Energiekrise im Sport Kommunen und Vereine schlagen Alarm: Dann "können wir einpacken"

Die Energiekrise hat auch den Amateur- und Breitensport erreicht. Angesichts explodierender Gaspreise stehen Vereine und Kommunen vor enormen finanziellen Herausforderungen. Auch in Markkleeberg blickt man dem anstehenden Winter mit Sorge und Ungewissheit entgegen und fordert Unterstützung von der Politik.

Flutlicht auf Fußballplatz
Ob Flutlicht auf dem Rasen oder Heizung in Schwimmsportstätten - der Breitensport muss angesichts der Energiekrise mit weitreichenden Einschränkungen rechnen. Bildrechte: IMAGO / avanti

"Die Situation ist besorgniserregend. Keiner weiß, wie es weitergeht." Markkleebergs Oberbürgermeister Karsten Schütze steht die Sorge ins Gesicht geschrieben. Die gravierenden Preissteigerungen, insbesondere beim Gas, lassen Kommunen und Sportvereine mit Ungewissheit auf den anstehenden Winter blicken.

Energiesparmaßnahmen: Viele offene Fragen

Bereits jetzt steht die Schließung von Sporthallen und Bädern als Reaktion auf den Gasmangel im Raum. Entsprechende Maßnahmenplanungen hat der Deutsche Städtetag den Kommunen bereits empfohlen. In Markkleeberg habe man reagiert und "Energiesparkonzepte entwickelt und erste Maßnahmen umgesetzt", sagt Schütze im Interview mit dem MDR. Aber: "Nicht alle Maßnahmen sind umsetzbar." Darüber hinaus sind viele Frage offen. "Dürfen wir überhaupt noch Hallen beheizen? Und wer bezahlt die extrem hohen Rechnungen?" führt Schütze aus und resümiert: "Es ist fraglich, ob Sporttreiben im Winter überhaupt noch möglich ist."

Über 90 Prozent der Kosten landen bei der Stadt. Das ist schon ein Problem in Anbetracht der exorbitanten Steigerungen auf dem Energiemarkt

Karsten Schütze Oberbürgermeister Markkleeberg

In Deutschland existieren derzeit etwa 230.000 Sportstätten, darunter 36.000 Sporthallen, 9.340 Bäder und 60.000 Vereinsheime beziehungsweise Funktionsgebäude. Die Trägerschaft übernehmen zu etwa zwei Drittel die Kommunen. "Im Wesentlichen lastet alles auf der Kommune. Über 90 Prozent der Kosten landen bei der Stadt. Das ist schon ein Problem in Anbetracht der exorbitanten Steigerungen auf dem Energiemarkt", rechnet Schütze vor.

Karsten Schütze (OB Markkleeberg) 7 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Jeder Euro musste schon immer zweimal umgedreht werden"

Die Politik habe mit unterstützenden Maßnahmen im Moment eher Privathaushalte und Unternehmen im Blick. Die Kommunen sind dagegen außen vor, erklärt Schütze. "Aber wir sind genauso betroffen. Ich kann nur fordern, dass man sich dieser Lage bewusst wird."

Schon in den vergangenen Jahren litten die Vereine und Verbände unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Neben wirtschaftlichen Herausforderungen kam ein enormer Rückgang der Mitgliederzahlen hinzu. Auch deshalb sei man in den letzten Jahren "sehr energiesparbewusst gewesen. Jeder Euro musste schon immer zweimal umgedreht werden. Die Vereine sind in Unruhe und haben Ängste", mahnt Schütze.

Vereine in ihrer Existenz bedroht

Darunter zählt auch der TSV 1886 Markkleeberg, der neben Fußball und Schwimmen acht weitere Sportarten anbietet, bei denen Hallen beheizt und Plätze beleuchtet werden müssen. Sollten Wärme und Licht im Winter reduziert oder gar abgestellt werden, "wäre das das Aus für den Verein", warnt Mario Braun, 1. Vorsitzender des TSV. "In dem Moment, wo die Kinder nicht mehr auf die Plätze können, weil die Flutlichtanlagen und die Heizungen aus sind, können wir einpacken."

