Fußball | Europa League RB Leipzig: Europapokal-Aus als FC Absurdistan

6. Spieltag

Man kann sich still und heimlich oder mit Getöse aus der Europa League verabschieden. RB Leipzig entschied sich für eine dritte Variante, und zwar die, bei der man am Ende als Lachnummer dasteht. Im Fokus steht nun: Ralf Rangnick.

von Sven Kups

"Das ist kein Wunder, wenn man die halbe Mannschaft austauscht." Nach dem überraschenden 1:1 gegen Rosenborg Trondheim und dem daraus folgenden Aus in der Europa League haben sicher viele enttäuschte Leipziger Fans diesen Satz so oder so ähnlich gesagt.

Geäußert haben soll ihn aber auch Timo Werner, der an dem Drama diesmal nur als Bankdrücker beteiligt war. Der Nationalspieler ist demnach nicht wirklich von Ralf Rangnicks Rotationssystem überzeugt. Der darauf angesprochene Rangnick empfand es derweil als Frechheit, dass Timo Werner zitiert wird, obwohl er gar kein offizielles Interview gegeben hat…

Absurd, absurder, RB Leipzig

Ja, Leipzigs sechstes Gruppenspiel in der Europa League war reich an Absurditäten. Zum Beispiel dass Ralf Rangnick sein auf acht Positionen verändertes Team (ohne Werner und Yussuf Poulsen) als "bestmögliche Mannschaft" verkaufte. Oder dass es aus seiner drückenden Überlegenheit nur ein einziges Tor machte.

Absurd war auch, dass der Schwesterklub RB Salzburg in Glasgow weit mehr als nötig investierte und Celtic sogar 2:1 bezwang. Und dass RB Leipzig diese erhoffte Steilvorlage nicht nutzen konnte und gegen fußballerisch sehr limitierte Gäste aus Norwegen kurz vor Schluss einen K.o.-Schlag kassierte. Und, und, und.

Altes Manko: Fehlende Effizienz

Besagter K.o.-Schlag hatte es in sich, war doch RB beim Gegentor mit klarer Überzahl im Strafraum vertreten. Der Sieg wurde allerdings nicht in der Abwehr verschenkt, sondern im Angriff: Mindestens fünf Großchancen blieben ungenutzt. Zwei vom mal wieder oft lustlos wirkenden und zur Pause ausgewechselten Jean-Kévin Augustin, zwei weitere von dem für ihn gekommenen Yussuf Poulsen. Dessen Einsatzwille stand allerdings außer Frage. Dem Dänen klebte jedoch das Pech an den Schuhen.

Wie groß ist Rangnicks Anteil?

Abwehrpatzer hin, vergebene Großchancen her – im Fokus nach diesem unnötigen Euroleague-Aus steht jetzt Ralf Rangnick. Der verteidigte einmal mehr sein umstrittenes Rotationssystem, argumentierte dabei durchaus nachvollziehbar mit dem kleinen Kader und den Erfolgen in der Bundesliga. Trotzdem bleibt völlig unklar, wie wichtig ihm die Europa League wirklich war.

Die entsprechenden Zweifel hatte Rangnick nicht nur mit einigen Personalentscheidungen selbst gesät, sondern auch mit seinen Aussagen nach der 0:1-Pleite in Salzburg ("Die Priorität liegt auf der Bundesliga."). Sein Zurückrudern später nahm jedenfalls kaum noch jemand ernst, seine "riesengroße Enttäuschung", wie er das Ausscheiden jetzt kommentierte, provoziert allenfalls noch Schulterzucken.

"Nicht verdient weiterzukommen"

Torwart Andre Hansen und Tore Reginiussen verteidigen gegen Jean-Kevin Augustin.
Torwart Andre Hansen und Tore Reginiussen verteidigen gegen Jean-Kevin Augustin. Bildrechte: Picture Point

Zweifellos enttäuscht waren derweil die Spieler. Einigen war die Niedergeschlagenheit nach dem Schlusspfiff regelrecht ins Gesicht geschrieben. Unter anderem auch Konrad Laimer, der hinterher nach erklärenden Worten rang und dann vielleicht den Kommentar des Abends abgab: "Wenn man zu Hause 1:1 gegen Trondheim spielt, dann hat man es auch nicht verdient weiterzukommen. Auch wenn man die klar bessere Mannschaft war. Das tut heute einfach nur weh."

