Fußball | 3. Liga Wachsmuth: "Vom Niveau kommt es der 2. Liga immer näher"

In etwas mehr als zwei Wochen wird Toni Wachsmuth, Kapitän des FSV Zwickau, seine Schuhe nach fast eineinhalb Jahrzehnten Profikarriere an den Nagel hängen. Dem 32-Jährigen bleibt jedoch keine Zeit zum Durchatmen. Er hat sich "nebenbei" bereits voll in seine zukünftige Aufgabe gestürzt. Wachsmuth steckt als neuer Sportdirektor der Westsachsen mitten in der Weichenstellung für die kommende Saison. Davon und noch vieles mehr erzählt Wachsmuth ausführlich im langen Interview mit "Sport im Osten".

Ronny König und Toni Wachsmuth bejubeln das 1:0.
Bildrechte: imago images / Picture Point

Alles begann in Jena

Über 350 Profispiele stecken in den Knochen des gebürtigen Thüringers, der einst vom Kleinfeld an im Nachwuchs des FC Carl Zeiss Jena ausgebildet worden war und anschließend den Sprung in den Männerbereich meisterte. Doch nahezu die Hälfte davon absolvierte der ehemalige Zweitliga-Kicker Toni Wachsmuth für den FSV Zwickau.

2014 kam er - nach weiteren Station bei Energie Cottbus, dem SC Paderborn und dem Chemnitzer FC - zu den Westsachsen. Der Verteidiger wurde auf und außerhalb des Platzes sofort unverzichtbar und Kapitän der Mannschaft. 2016 gelang den Zwickauern erstmals überhaupt der Aufstieg in die 3. Liga. Dort hielten sie seitdem drei Mal in Serie die Klasse. Von seinen 25 Liga-Toren, die er über die Jahre für die Rot-Weißen verwandelte, hat der vor allem vom Elfmeterpunkt aus eiskalte Schütze allein neun in der laufenden Saison erzielt.

(v.l.n.r.) mit Toni Wachsmuth, Christian Breiner (FSV-Geschäftsführer) sowie David Wagner
Im Februar bereits gab der FSV bekannt, dass Wachsmuth den Sportdirektorposten von David Wagner (re.) übernehmen wird. In der Mitte: FSV-Geschäftsführer Christian Breiner. Bildrechte: FSV Zwickau / Daniel Sacher

Der Kapitän hat noch ein großes Ziel

Etwas steht sportlich jedoch noch ganz oben auf seiner Liste. Nachdem es in den Endspielen 2015 (gegen den Chemnitzer FC) und 2016 (gegen Erzrivale Erzgebirge Aue) nicht geklappt hatte, will Wachsmuth mit dem FSV "noch unbedingt" die Trophäe des Sachsenpokals in die Höhe stemmen. Am 25. Mai - in seinem letzten Profispiel überhaupt - besteht noch einmal die große Chance dafür. Dann steigt das diesjährige Finale - wiederum gegen den Chemnitzer FC.

Aber selbst bis dahin bleibt noch einiges abzuarbeiten. "Es ist viel zu tun, aber beide Aufgaben machen wirklich Spaß", versichert Wachsmuth lächelnd, der derzeit zwischen Schreibtisch und Spielfeld pendelt. In Großaspach und anschließend daheim gegen Preußen Münster geht für den aktuell achtplatzierten FSV eine lange Drittliga-Saison zu Ende. Darüber hinaus muss die Planung für 2019/20 vorangetrieben werden.

Wie also sieht nun der Alltag aus, welche Aufgabenbereiche gilt es zu verantworten, welche Visionen voranzutreiben, wie sollte der neue Kader aussehen und was macht eigentlich die 3. Liga aus, Toni Wachsmuth?

Meine Aufgabe ist einfach so ziemlich alles, was mit Fußball zu tun hat.

Toni Wachsmuth über ...

... seinen jetzigen Tagesablauf: "Der Fokus der letzten Wochen lag ganz klar auf dem Klassenerhalt - dem war alles untergeordnet, jeder Termin hat sich danach gerichtet. Das haben wir ganz gut gelöst. Jetzt kann man sich mehr um die neue Saison, den Kader und die Vorbereitung kümmern."

... seinen Aufgabenbereich: "Meine Aufgabe ist einfach so ziemlich alles, was mit Fußball zu tun hat. Und ich sehe mich ganz klar als Bindeglied zwischen Mannschaft und Geschäftsführung, zwischen Trainerteam und Geschäftsführung, als Mitarbeiter in der Geschäftsstelle und auch als zwischengeschalteter Mann zum Vorstand. Wir kennen uns schon lange - ich muss hier niemanden kennenlernen. Ich kenne von der Wäschefrau, über den Busfahrer bis zum Geschäftsführer jeden und mich kennt auch jeder."