Wir sind ein Breitensportverein. Ich kann die Vereinsbeiträge nicht um 300 Prozent anheben

Mario Braun 1. Vorsitzender TSV 1886 Markkleeberg

Vor allem die Schwimmsportstätten sind von gravierenden Einschränkungen betroffen. Schwimmbäder weisen den höchsten Energiebedarf auf. In Deutschland werden aktuell mehr als 90 Prozent der Schwimmbäder mit Gas beheizt und fast ausschließlich durch Kommunen oder private Betreiber betrieben. Stand jetzt werden auch die zu erwartenden Preissteigerungen durch erhöhte Nutzungsgebühren der Sportstätten auf die Vereine abgewälzt. Doch woher soll das ohnehin schon klamme Geld kommen? "Wir sind ein Breitensportverein. Ich kann die Vereinsbeiträge nicht um 300 Prozent anheben", sagt Braun. "Die Leute haben auch privat Probleme, die Kosten zu stemmen. Das ist eine Sache, die vom Bund finanziert werden müsste."

Erneuter Lockdown soll um jeden Preis verhindert werden

Das Wort-Case-Szenario eines Lockdowns der Sportstätten, wie es ihn bereits während der Corona-Pandemie gab, soll um jeden Preis verhindert werden. Allein in Markkleeberg treibt jeder Vierte Sport organisiert im Verein, erklärt Oberbürgermeister Schütze. "Das Vereinsleben darf nicht zum Erliegen kommen. Aber die Sorge ist bei allen Beteiligten sehr groß, wie wir über den Winter kommen. Wir blicken in eine ungewisse Zukunft."

---
Steffen Reichert/Jonas Schlott

9 Kommentare

Schenkendorf vor 5 Wochen

Rundumschlag hin oder her. Das, was gegenwärtig in diesem Land abgeht, ist so komplex, daß es mit einfachen Parolen nicht getan ist. Auch meine Strom- und Gasrechnung wird dramatisch steigen. Somit habe ich den Ernst der Lage durchaus auch für meine Familie erkannt. Wenn wir die Ursachen analysieren, kommen wir zwangsläufig auf eine verfehlte Innen- und Außenpolitik innerhalb der letzten 15 Jahre.

Schenkendorf vor 5 Wochen

Ich persönlich würde mir lieber noch eine Decke umlegen, als zuzulassen, daß Schwimmbäder oder Sportvereine dichtmachen. In letzteren sind nicht wenige Kinder und Jugendliche integriert, um sinnvoll ihre Freizeit zu gestalten. Schon jetzt können viele Kinder mit zehn Jahren nicht schwimmen, sind übergewichtig und haben durch eine katastrophale Bildungspolitik massive Lücken im Lesen, Schreiben und Rechnen. Es muß verhindert werden, daß eine ganze Generation, von Denkfaulheit und Dummheit geprägt wird. Oder ist dies vielleicht erwünscht, weil dumme Menschen politische Entscheidungen nicht hinterfragen. Da ständig der Klimawandel gepredigt wird, ist nicht damit zu rechnen, daß in Ihrer Wohnung zwischen November und März, Eiszapfen von der Decke herunter hängen werden.

Leutzscher Fuchs vor 5 Wochen

Das sehe ich nicht ganz so. Ohne die ewige "Kleinstaaterei" und das fortwährende Gerangel der "Landesfürsten" könnte Deutschland wesentlich weiter beim Ausbau der erneuerbaren Energieträger sein und damit unabhängiger von Gas, Öl etc. . Unendlich viele Bedenkenträger in diesem Land haben das verhindert. So haben wir nach Halbleiter-, Mobilfunktechnologie, Elektromobilität, Photovoltaik ... wieder einmal den Anschluss an die Weltspitze verpasst, obwohl fast überall deutsche Patente zu Grunde liegen. Das Bildungswesen kommt deshalb auch auf keinen grünen Zweig.