Fußball | Oberliga BSG Wismut Gera verzichtet - "nur" zehn Absteiger aus der Oberliga

Thüringen stellt kommende Saison keine Mannschaft für die Oberliga Süd. Die BSG Wismut Gera zog aus sportlichen Gründen zurück. Damit entfallen zumindest die Abstiegs-Relegationsspiele der Sechstletzten in der Oberliga.

Stadion am Steg in Gera
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Der Abstiegswahnsinn in den Amateur-Oberligen des Nordostdeutschen Fußballverbandes geht nun doch nicht in die Verlängerung. Neben den bereits feststehenden jeweils fünf Absteigern aus den Staffeln Süd und Nord wird es keine Relegationsspiele der Tabellen-14. geben. Grund ist, dass aus dem Landesverband Thüringen kein Vertreter in die Oberliga aufsteigen will. Am Dienstagabend gab die BSG Wismut Gera bekannt, dass man nun doch auf das Startrecht verzichten möchte.

Gera will als Meister aufsteigen

"Das hat rein sportliche Gründe", begründet Gera-Coach Frank Müller den schmerzhaften Schritt. Die Mannschaft liegt derzeit auf dem dritten Platz in der Thüringen-Liga, zehn Punkte hinter Spitzenreiter Thüringen Weida. "Die finanziellen Voraussetzungen wären da. Wir wollen eine gute Mannschaft aufbauen und als Meister aufsteigen, wie sich das gehört." Müller verwies zudem auf die kurze Vorbereitung, in der die Mannschaft für die Oberliga noch verstärkt werden müsste. Wismut Gera ist ein gebranntes Kind, hatte erst vor drei Jahren freiwillig den Rückzug aus der fünfthöchsten Spielklasse angetreten. In Sachsen und Sachsen-Anhalt werden die Staffelsieger das Spielrecht in der Oberliga Süd auch wahrnehmen. Der SC Freital (einziger Bewerber aus Sachsen) und 1890 Westerhausen stehen bereits als Aufsteiger fest.

Trainer Frank Müller
Geras Trainer Frank Müller Bildrechte: IMAGO / Karina Hessland

Oberliga - drei Mannschaften ziehen zurück

Damit endet nun am kommenden Wochenende eine Saison, die nach zwei verkorksten Corona-Spielzeiten ebenfalls nicht regulär zu Ende gespielt wird. Der NOFV hatte die letzten fünf Spieltage gestrichen, in der Tabelle wird die Quotienten-Regelung angewendet. Ein Schritt, der nicht jedem Verein gefiel. Lok Stendal positionierte sich klar dagegen. Da mit dem 1. FC Merseburg und dem FC Carl Zeiss Jena II (Südstaffel) sowie Torgelow Greif (Nordstaffel) gleich drei Mannschaften den Rückzug antreten, verkompliziert sich der Blick auf die Tabelle weiter. SV 09 Arnstadt und FSV Martinroda sind in der Südstaffel abgestiegen, Wacker Nordhausen und Inter Leipzig (beide 28 Punkte) kämpfen am Wochenende noch um den Verbleib in der Oberliga. Im Norden stehen mit Brandenburger SC, SFC Stern, Victoria Seelow und Lok Stendal die sportlichen Absteiger bereits fest.

Absteigerflut wegen Staffelreduzierung

Die Abstiegswelle, die auch damit begründet ist, dass der NOFV die Staffelstärke von 19 auf 18 reduzieren möchte, vergrößerte sich auch, weil Regionalliga-Meister BFC Dynamo den Aufstieg verpasste und Viktoria Berlin aus der 3. Liga abstieg. So mussten insgesamt fünf Teams aus der Regionalliga den Gang in die Oberliga antreten, da der NOFV auch dort unbedingt die Staffelstärke von 20 auf 18 reduzieren wollte. Auch hier hatte die Entscheidung zu Kritik geführt.

rei

5 Kommentare

Micha R vor 25 Wochen

Die kommende Saison umfassen beide Oberligastaffeln laut den aktuellen Regelungen über Auf- und Abstieg je 18 Mannschaften. Soweit, so klar!
Laut § 4 der Spielordnung des NOFV die Oberliga-Staffeln Nord und Süd umfassen grundsätzlich nur je 16 Mannschaften.
Also ist auch für die Zukunft mit erhöhten Anzahl von Absteigern aus der Oberliga zu rechnen!
Fragt sich nur, ob eine weitere Reduzierung auf 16 Mannschaften je Staffel bereits zum Ende der kommenden Saison umgesetzt wird?

Micha R vor 25 Wochen

@ Kampfbahn1

Den Ausführungen stimme ich voll zu!
Übigens gibt es in Bereichen des Nord- und West- und teilweise auch des Süddeutschen Fussballverbände längst keine Landesverbandsgrenzen übergreifende Ligen auf Ebene der 5. Spielklasse mehr. Die dortigen Oberligen sind als die höchsten Spielklassen ihrer Landesverbände direkt unter ihren Regionalligen angesiedelt. (Das man auch als Meister eines sehr kleinen Landesverbandes den Sprung in die Regionalliga schaffen kann zeigte jüngst erst der Bremer SV.)
Einziger Wermutstropfen ist aufgrund begrenzter Anzahl von Aufsteigern in die Regionalliga eine Aufstiegsrunde nach Saisonende in den höchsten Ligen der Landesverbände. Allerdings sollte man bei aller Kritik an dieser Abweichung vom Prinzip "Meister muß aufsteigen" bedenken, das diese Saison gleich 7 von 9 Regionalligabewerber aus beiden Oberligastaffeln den Aufstieg in die Regionalliga verpassten.
Kurzum: die NOFV-Oberliga mit ihren 2 Staffeln abschaffen und die 6 Verbandsligen stärken

Kampfbahn1 vor 25 Wochen

Ohnehin ist die Teilnahme am Spielbetrieb der Oberliga für die meisten Vereine ein recht teures Vergnügen. Das ist auch an der jährlichen Zahl der Rückzieher vom Spielbetrieb und Aufstiegsverzichte aus den Verbandsligen zu sehen. Die OL ist für viele Fans und Mannschaften unattraktiv und teuer, gerade angesichts der aktuellen Kostenexplosion. Ähnliches gilt in abgeschwächter Weise für die Regionalliga. Der überregionale Punktspielbetrieb muss reorganisiert werden. Entweder stärkere Umstrukturierung nach regionalen Gesichtspunkten mit zusätzlichen Spielklassen bzw einer Aufwertung der Verbandsligen. Oder Wegfall von Staffeln bzw Regionalspielklassen und auch dadurch Stärkung der Landdsverbände.