisonsieg an. Beide Kontrahenten sind hoch motiviert und versprühen Optimismus – und Dynamo will endlich die lange Negativserie brechen.

Markus Anfang (Dynamo Dresden) 2 min
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Es war dem von Trainer Ralf Minge in den Sturm beorderten Thomas Rath und Detlef Schößler vom Elfmeterpunkt zu verdanken, dass Dynamo Dresdens leidgeplagte Anhänger wenigstens noch etwas Seelenbalsam abbekamen. Am 31. Spieltag einer denkwürdigen Katastrophensaison 1994/95, die den Bundesliga-Abstieg samt Lizenzentzug mit sich brachte, trafen Rath und Schößler vor noch etwas mehr als 10.000 Zuschauern im Rudolf-Harbig-Stadion zum 2:1-Heimsieg über den FC Schalke 04. Dadurch hatte eine Serie von zuvor 22 Pflichtspielen in Folge ohne Sieg am 20. Mai 1995 endlich ihr Ende gefunden

Dynamo Dresden - Schalke 04 (1995) 6 min
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Bricht Dynamo die Negativserie?

Über 27 Jahre später und zwei Spielklassen tiefer saß Dynamos aktueller, kaum zwei Monate in Verantwortung stehender Cheftrainer Markus Anfang am Donnerstag auf dem Pressekonferenzpodium, um über das anstehende mitteldeutsche Duell beim Halleschen FC (Sa., 6. August, 14 Uhr live im MDR, in der SpiO-App und auf sport-im-osten.de) Auskunft zu geben.

Und doch kam Anfang nicht daran vorbei, auch mit dem zumindest fußballstatistischen Unheil konfrontiert zu werden, das den Schwarz-Gelben anno 2022 droht. Durch die zwei knappen Niederlagen zum Drittliga-Auftakt gegen 1860 München und im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart wartet die SGD – saisonübergreifend – seit mittlerweile 21 Pflichtpartien in Serie auf einen Sieg. In Halle, wo Dynamo-Legende Ralf Minge bekanntermaßen den Sportdirektoren-Posten innehat, lauert also die Gefahr, den vereinsinternen Negativrekord einzustellen.

Pressekonferenz SG Dynamo Dresden 24 min
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Anfang: "Überhaupt kein Thema in der Mannschaft"

Jedoch unterstrich Markus Anfang zum einen: "Was im letzten Jahr war, das ist überhaupt kein Thema in der Mannschaft." Zum anderen betonte der 48-Jährige energisch: "Ich versuche nicht, irgendetwas zu verhindern, sondern ich versuche, einfach was zu gewinnen." Ebenso verwies er darauf, dass das Thema in seiner Wahrnehmung "im Umfeld keine große Rolle spielt."

Die Leute, die nach den jüngsten beiden Spielen auf ihn zugekommen waren, seien positiv gestimmt gewesen und hätten viel mehr gemerkt, wie leidenschaftlich, kämpferisch, offensiv das neu zusammengewürfelte Drittligateam aufgetreten ist. "Wir waren sehr nah dran, Spiele für uns zu entscheiden."

Paul Will (Dresden, 28)
Paul Will könnte sein Startelfdebüt in dieser Saison geben. Bildrechte: IMAGO / Jan Huebner

Will drängt zurück auf die SGD-Sechs / Samson fehlt dem HFC

Ein Schlüssel dafür, ist eine verbesserte Defensive. "Wir haben in den ersten zwei Pflichtspielen fünf Gegentore bekommen, das ist zu viel", weiß Anfang. Neben ihm saß Neuzugang Claudio Kammerknecht, dem aufgrund des Fragezeichens hinter Kevin Ehlers und Robin Beckers Ausfall erneut ein Startelfeinsatz neben Kapitän Tim Knipping in der Innenverteidigung machen darf. Paul Will könnte nach auskuriertem Muskelfaserriss Michael Akoto auf der Sechs ersetzen.

