Fußball | Oberliga VfL Halle 96 kritisiert fehlenden Plan B beim NOFV

Der FC Eilenburg soll nach dem Verbandswillen in die Regionalliga aufsteigen. Das stößt beim VfL Halle 96 auf Unverständnis. Die Sachsen-Anhalter kritisieren den Nordostdeutschen Fußballverband für das starre Festhalten an der Spielordnung. Man hätte sich stattdessen eine faire oder eine sportliche Entscheidung gewünscht. Dafür fehle es dem NOFV aber an einem Plan B.

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Wäre es nach den Verantwortlichen beim VfL Halle 96 gegangen, wäre die vor dem Abbruch stehende Oberliga-Saison einfach annulliert worden - und zwar ohne Auf- und Abstieg. Das wäre nach Ansicht von Gregor Schoenecker, Geschäftsführer der 96er, die fairste Lösung. Der Grund: Nach neun bzw. zehn absolvierten Spielen hat die Tabelle keinerlei Aussagekraft.

"Wir stellen in Frage, ob man auf der Grundlage von bisher neun durchgeführten Spielen in der Oberliga eine Wertung vornehmen und über den Aufstieg entscheiden kann? Deswegen haben wir für eine Annullierung plädiert. Eine Fortsetzung der Saison wäre verantwortungslos gegenüber allen anderen Menschen in der Gesellschaft, die mit der Pandemie zu kämpfen zu haben. Am Ende sollte aber die Fairness siegen", findet Schoenecker im Gespräch mit "Sport im Osten".

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FC Eilenburg Aufstieg 1 min
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Die NOFV Obelriga Süd ist abgebrochen worden. Geht es nach dem NOFV, wird der FC Eilenburg nach nur zehn Spieltagen in die Regionalliga aufsteigen.

Fr 09.04.2021 12:50Uhr 01:12 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-fc-eilenburg-vor-aufstieg-regionalliga-100.html

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NOFV beruft sich auf Spielordnung

Doch der Verband will um jeden Preis einen Aufsteiger benennen. Dafür zieht er die Spielordnung heran. In Paragraf neun ist geregelt: "Muss das Spieljahr aufgrund höherer Gewalt oder nicht vorhersehbarer und nicht beeinflussbarer Ereignisse vorzeitig beendet werden, so ist Staffelsieger, wer zum Zeitpunkt der Beendigung (…) die meisten Punkte (…) bzw. den höchsten Punktequotienten erreicht hat."

Dies wäre im Falle der Oberliga Süd der FC Eilenburg. Die Nordsachsen haben die gleiche Anzahl an Spielen wie der VfL und die gleiche Punktausbeute - aber das um zwei Treffer bessere Torverhältnis. Für Schoenecker ist das nicht im Sinne des Sports: "Wenn man die sportliche Leistungsfähigkeit nur anhand der Tordifferenz misst, wird es den Ergebnissen der Saison nicht gerecht. Denn wir haben gegen Eilenburg mit 2:0 gewonnen. Damit wären die Kräfteverhältnisse eigentlich geklärt."

NOFV schlägt keine Alternativen vor

Was Schoenecker noch mehr ärgert, als die Entscheidung an sich, ist die Alternativlosigkeit mit der der Verband agiert. "Der NOFV hat keinen Plan B. Er hat nur gesagt, wir brechen ab. Er bezieht sich, was die Aufstiegswertung angeht, nur auf die Spielordnung", so Schoenecker. Er hätte sich vom Verband zusätzliche Ansätze gewünscht, um in dieser für alle schwierigen Lage eine Lösung zu finden.

"Wenn jemand Rahmenbedingungen schaffen kann in Zusammenarbeit mit der Politik, dann ist das der Dachverband. Wir als Vereine müssen uns an dessen Vorgaben orientieren", findet der VfL-Geschäftsführer. Eine Entzerrung des aufgeblähten Ligasystems mit zusätzlichen Staffeln, wie es etwa die Regionalliga Nord vormacht, schwebt ihm da beispielsweise vor. Oder natürlich Entscheidungsspiele, wenn diese in irgendeiner Form durchführbar gewesen wären.

