Fußball | Oberliga Franz Gerber tritt Mission bei Rot-Weiß Erfurt an: "Baue auf die Liebe der gesamten Region"

Die Zukunft von Rot-Weiß Erfurt ist vorerst gesichert. Mit Franz Gerber hat der Traditionsverein einen Investor gewonnen, der den Klub in ruhigeres Fahrwasser führen soll. Doch wer ist der neue starke Mann in Erfurt überhaupt? Welche Motivation steckt hinter seinem Engagement?

Franz Gerber 15 min
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Franz Gerber soll es also richten. Mit dem ehemaligen Bundesligaprofi erhofft sich der krisengeschüttelte Traditionsverein Rot-Weiß Erfurt einen Neuanfang. 1953 in München geboren startete Gerber 1971 beim ruhmreichen FC Bayern München seine Profi-Karriere. Es folgten Stationen beim FC St. Pauli, dem Wuppertaler SV, in Kanada und den USA sowie bei 1860 München und Hannover 96. Nach 93 Bundesligapartien (30 Tore) und 213 Zweitligaspielen (115 Tore) hängte er 1988 die Fußballschuhe an den Nagel.

Gerber bringt großen Erfahrungsschatz mit

Abseits des Feldes begann Gerber seine Laufbahn 1989 als Sportlicher Leiter beim TuS Celle FC. In den Folgejahren kamen Engagements als Sportlicher Leiter und Trainer bei Hannover 96, St. Pauli, der SSV Jahn Regensburg, dem BSV Rehden und dem FC Gießen hinzu. Kriselnde Vereine wie Rot-Weiß Erfurt sind kein Neuland für ihn. "Die Konstellation in Erfurt kenne ich aus meiner Zeit bei Hannover, St. Pauli und Jahn Regensburg. Dort war man auch am Ende abgestiegen und in der Insolvenz. Ich denke, den Vereinen geht es heute sehr gut. Das wollen wir auch mit RWE erreichen", betonte Gerber am Mittwoch (29. Juli) im Gespräch mit dem MDR.

FC Bayern München gegen Hannover 96, Franz Gerber gegen Rainer Stiller
1972: Franz Gerber (li.) bei seinem einzigen Bundesliga-Spiel im Trikot des FC Bayern München gegen Hannover 96. Bildrechte: imago/WEREK

Scheitern, Schlammschlachten, Klagen

Es ist sein zweiter Anlauf bei Rot-Weiß Erfurt. Im Herbst vergangenen Jahres stieg er als Teil einer Investorengruppe bei den Landeshauptstädtern ein und erwarb 15 Prozent der Anteile. Im Januar 2020 stellte die erste Herrenmannschaft den Spielbetrieb in der Regionalliga Nordost ein. Es folgten Streitigkeiten um Gelder, Klagen schlossen sich an – bis zuletzt hing die Zukunft von RWE am seidenen Faden. Aus den Schlammschlachten hielt sich Gerber heraus. Zum Insolvenzverwalter Volker Reinhardt pflegte er trotz der schwierigen Situation stets ein gutes Verhältnis.

Oberliga-Etat zwischen 500.000 und 600.000 Euro

Als Kopf einer Investorengruppe will er nun den insolventen Traditionsverein retten. Das Engagement wird von der frisch gegründeten FSG GmbH getragen, deren Geschäftsführer Gerber ist. Wie hoch das Investmentvolumen letztlich ausfallen wird, ist noch unklar. Für die anstehende Oberliga-Saison plant Gerber mit einem Etat zwischen 500.000 und 600.000 Euro. Das Geld soll auch durch Sponsoren akquiriert werden. Sein Einstieg macht jedoch nur dann Sinn, wenn das Insolvenzverfahren beendet werden kann. Für einen erfolgreichen Abschluss fehlt offenbar ein niedriger sechsstelliger Betrag. Auch deshalb kündigte Gerber an, Geld zur Insolvenzmasse beizusteuern. 

Verein mit "großartigem Potenzial"

Dass sein Investment auch ein Risiko darstelle, konnte er nicht verheimlichen. Geld werde es nicht regnen, vielmehr "wollen wir sportliche Kompetenz und Nachhaltigkeit aufbauen", so der 66-Jährige. Zu allem Überfluss steht zweieinhalb Wochen vor dem geplanten Punktspielstart noch nicht einmal eine intakte Oberliga-Mannschaft. Die Aufgabe scheint gewaltig. Nicht umsonst plant Gerber seinen Lebensmittelpunkt nach Erfurt zu verlegen. Im Verein steckt  "großartiges Potenzial mit der Stadt und den Fans", betonte der ehemalige Bundesligaspieler.

Gerber baut auf Fans

Als Geschäftsführer will er nun zunächst die nötigen Weichen stellen, um den Verein innerhalb des nächsten Jahres zu konsolidieren. Aufstiegsambitionen sind aufgrund der aktuellen Lage kein Thema. Im Moment gelte es, "die Kirche im Dorf zu lassen", Strukturen aufzubauen und im nächsten Jahr dann wieder anzugreifen. Dafür baut er vor allem auf die Unterstützung der Rot-Weiß-Anhänger. "Ohne Fans würde es den Verein schon längst nicht mehr geben. Ich baue auf die Liebe der gesamten Region zum Verein. Zusammen werden wir einiges erreichen und schaffen", zeigte sich Gerber voller Optimismus.

Der eingeschlagene Weg, der mindestens in die dritte Liga führen soll, ist noch weit, die Chancen für einen Neuanfang aber durchaus vorhanden. Der erste Schritt ist getan, weitere werden folgen – immer vorausgesetzt der Verein kann die Insolvenz erfolgreich beenden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 29. Juli 2020 | 19:30 Uhr

12 Kommentare

AufmerksamerBeobachter vor 25 Wochen

Das dachten FK Pirmasens oder FC Kaiserslautern auch. Die spielen nun aber seit 10 Jahren zwei bis drei Ligen unter ihrer ‘Da gehören wir hin!‘- Liga und man braucht immer mehr Geld, um sich gegen aufstrebende/wiedererstarkte Rivalen in der Liga zu halten.

Chemieschwein vor 25 Wochen

Wer an dem "Verein" RWE GmbH Co KG oder wie auch immer hängt, wird auch kommen und der Schnitt wird sich auch bei so bei 3000 einpendeln... Aber dazu müssen die auch erst mal in dieses halbe Stadion reindürfen ... Am Beispiel Cottbus sieht man was kommen könnte, aber dennoch wird das der Maßstab sein und die finanzielle Calculation wird wie ein Kartenhaus zusammenfallen, wenn bis Ende des Jahres nur ein 1/3 der Zuschauer von denen reindürfen die auch gern kommen würden ... Aber dieses Problem haben andere auch, nur die sind halt nich pleite... noch nicht ... Aber Oberliga ist nicht so kostenintensiv wie die Ligen darüber...

Lok vor 25 Wochen

Erfurt als Landeshauptstadt mit über 200.000 Einwohnern plus umliegendes Einzugsgebiet wird sich nicht dauerhaft unterhalb der Regionalliga festsetzen. Regionalliga gibt es in spätestens drei Jahren, eher noch früher.