Toni Wachsmuth (Zwickau) überwindet Torhüter Robin Benz (Uerdingen) per Elfmeter zum 1:0.
Einer von vielen: Wachsmuth verwandelt - hier im März gegen Uerdingen - eiskalt vom Elfmeterpunkt. Bildrechte: imago images / Kruczynski

... den Spagat, Teamkollege und Vertragsverhandler zu sein: "Es ist nicht alltäglich, aber es wird so bleiben, wie es immer war - wir hatten untereinander immer ein sehr gutes, respektvolles Verhältnis. Wir werden hier jetzt auch nicht durchdrehen und wilde Sachen machen. Die Jungs werden auch nicht anfangen, mich jetzt zu siezen. Aber - ganz klar - werden auch manchmal Gespräche stattfinden, die nicht so angenehm sind. Das gehört dazu, das wusste ich aber vorher. Wir werden offen und ehrlich zueinander sein und jeder Spieler wird wissen, woran er ist."

Es wird bei uns nicht funktionieren, dass wir uns qualitativ und auch quantitativ verstärken.

... Ansatzpunkte des neuen Kaders: "Es wird bei uns nicht funktionieren, dass wir uns qualitativ und auch quantitativ verstärken. Wir werden mit einem etwas kleineren Kader in die Vorbereitung gehen und großen Wert darauf legen, dass die neuen Spieler möglichst flexibel sind, um die Stärke zu bewahren, dass wir mehrere Systeme spielen zu können. Wir müssen Spieler dazuholen, die das verinnerlichen und können. Wir haben den Luxus, dass wir schon definitiv sagen können, in welcher Liga wir nächstes Jahr spielen. Da sind wir natürlich schon gewillt, den Kader möglichst schon weiter zusammenzustellen. Da geht's aber auch darum, die zum Teil bereits angelaufenen Gespräche mit den eigenen Spielern weiter zu forcieren."

Es war ungewohnt, auf der anderen Seite des Tisches zu sitzen.

... "seinen" ersten Neuzugang Christopher Handke: "Es war ungewohnt, auf der anderen Seite des Tisches zu sitzen. Uns war klar, dass - wenn die Konstellation so ist, dass ich aufhöre - wir in der Innenverteidigung auf jeden Fall einen gestandenen, erfahrenen Spieler holen werden - und das möglichst früh, damit wir andere Positionen um unser bestehendes, absolut intaktes Gerüst herum basteln können. Die Jungs wissen, um was es in der 3. Liga geht und vor allem, was es heißt, in Zwickau zu spielen. Mit Christopher haben wir einen Spieler gefunden, der unsere Mentalität verkörpert, der diese Rolle ausfüllen kann und bei uns definitiv reinpassen wird."

Zwickaus Trainer Joe Enochs und FCM-Neuzugang Christopher Handke
Wachsmuths erste Amtshandlung: Der erfahrene Noch-Magdeburger Christopher Handke (re.) unterschrieb beim FSV. Sehr zur Freude von Trainer Joe Enochs. Bildrechte: Daniel Sacher

... das Scouting: "Wir haben jemanden, der uns unterstützt, dennoch bleibt es letztendlich dabei, dass Joe (Cheftrainer Enochs, Anm.), Danny (Co-Trainer König, Anm.) und ich uns Spiele und Spieler anschauen, ganz viel Videomaterial durchforsten. Der Fußball ist gläsern heutzutage, da bekommt man immer und zu jeder Zeit erste Eindrücke. Nichtsdestotrotz bleibt's nicht aus, dass man sich Spieler live anschaut, um Erkenntnisse zu gewinnen, die man sonst nicht hat."

... das von ihm arrangierte, aktuelle "Probetraining" für neun Testspieler: "Sie sollten das als coole Chance sehen, sich mal bei einem Drittligisten zu zeigen. Es sind vorrangig junge Spieler im Alter von 19 bis 22 Jahre. Es sind alles Jungs, die aktuell nicht 3. Liga spielen, die auch zum Teil aus dem Ausland kommen. Wir wollen uns ganz einfach mal einen Überblick verschaffen, ihnen unser Gelände zeigen, ein erstes Kennenlernen vereinfachen. Die Woche bot sich da einfach an: Der Klassenerhalt ist fix und wir haben noch zwei Wochen bis zum Pokalspiel. Und mit dem schönen Testspiel gegen Auerbach werden wir die Jungs noch einmal 90 Minuten gegen einen wirklich guten Regionalligisten sehen können (Anm.: Zwickau gewann am Mittwochabend mit 3:2).

Die 3. Liga ist einfach verrückt. Du spielst entweder gegen den Abstieg oder um den Aufstieg - aber sie ist ungemein attraktiv.

Jenaer Spieler bedanken sich bei ihren Anhängern mit der Welle, v. li.: Sebastian Hähnge, Torsten Ziegner, Toni Wachsmuth, Maik Kunze und Stefan Kühne; Mike, Vdig. 2006
Mai 2006: Carl Zeiss Jena stürmt in die 2. Bundesliga. Mit dabei Kapitän Torsten Ziegner (2.v.l.) und der erst 19-Jährige Toni Wachsmuth (3.v.l.). 2014 wechselte Wachsmuth nach Zwickau zu Trainer Ziegner. Bildrechte: imago/Matthias Koch

