Fußball | 3. Liga FSV Zwickau: Schluss mit Ost-Harmonie

38. Spieltag

Joe Enochs beschwört gern den Zusammenhalt im ostdeutschen Fußball. Nun aber ist Schluss damit: Mit einem Sieg bei Waldhof Mannheim würden Enochs und der FSV Zwickau den Klassenerhalt sichern - und den Chemnitzer FC absteigen lassen.

Joe Enochs Cheftrainer FSV Zwickau
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Joe Enochs hat sich bereits mehrfach als Anhänger des gesamten Fußball-Ostens gezeigt. Dass man "im Osten zusammenhalten" müsste, sagte er einmal nach einem Derby gegen seinen ehemaligen Lehrmeister Claus-Dieter Wollitz, mit dem der Trainer des FSV Zwickau einst in Osnabrück zusammenarbeitete. Oder, dass "Solidarität immer gut" sei, "gerade im Osten, wo viele Vereine derselben Meinung sind". Das sagte Enochs, als die Liga wegen der Corona-Pandemie gerade ruhte und einige Drittligisten, vor allem die ostdeutschen, für einen Abbruch kämpften.

Das ist mittlerweile schon etwas länger her. Längst hat der Fußball-Alltag wieder Besitz ergriffen, die Saison steht nach einem wahren Mammutprogramm kurz vor ihrem Ende. Und mit der Ost-Harmonie ist es jetzt auch vorbei.

FSV Zwickau oder Chemnitzer FC? Wer schafft den Klassenerhalt?

79% 2651 Stimmen  
Nils Miatke (28, Zwickau) und Leon Jensen (8, Zwickau) jubeln nach dem Treffer zum 3:0
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FSV Zwickau
21% 691 Stimmen  
Chemnitzer Spieler jubeln
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Chemnitzer FC

Stand: 04.07.2020 15:24:23 Uhr 3342 Stimmen Die Abstimmungsergebnisse sind nicht repräsentativ.

Die Abstimmung ist beendet.

Fernduell zwischen Zwickau und Chemnitz

Denn für die Zwickauer geht es ums Überleben - und der Kontrahent im Kampf um den Klassenerhalt ist ausgerechnet ein anderer ostdeutscher Klub, der gerade mal 45 Autominuten von Zwickau entfernt beheimatet ist: der Chemnitzer FC. Durch den 2:1-Sieg im Derby überholte Zwickau den Kontrahenten in der Tabelle und steht nun mit zwei Punkten Vorsprung auf einem Nichtabstiegsplatz. Am Samstag kommt es nun zum Fernduell, Zwickau spielt in Mannheim und Chemnitz gegen Rostock.

Mounir Bouziane zwischen Leon Jensen und Davy Frick
Im Hinspiel verlor Zwickau gegen Mannheim mit 0:1. Bildrechte: imago images / Kruczynski

So sprach Enochs auf der Pressekonferenz nach dem Derbysieg natürlich gar nicht über Chemnitz, sondern nur über Mannheim: "Wir brauchen einen Sieg, um sicher zu sein, was nicht einfach ist", sagte der Coach angesichts einer durchaus erfolgreichen Saison des Aufsteigers aus der Kurpfalz und mahnte zur Besonnenheit: "Wir müssen auf dem Teppich bleiben."

Auch Toni Wachsmuth, der einst drei Jahre in Chemnitz spielte, interessiert sich nicht wirklich für das Schicksal des Nachbarn. "Ich bin jetzt in Zwickau. Ich bin auch sehr froh, hier zu sein. Von daher spielt das für mich in der Konstellation keine Rolle", sagte der Sportdirektor der Zwickauer am Freitag im "Sport im Osten"-Talk: "Wir haben auch ein paar Jungs, die mal in Chemnitz gespielt haben. Aber wir schauen auf uns."

Zwickau ohne Viteritti

Verzichten muss Zwickau in Mannheim auf Fabio Viteritti, der gegen Chemnitz kurz nach seiner Einwechslung mit einer technisch feinen Einzelaktion den 2:1-Siegtreffer von Mike Könnecke vorbereitete, doch kurz vor Schluss seine fünfte Gelbe Karte kassierte.

Ansonsten kann Enochs personell aus dem Vollen schöpfen, was ihm zahlreiche Optionen eröffnet. Möglich ist, dass er wie schon gegen Chemnitz auf eine Dreierkette setzt - hat ja gut geklappt. Zuvor hatte Zwickau oft mit einer Viererkette agiert.

Entscheidet die Kraftfrage?

Das Wichtigste aber, abgesehen von Personal und Taktik: "Wir müssen zwei Tage regenerieren." Verständlich, bei dem Aufwand der letzten Wochen. Am Ende könnte es auch eine Kraftfrage werden. Und an dieser Stelle könnte Zwickau durchaus im Vorteil sein, denn für Gegner Mannheim geht es in dieser Saison um nichts mehr, wohl aber für Chemnitz-Gegner Rostock, der noch um den Aufstieg mitspielt.

Wenn man so will, gilt Enochs' Bekenntnis zum Ost-Fußball also weiterhin - aber nur für Hansa Rostock. Der "Kogge" werden die "Schwäne" am Samstag die Daumen drücken. Dem CFC sicher nicht.


Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 04. Juli 2020 | 16:30 Uhr

22 Kommentare

DerBaron vor 5 Wochen

Man sollte trotzdem sportlich bleiben. Und wie sie schon schrieben ich feiere ist wohl keine Schadenfreude. Eure Ansprüche sollten schon um einiges höher sein als Abstiegskampf zumal einige unserer ex Veilchen im Kader stehen. Der FCM hat einen deutlich höheren Etat zur Verfügung hatte.

Gustav vor 5 Wochen

Der Chemnitzer FC hat als insolventer Verein nach jahrelanger Misswirtschaft eine GmbH gegründet. Diese GmbH hat einfach sich einen teuren Profi-Kader erkauft, der ihre eigenen Mittel überstieg und der mit über 20 Punkten Vorsprung die Regionalliga dominierte. Der e.V. wurde sich überlassen als BadBank und die weiteren Konkurrenten mussten mit ihrem Geld zurecht kommen. Sie waren damit sportlich nicht konkurrenzfähig. Warum sollten andere Vereine und Fans dieses Finanzgebaren sympathisch finden? Es stellt sich schon die Frage, wie das beim CFC endet? Ein Abstieg würde aus meiner Sicht die Beantwortung der Frage beschleunigen.
GWG Gustav

Doerfler vor 5 Wochen

Naja. Immerhin kann ein ehemaliger Klub aus dem Erzgebirge dem FSV heute den Klassenerhalt sicher und Chemnitz absteigen lassen. Ich drück Empor Lauter die Daumen.

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