Fußball | Oberliga Süd Rot-Weiß Erfurt raketenhaft Richtung Regionalliga – Saison endet vorzeitig

Der FC Rot-Weiß Erfurt war in der DDR ein Oberliga-Dauerbrenner und nach der Wende auch in der 2. Bundesliga unterwegs. Von 2008 bis 2018 spielten die Thüringer in der 3. Liga. Dann kam der Absturz: Insolvenz, Ausgliederung und Rückzug aus der Regionalliga. Nach zwei Jahren in der Oberliga Süd ist der Traditionsverein drauf und dran wieder auf die größere Fußballbühne zurückzukehren.

Artur Mergel
Artur Mergel hat in dieser Saison schon 17. Mal getroffen. Der 24-Jährige spielte einst sogar in der U19-Nationalmannschaft und wechselte von Augsburg II in die Oberliga. Bildrechte: IMAGO/Bild13

Erfurt führt die Tabelle in der Oberliga Süd souverän mit sechs Punkten Vorsprung auf Verfolger VFC Plauen an. Die Vogtländer haben zudem noch zwei Spiele mehr absolviert und nur noch sechs Partien offen. Erfurt hat dagegen noch acht Spiele auszutragen und kann bestenfalls 24 Punkte holen. Mit etwas Glück feiert Erfurt schon in zwei Wochen vorzeitig die Meisterschaft.

Winter-Neuzugänge als Glücksgriffe

Das Team von Fabian Gerber, Papa Franz ist der Geschäftsführer, war als großer Favorit gestartet und wird dieser Rolle seit der Winterpause gerecht. Zuvor holperte das Top-Team durch die 5. Liga und brachte sich mit einer Niederlage und drei Remis selbst etwas aus dem Tritt. "Wir hatten Verletzungspech und auch einige Corona-Fälle", so Ex-Profi Gerber, der seit Saisonbeginn auf dem Trainerstuhl sitzt. Im Winter wurde nachgelegt - u.a kamen Romario Hajrulla (Carl Zeiss Jena), Keliano Tavares (U23 des SCO Angers aus Frankreich) und Sidny Lopes Cabra (Helsingborg U21 Schweden).

Die Neuzugänge schlugen ein, allen voran Hajrulla, der Tore am Fließband schießt. So feierte Erfurt zuletzt zwölf Siege in Folge in der Oberliga und schwebt auf Wolke sieben. Am Wochenende wurde die Tabellenführung mit einem 3:0-Sieg gegen den FC Einheit Rudolstadt weiter ausgebaut. Kaum einer zweifelt am Aufstieg, auch wenn die Konkurrenz hofft, dass Erfurt noch Federn lässt. Neben RWE haben Plauen, Halle 96 und der VfB Krieschow Lizenzanträge für die Regionalliga gestellt.

Gerber - Gekommen, um zu bleiben

Erfurts Trainer tritt auf die Euphoriebremse: "Im Fußball passieren die tollsten Sachen. Solange es rein rechnerisch noch nicht sicher ist, werden wir nicht feiern", macht Gerber, der auch bleiben will, falls es mit der Regionalliga doch nicht klappt, klar.

Trainer Fabian Gerber (Erfurt)
Trainer Fabian Gerber Bildrechte: IMAGO / Bild13

"Wir sind hierher gekommen, um etwas aufzubauen, was Bestand hat und nachhaltig ist. Da werde ich mein Engagement nicht nach einem Jahr wieder beenden", so der 42-Jährige im Interview mit "Sport im Osten". Als er im Sommer anfing, legte er großen Wert auf professionelle Strukturen. "Wir haben zwar den Amateurstatus, denken und trainieren aber wie Profis. Nur so kommen wir weiter", sagt der Ex-Bundesligaspieler (u.a. Mainz und Freiburg). Allerdings seien nicht alle Profis, einige gehen halbtags arbeiten oder studieren, so Gerber. Wer das große Geld in Erfurt wittert, liege falsch: "Die Jungs wohnen zu zweit oder dritt in einer WG."