Anfangs HFC-Amtskollege André Meyer muss derweil den Ausfall von Louis Samson (Muskelverletzung) im defensiven Mittelfeld kompensieren. Zudem entscheidet sich der Einsatz des angeschlagenen Mittelstürmers Sebastian Müller erst kurzfristig.

Niklas Kreuzer (Hallescher FC, 8) am Ball.
Besondere Partie: Niklas Kreuzer stand sechseinhalb Jahre bei Dynamo Dresden unter Vertrag. Seit letzter Saison spielt er für den HFC. Bildrechte: IMAGO / Jan Huebner

Kreuzer: "Brutal genervt, was in Zwickau war"

Die Hallenser brennen ihrerseits um Wiedergutmachung für den verpatzten Saisonstart in Zwickau, als sie aufgrund einer desolaten ersten Halbzeit bereits mit 0:2 ins Hintertreffen geraten waren, zu spät in die Spur kamen und 2:3 verloren. Cheftrainer André Meyer berichtete am Donnerstag auf der HFC-Pressekonferenz von "viel Frust in der Kabine" darüber, dass "wir da etwas liegen gelassen" haben. Führungsspieler Niklas Kreuzer, der sechseinhalb Jahre für Dynamo spielte, sekundierte: "Es hat brutal genervt, was in Zwickau war."

Aber unisono betonten beide Protagonisten, dass die Fehler aufgearbeitet wurden und neue Motivation geschöpft sei. André Meyer erinnerte an die deutliche Leistungssteigerung nach der Pause in Zwickau und das überzeugende 4:1 im Test vor einer Woche gegen Regionalligist 1. FC Lok Leipzig: "Wir haben gesehen, dass wir aufs Gaspedal drücken können – und wir ziehen extrem viel Mut und Selbstbewusstsein aus dem Training und dem Spiel gegen Lok."

Andre Meyer (HFC, Cheftrainer)
HFC-Trainer André Meyer. Bildrechte: IMAGO / Eibner

Einen kühlen Kopf bewahren

Nicht zuletzt: Es wartet das erste Heimspiel der Saison, vor vollem Haus gegen Dynamo Dresden. "Von allen Seiten wird man gepusht und getrieben, das wollen wir in positive Energie umwandeln", kündigte Meyer an. Rechtsverteidiger Kreuzer ergänzte: "Es wird sehr laut, aber klar dürfen wir nicht überdrehen – vor allem 'Niet' (Kapitän Jonas Nietfeld, Anm.) und ich sind dafür zuständig, einen kühlen Kopf zu bewahren."

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mhe

Pressekonferenz Hallescher FC 30 min
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30 min

Nach der Niederlage zum Saisonstart will der Hallesche FC daheim gegen Dynamo Dresden die ersten Punkte holen. Vorab stellte sich HFC-Trainer André Meyer den Fragen der Presse.

Sport im Osten Do 04.08.2022 13:00Uhr 30:02 min

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Aues Stefaniak in Vorbereitung auf seinen Schuss zum 1:1
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 06. August 2022 | 14:00 Uhr

58 Kommentare

A.d.R. is Back vor 4 Tagen

Da muss man nicht zweifeln, die " Spezialisten" kriegen doch nicht Mal mit wie sie hier veräppelt werden. Aber lass ihnen die Freude, ihr Alltag ist all zu grau.

Sachsin vor 4 Tagen

"Das grenzt schon fast an Slapstick"

wie gestern Abend Thomas Müller: Müller fällt bei seinem Abschluss kurios hin und stolpert die Kugel Richtung Tor, fast wie ein sterbender Schwan. Der Ball prallt gegen den Pfosten, von da gegen Müllers Kopf und Frankfurt kann klären.

Norbert Franke vor 4 Tagen

Liebe Hallenser ,bitte macht Euch nicht zu viel Hoffnungen auf Punkte denn das DD gewinnen wird ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Da liegen doch Welten zwischen den beiden Vereinen .
Sport frei !

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