Spruchband der Erfurter Fans - Insolvenz ist geil - Neuanfang
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Fußball | 3. Liga Werden Insolvenzen im Fußball zur Regel?

Finanziell überhoben? Jahrelang einen Schuldenberg vor sich hergeschleppt? Kein Problem: Insolvenz anmelden, neun Punkte Abzug riskieren und dann neu durchstarten. Erfurt und Chemnitz sind zwei aktuelle Beispiele. Doch wie groß ist die Gefahr eines Missbrauchs?

von Ronny Eichhorn

Spruchband der Erfurter Fans - Insolvenz ist geil - Neuanfang
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Was als echte Chance für ins Straucheln geratene Fußball-Vereine gedacht war, droht zur Methode zu werden. Als im Juli 2015 die neue Regelung im Insolvenzfall in Kraft trat, dachte sicher niemand an einen möglichen Missbrauch. Während früher eine Eröffnung des Insolvenzverfahrens automatisch den Abstieg zur Folge hatte, gibt es jetzt nur noch neun Punkte Abzug. In der vergangenen Saison betraf das in der 3. Liga den VfR Aalen und den FSV Frankfurt, in der aktuellen Spielzeit den FC Rot-Weiß Erfurt und den Chemnitzer FC.

Holger Fuchs: "Zwei Herzen in der Brust"

Gerade im Falle der Erfurter und Chemnitzer kommt zumindest der Verdacht auf, dass die aktuelle Regelung auch dem Missbrauch Tür und Tor öffnen kann. Ein Verein könnte sich überlegen, wenn er die neun Punkte Abzug am Ende der Saison verkraften kann, für eine Sanierung in die Insolvenz zu gehen. Sportlich hätte er keinen Schaden. Der Geschäftsführer des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes, Holger Fuchs, kann die Bedenken zumindest nachvollziehen. "Das hat schon ein bisschen Geschmäckle. Da schlagen auch zwei Herzen in meiner Brust. Aber es gibt diese Regel, und die wird von Vereinen auch genutzt. Außerdem muss man sehen, dass im Falle einer drohenden Zahlungsunfähigkeit wie in Erfurt oder Chemnitz auch die Gefahr einer Insolvenzverschleppung besteht", sagt Fuchs. Bei einer Verschleppung würden die Verantwortlichen der Vereine auch persönlich haften. Zudem sei es nur schwer möglich, in der Regionalliga finanziell zu gesunden.

beschädigter Flyer mit CFC Logo auf dem Boden
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Wichtig, dass nicht alles zerschlagen wird

Hubert Wolf, Präsident des ZFC Meuselwitz, ist selbst seit vielen Jahren Unternehmer. Er befürwortet das neue Insolvenzrecht, weil es im Fall der Fußballvereine eine Sanierungschance eröffnet. "Es gilt das Prinzip 'Erhalt vor Zerschlagung'. Damit haben Unternehmen oder hier die Vereine in Erfurt und Chemnitz die Chance, dass nicht alles zerschlagen wird. Es hängen ja auch viele dran, nicht nur die Profis. Da sind die vielen Kinder, die dort Fußball spielen“, erklärt Wolf, der auch Vertreter der Vereine beim Nordostdeutschen Fußball-Verband ist. Dennoch sieht auch Wolf in der kommenden Spielzeit die Gefahr, dass sich auch in der Regionalliga Nordost einige Vereine übernehmen werden. "Einer wird aufsteigen, andere werden danach Probleme bekommen.“

Volkhardt Kramer: "Missbrauch könnte zur Methode werden"

Deutlicher wird Volkhardt Kramer, Manager des VfB Auerbach. "Der Missbrauch könnte zur Methode werden.“ Überspitzt gesagt könne man Energie Cottbus als souveränen Tabellenführer in der Regionalliga Nordost anraten, schnell noch eine Insolvenz anzumelden. Energie bliebe trotz der neun Punkte Abzug Erster und würde die Aufstiegsspiele zur 3. Liga bestreiten. Scheitert man, könnte im Sommer wieder kräftig investiert werden. "Die 9-Punkte-Regel ist schon gut. Dann muss aber der zweite Schuss kommen“, so Kramer, der an einen wirklichen Abstieg denkt. Für Erfurt und Chemnitz würde das die Oberliga bedeuten.