Starre Spielordnung passt nicht in die aktuelle Lage

Dass der Fairplay-Gedanke keine Rolle bei der Entscheidungsfindung gespielt zu haben scheint, stößt Schoenecker ebenfalls auf: "Wenn eine Annullierung die fairste Variante ist, dann sollte man diese auch in Betracht ziehen. Ich habe den Eindruck, dass man sich beim Verband zu sehr an die starre Spielordnung hält, die sich an einer normalen Ligadurchführung orientiert. Sie passt aber nicht zur derzeitigen Lage."

Diese würde auch mit Blick auf die dann anstehende Saison für Probleme sorgen. "In der Regionalliga soll Mitte Juli wieder gespielt werden, in der Oberliga entsprechend im August. Wir wissen bisher aber gar nicht, ob wir zu diesem Zeitpunkt überhaupt wieder spielen oder trainieren dürfen. Das ist alle sehr hypothetisch. Und auf dieser Grundlage darf man keine Entscheidung über Auf- und Abstieg treffen", macht Schoenecker deutlich.

Ich habe den Eindruck, dass man sich beim Verband zu sehr an die starre Spielordnung hält, die sich an einer normalen Ligadurchführung orientiert. Sie passt aber nicht zur derzeitigen Lage.

Gregor Schoenecker Geschäftsführer VfL Halle 96

VfL Halle wird die Entscheidung akzeptieren

Trotz des Ärgers über die bevorstehende Entscheidung - der NOFV muss den Vorschlag des Spielausschusses erst noch am 16. April auf seiner Präsidiumssitzung bestätigen - will man in Halle die Entscheidung akzeptieren. "Wir werden das aber so hinnehmen, trotzdem ist es klar, dass wir als Verein frustriert sind über diesen Ausgang der Saison", sagt Schoenecker.

Ein weiteres Gespräch mit den Funktionären hält Schoenecker für aussichtslos, die bisherigen Information würden deutlich für sich sprechen: "Ich sehe da keinen Spielraum, die Hoffnung ist dahin." Ein rechtliches Vorgehen schließt der Verein aus. Denn die Entscheidung ist auf Basis der Spielordnung getroffen, die die rechtliche Grundlage des Spielbetriebs ist: "Da hätten wir in der Sportgerichtsbarkeit keine Chance. Der Aufwand ist da nicht gerechtfertigt."

Zudem wird in Halle der Blick bereits nach vorne gerichtet. "Wir sollten es am Ende auch nicht zu hoch hängen. Natürlich ist jetzt die Frustration da. Aber wenn die Entscheidung verkündet wurde, geht es darum, sich neu vorzubereiten und dann eine neue Chance zu ergreifen", erklärt Schoenecker abschließend.


Raphael Honndorf

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 10. April 2021 | 16:00 Uhr

7 Kommentare

Kampfbahn1 vor 33 Wochen

Und vielleicht kann der MDR in diesem Tusammenhang auch über die OL Staffel Nord berichten. Auch dort spielt ein Team aus dem Sendegebiet. Auch wenn es oft vergessen wird. Vielen Dank schon einmal vorab.

NBS vor 33 Wochen

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Jedoch….

Die 3. Liga wird voraussichtlich regulär zu Ende gespielt. Selbstverständlich gehören in diesem Fall auch Absteiger zum Programm. In der abgebrochenen Regionalliga Nordost soll mit dem Bischofswerdaer FV nur eine Mannschaft absteigen, welche sowieso vorab erklärte, sich freiwillig in die Oberliga zurück zu ziehen. Wie um Himmels Willen rechtfertigt man denn dann solch einen erbärmlichen Vorschlag bezüglich zweier Absteiger aus der Oberliga?

PS: Mit drei gewonnenen Nachholern könnte Nordhausen, mit der dann immer noch lachhaften Anzahl von 11 absolvierten Spielen, noch fröhlich und munter an Zorbau vorbei ziehen.

MDR-Team vor 33 Wochen

Hallo NBS,
Die Regionalliga und Oberliga bleiben auch in den nächsten Wochen Thema. Absteiger gibt es in mehreren Ligen (z. B. 3. Liga und Regionalliga). Allerdings handelt es sich dabei teilweise noch um Empfehlungen, so beim NOFV-Spielausschuss. Endgültig entscheidet das Präsidium des NOFV am 16. April.
Ihre MDR.de-Redaktion