Fußball | Strukturreform Was wird aus der Regionalliga Nordost?

Erst Ende September 2019 kommt der Ordentliche DFB-Bundestag zusammen. Aber vor allem eine dabei zu beschließende Reform sorgt bei den Entscheidungsträgern und Betroffenen einmal mehr bereits weit im Voraus für großen Diskussionsstoff und konträre Voten: welche grundlegende Struktur werden die Regionalligen zukünftig haben? Und wie wird die dazugehörige Auf- und Abstiegsregelung zwischen 3. Liga und jener vierthöchsten deutschen Spielklasse aussehen?

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Besonders die hiesige, vom Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) geführte Regionalliga Nordost steht im Fokus. Bis auf den FC Energie Cottbus haben sämtliche der 20 gegenwärtigen Drittligisten - also auch der Hallesche FC, FC Carl Zeiss Jena und FSV Zwickau - jüngst für eine Auflösung der Liga plädiert.

Lindemann: "Ich dachte, ich hatte mich verhört"

Das traf unter anderen auf die offenen Ohren von DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch." Es ist ein wichtiges Faktum, wenn die ostdeutschen Vereine der 3. Liga sagen, dass es ihnen nicht wichtig ist, ob die Vereine des Nordostens in einer Regionalliga zusammengefasst spielen. Diese wichtige Aussage wird natürlich in allen Regionen mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen", wusste Koch daraufhin zu betonen, dem die Verantwortung des Amateurfußballs sowie der Angelegenheiten der Regional- und Landesverbände obliegen.

RL Reform 3 min
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Sport im Osten Sa 23.02.2019 14:55Uhr 03:21 min

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"Ich dachte, ich hatte mich verhört", entrüstete sich dagegen der ehemalige FCC-Verantwortungsträger und heutige MDR-Experte Lutz Lindemann bei "Sport im Osten" am Samstag (23.02.2019). "Auch wenn ich die ein oder andere Idee der Drittligisten durchaus verstehen kann, dürfen wir nicht vergessen, wo wir herkommen. Für mich ist der Gedanke der Solidarität sehr wichtig", empfahl der 69-Jährige gerade in Richtung der drei mitteldeutschen Vereine.

Oberste Prämisse - die Meister müssen aufsteigen

Seit der Saison 2012/13 gibt es fünf nach geografischen Gesichtspunkten aufgestellte Regionalligen (Nordost, Bayern, Südwest, West, Nord), die bis 2018 in Aufstiegs-Ko-Duellen je drei Aufsteiger ausgespielt hatten. In der laufenden Spielzeit werden erstmals vier Aufsteiger in die 20-köpfige 3. Liga ermittelt, weswegen am Saisonende von dort entsprechend die Mannschaften ab Rang 17 absteigen müssen. Unisono verwiesen HFC-Sportdirektor Ralf Heskamp und Jenas Geschäftsführer Chris Förster gegenüber dem MDR daher abermals auf diese "Vorleistung" (O-Ton Heskamp) - "allerdings nur unter der Prämisse, dass die Regionalliga-Meister nach der Reform auch direkt aufsteigen", wie Förster unterstrich.

Die folgerichtige Konsequenz daraus bedeutete jedoch, die Regionalligen auf vier Staffeln zu verschlanken. Ein diesbezüglich zuletzt aufgeworfenes Modell: die NOFV-Vereine würden mit jenen aus dem Norden und Bayern zwei statt der bislang drei Ligen bilden, was allen voran einer Zerschlagung der Nordost-Staffel gleichkäme.

All das wiederum rief den Unmut der allermeisten Teilnehmer und Funktionäre des Nordostens hervor. "Wir wollen die Regionalliga Nordost erhalten, weil sie ein wirklich wesentlicher wirtschaftlicher Grundstein für den Erhalt des Nordostdeutschen Fußballverbandes ist", sagte NOFV-Präsident Erwin Bugar. Thomas Löwe, Präsident des 1. FC Lok Leipzig, argumentierte: "Die Liga würde an Attraktivität verlieren und die Entfernungen zu den Auswärtsspielen lassen sich wirtschaftlich nicht darstellen."

Lutz Lindemann 1 min
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Sport im Osten Sa 23.02.2019 14:55Uhr 01:11 min

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Gegenstimmen auch im Nordosten

Doch selbst hier gibt es klare Gegenstimmen. "Wir müssen zu einer Lösung kommen, bei der die Meister aufsteigen und wenn es ein geografischer Neuzuschnitt ist, dann ist das eben so. Ich würde eher fragen: was spricht dafür, das jetzige System beizubehalten?", stellte Archibald Horlitz, der Vereinschef des SV Babelsberg, infrage.