Gerade für die kleinen Vereine sind die Konsequenzen und Strafen nach Unregelmäßigkeiten schwer nachzuvollziehen, wie zum Teil gewirtschaftet wird. Auerbach musste beispielsweise 2.400 Euro Strafe zahlen, weil einer der eigenen Schiedsrichter nur 13 statt der geforderten 15 Spiele gepfiffen hatte. Zudem bekam die zweite Mannschaft neun Punkte abgezogen. "Erfurt schleppt acht Millionen Schulden mit und bekommt auch neun Punkte abgezogen. Da stimmen die Verhältnisse nicht", so Kramer.  

Bis zu vier Absteiger in der Regionalliga

Bautzens Coach Torsten Gütschow (links) ärgert sich intensiv über die vergebenen Chancen seiner Mannschaft.
Bautzens Coach Torsten Gütschow Bildrechte: Torsten Zettl

Und was sagen die Regionalligisten, die aktuell in der Regionalliga von den Abstiegen der Erfurter und Chemnitzer direkt betroffen sind? Aktuell werden drei bis vier Teams den Weg in die Oberliga gehen müssen. Der Pressesprecher der BSG Chemie Leipzig, Jörg Augsburg, sagt mit Blick auf den CFC: "Das ist schon eine krumme Nummer. Die Chemnitzer warten, bis eigentlich nichts mehr geht und melden dann Insolvenz an. Bei Erfurt ebenso. Wir haben nun mindestens einen Absteiger mehr. Und dann wissen wir ja, wie es in der Regionalliga weiter gehen wird. Was sollen da die Vereine sagen, die ordentlich wirtschaften?"

Ähnlich sieht es Kramer, der mit seinen Auerbachern ebenfalls noch dick im Abstiegskampf steckt. Die Trainer von Budissa Bautzen und dem FC Oberlausitz Neugersdorf sind selbstkritisch. "Wer absteigt, ist selbst schuld. Das hat nichts mit Chemnitz oder Erfurt zu tun. Wir haben Punkte liegen gelassen, deshalb stecken wir unten mit drin", sagt Budissa-Coach Torsten Gütschow, der selbst in Chemnitz als Aktiver zweite Bundesliga gespielt hat. Ähnlich äußert sich Manfred Weidner vom FCO: "Wir schauen auf uns, werden nicht mit dem Zeigefinger auf andere zeigen. Wir wussten vorher, dass es bis zu fünf Absteiger geben kann."

Und so wird man sich wohl damit abfinden müssen, dass es auch in der kommenden Spielzeit wieder strauchelnde Vereine geben könnte, die mit Hilfe des Insolvenzrechtes gesunden würden. Sauber wirtschaftende Vereine müssten dann wieder mit dieser Ungleichbehandlung leben.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 14. April 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. April 2018, 10:21 Uhr

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44 Kommentare

13.04.2018 20:15 Olsenbander 44

Schlecht und oberflächlich recherchiert - diese oben stehenden Zeilen ebenso wie der TV-Bericht des Herrn Küpper. Da werden die Insolvenzanträge der Erfurter und Chemnitzer in "einen Topf geworfen" und die erregten Vertreter von Regionalligisten dürfen die fade Kost mit ihrer Empörung würzen. Die Insolvenzanträge der Vereine Rot-Weiß und CFC unterscheiden sich in ihren Inhalten derartig umfangreich, dass man keinen allgemeingültigen Vorwurf formulieren darf und kann.

13.04.2018 18:46 Ostkur"f"e Erfurt 43

@42 hatteras
Sie verstehen nicht den Sinn einer eigenen Oberliga (Ostliga). Aber wen versucht man dies zu erklären. Ihr habt nur in der Südstaffel in der ehemaligen DDR gespielt. Die Südstaffel u Nordstaffel fusionieren, erst danach hat man die Ostliga ( Oberliga) !! Übrigens: lange dauert es nicht mehr u man sieht sich wieder!! Aber in der Regionalliga. Rw Grüße

13.04.2018 17:53 stetson hatteras 42

@41: Eigene ostliga hatten wir schon mal. In der damaligen Regionalliga gab's nur Ostvereine.
Ansonsten lach ich über das Thema. Strafe genug? Chemnitz und Erfurt werden sich umgucken. Erst mal wieder raus kommen aus dieser dr***sregionalliga. Ständig ein dorfverein der einen Lauf hat und vorne steht. Das kam mal locker 5 - 10 Jahre dauern bis die wieder oben sind. Bis dahin gibts noch mehrere Reformen die das ganze erschweren.
Na dann wünsch ich viel Spaß beim neuanfang
Blau weisse Grüsse von Platz 2

13.04.2018 17:02 74 41

Eigene Ostliga wäre geil .
Die finanzielle Schere zwischen 3. Und 2.Liga ist viel zu groß.
800 000 pro Saison ist ein Witz .
BWG

13.04.2018 16:16 Ein Hallenser 40

Diese Regel existiert nun mal. Und somit kann jeder Verein davon auch Gebrauch machen. Aber bis auf Aalen, wo der Hauptsponsor weggefallen war, fällt mir keiner ein, der dadurch zeitnah wieder auf die Strümpfe kam. Von daher sollte man damit doch sehr vorsichtig umgehen. Die Gläubiger verzichten nur äußerst ungern auf Geld. Da muss schon ein sehr gutes Konzept her um dies den Gläubigern schmackhaft zu machen.