Bleibt noch die Frage, wie lange diese Schmerzen bleiben, wie sie sich auswirken. Schließlich steht bereits am Sonntag das nächste Heimspiel auf dem Programm. Und der FSV Mainz ist alles andere als ein Aufbaugegner. Ralf Rangnick ist dabei nicht nur als Personalentscheider, sondern auch als Psychologe gefragt. Zumal drei Tage später das Prestigeduell gegen die Bayern ansteht. Rangnick dürfte klar sein, dass gegen Mainz auf jeden Fall ein Heimsieg her muss. Selbst wenn er dafür wieder die halbe Mannschaft austauscht.

RB Leipzig - Rosenborg Trondheim in Bildern

Anzeigetafel im Fußballstadion
Für RB Leipzig war es das entscheidende Gruppenspiel. Die Sachsen mussten für den Einzug in die K.o.-Runde unbedingt gewinnen und hoffen, dass der "kleine Bruder" Salzburg im Parallelspiel in Glasgow ebenfalls den Platz als Sieger verlässt. Bildrechte: Picture Point
Anzeigetafel im Fußballstadion
Für RB Leipzig war es das entscheidende Gruppenspiel. Die Sachsen mussten für den Einzug in die K.o.-Runde unbedingt gewinnen und hoffen, dass der "kleine Bruder" Salzburg im Parallelspiel in Glasgow ebenfalls den Platz als Sieger verlässt. Bildrechte: Picture Point
Blick auf die Zuschauerränge.
Trotz des "Endspiels" zeigte sich auf den Rängen nur wenig Interesse. Lediglich 16.957 Zuschauer wollten die Partie sehen. Bildrechte: Picture Point
Fans von Rosenborg Trondheim
Auch aus dem hohen Norden waren einige Fans nach Leipzig gekommen und voller Vorfreude. Bildrechte: Picture Point
Teamfoto RB Leipzig vor dem Spiel.
Für das Gruppenspiel nahm Trainer Ralf Rangnick im Gegensatz zum 0:3 in Freiburg gleich acht Veränderungen vor. So rückte u.a. der zuletzt angeschlagene Portugiese Bruma in die Startelf. Im Sturm durften wie bereits beim 3:1-Hinspielsieg Matheus Cunha und Jean-Kevin Augustin von Beginn an ran. Bildrechte: Picture Point
Tore Reginiussen (4, Trondheim) und Jean-Kevin Augustin (29, RB Leipzig) im Zweikampf
Jean-Kevin Augustin zeigte einen starken Beginn und kam zu einigen Großchancen. Bildrechte: Picture Point
Torwart Andre Hansen und Tore Reginiussen verteidigen gegen Jean-Kevin Augustin.
Der Franzose scheiterte in der 30. Minute aus Nahdistanz. Bildrechte: Picture Point
Matheus Cunha vor Even Hovland
In der 37. Minute war es Matheus Cunha, der mit einem artistischen Schuss ebenfalls kein Glück hatte. Bildrechte: Picture Point
Kopfball von Willi Orban (4, RB Leipzig) an den Querbalken des Trondheimer Tores.
Und fast die Führung in der 43. Minute durch den Kopfball von Willi Orban (4, RB Leipzig), der aber nur den Querbalken des Trondheimer Tores trifft. Bildrechte: Picture Point
Tor für Leipzig. Matheus Cunha (verdeckt, RB Leipzig) trifft aus dem Hintergrund gegen Torwart Andre Hansen (1, Trondheim) zum 1:0
Und dann ist es endlich passiert: Leipzig geht mit 1:0 in Führung.... Bildrechte: Picture Point
Matheus Cunha jubelt nach seinem Treffer aus 15 Metern, der noch leicht abgefälscht wurde.
Matheus Cunha jubelt nach seinem Treffer aus 15 Metern, der noch leicht abgefälscht wurde. Bildrechte: Picture Point
Tor für Trondheim. Tore Reginiussen (4, Trondheim) erzielt per Kopf das 1:1.
Die 86. Minute: Tore Reginiussen (4, Trondheim) bestraft eine Unachtsamkeit der RB-Abwehr und erzielt per Kopf das 1:1. Bildrechte: Picture Point
Trainer Ralf Rangnick, RB Leipzig.
Trainer Ralf Rangnick konnte es kaum fassen. Nur wenige Minuten wären nur noch zu spielen gewesen. Bildrechte: Picture Point
Enttäuchung nach dem Spiel bei Willi Orban, Matheus Cunha und Yussuf Poulsen.
Nach dem Europa-League-Aus war bei den RB-Kickern die Enttäuschung riesig. Am Sonntag geht es für Leipzig im Heimspiel gegen Mainz 05 in der Bundesliga weiter. Bildrechte: Picture Point
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 14. Dezember 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Dezember 2018, 11:46 Uhr

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53 Kommentare

15.12.2018 06:28 Voice 53

@36
Was ist Ihnen eigentlich zu Kopf gestiegen?
Und bitte, was soll RB mit Härtel?
Den will doch schon in Liga 2 und 3 niemand haben.