"Es ist nicht so toll, wenn jetzt jeder mit seinem Vorschlag einfach an die Öffentlichkeit geht. Wir sollten das in Ruhe diskutieren, es ist nämlich verdammt schwer, eine Lösung zu finden", gab sich Hermann Winkler, der dem Sächsischen Fußball-Verband (SFV) vorsteht, zerknirscht. Der CDU-Europaabgeordnete wollte die hochgekochten Emotionen dämpfen, indem er ausdrücklich bekräftigte: "Es ist noch alles offen. Wir haben noch zwei entscheidende Sitzungen und der DFB-Bundestag ist im Herbst 2019. Wir wollen bis dahin eine Lösung finden." Sämtliche vorzeitigen Einigungsversuche sind bislang gescheitert. Ein neuer Anlauf wird am 19. März in Peißen/Landsberg unternommen, wenn sowohl die Regional- als auch die Drittligisten der betroffenen drei Regionen zusammenkommen und erneut an einem beschlussfähigen Konzept arbeiten wollen.

red/mhe

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 23. Februar 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. März 2019, 13:27 Uhr

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76 Kommentare

27.02.2019 06:26 Sr.Raul 76

Ganz einfach @57 (Udo841), englische Wochen einschieben. Soll anderen Ortes im Profibereich prima und ohne Belastungsjammerei bestens funktionieren. Wir reden hier auch in Liga 3 über gut betreute Berufsfußballer und über eine entsprechende Trainingsgestaltung und -steuerung, lässt sich das alles regeln. Denke weiterhin, dass die Spieler lieber spielen als Training zu bolzen.

27.02.2019 04:55 Sabrina 75

@ 25.02.2019 09:32 Till Scholtz-Knobloch (Görlitz) 26
Dieser Post zeigt, dass Sie eben kein Fußballfan sind und sich gar nicht auskennen.
Die ostdeutschen Vereine sind auf die traditionellen Derbys wirtschaftlich angewiesen. Denn das sind die Spiele, die Zuschauer bringen. Das würde bei der von Ihnen unterstützten Reform entfallen.
Wer soll den zu den zweiten Mannschaften der Westligen als Zuschauer hingehen? - Das ist verlorenes Geld. Das können wir uns nicht leisten.
Notfalls muss der Ostfußball eben aus dem DFB raus und sein eigenes Ding machen.
Hier geht es um den Erhalt und das Wohl unserer Vereine. Allein das zählt.

27.02.2019 04:46 Sabrina 74

Wenn man auf 4 Staffeln zusammenlegen will, dann kann es nur die Südweststaffel sein, die aufgelöst werden muss

27.02.2019 04:38 Sabrina 73

Man muss endlich aufhören, dass Pseudo-Argument mit der großen Mitgliederzahl in der Südwestliga zu akzeptieren.

Man muss mehr auf den Regionalen Zusammenhalt und die Aufwendungen, die wirtschaftlichen Aspekte und damit den Erhalt der Derbys achten.

Wenn man unbedingt von 5 auf 4 Staffeln reduzieren will, dann kann es nur darum gehen, aus vier Weststaffeln drei Weststaffeln zu machen - eine Südstaffel, eine Nordstaffel und eine mittlere Staffel.

Andernfalls muss man eben, wie bereits vorgeschlagen, die Zahl der Auf- und Absteiger in die Dritte Liga erhöhen.

Vor allem muss die Südweststaffel aufgelöst werden. Auch wenn die viele Mitglieder haben, fußballerisch spiegelt sich das nicht wieder.

27.02.2019 00:57 Marc!? 72

@tommytom73
Der DFB ist eben ein Fußballverband und wenn keine Mitglieder, weniger Vereine und auch weniger Mannschaften.
Was die Diskussion aktuell nicht gerade erleichtert ist, dass MV zur Zeit in der RL nicht vorkommt, also eine große Fläche am Rand des NOFV fällt weg, dadurch sind auch die Reisekosten deutlich geringer. Aber das NOFV Gebiet ist eigentlich größer. Der NOFV hat sich total verspekulliert. Es dürfte niemand überraschen, dass die Wege bei weniger RL weiter werden, trotzdem ist man damals medial auf den Zug Meister müssen aufsteigen und 4 RL aufgesprungen. Man hat sogar anno 2017 das total absurde Modell mit einem von vier Aufsteigern im Bundestag eingebracht. Ich gebe dir Brief und Siegel hätte man sich damals Bayern und dem Norden tolleriert vom Südwesten dem 2 aus 3 Modell angeschlossen, wäre das beschlossen geworden. Nun hat man die Drittligisten gegen sich und das bittere fast alle auch aus dem eigenen Verband.

27.02.2019 00:47 Marc!? 71

@Udo841
Die 42 Spieltage gehen nur mit einer DFB Pokal Reform und so dem Wegfall der Landespokalspiele. Außerdem wären die Drittligisten schön blöd, wenn sie sich auf 22/5 einlassen würden, nur mal so nebenbei.
Das eigentliche Problem ist aber, dass die RL N, NO und BY auch in diesem Modell keine direkten Aufsteiger bekommen. Die Sollzahl ist 6 und der gehört aktuell dem Vizemeister Südwest / West. Also braucht man entweder 6 Absteiger oder der Vizemeister spielt eine Relegation gegen einen Drittligisten, was aber aufgrund der 42 Spieltage schwierig wird, aber an sich von der Logik ein guter Kompromiss wäre (5+1) oder eben ein Meister aus N,NO,BY im 3-jahreszyklus würde gegen den Vizemeister Südwest/West spielen.
Ich sehe jedenfalls keine Argumente warum der SW zur Gänze auf seinen zweiten Teilnehmer verzichten sollte (aktuell erhält er dafür einen fixen Aufsteiger), umgekehrt würde dies ja auch der Nordosten auch nicht wollen, dass er kein Aufstiegsrecht mehr hätte.