Und zum HFC, die Existenz des Vereins stand wohl noch nicht auf dem Spiel. Es gab eine Liquiditätslücke (ähnlich wie Zwickau in der letzten Saison). Es wurden Fehler gemacht sicher, aber die hat man mit dem neuen Vorstand erkannt und arbeitet daran. Und was die Zuschauerzahlen angeht, hat der Verein realistisch auf dem Nieveau der letzten Jahre geplant. Dass diese dieses Jahr so in den Keller gehen, war nicht vor rauszusehen.
Mich wundert ja eigentlich, dass der so gestrenge DFB Lizenzen erteilt, obwohl Vereine vor der Insolvenz stehen.

13.04.2018 14:46 chemnitzer Bub 39

@Ostkur"f"e Erfurt: Klasse Beitrag! Beschämend sind und bleiben die Herren des DFB! Und wenn man dann an jedem Wochenende als Fan eines Ostclubs noch die Schiedsrichterleistungen sieht (frei nach dem Motto "sage mir woher du kommst, und ich sage dir, wer gewinnt"), ist doch klar, wer "unter sich" bleiben will. In diesem Sinn, vom "Westen" lernen...

13.04.2018 13:39 Ostkur"f"e Erfurt 38

@26 Sport frei
Ihr seit 1 Jahr in der 3. Liga u trotz Investor kurz vor den Ende!! Spielt mal noch 9 Spielzeiten in dieser Liga!! Wie wird es wohl dann bei euch aussehen? Ohne den Investor wärt ihr wohl auch nie in die 3. Liga aufgestiegen. Aber wenn er seine Kohle zurück haben will sieht es auch düster aus für euch. Ich weiss das Sie einer der wenigen Fans dieser Mannschaft sind der normale Ansichten hat. Ich habe mich gefreut, das ihr aufgestiegen seit. Aber das letzte Spiel bei euch werden wir nicht vergessen. Übrigens: eine DDR Oberliga wäre nach meiner Meinung auch das beste gewesen. Dies hätte aber 1991 passieren müssen. Nach den Vorbild von Schottland!! Eigene Europa Cup Starter u dadurch bessere Spieler u zahlungskräftige Sponsoren. Leider verpasst. Nun sind wir nicht mal mehr das Reserve Rad bei der DFB mafia!! Der DFB stellt Forderungen wie in der 2. Liga, für die 3. Liga ( Sicherheit, Stadion usw), u die Spieler / Trainer arbeiten auch nicht für Kleingeld.

13.04.2018 11:10 Maxe 37

Der Untertitel des Artikels hat das gleiche Niveau, wie es hier von den meisten Usern widerspiegelt wird.
Mal so Insolvenz anmelden und man ist die Schulden los. Klar, noch einfacher.... man fängt einfach so mal neu an.
Als Gläubiger büße ich mal schnell Geld ein und schmeiße denen schnell mal Geld noch dazu, damit diese einfach so schnell wieder auf die Beine kommen. Befassen sich hier Redakteure und User auch mal mit den Ablauf eines Insolvenzverfahrens?
Ich kann nicht mehr vor Lachen.... ich verzichte auf 9 Punkte und bin alle Schulden los..... Wir würden alle gern und freiwillig in eine Privatinsolvenz gehen... :)))

13.04.2018 10:44 Hotte 36

@Chemieschwein: Der CFC und RWE stehen auch sportlich auf einem Abstiegsplatz. Somit steigt kein Verein aus der Regionalliga wegen den Insolvenzen ab! Es hätte so oder so die jetzige Anzahl an Absteigern gegeben. Einzig Energie kann beeinflussen, ob noch einer runtergeht.

13.04.2018 10:35 Orakel 35

Frau Oberbürgermeisterin, bitte retten Sie den CFC.
Meine Damen und Herren im Stadtrat, bitte unterstützen Sie den CFC.
Sie sind doch wie ich Fan vom CFC.

Uwe Bauch
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