Gerber: "Trauen Großteil die vierte Liga zu"

In der Regionalliga müsse das Budget erhöht werden, so der Coach, der keinen ganz großen Umbruch im Team sieht. "Wir trauen einem Großteil die vierte Liga zu und wollen vor allem unsere Leistungsträger mitnehmen und sie überzeugen, dass Rot-Weiß der richtige Weg für sie ist." Über Spielermangel wird sich Erfurt nicht beschweren können. Schon dieser Tage klingen die Drähte bei Franz und Fabian Gerber heiß. Diverse Spielerberater preisen ihre Spieler an. So läuft das Geschäft. Auch schon bei einem Oberligisten, der sich in so vielen Sachen von einem normalen Fünftligisten unterscheidet.

Auch beim Fanzuspruch. Gegen Rudolstadt kamen 3.000 Anhänger ins Steigerwaldstadion. "Das ist einmalig in der Oberliga", sagt Gerber voller Stolz. Bei den Fans ist das Feuer bereits wieder entfacht. Mit dem Aufstieg könnte Rot-Weiß Erfurt auch für weitere Sponsoren und Unterstützer interessant werden. Die wird es brauchen, um in der Regionalliga eine gute Rolle zu spielen und perspektivisch wieder dort zu landen, wo man einst so lange war: In der 3. Liga.

Momentan heißt der Alltag aber Oberliga. Und dort wartet am Freitag das Derby gegen Wacker Nordhausen. Die Nordhäuser hatten einst auch großes vor und sind tief gelandet. Erfurt steckt zwar noch im Insolvenzverfahren, hat sich aus der misslichen Lage aber befreit und ist zurück auf dem Weg auf die Fußballbühne.

Oberliga-Saison endet nach dem 33. Spieltag

Normalerweise müsste Rot-Weiß Erfurt noch 13 Spiele bestreiten, doch die Oberliga Süd wird vorzeitig beendet. Die Spieltage 34 bis 38 fallen ersatzlos weg. Darauf hatten sich Vereine Ende Januar verständigt. Frank Nicolai, Spielleiter der Oberliga Süd, damals im MDR: "Die Vereine der Nord- und Südstaffel haben sich einstimmig für das Ende der Saison am 18. Juni entschieden, egal, wie viele Spieltag bis dahin gespielt sind." Momentan sieht es danach aus, dass bis zum 33. Spieltag gespielt werden kann.

Im Herbst waren viele Partien aus coronabedingten Gründen abgesagt worden. Der Verband stellte die Vereine deshalb vor die Wahl, Mittwochspiele auszutragen oder die Saison mit dem 33. Spieltag am 18. Juni zu beenden. Alle Vereine hätten sich gegen Mittwochspiele entschieden, so Nicolai.

Fabian Gerber 9 min
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Spio_Situation-ERFURT 4 min
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Sanny Stephan

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR Aktuell | 30. April 2022 | 16:00 Uhr

21 Kommentare

MDR-Team vor 21 Wochen

Guten Morgen lieber Nordost, danke für die Blumen. ;-) Zu ihrem Thema haben wir hier alle Infos zusammengefasst: https://www.mdr.de/sport/fussball_oberliga_sued/rot-weiss-erfurt-insolvenzverwalter-streit-reinhardt-100_isPreview-1_zc-9cb247db.html Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion

Nordost vor 21 Wochen

@MDR-Sportredaktion,
Erst einmal vielen Dank für Eure/Ihre bisherige Berichtserstattung und die Bereitstellung von Kommentarfeldern.
Sie berichten auch aus den unteren Bereichen des Sportes in Eurer/Ihrer Region und auch darüber hinaus.
Einige User könnten hier von mir eine Schleimspur vermuten.
Ja und Nein;)

Es wurde ja schon viel bzgl. von Insolvenzverfahren im Sport berichtet.
Wäre es der Sportreaktion vom MDR möglich, einen aktuellen Stand zum
Verfahren RWE zu liefern?
Vielen Dank im Voraus.
LG

Thommi Tulpe vor 21 Wochen

Man muss sich nicht RB reinziehen, um guten Fußball im TV zu schauen. Ich bin sicher kein "Roter Bulle". Aber einzig, um RWE zu loben, muss ich keine Neiddebatte in Richtung jenes Vereins entfachen, der nicht nur im Osten Deutschlands streitbar ist.