@42 Wer sagt Ihnen eigentlich, dass jemand seine alten Farben für den Erfolg verlassen hat? Das sagt sich immer so schön, wenns gegen das "Konstrukt" geht. Ich bin neben meiner Mitgliedschaft bei RB noch bei RWE und Chemie zugange. Und sie werden lachen, das geht bestens und beißt sich nicht im geringsten. Da habe ich meine alte Tradition, bei RB habe ich schönen Tempofußball in der BuLi. Beides schön!

@47
Bei einem richtigen Verein? So wie bei Aue, als Anfang November 7000 im Stadion waren? Oder fasst der Laden dort nur 7000?
Oder bei RWE, bei denen jedes Spiel ein "Endpsiel" ist, deren neues Stadion aber nie voll war, seit es gebaut wurde? Oder sind nur DIE Vereine richtige Vereine, denen Sie es erlauben? Ab wann ist ein Verein ein richtiger Verein?

Beste Grüße aus der Messestadt!!

15.12.2018 01:32 KMR 52

@40 nun, Dynamo Dresden ist ja wohl auch ein Kunstprodukt.
@42, klasse Aussage. Wie war das eigentlich, als die glorreiche DDR Oberliga geschaffen wurde? Wo warst du? Welche Historie meinst du. Bleiben wir doch besser bei einem tatsächlich schlechten Spiel.

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14.12.2018 23:50 Leo-Armine 51

Wer meint, die EL sei es nicht wert, mit der wirklich bestmöglichen Truppe anzutreten, der sollte von vorn herein seinen Startplatz an einen Verein abgeben, der den Wettbewerb zu schätzen weiß.

14.12.2018 21:47 Quentin aus Mondragies 50

Volle Zustimmung zu Rangnick. Jeder bekommt seine Einsatzzeit. So macht man dies als "Lehrer". Ich kenne Trainer von Jugendmannschaften, die ständig nur dieselbe Mannschaft aufstellen und ihre Ersatzspieler auf der Bank "verrotten" lassen und die Stammspieler verschleißen. Zum Freiburg Spiel war das auf jeden Fall eine Steigerung. Und Augustin, der ist nicht lustlos sondern verunsichert oder vielleicht ist es momentan einfach zu kalt. Mal ´ne lange Unterhose und Handschuhe an, vielleicht läuft es dann wieder. Finde immer beeindruckend, wie schlechte Spiele immer diese Schadfreudisten anziehen. Weiter so. Deren Ärger ist der Ansporn der Konsumenten (von nach wie vor gutem Fußball)

14.12.2018 21:22 MAGNETO 49

Aber,aber MDR! Ihr könnt doch das von Euch sonst so hofierte Konstrukt nicht als FC Absurdistan bezeichnen!!!
Das gibt Mecker von Didi und RR..... und von Jochen und Voice. Zieht Euch mal warm an!

14.12.2018 20:46 Alf 48

@ 31 und 33: genauso ist es!!!

14.12.2018 20:20 Rumpel 47

Egal, ob unter der Woche oder nicht. Bei einem richtigen Fussballverein wäre auch unter der Woche bei einem "Endspiel" die Hütte voll gewesen. Also nur Zuschauer, die Erfolg bejubeln wollen....keine richtigen Fans, die auch mal mit "ihrem" Klub leiden...

14.12.2018 18:39 1966 46

@38 volle Zustimmung. Gute Aussage.!
Läuft gut gegen die commerzbande.
RWG

14.12.2018 18:32 Gerald 45

Seit gestern bin ich Fan von den tapferen Norwegern! Das war pure Leidenschaft!

14.12.2018 17:33 Boney M. 44

1 "Erfinder des modernen Fußballs" + 3 "Marionetten" als Co-Übungsleiter = gestrige "Schande von Leipzig". Wann korrigiert endlich jemand diesen Wahnsinn, der derzeit dort abgeht???