... die große Herausforderung 3. Liga: "Der Erfolg in der 3. Liga steht und fällt mit der Wirtschaftlichkeit - da gibt es einfach ein ziemliches Gefälle. Wir haben aber auch gesehen, dass Vereine, die deutlich finanzstärker sind, dann trotzdem ihre Probleme haben. Die Liga ist einfach verrückt, da spielen Mannschaften gegen den Abstieg, die eigentlich aufsteigen wollten. Es gibt kein Mittelfeld mehr in der Liga. Du spielst entweder gegen den Abstieg oder um den Aufstieg - das sind Chancen und Risiken zugleich. Aber man muss auch sagen, dass die Liga ungemein attraktiv ist, es macht unheimlich Spaß, die 3. Liga zu spielen und ich habe das extrem genossen. Vom Niveau her kommt es der 2. Liga immer näher, von den Zuschauerzahlen, von den Traditionsvereinen, die mit dabei sind. Wir werden versuchen, unseren Weg zu gehen und gar nicht so zu gucken, was die anderen Vereine machen. Ich hoffe ganz klar darauf, dass auch in unserem Umfeld noch ein bisschen was passiert."

Ich hoffe ganz klar darauf, dass auch in unserem Umfeld noch ein bisschen was passiert.

... seine Vision für den FSV 2019/20: "Meine Visionen sind an das Budget gekoppelt. Wir werden mit unserem Etat weiterhin keine Riesensprünge machen können, sondern müssen uns auf das besinnen, was uns die letzten Jahre stark gemacht hat. Trotzdem müssen und wollen wir den Verein weiterentwickeln: Da ist es unabdingbar, den Kader zu verkleinern, weil wir ihn qualitativ verbessern müssen. Wir haben gesehen, wie stark die Liga ist. Und sie wird nicht leichter. Es kommen wieder extrem starke Mannschaften dazu. Ohne Weiterentwicklung wirst du durchgereicht. Wirtschaftlich befinden wir uns nun mal im hinteren Drittel der Liga, da müssen wir einfach unsere Hausaufgaben machen."

akü/mhe

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 11. Mai 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2019, 12:43 Uhr

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9 Kommentare

11.05.2019 08:32 @ #6 9

Es heißt "besser ALS..." wenn man etwas vergleicht und sprachlich in Steigerung bringen möchte. Danach wollten meine Augen nicht mehr weiter lesen.

10.05.2019 22:18 pinfighter 8

Na, da hat er wieder Einen gucken lassen, der User BSG.Ein wirklich fairer Sportsmann. Ich würde sagen, Europäische Weltklasse. Ein Spannendes Wochenende Allen Fairen Fans in OST UND WEST.

10.05.2019 20:30 Joe09 7

Man kann Wachser nur alles Gute wünschen. Er kennt sich im Verein aus und hat sicherlich seine machbaren Vorstellungen. Kader ausdünnen und qualitativ zu erhöhen finde ich sehr positiv! Verträge besser für den Verein auszuhandeln, z.Bsp. längere Laufzeit mit Ausstiegsklausel. Siehe Lauberbach, damit wir finanziell für Jahre über die Runden kommen. Ansonsten ist die 3.Liga für einen Ostverein kaum zuhalten! Glück Auf FSV

10.05.2019 19:43 BSG 6

Haha , euch würde ich gerne mal in der zweiten Liga sehen. Mehr wie 20 Punkte hättet ihr nicht. Eure Besten kommen von uns und wurden als nicht zweitligatauglich von uns abgegeben. Wachsmuth hat von Zweitligafussball Null Ahnung. Er sollte lieber mal beim König oder beim Mike K. nachfragen , ehe er solche Bolzen raushaut. Zum totlachen, wie euer ganzer Trupp.

09.05.2019 20:13 Zwickauer 5

@BSG
Sie müssen die Aussage im Kontext lesen...und natürlich auch verstehen.
Sicher für jemanden aus Ihrem Umfeld schwer.

09.05.2019 19:27 Gere 4

Werte BSG , du meinst aber bestimmt nicht den 2. LIGA- FUßBALL der unweit von Zwickau gespielt wird ,ohne dessen abzuwerten , oder ?

09.05.2019 18:58 Wahre BSG 3

Aber ihr stolpert doch auch schon wieder 3Jahre durch die 2.Liga...wenn ihr nicht in den entscheidenden Phasen der Saison immer soviel Dusel hättet, weiß gar nicht warum das immer im Schacht landet, dann würdet ihr schon längst feststellen das es in der 3.Liga auch nicht einfacher ist. Aber auch euer Glück ist mal aufgebraucht...

09.05.2019 17:55 BSG 2

Niveau immer näher zur zweiten Liga? Dann muss er sich mal zweite Liga anschauen. Mit dem Gestolper von 80 Prozent der Drittligisten hat das aber nun mal gar nichts zu tun.
Glück Auf.

09.05.2019 15:45 Zwickauer 1

Letzte Saison hatte ich mit Wachser so meine Zweifel.
Es waren einige Spiele dabei die zum Vergessen waren.
Diese Saison ist Wachser wieder absoluter Leader und strahlt Sicherheit aus. Er wird fehlen, aber mit Handke ist schon Ersatz da.
Viel Glück Wachser bei Deinen Aufgaben und führe und halte uns in der Profiliga.

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