27.02.2019 00:38 Marc!? 70

@Duffy
Über den Vorschlag einer zweigleisigen RL müssen wir immer intern lachen. Bei einer Zerschlagung der RL Nordost beklagt man sich über weite Wege, aber eine große Liga wird dann mit Kusshand genommen.
Gesetz dem Fall du findest 36 Mannschaften, die mitspielen wollen, hast du das Problem, dass in den 6 RL darunter, kaum Mannschaften aufsteigen wollen. Ähnliches Problem wie aktuell schon in HB, HH und SH.
Das eigentliche Problem ist doch, dass der NOFV zwingend zur eigenen Finanzierung auf die Ausrichtung der RL Nordost angewiesen ist und die Funktionäre Ihre Posten nicht verlieren wollen.
Der richtige Weg wäre ein reine machen, d.h.
4 Regionalligen, über die Region Halle kann man gerne diskutieren und daran nur noch 4 RV mit Übernahme der Ligenstruktur auch im Jugend und Frauenbereich.
Dazu gehört insbesondere die Schaffung der 3 OL als Unterbau der RL Nord/Nordost mit:
OL NDS/HB
OL HH/SH/MV
OL ST/BB/BE
im Südosten gäbe es 2 Bayernligen und die OL TH/SC.

27.02.2019 00:30 Mar!? 69

@BOBO
Es spielt keine Rolle welche Mannschaften in den letzten Jahren aufgestiegen sind, abgesehen, dass die Relegation nicht zwangsläufig immer fair ist, Cottbus hatte mit Flensburg z.b. den leichtesten Gegner etc. Aber das ist ja auch nicht der Punkt, denn im Gegensatz zur oft zitierten 5-Jahreswertung der UEFA, bei der die Vereine noch Mitglied der Bundesliga sind, steigt hier der Meister auf, also ist kein Kriterium für die Spielstärke der RL im nächsten Jahr.
Auch ist nicht die Anzahl der Vereine maßgebend, sondern der Mannschaften, die am Spielbetrieb teilnehmen. Denn sonst könnte ich mit 12 Mannschaften die Stadtliga Essen zur Regionalliga Essen aufstufen und weil sie nun so heisst, darf sie einen fixen Aufsteiger stellen.

26.02.2019 22:50 wicky 67 68

@64:Lumpi:
Bravo, meine vollste Zustimmung und Willkommen im Symphatie-Club 'PRO NOFV'! Wenn hier jemand glaubt, daß wir mit unseren Wünschen nur eine Grenze zwischen Ost & West ziehen wollen, so ist er auf dem Holzweg! Nur es darf nicht sein, daß von westlicher Seite heute noch versucht wird, unseren Ostsport von früher und jetzt stets zu verunglimpfen, und zu benachteiligen! Man sieht es doch allein schon daran, daß bei Strafen für Pyro usw, extrem auffällig, stets mit zweierlei Maß gemessen wird! Dann wird behauptet, daß unsere Ostsportler früher alle ausnahmslos gedopt waren.. Aber sie selbst??.. Und jetzt soll durch diese ungerechte Reform den restlichen paar Ostvereinen auch noch der Gar ausgemacht werden! Die meisten dieser Vereine haben nicht annähernd die nötige Infrastruktur, um in den Westverbänden auch nur annähernd mithalten zu können! Und wie steht's eigentlich um unsere Zweit&Drittligisten? Abstiegsnot pur und abgenagte Hungertücher fast überall...

26.02.2019 21:43 wicky 67 67

@58: Duffy:

Dein Vorschlag finde ich echt Super! So ein ähnlicher Gedanke schwebte mir auch schon vor. Da dachte ich jedoch über eine zweigleisige 3.Liga mit je 20 Teams nach. Da könnten die 5 Regionalligen auch so bleiben, wie sie momentan noch bestehen!!! Aus den 2 dritten Ligen würden dann die letzten 2 direkt absteigen, und alle Erstplatzierten aus den Regionalligen direkt aufsteigen. Der 5. Absteiger aus den beiden Drittligastaffeln müsste durch ein Religationsspliel der 2 drittletzten Teams ermittelt werden! In der einen Staffel, wo es dann 3, statt 2 Absteiger in der anderen gibt, steigen auch 3 Regionalligisten direkt auf! In die andere steigen 2 RL'n direkt auf! Mathematisch und realisierbar dürfte das kein Problem sein! Nur die Auflagen vom DFB müssten dafür drastisch reduziert werden!!! Sonst würde das leider nicht möglich sein... Mfg